Vielleicht ist TRON heute schon Wirklichkeit

Mit Kommentaren von Michael Dudenhöffer, Tobi, Andreas Wanda, Stephan Ricken, Sven, @M_Behr_Autor, @Ravetracer, André Eymann.

Dort, wo die Sonne aus gebündelten Laserstrahlen scheint und Leben in sich aufsaugt, wo Farben zur Bedrohung werden, wo Unendlichkeit in Quadrate und Rhomben aufgeteilt wird, dort ist die Welt von Tron. Tron ist ein Computerprogramm. Heute noch Vision, abhängig von menschlicher Phantasie – von unserem Denken. Vielleicht ist Tron schon morgen Wirklichkeit. Die Entscheidung liegt bei uns: den Usern.

So lautet das Intro zum Originalhörspiel eines der visionärsten Filme der frühen achtziger Jahre. Vielleicht zu visionär. Denn gemessen an der Bedeutung, die man dem Film und seiner herausragenden Tricktechnik heute gibt, war TRON zu seiner Zeit ein ziemlicher Flop für die Walt-Disney-Filmstudios.

Heute noch Vision

Man schrieb das Jahr 1982, als TRON in die Kinos kam. 1982 ist das Jahr, in dem der Commodore 64 seinen Siegeszug als verkaufsstärkster Homecomputer antrat. Eine Maschine mit 64 Kilobyte Arbeitsspeicher. Es ist auch das Jahr, in dem die Zeitschrift CHIP den ersten Test eines Personal Computers, eines PCs, veröffentlicht. Eine Maschine, die ebenfalls noch nur eingeschränkte Möglichkeiten bietet, wenn auch für ihre Zeit bahnbrechend.

TRON stellt sich jenseits dieser Realitäten. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Märchenfilm. Eine Geschichte von Gut und Böse, die sich nicht mehr im heimischen Wald, sondern im Inneren eines Computers abspielt.

Von Programmen und Usern

Auf einer Homepage wie Videospielgeschichten.de die Handlung eines Films wie TRON zu erzählen, hat ein wenig davon, die berühmten Eulen nach Athen zu tragen. Und trotzdem sollen ein paar Worte darüber verloren sein.

In einem Amerika, das eindeutig zu Beginn der Achtziger angesiedelt ist, gibt es einen großen Software- und Forschungskonzern: ENCOM. Der Präsident dieser Firma ist Ed Dillinger, der es geschafft hat, sich diese Position mit Hilfe einiger gestohlener Programme und vor allem des durch ihn programmierten Master Control Programm (MCP) zu verschaffen. Das MCP ist ein gigantischer Datenspeicher, der unter anderem dazu eingesetzt wird, Wirtschaftsspionage zu betreiben. Leider wird das Programm ein ganz klein wenig zu eigensinnig, denn es streckt seine Finger nach Größerem aus, nach Rüstungsindustrie und Regierungssystemen.

Dillinger beginnt, konfrontiert mit diesen Alleingängen seiner Schöpfung, nach einem Ausweg aus dem Machthunger des MCP zu suchen. Da kommt ihm die neueste Entwicklung des Programmierers Alan Bradley genau recht. Dessen Tron-Programm ist ein Überwachungsprogramm, das alle nicht autorisierten Verbindungen des ENCOM-Systems mit anderen Systemen monitoren und auch unterbrechen kann. Leider kann Bradley momentan nicht weiter an diesem Programm arbeiten, da Dillinger dazu gezwungen war, die Zugänge für Programmierer zu sperren.

Tron ist ein Systemmonitor, wenn man so möchte also eine Mischung aus Firewall und Tracer.

Michael Behr

Der Grund hierfür ist, dass der junge Programmierer Kevin Flynn, von dem Dillinger einst die Spielprogramme gestohlen hat, die seinen kometenhaften Aufstieg begründeten, nach wie vor versucht, die Beweise hierfür aufzuspüren.

Alan Bradley und seine Freundin Laura, die bei ENCOM an der Digitalisierung von Gegenständen mittels Lasertechnik forscht, fahren zu Flynns Spielhalle, um diesen davor zu warnen, dass man ihm auf die Schliche gekommen ist.

Flynn kann die beiden überzeugen, dass er einen direkten Zugang, einen Direktterminal bei ENCOM bräuchte, um einerseits seine Beweise endlich zu finden und um andererseits Tron freizugeben, um die Machtbestrebungen des MCP noch aufzuhalten.

Der Coup gelingt, allerdings wird das MCP auf Flynn aufmerksam, als dieser sich an den Terminal setzt, welcher direkt vor dem Laserstrahler aufgebaut ist, mit dem die Digitalisierung vorgenommen wird. Flynn wird durch das MCP digitalisiert und findet sich in einer surrealen Welt wieder. In einer Welt innerhalb des Computers, in der Programme, die noch an ihre User, ihre Programmierer glauben, von Programmen auf Seiten des MCP zu tödlichen Videospielen herangeführt werden.

Kevin Flynn trifft auf Tron und gemeinsam versuchen sie, das System von innen heraus zu befreien.

Reale und surreale Technik

TRON beschreibt eine Welt, wie es sie nicht gibt, mit Begriffen und Worten, die sehr wohl existieren. Allerdings nimmt der Film sie und steigert sie teilweise ins surreale. Ein Programm wie das Master Control Programm wird es wahrscheinlich niemals geben. Es ist nicht nur Datenkrake, es ist ein eigenständig „denkender“ Mechanismus, der spätere Supercomputer der Filmgeschichte, wie etwa das die Menschen vernichtende Skynet-System aus den Terminator-Filmen, vorwegnimmt.

Wenn man sich aber einzelne Aspekte genauer anschaut, ist es fast schon rührend, wie adäquat man sich bemüht hat, reale Technik verständlich zu visualisieren und so für den Zuschauer im Kinosessel oder auf der heimischen Couch erlebbar zu machen.

Tron ist ein Systemmonitor, wenn man so möchte also eine Mischung aus Firewall und Tracer. Tatsächlich verfügen einige Programmiersprachen über einen entsprechenden Befehl, der nichts anderes bedeutet als „Trace On“, also in etwa „Verfolgung ein“.

Ein Programm braucht eine Schnittstelle, um mit einem User in Kontakt treten zu können. Was in unserer realen Welt alleinig der Bildschirm zu sein scheint, ist in der Welt von TRON ein sogenannter „Input-Output-Tower“, durch den man, mit Hilfe eines Datendiskus, Informationen austauschen kann.

Screenshot Tron: Deadly Discs von Mattel, 1981. (Bild: Andre Eymann)
Screenshot Tron: Deadly Discs von Mattel, 1981. (Bild: Andre Eymann)

Da kann man dem Film durchaus verzeihen, dass er die damals gängige Meinung, dass ein Computer in der Hauptsache eine Spielemaschine ist, durch die ausgiebige Darstellung von Spielen auf dem sogenannten „Spielraster“ befördert. Wer einmal die rasanten Sequenzen gesehen hat, in denen die Lichtrenner, Motorräder, die auf einem Spielfeld eine leuchtende Wand hinter sich herziehen und die versuchen, ihre Gegner in genau diese Wand zu locken, eine Rolle spielen, wird sie wohl nie mehr vergessen können.

Dass all das dem Zuschauer wie völlige Science-Fiction vorgekommen sein muss, als er im Jahr 1982 das Kinoerlebnis auf sich nahm, liegt nicht zuletzt darin begründet, dass die gezeigten Computereffekte – TRON war der erste Film, der nennenswerte Tricksequenzen im Computer berechnen ließ – irgendwo zwischen Zeichentrick und Rückprojektion einzusortieren sind. Und aus heutiger Sicht natürlich vollkommen veraltet anmuten. Das tut dem Charme des Films jedoch keinen Abbruch.

Ende der Kommunikation

Mein eigener Eindruck von TRON wurde über die Jahre vor allen Dingen durch das Hörspiel wach gehalten, dessen einleitenden Kommentar ich oben wiedergegeben habe. Meine eigene Phantasie wurde enorm angeregt, vor allem auch durch die weiteren Erzählertexte, die dem Film eine weitere, beinahe schon esoterische Tiefe geben, die noch einmal das Erleben steigert.

Mitte der Achtziger zog ein Schneider CPC 464 bei uns ein. Das System wurde nie so populär wie der C64, brachte aber ein hervorragendes Basic mit, das es mir, als Novizen, leicht machte, die ersten Schritte in Richtung „programmieren“ zu unternehmen.

In Kombination mit dem Film, den ich, wie gesagt, andauernd auf den Ohren hatte, bildete ich mir ein, nun selber zu einem User werden zu können. Das einzige, was ich dafür tun musste war, selber Programme zu schreiben.

Die größte Faszination von allen ging dabei natürlich vom MCP aus. Ein Programm, das theoretisch in der Lage war, alles zu tun, alles zu machen und alle Fragen zu beantworten? So etwas musste doch zu schreiben sein!

Tatsächlich haben wir alle inzwischen unsere kleinen MCPs auf unseren Rechnern

Michael Behr

Nun, wenn man mir attestieren würde, dass ich jung und naiv gewesen bin, dann würde man mir noch sehr freundlich gesinnt sein. Ich machte meine ersten Gehversuche mit einem Programm, das ich, größenwahnsinnig, wie ich war, als Overlord, auf deutsch also etwa „Lehnsherr“, bezeichnete.

Der Mantel des Vergessens verhindert, dass ich noch genau sagen kann, was für Funktionen ich diesem Programm beibringen wollte. Ich weiß nur, dass ich in der Programmierung nicht weit gekommen bin. Denn es gab da entscheidende Probleme. Zum einen hatte ich nur den stark begrenzten Speicher des CPC zur Verfügung. Keine Rede von endlosen Weiten wie in TRON. Zum anderen löschten Befehle, die zum Ausführen von anderen Programmen führten, zuverlässig den Overlord aus eben diesem Speicher. Und drittens fehlte mir schlicht das Geschick, sinnvolle Funktionen in so ein Programm zu implementieren, die über das Ändern der Rahmenfarbe auf dem Bildschirm hinausgingen.

Ich konnte es drehen und wenden, wie ich wollte, ich kam immer wieder schnell an den Punkt, an dem es hieß: „Ende der Kommunikation“. Dies ist die Floskel, welche das MCP immer an das Ende einer Unterhaltung setzt. End of Line, Ende der Fahnenstange.

Vielleicht ist TRON heute schon Wirklichkeit

Gestern Abend sah ich den Film TRON zum ersten Mal nach mehreren Jahren wieder und hatte meine beiden Töchter bei mir. Die Ältere ist in etwa so alt wie ich, als ich versuchte, den Overlord zu programmieren. Doch inzwischen hat sich die Welt gewaltig weitergedreht.

Kein Kind ist mehr in der Zwangslage, zumindest ein paar rudimentäre Kenntnisse in Basic oder dergleichen zu besitzen, weil sich ansonsten keine Programme mehr starten ließen.

Kein Kind muss wissen, wie ein PC innen aufgebaut ist, weil es ansonsten sehr schwierig wird, einzelne Prozesse ans Laufen zu bringen.

Kein Kind ist dazu gezwungen, sich über Dinge wie „zu wenig Speicher“ Gedanken zu machen, weil die Festplatten sich in Terabyte und der Arbeitsspeicher sich in Gigabyte bemisst. Und wenn einem das, was in der heimischen Kiste drinsteckt, nicht reicht, dann investiert man sein Taschengeld und rüstet auf.

TRON Regisseur Steven Lisberger mit Hauptdarsteller Jeff Bridges. (Bild: Walt Disney Company)
TRON Regisseur Steven Lisberger mit Hauptdarsteller Jeff Bridges. (Bild: Walt Disney Company)

Das MCP ist vielleicht nicht in der Form Realität geworden, dass ein Computerprogramm echte Intelligenz entwickelt hat oder entwickeln kann. Wir sind immer noch die User. Aber wie meine Tochter zu Recht bemerkte, bedeutet das Wort User doch nur, dass wir Benutzer sind.

Tatsächlich haben wir alle inzwischen unsere kleinen MCPs auf unseren Rechnern. Unsere Betriebssysteme, egal, wie auch immer sie heißen mögen, steuern zahllose Prozesse im System, überwachen Hintergrunddienste und starten, deaktivieren oder löschen diese nach Belieben. Ist es da so schwer, sich vorzustellen, dass dies alles kleine Männchen sind, die im Inneren des PCs leben und dort ihr Tagewerk verrichten? Haben nicht Programme wie die Little Computer People bis hin zu den Sims genau dies als ihre Grundprämisse?

Und so ist TRON trotz aller Märchenhaftigkeit sowohl ein Stück Geschichte seiner Zeit, als auch ein Bestandteil unserer Wirklichkeit. Und, wie ich seit gestern bezeugen kann, auch ein immer noch hervorragend geeignetes Mittel, um den Kindern, die „all das“ nicht mitgemacht haben, was in erfahrenen Usern nostalgische Gefühle hervorruft, zu zeigen, wie es war, als Computer noch zu einem großen Teil Science-Fiction waren.

Ende der Kommunikation!

Gerrit LudwigTobi

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Kommentare8

  1. Mir ging es da ganz ähnlich wie dir, Michael. Auch ich hatte damals einen CPC 464. Am Film TRON faszinierte mich die 3D-Grafik und ich wollte das damals auf dem CPC nachahmen, da ich bis dato TRON als Spiel nur in der 2D-Variante mit Draufsicht von oben kannte. Leider blieb das Ganze ohne allzu großen Erfolg. Die Botschaft hinter dem Film war mir damals allerdings gar nicht so bewusst. Ich hatte wohl damals, wahrscheinlich wegen meines jugendlichen Alters nur Augen für die bunten Farben 🙂

  2. Ich liiiebe Tron! Der Film hat mich damals als Kind unglaublich fasziniert und tut es auch heute noch mit seiner ganz besonderen kargen Schönheit, den klaren, grafischen Strukturen und den leuchtenden Farben. Und natürlich auch die kritische Botschaft hinter dem Ganzen.
    Umso mehr bin ich 2003 (im positiven Sinn) ausgeflippt, als ich Tron 2.0 gestartet habe. Ein Traum wurde wahr und ich konnte das System in einer bis dahin nicht dagewesenen Schönheit selbst erkunden. Auch wenn die Missionen eher unspektakulär waren und das Ganze mehr Shooter statt Abenteuer war, so nahm mich dieses Spiel mit seinen damals unglaublich gut zum Film passenden Lichteffekten total gefangen.
    Ich würde mich soooo sehr über ein neues Spiel im Tron Universum, gerne diesmal auch mit mehr Abenteuer-Elementen, freuen.
    Tron Legacy habe ich übrigens nie gesehen, da ich immer fürchtete, er würde mir den Zauber von dem Ur-Tron nehmen.
    Und auch wenn ich hier kaum bis gar nicht auf deinen tollen Beitrag eingegangen bin, Michael, vielen lieben Dank dafür, hochinteressant!

    Gerrit Ludwig
  3. TRON ist in der Tat ein Teil unserer Wirklichkeit, sehr treffend erkannt und packend geschrieben, vielen Dank, Michael.

    Für mich bleibt TRON zeitlos und wird mitunter sogar noch wichtiger als einst: Waren wir damals stets nah an der Technik, ein Command Line Interface unser steter Begleiter, so haben Betriebssysteme uns schon derart hermetisch von der eigentlichen Technik abgeschirmt, dass es geradezu erfrischend ist, wie das Computerinnenleben von TRON so dramatisch in Szene setzt. Nicht, dass man nach dem Filmgenuss einen Computer aus Knetmasse und Lötzinn zaubern könnte, aber jeder kriegt die sich balgenden Programme aus TRON nicht mehr aus Kopf, während man seine POKEs eintippt, die Datasette laden lässt oder eine Google-Suchanfrage aufgibt. Darum: Bitte ein Bit!

    Gerrit LudwigTobi
  4. Das faszinierendste an TRON finde ich bis heute die technische Umsetzung des Films im Kontext der Zeit seiner Entstehung. Da kann man einfach nur den Hut vor ziehen.

    Im Kino habe ich den Film damals leider nicht gesehen, das muss dann also ein paar Jahre später im TV gewesen sein, Mitte oder zweite Hälfte der 80er – auf jeden Fall traf er genau in die Zeit, in der mich Computer eh schon in ihren Bann gezogen hatten. Und bei genau diesem Publikum traf TRON sicher auch auf einen Nerv, den er bei vielen anderen einfach nicht treffen konnte, weil sie mit Computern enweder nichts anzufangen wussten oder ihnen gegenüber sogar ängstlich, mindestens aber skeptisch eingestellt waren. Dass der Film damals kein besonder großer Erfolg an den Kinokassen war, kann ich daher nachvollziehen.

    Eine wegen seiner Simplizität großartige Idee war auf jeden Fall das virtuelle Motorradrennen – ich habe damals auf dem Amiga unzählige Stunden “Raster Bike” gegen meine Kumpels und meine Schwester gezockt.

    Eine große Enttäuschung für mich war hingegen TRON: Legacy. Der Film wird mir auf ewig als in zwei Stunden gepackte Langeweile in Erinnerung bleiben. Wir waren zu zweit im Kino und mein Kumpel ist im letzten Drittel des Films eingeschlafen. Selbst der recht laute “Endkampf” vermochte ihn nicht aufzuwecken und als es dann im Film stiller wurde, hörten ich und die Leute um uns rum ihn laut und tief schnarchen. Wir mussten dann alle so lachen, weil wir fanden, dass sein Schnarchen einfach das perfekte Statement zu den vergangenen zwei Stunden darstellte. So verbinde ich immerhin noch eine lustige Erinnerung mit TRON. 🙂

    Gerrit LudwigTobi
  5. Ahh, das Hörspiel. Ich kenne noch heute viele Passagen auswendig. Was immer wieder zu kurzer Verwirrung führt, weil der Dialog im Film an einigen Stellen etwas anders läuft.

    Mir war als Kind gar nicht aufgefallen wie gut Jeff Bridges die Rolle des Flynn spielt. Encom ist als hätte Atari das Geschäft von IBM übernommen und dabei zum Großkonzern geworden und Flynn ist einer von denen, die einfach nur die besten spiele machen wollte. Da ist so eine Art kultureller Konflikt und da war Bridges wohl genau der richtige.

    Ich mag übrigens auch die Fortsetzung mit dem treibenden Rhythmus von Daft Punk. Im zweiten Film ist Clu natürlich nicht ganz so spritzig und energiegeladen wie damals, aber er wird seiner Funktion gerecht. Tron Legacy will erklären, dass man hinterfragen muss, was man zu wissen glaubt: Das Programm, das sich nicht anpassen konnte (Clu) kann am Ende nicht gewinnen. Stattdessen kann das, was den Usern hilft (Quorra) über seine Grenzen hinauswachsen, auch wenn es nie geplant war.

    Ich gebe aber zu, dass Sam, Zuse und ein paar andere Figuren in Legacy nicht genug Charme haben, um den Film so weit zu tragen, dass er dem Original ebenbürtig wäre. Trotzdem mag ich auch den zweiten Film.

    Ich habe mir im Überschwang damals sogar eine Tron-Tastatur und Maus besorgt. Die sind vom sonst eigentlich sehr guten Gaming-Hersteller Razer. Allerdings kann ich diese Modelle nach einiger Benutzung nicht empfehlen. Es ist ein prima Show-Effekt und sie ist auch robust, aber die Tasten liegen zu weit auseinander, sind schwergängige Rubber-Dome-Schalter. Bei der Maus ist es fast unmöglich nicht versehentlich auf die Seitentasten zu kommen und sie ist für ihre Größe etwas zu flach. (https://www.youtube.com/watch?v=lcpH0WdOyNc)

    Gerrit Ludwig
  6. Hallo Ravetracer und danke für deinen Kommentar!

    Wenn irgendwann ein Zusammenschluss der Datenbanken von Facebook, Google, Apple, Amazon usw. stattfinden würde, hätten wir auf jeden Fall den gläsernen Menschen. Inwiefern Hacker heute schon in der Lage sind, mit Programmen der NSA andere Staaten zu infiltrieren, können wir ja nur mutmaßen.

    Das MCP ist für mich in seiner Darstellung wirklich der Urvater des größenwahnsinnig gewordenen Computers. Ich ziehe ja auch den Vergleich zu Skynet, das ja ebenfalls zum Schluss kommt, besser zu sein als die Menschen. Von da aus ziehen wir dann im Geiste direkte Linien bis zur Matrix und ähnlichen Szenarien.

    Computer, die verrückt spielen (entweder angenommen oder tatsächlich), gab es vorher ja auch schon im Kino. Der bekannteste ist sicherlich HAL 9000 aus “2001”, wobei der ja nicht ganz als Vorbild passt, da er ja eigentlich die Mission nur retten will, auf der er sich befindet. Der Computer in “War Games” ist auch anders als das MCP, denn er verfolgt ja keinen Plan, die Welt mit einem Krieg zu überziehen.

    Was mir hinterher zum Film noch eingefallen ist, ist die Tatsache, wie gut er auch die Achtziger als Jahrzehnt der finanziellen Depression schildert. De facto lässt Dillinger das MCP nur deswegen tun und lassen, was es will, weil er ansonsten seinen gut dotierten Job los ist. Das ist doch mal ein guter Grund, nichts gegen einen wahnsinnigen Supercomputer zu tun, findest du/findet ihr nicht auch!?

    Apropos angefixt: Kennst du das Hörspiel? Das fügt dem Ganzen wirklich noch einmal eine Dimension hinzu, finde ich.

    Gerrit LudwigTobi
  7. Ich liebe Tron!

    Als ich ein Kind war, und wir mal in den Genuss des Films kamen, habe ich ihn fasziniert geschaut. Jahre später hatte ich vergessen, wie der Streifen hieß und habe überall nach Dingen gesucht, an denen ich mich noch gerade so erinnern konnte. Irgendwann fand ich den Namen heraus und dann war’s wieder um mich geschehen. Heutzutage finden sich der Original-Film (in aufbereiteter HD-Fassung) und der neue Film im Regal und ich schaue sie mir auch öfter noch an.

    Das MCP kommt ja quasi heute in Form von Google, Facebook, NSA, GCHQ und co. Es (also die Gesamtheit der einzelnen Softwares) kann (noch) nicht so viel, wie es im Film beschrieben wurde, aber es trotzdem schon ein erschreckendes Level erreicht worden. Ähnlichkeiten findet man auch bei WOPR vom Film “War Games”, der ja nur ein Jahr später in die Kinos kam.

    Ein schöner Artikel zu einem “Dauerbrenner”, den ich nun wohl demnächst mal wieder anschauen musst (bin wieder mal angefixt.

    Gerrit LudwigTobi
  8. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie “modern” TRON auch heute noch ist. Klar, die filmische Umsetzung des ersten Teils mag hier und da etwas antiquiert wirken. Aber inhaltlich ist der Stoff aktueller denn je. All unsere iPhones und Androiden sind kleine MCPs, die so viel über ihre Besitzer “wissen”, wie es kein Computer zuvor vermochte. Und natürlich ist auch das Thema der “Hacker” allgegenwärtig. Banken werden mit Bitcoins erpresst und heimische Computer durch Trojaner infiltriert. Lisberger und sein damaliges TRON-Team werden immer wieder zum Alltagsthema. Auch in 2016. Danke dass Du uns so persönlich daran erinnerst Michael.

    Deine Tochter hat recht: “Wir sind alle nur User.” 😉

    Gerrit LudwigTobi