Spielende Eltern. Ist das jetzt ein Thema?

Spielende Eltern. Ist das jetzt ein Thema?
Kommentiert von Tobi, Matthias, Florian Auer, Alex, André Eymann, Thilo Nemitz.
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Holy Moly! Es geht auf die nächsten Feiertage zu. An- oder Entspannung im Job. Und am Ende löst sich diese oft im Feiertagsurlaub auf. Urlaub, zu Hause. Ruhige Tage, lange Abende. Videospielzeit zum Abwinken. Super Metroid, Shenmue 3, Zelda: Breath of the Wild, endlich spiele ich sie alle oder wenigstens eines davon zu Ende. Moment? Jetzt erst? Warum nicht früher, warum beispielsweise nicht schon letztes Weihnachten oder das davor?

Zwei Gründe, die mit Vehemenz Einfluss auf mein liebstes Hobby nehmen, die ich so vorher nicht geahnt habe: meine beiden Kinder. Die beiden sind angekommen und haben mein Leben umgekrempelt. Das liest sich wie eine Floskel, bei der ich früher, selbst noch unbetroffen von dem Thema, immer frei nach Werner gedacht habe: “Ja ja …”

Ich weiß noch, dass ich zur Zeit der Schwangerschaft einige Abende auf Pandora in Borderlands 2 verbracht habe. Zusammen mit einem Freund bin ich unzähligen Banditen und Monstern zu Leibe gerückt. Das Ganze nicht mal, weil ich Shooter besonders mag, Portal 2 hätte ich gern noch viel länger gespielt, aber der Ausflug in die Borderlands war für mich der nächstbeste Koop-Ersatz. Es waren der Austausch und die Aktivität.

Videospiele bieten Vielfalt, um die vielen Abende virtuell interessant zu gestalten, manchmal mit Freund*innen als After Work, oder meist noch viel lieber in der Singleplayer-Erfahrung (❤️ Mass Effect). Was habe ich für großartige Geschichten erlebt, an Abenden, die ich “nur” mit Freund*innen und meiner Partnerin abgestimmt habe und in denen ich viele Stunden konzentriert war, gefordert und unterhalten wurde.

Sind die alle verschwunden? Wird das hier eine Warnung für alle, die vom Gamerleben in ein anderes, das Elternleben übertreten? Das zum Glück nicht. Aber die Effekte sind doch vielfältig und bringen mich immer wieder zum Nachdenken darüber, was Videospiele und Elternschaft bedeuten.

Videospiele sind seit Langem in meinem Leben. Sie haben einen großen Anteil in der Schulzeit (NES und aufwärts) und in meinem Studium (PC) ausgemacht und dort nicht nur als Hobby, sondern wenige Male auch als Studienobjekt gedient. Später dann habe ich neben der Vollzeitarbeit zwar etwas weniger, aber durchaus immer mal lange Abende gespielt. Es gab auch irgendwann zwischen Schule und Studium eine Zeit, da habe ich überhaupt nicht aktiv gespielt und dachte, ich wäre dem entwachsen. Blöd, ich weiß, denn da gibt es nichts zu entwachsen.

Videospiele haben jetzt sogar neue Anknüpfungspunkte an mein Leben. Selbst die Branche wird erwachsen und in die Lebenswelten der Entwickler*innen fließen auch deren Elternschaft mit ein. Wieso sonst gibt es Heavy Rain oder das God of War von 2018. Sogar ein Limbo gewinnt mit dieser Perspektive eine weitere Dimension.

Ist es Zeit?

Phasenweise komme ich durchaus dazu zu spielen. Aber selten mehr als zwei Stunden. Vaterschaft bringt mehr Verantwortung mit sich, der sich in meinem Fall das Videospiel-Hobby am stärksten unterordnet. Ich nehme mir Zeit fürs Joggen, für Klemmbausteine, wo ich aktiv baue, ohne Zeitdruck und ohne mich körperlich oder mental anzustrengen, für Serien, die ich passiv verfolge und während der ich meinen Körper entspanne. Aber das aktive Hobby im Virtuellen hat sich am meisten gewandelt. Lange Abende sind (aktuell) passé.

Ist es nur Zeit?

Kürzere Sessions, andere Spiele. Statt tiefen Story-Monstern sind es verdichtete Indies, auch mal reine Gameplay-Perlen oder ein paar Songs in Beat Saber.

Ich liebe jetzt solche Spiele, die gut ausbalanciert sind, was Narrativität und Gameplay betrifft. Und solche, die Lernkurven haben, aus denen man auch mal aussteigen und später wieder einsteigen kann. So habe ich meine Zeit mit Horizon Zero Dawn als ganz erfüllt erlebt. Eine sehr gute Story, aber nicht so verworren, dass man den Anschluss verliert. Gameplay, das früh einen Flow entwickelt und sich dadurch gut einprägt.

Besonders diese Spiele, die es schaffen, so zu faszinieren, dass ich weitermachen will und mir die Chancen dazu bieten, dass ich auch mal an kurzen Spieleabenden Anschluss halten kann und will, durch gutes Quest-Design, anspornende Achievements. Die Hatz nach Power-Monden in Super Mario Odyssey ist gerade dadurch zuletzt ein gutes Spiel für mich gewesen.

Es sind nicht mehr Spiele, die mir klar machen, dass ich unter zwei Stunden Zeit- und Stressinvest an mehreren Folgeabenden gleich wieder ausmachen kann. Rogue-likes, Souls-likes, Zeitfresser, die lange Abende brauchen, wo instinkthaftes Reagieren hart trainiert werden muss. Die passen nicht mehr in mein Leben. Auch Spiele, die reines Wiederholungs-Gameplay liefern und in denen man seine Zeit mit den immer gleichen Aufgaben verdaddelt, wie in meinen Augen Autorennen und Sportspiele. Die Zeit ist vorbei und ich habe zeitweise Need for Speed: Underground und Dirt 2 geliebt.

Jetzt schaue ich dafür zwischendurch mal Game Two oder ein paar Kanäle auf YouTube. Und abends, wenn wirklich alle Lieblingsserien in der Season-Pause sind, auch Let’s Plays von Spielen, die nicht mehr in mein Leben passen.

Über die Zeit ist klar, dass mir das Hobby immer noch etwas gibt, was in meinem Leben einen Platz hat. Ich glaube, es ist am meisten der Eskapismus, meine Möglichkeit, in anderen Welten zu agieren, als nur die zahlreichen vielfältigen Herausforderungen im Alltag zu erledigen.

Der Stein rollt

Meine Kinder sind jetzt sechs Jahre alt, beide. Nicht mehr lange und das Videospiel- und Elternschafts-Thema wird für mich noch um viele Facetten reicher werden.

Ich freue mich auf die nahe Zukunft, weil schöne Spiele auf mich warten: Horizon Forbidden West und ein God of War-Sequel. Ich werde sie nicht ab Start kaufen, denn dafür fehlt mir die Zeit (ich schiele auf Last of Us 2 und Cyberpunk 2077, jetzt ganz oben auf dem pile of shame).

Noch mehr freue ich mich auf die ersten Stunden, in denen meine Kinder die Joy-Cons quälen und wir zusammen anfangen zu spielen und all die Fragen auf mich zurollen, die ich mir als Videospiel-Enthusiast und Vater stellen werde:

Wann erlaube ich meinen Kindern zu spielen?

Drücke ich ihnen ein aufwendig kuratiertes Curriculum mit den Must-Plays der letzten 30 Jahre in die Hände? Oder kaufe ich nur neue Spiele, die ich allein mit Kennerblick erwählt habe?

Ich bin gespannt, denn mein Hobby wird mich auch als Vater weiter begleiten und da ich mit Videospielen aufgewachsen bin, kann ich, anders als meine Eltern, die eigenen Erfahrungen teilen.

Also sind spielende Eltern jetzt ein Thema oder heißt es nur “Spiel Ende”? Scherz.

Na klar, für mich ganz groß und mein Hobby gewinnt dadurch Gewicht, ich gehe mit mehr Fokus an meine Spieleauswahl heran und ich freue mich auf alle Facetten, durch die es mit der Zeit noch bereichert wird. Und glaubt mir, wenn es so weit ist, wird das für euch auch ein Thema.

Was habe ich denn nun im letzten großen Feiertagsurlaub (Weihnachten 2021) “geschafft”? In der Hand hatte ich meine Switch, diverse Einkäufe unwiderstehlicher Angebote toller Spiele aus dem eShop, eine Stunde Zelda Link’s Awakening, eine Stunde Lumines Remastered. Zwei Stunden Videospielzeit und viel mehr Lebenszeit mit Familie mit zwei Kindern.

Habe ich das Spielen vermisst? Ja schon, die Erwartungen waren groß, aber auch Spiele sowie andere Medien haben Geduld und können warten, anders als die Augenblicke mit Kindern. Der Drang am neuesten Hype dran zu sein, der ist definitiv schwächer geworden oder wenn es doch mal passiert (🙄 Cyberpunk 2077), wurde ich ohnehin von der elterlichen Realität eingeholt.

Achso und Frohe Ostern! Und ein gesegnetes Ramadan-Fest!

André EymannTobi

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Kommentare13

  1. Was für ein schöner Text, Matthias, den ich so sehr nachvollziehen kann! Meine Prioritäten haben sich auch total verschoben, seit ich Familie habe. Da stehen jetzt ganz andere Dinge im Vordergrund. Gerade, weil wir auch weit weg von einer “normalen” Familie sind und leider auch einige, teils heftige Schwierigkeiten zu bewältigen haben. Das hat sich auch sehr auf mein Spielverhalten ausgewirkt. Beispielsweise musste ich neulich A Plaque Tale sehr früh abbrechen, da ich es schlichtweg nicht ertragen konnte, dass meine Spielfigur, Teenie Amicia, ständig zerhackt, oder anderweitig brutal umgebracht wurde.

    Mein erster Gedanke beim Lesen deines Beitrags war “Ein Plädoyer für kurze Spiele, yay!”, aber du differenzierst das Ganze ja noch damit, dass du nur ausgewählte Spiele spielst. Auch das kann ich sehr gut nachempfinden. Ich probiere gern mal Spiele aus, die für mich interessant aussehen (im Moment auch Dank Gamepass), aber ich muss sagen, dass mir beim Großteil dieser Titel meine wenige Zeit, die ich für mich alleine habe, viel zu schade ist. Daher muss oft alles sitzen, da bin ich echt wählerisch geworden. Da habe ich kein Problem mit, denn so passe ich halt meine Spiele an mich an und nicht andersherum. Unangenehm? Weg damit. So einfach läuft das mittlerweile. Riesige S. lt? Mammutprojekte fasse ich präventiv ebenfalls nicht mehr an, denn ich möchte mich nicht ständig ärgern, dass ich sowieso keine Zeit dafür habe. Ein komplett anderes Verhalten als vor der Familie, wo ich vieles einfach weggezockt habe. Das sehe ich mittlerweile nicht mehr als Problem, diese Einsicht hat aber zugegeben etwas gebraucht. Man wächst ja mit den Aufgaben, sagt man ja so schön (auch, wenn die oft schneller als man selbst zu wachsen scheinen).

    Unsere vier Kinder sind schon etwas größer als deine und die, die noch zu Hause wohnen, genießen – wenn sie spielen – meistens unbeschwerte Kreativausbrüche in Minecraft, aktuell ein paar Runden auf den Landstraßen von Forza Horizon 5, oder hin und wieder den zeitlosen Klassiker Tetris, stilecht auf dem Gameboy. Oder wir spielen mal irgendeinen lustigen Blödsinn gemeinsam im Couch-Coop, wie etwa Moving Out oder Untitled Goose Game.
    Für alle Beteiligten soll das Spielen aber eine schöne, stressfreie Zeit sein. Das haben wir mittlerweile alle verinnerlicht, denn Stress haben wir mit diesem Ding, was man Leben nennt, schon genug.
    Danke schön für deinen Beitrag, Matthias.

    1. Zum Thema “ein Plädoyer für kürzere Spiele”: Ich finde ja, wenn man längere Spiele in kleineren Sessions spielt, dann werden die Spiele sowas wie Begleiter über längere Zeit. Ich find das toll wenn ich über Monate immer wieder das gleiche Spiel hab, auf das ich Abends kurz zurückkommen kann 🙂

      Tobi
      1. Stimmt einerseits. Ich möchte aber auch irgendwann mal fertig werden und brauche für manche Spiele schon gefühlt ewig (Titanfall 2 Story über fast eineinhalb Jahre gestreckt). Das nervt mich dann wiederum auch wieder. Zu diesem Thema passt Lenny’s Beitrag Spiele brauchen die richtige Zeit ja auch super, denn der Zeitpunkt für ein Spiel ist echt wichtig.

        Matthias
    2. Ja, ich habe mich auch gleich wiedergefunden, eine Sache, die ich selbst im Beitrag nicht angesprochen hatte, die mir auch schon begegnet ist. Man kann gar nicht mehr so einfach alle Spiele spielen, die in irgendeiner Weise den Umgang mit Kids beinhalten. Ich habe viel größere Empfindungen bei Gewalt gegen Kinder, wie du z. B. in A Plague Tale schreibst. Das geht mir auch bei Filmen und Serien so. Oder wie Kratos mit Atreus redet? “BOY”? Wie redet der mit seinem Kind? Das stresst mich.

      Vielleicht sind diese Entwicklungen, wie Game Pass usw. eine brauchbare Antwort auf das Dilemma der Auswahl und der Preise, weil man dadurch die Gelegenheit hat, mehr zu probieren, ohne sich “finanziell” verplichtet zu fühlen. Gut, am Ende sollen wir nur gemolken werden, dann über die Abos. Aber so groß ist finanziell der Unterschied wohl nicht, ob man dem nächsten Steam, Epic, PSN usw. Sale erliegt und einen Großeinkauf macht, oder die Kosten auf so ein Abo verteilt.

      Tobi
      1. Ja, ich bin sehr sensibel geworden, was Gewalt gegen Kinder angeht. Und auch bei Filmen schaue ich mir so etwas kaum an. Gewalt und Geschreie aus den Boxen sind absolute Stressfaktoren für mich. Das war nicht immer so.
        Ich mag Abos absolut nicht und stehe ehrlich gesagt kurz davor, den Gamepass wieder einzufrieren. Da ich oft lange brauche, um ein Spiel mal durchzuspielen, stresst es mich ziemlich, dass einige Spiele wieder aus dem Abo rausfallen, ehe ich damit fertig bin (ja, ich brauche teils wirklich lange). Ist mir dieses Jahr schon passiert und der nächste Titel, den wir ab und zu spielen, steht auch schon offiziell auf der Abschussliste. Ich kaufe nach Möglichkeit Spiele im Sale, dann hab ich erstmal Ruhe. Aber zum ausprobieren ist der Pass eine tolle Sache. Sonst hätte ich auch schon mehrmals Spiele gekauft, die überhaupt nicht für mich oder uns passen.
        Mein Hüpfer im Text sollte übrigens “Riesige Spielwelt?” heißen.

        Matthias
  2. Ich schreibe hier einfach mal meine Erfahrung als Kommentar:
    In der Zeit wo meine Frau vor 6 Jahren mit unserem Sohn schwanger war, konnte ich sehr viel Zeit mit meinem Hobby Videospiele verbringen. Ich hatte Gelegenheit etliche Titel zu beenden, die ich teilweise Jahre vorher mal begonnen hatte. Dann kam unser Sohn auf die Welt und im ersten Jahr hatte ich immer noch viel Zeit für mein Hobby. Das lag unter anderem auch an meinem einjährigen Teilzeit-Elternurlaub. Ein kleines Kind schläft noch viel am Tag und wenn ich nur 2 oder 3 Tage die Woche zur Arbeit fahre, bleibt eben noch Zeit für die Hobbys. Ich habe in dieser Zeit zum Beispiel auch viel Borderlands im Multiplayer gespielt.
    2 Jahre später ist dann unsere Tochter auf die Welt gekommen. Mit ihrer Geburt ist die Zeit für meine Hobbys extrem weniger geworden. Ich habe normalerweise ab 21 Uhr Zeit für mich persönlich und wegen der Arbeit muss ich am Morgen auch früh raus, 5:15 Uhr klingelt spätestens der Wecker. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Videospiele am Abend. Die Zeit die ich habe, versuche ich allerdings bewusster mit meinen Hobby zu verbringen. Dadurch sitze ich an einem umfangreichen RPG schon mal mehrere Monate. Aber es macht mir Spaß und ist für mich ein wichtiger Ausgleich.
    Was mich allerdings stört ist folgender Punkt. Vor einigen Jahren konnte ich nicht viel Geld in meine Hobbys investieren. Heute sieht das anders aus. Meine berufliche Situation hat sich geändert und ich brauche mir über den Kauf einer neuen Konsole oder den Kauf eines neuen Spiels keine Gedanken machen. Ich könnte mein Hobby also wirklich auch ausleben. Nur, die Zeit fehlt eben dafür.
    So langsam zeigen meine Kinder auch Interesse an Videospielen. Ich lasse sie aber nur spielen wenn ich dabei bin. Ich merke das die Kinder ihre Emotionen noch nicht in Griff haben und wenn es mal nicht so klappt am Bildschirm, kippt schnell die Stimmung. Es gibt in dem Alter schönere Beschäftigungen als vor einem Bildschirm zu sitzen und mir ist es dann auch lieber wenn die Kinder die Wunder der Natur entdecken. Bei uns im Haus sind Videospiele eher ein Thema für Tage mit schlechtem Wetter.
    Ich passe auch auf das die Kinder mich nicht vor der Konsole sehen. Das Interesse an Videospielen wurde bei den beiden nur geweckt weil sie meine Zeitschriften über Videospiele entdeckt hatten. Die bunten Bilder machen eben neugierig und die Werbung im TV sorgt für den Rest. Dann lässt sich eben nicht mehr verheimlichen was für ein Gerät die Switch ist.

    Tobi
    1. Danke Alex für deine Antwort. Ja, daran sehe ich, dass ich mit gleich doppeltem Glück gleich in die Schiene gekommen bin, dass ich auch stark mit eingebunden war, einfach um meine Frau, so wie es irgendwie geht, zu entlasten. Tagsüber hatte sie beide, nachts haben wir uns die Kinder dann aufgeteilt. Es war für alle fordernd. Ein Tipp für Zwillingseltern wäre auch immer: viel Elternzeit für beide und die bestenfalls lange parallel.

      Das mit dem Geld und der Zeit, das scheinen so bestehende Dichotomien für viele zu sein. Entweder hat man das eine oder das andere oder nichts von beiden. Beides scheint sich nicht einzulösen. Ich habe in den letzten Jahren auch aufgestockt, Quest 2, Switch, 3DS, Pi 4 mit Recalbox, alles erst jetzt dazugekommen. Ich habe mit dem Kauf allein schon kompensiert, dass Videospiele doch irgendwo einen Platz haben müssen. Auch als Selbstüberzeugung: “Jetzt hast du soviel Geld ausgegeben, dann müsste sich doch Zeit dafür nehmen lassen, sonst wäre es doch eine miese Bilanz.” Ja, danke, bitte, erfüllt sich natürlich nicht.

      Ich finde es spannend zu lesen, wie hier alle mit ihren Erfahrungen zur Begleitung der Kinder in diese Welt umgehen. Aufmerksamkeit spielt da einfach eine Riesenrolle, das gilt sowieso auch für alle Interessen der Kinder. Eine dieser Entdeckungen der Elternschaft, die leicht gesagt sind und ungeahnte Tiefe haben.

      Tobi
  3. Hochinteressanter Beitrag. Ich gehöre auch zu den zockenden Papas, aber ich nehme eigentlich fast alle Themen die du beschrieben hast anders wahr. Das mag aber wohl an meiner persönlichen Präferenz liegen 😀

    Ich war noch nie “binge gamer”, Sessions von mehr als 2h gab es bei mir seltenst. Dieser Spielstil kommt mir jetzt zupass, denn ich musste den gar nicht ändern. Wenn die Kleinen im Bett sind konnte ich immer mal ne Stunde spielen. Da dauert ein storyintensives Spiel schon mal 3, 4 Monate, aber was solls.

    Wichtig ist es, denke ich, den FOMO abzustellen. “Fear of Missing Out” – spiel einfach was du willst, wann du es willst. Gut, das ist für mich als fast ausschließlich offline Spieler kein großes Kunststück, man braucht ja selten andere Leute, mit denen man spielen kann.

    Durch eine Änderung in unserem Familienleben seit 2020 kann ich aber mittlerweile auch onlinespiele gut spielen, da dank Corona ich unter der Woche nicht bei der Familie bin. Und Wochenends spiele ich dann Switch mit meiner Frau, das klappt ganz gut. So hab ich meine Wochenend-RPGs und mein Final Fantasy XIV für unter der Woche.

    Was ich aber nie machen werde, ist meine Kinder bewusst an Videospiele heran führen. Ich verbiete ihnen nichts wenn sie mal fragen, aber sie werden mich nie wirklich zocken sehen. Ich habe einmal, rein interesseweise letztes Jahr nen Controller an das größere Kind gegeben bei “Animal Crossing”, und es war derart gebannt von dieser Welt, dass mir das Ganze unheimlich war.

    Das aktive, ständig neugierige Kind hing plötzlich wie gebannt vorm Fernseher. Nee, das muss nicht sein. Wenn die Kids mal über die Schule draufkommen oder über Freunde, dann steh ich gern zur Verfügung, aber sie müssen’s nicht sehen, das Zeug.

    Da sollen sie lieber wieder versuchen, in Oma’s Buchsbaum schöne Frisuren zu schneiden.

    Wobei, vielleicht sollte ich dochmal die zweit-Switch wieder aufladen… 😉

    TobiMatthiasAndré Eymann
  4. Tja, was nun? Ich selbst bin Vater von zwei Jungs, die mittlerweile 12 Jahre alt sind. Ich kann Deinen schönen Beitrag sehr nachvollziehen und mir schwirren viele Punkte dazu im Kopf herum. Ich versuche hier mal die wesentlichen Aspekte, die mich zum Thema beschäftigen, „zu Papier“ zu bringen.

    Du hast vollkommen recht damit, dass das Elternsein die eigene Beziehung zum Hobby kräftig durcheinanderwirbelt. Und ähnlich wie Du sehe ich es nicht primär negativ. Es ist, sagen mir mal, eine komplexe Herausforderung 😉

    Zum einen gibt es die Eltern-Beziehung zum Videospiel, die sich verändert. Natürlich verschieben sich durch die lieben Kleinen die Prioritäten im Leben erheblich. Das Wunder des Lebens ist nunmal so beeindruckend schön, dass es maximalen Raum einnimmt. Das ist auch gut so. Als unsere Kinder sehr klein waren, hätte ich vermutlich Zeit zum Spielen gehabt, aber ich war einfach zu erschöpft und sackte gern abends auf dem Sofa zusammen. Nicht selten mit einem Kindchen im Arm. Nix mehr mit Spielen, der nächste Tag wartet schliesslich. Allerdings hat mich das auch nie gestört, denn in der Zeit vor den Kindern hatte ich ja gezockt, als wenn’s kein morgen gäbe. Außerdem war mir bewusst, dass wieder mehr Zeit dafür kommen würde.

    Der andere Teil (und dieser ist hochspannend und hochdynamisch) ist die Frage der Kind-Beziehung oder Kind-Eltern-Beziehung zum Videospiel. Als Videospielnerd der ersten Stunde habe ich unsere Kids sehr früh an Videospiele herangeführt. Zu Beginn mit „Fertig-Joysticks“ auf denen man Pac-Man oder Dig Dug spielen konnte. Dann mit dem C64 (Air-Sea-Battle und Artillery Duel lassen grüßen) und danach mit dem SNES, Game Gear oder Game Boy.

    Ich gebe zu, dass es auch meine Absicht war, sie mit Klassikern vertraut zu machen und Videospiel als etwas universell schätzenswertes zu begreifen. Ich hatte Bedenken, dass sie niemals eine Liebe zu Pixeln aufbauen könnten, wenn man sie später direkt vor eine NextGen-Konsole setzt. Nun wissen sie wer Mario oder Sonic sind, oder wie sich Bruce Lee auf einem Heimcomputer der 1980er-Jahre anfühlt.

    Natürlich hat mich dabei immer die Frage „Wann oder wie lange erlaube ich meinen Kindern zu spielen?“ umtrieben. Und natürlich habe ich hier klare Grenzen gesetzt und darauf geachtet, dass andere Aktivitäten nicht zu kurz kommen oder gar verdrängt werden.

    Was bei diesem Lernprozess das Wunderbare war und ist: das gemeinsame (Wieder-)Entdecken so vieler Schätze. Ich kann mit Fug und Rechte behaupten, eine „zweite Kindheit“ durchlebt zu haben und weiterhin zu durchleben. Das ist das Allerschönste daran! Der „Verlust“ der eigenen Möglichkeiten wurde bei mir vollständig ausgeglichen, ich würde sogar sagen übertrumpft, von der Tatsache, dass mir viel mehr geschenkt wurde als ich je erwartet hätte.

    Wie aber auch Thilo schon schreibt, ist es eine fortwährende Gratwanderung was den Konsum betrifft. Das Maß das man hier finden muß, verändert sich ständig, weil sich auch die Kinder und die Spiele / Möglichkeiten weiterentwickeln. Was mir aber klar geworden ist: wenn man Interesse zeigt, sie begleitet, erläutert und dennoch nachvollziehbare Grenzen setzt, ist alles machbar. Es gibt natürlich keine grundsätzliche Antwort darauf. Jede Familie muss hier seinen eigenen Weg finden.

    Ein lustiger Satz, um meinen Kommentar etwas aufzulockern, der mir in diesem Zusammenhang einfällt, stammt von Yoda Zhang: „Die Erziehung gefährdet die Jugendlichen, nicht die Videospiele.“

    Mein Fazit ist: gemeinsam, begleitend und zusammen Freude haben, in einem „guten Mix“, das scheint mir der richtige Weg zu sein.

    Danke für Deinen wunderbaren Beitrag Matthias. Was für ein Aufschlag. Ich freue mich schon jetzt sehr auf weitere Texte von Dir!

    TobiMatthiasThilo Nemitz
    1. „Die Erziehung gefährdet die Jugendlichen, nicht die Videospiele.“

      Das ist korrekt. Ich als Vater entscheide ja, wieviel mein Sohn spielt und ob ich ihn mit 6 schon Doom spielen lasse oder nicht… 😀

      Speaking of which: Ich mache es gerade genauso, wie du es beschrieben hast. Ich zocke erstmal alle Arcade- und Konsolenklassiker mit ihm, um ihn an der Geschichte der Videospiele teilhaben zu lassen (inklusive der Pixel :)) und ihm auch eine Art Respekt vor den neuen Games einzuflößen. Wie soll er deren Grafik etc. schätzen, wenn er nicht die Wurzeln kennt? Außerdem reichen für die Imagination der Kinder ja oft die einfachsten Spiele. Das grafisch aufwändigste, was er bisher kennenlernen durfte, ist Minecraft… 😉

      Und ja, ich erlebe durch ihn auch sowas wie eine zweite Kindheit – aber nicht nur im Videospiel-Bereich. 🙂

      TobiMatthiasAndré Eymann
      1. Minecraft spielen meine Jungs übrigens auch gern. Das besondere daran ist der “Entspannungsfaktor”. Tatsächlich ist die Atmosphäre immer ganz ruhig und angenehm, wenn sie zusammen Minecraft spielen. Es ist quasi schon jetzt ein Evergreen. Ich würde sagen pädagogisch empfehlenswert 😉

        TobiMatthias
      2. Ich freue mich schon auf die Zeit. Und mit der Beschäftigung mit dem Thema habe ich mit meinen Kindern inzwischen auch mal was ausprobiert. Die Faszination war enorm und mich hat die ganze Spielsituation auch etwas gestresst, muss ich zugeben. Wir haben zusammen auf dem Tablet Botanicula gespielt. Ich finde ein schönes Spiel zum Anfangen. Zwar konnte ich manchmal vor Kinderhänden den Screen nicht mehr sehen, das Prinzip pixel hunt ist schon mal verinnerlicht. Aber das Spiel an sich, mit seinen lustigen Baumwesen und dem entspannten Gameplay welches mit witzigen Szenen belohnt, das war eine ziemlich gelungener spontaner Auftakt. Ich war beeindruckt wie engagiert die Kinder das Geschehen verfolgt haben.

        Das mit dem zeitlichen Begrenzen hat gut geklappt. Und hier habe ich bei euch beiden besonders herausgehört und das ist auch mein Vorhaben: Zusammenspielen. Und da liegt ja der Spaß, als Videospielenthusiast*in hat man ein gutes Auge für, ich sage mal, Spielqualität und daran dann teilzuhaben und die Sachen noch mal zu erleben, ich bin gespannt.

        Vielen Dank für die Möglichkeit mich mit diesem Thema hier einzubringen, es macht einen Riesenspaß das ganze mal in den Fokus zu nehmen und andere dazu zu hören, zwar liest man gelegentlich auch mal den ein oder anderen Artikel in die Richtung, aber es wird doch eher selten thematisiert, dabei kommt es in meiner persönlichen Erfahrung ziemlich gewichtig daher.

        Tobi
  5. Moin Matthias! Dein Artikel könnte für mich nicht passender kommen.

    Mein Sohn wird bald 7 und ich überlege ihm eine Nintendo Switch zum Geburtstag zu schenken. Weil sie auch unterwegs benutzt werden kann und die Super Mario-Sachen alle kindsgerecht sind. (Und ich dann Super Mario Kart 8 gegen ihn zocken kann :D)

    Jetzt stelle ich mir natürlich generell die Fragen: Ab wann sollten Kinder spielen? Was sollten sie spielen? Wie lange sollten sie spielen? etc.

    Bisher haben wir seine Medienzeit immer deutlich beschränkt und kontrolliert. man möchte ja kein zappelndes ADHS-Kind in die Schule schicken. Wobei Corona-Logdowns da auch häufig Grenzen gesprengt haben…
    Aber generell ist ja mittlerweile durch viele Studien belegt, dass massvoller Videospiel-Konsum sogar gut für Kinder ist, weil er bestimmte Hirnregionen stimmuliert, die nützlich sind.

    Tja, was tun? Wann habe ich selbst überhaupt mit dem Zocken angefangen? Und sind meine Erfahrungen da irgendwie massgebend? In den sorglosen 80ern haben Eltern Kindern noch ganz andere Sachen erlaubt, die ich aus heutiger Sicht eher fraglich (und gefährlich) finde.

    Andererseits hat sich unsere Welt auch drastisch verändert. Das Digitale ist in all seinen Formen in unsere Realität gesickert und fester Bestandteil des Lebens geworden. Handy, Internet und Gaming sind komplett normal geworden und gehören zum menschlichen Leben dazu. Wieviel Sinn macht es also mein Kind möglichst lange davon fernzuhalten, damit es stattdessen Natur, Freunde und Sport erlebt?

    Für mich habe ich vorläufig den Schluss gezogen: Die Dosis macht das Gift. Bzw: Alles in Maßen und eine gute Balance finden. Ich will meinem Sohn nicht den Spaß dieses Jahrhunderts untersagen, aber ich will auch nicht, dass er mal als MMO-Abhängiger in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie landet (ein ernstes Porblem, wie ich aus erster Hand weiß…)

    Mich würde sehr interessieren, wie das die Eltern unter den Videospielgeschichten-Autoren und -Lesern sehen und handhaben?

    Danke für den schönen Artikel und LG!

    TobiMatthiasAndré Eymann