Aus meiner Schatzkammer #1 – The Roberta Williams Anthology (Spielesammlung)

The Roberta Williams Anhology
Kommentiert von Christian Wöhler, Tobi, André Eymann, Mathias Nowatzki, Alex.
  5 Min 1.115 Wörter PDF

Ich folge ja Videospielgeschichten bei Twitter schon eine Weile. Beim Lesen ist dann so eine Idee in mir gereift. Warum soll ich nicht mal aus der Anfangszeit der Computerspiele berichten? Das wäre vielleicht auch für die heutigen Spieler*innen interessant. Und als dann noch der Aufruf für Gastbeiträge kam, war die Zeit reif. Und hier ist jetzt der erste Teil meiner Serie “Aus meiner Schatzkammer”.

Heute möchte ich euch die Collection “The Roberta Williams Anthology” vorstellen.

Enthaltende Spiele

  • Mystery House
  • Mission: Asteroid
  • The Wizard and the Princess
  • Time Zone
  • Mixed up Mother Goose
  • King’s Quest I – VII
  • The Colonel’s Bequest
  • The Dagger of Amon Ra
  • Phantasmagoria – Chapter One

Mystery House

„Mystery House“ ist das erste Adventure von Roberta Williams und ihrem Mann, Ken Williams. Es ist ein Text-Grafik-Abenteuer, erschienen im Jahr 1980. Vorbild war ein Roman von Agatha Christie. Wie in den Romanen muss der Spieler nämlich in einer alten Villa diverse Morde aufklären. Mystery House erinnert an Cluedo: sieben Verdächtige und einer davon ist ein Mörder. Der Phraser ist natürlich noch sehr einfach gehalten und versteht nur Zwei-Wort-Befehle. Das hat das Spiel mit den anderen drei frühen hier aufgeführten Werken gemeinsam. Die Grafiken sind natürlich auch nur einfache Linienzeichnungen.

Mystery House von 1980 auf dem Apple II. (Bild: myabandonware.com)
Mystery House von 1980 auf dem Apple II. (Bild: myabandonware.com)

Mission: Asteroid

Mit „Mission: Asteroid“ kommt das nächste Text-Grafik-Adventure aus dem Jahr 1980 daher.  Ein Asteroid ist auf Kollisionskurs mit der Erde. Der Spieler muss sich erst mal durch die Räume der Mission Control schlagen, dann eine Rakete fliegen und den Asteroiden ausschalten.

Mission Asteroid von 1984 auf dem Commodore 64. (Bild: myabandonware.com)
Mission Asteroid von 1984 auf dem Commodore 64. (Bild: myabandonware.com)

Wizard and the Princess

Das dritte Adventure dieser Art ist das ebenfalls 1980 erschienene „Wizard and the Princess“.  Der Zauberer Harlin hat die Prinzessin Priscilla entführt. König George von Serenia bietet dem Helden, der seine Tochter rettet, die Hälfte seines Königreiches an. Klar, wer dieser Held ist: der Spieler.

The Wizard and the Princess von 1982, DOS. (Bild: myabandonware.com)
The Wizard and the Princess von 1982, DOS. (Bild: myabandonware.com)

Time Zone

Mit „Time Zone“ aus dem Jahr 1982 gehen die Williams bis zum Limit. Es ist ebenfalls ein Text-Grafik-Adventure. Das Besondere daran: Es ist riesig. 1.300 Locations und über 30 Lösungswege waren damals gigantisch. Als Zeitreisender muss man diverse Rätsel lösen und lernt so Kleopatra, Julius Cäsar und Benjamin Franklin kennen.

Time Zone von 1982 auf dem Apple II. (Bild: myabandonware.com)
Time Zone von 1982 auf dem Apple II. (Bild: myabandonware.com)

Mixed-Up Mother Goose

„Mixed-Up Mother Goose“ ist ein Spiel für Kinder aus dem Jahr 1987.  Im Traum erscheint Mother Goose und bittet den Spieler um Hilfe. Alle Kinderreime des Landes sind durcheinandergeraten und der Spieler muss nun Gegenstände finden und einsetzen, um so den Bewohnern zu helfen. Die Grafik und das Spielprinzip sind ähnlich aufgebaut wie die früheren Quest-Reihen von Sierra.

Mixed-Up Mother Goose von 1991, DOS. (Bild: myabandonware.com)
Mixed-Up Mother Goose von 1991, DOS. (Bild: myabandonware.com)

Kings Quest I-VII

Über die „King’s Quest“-Reihe brauche ich wohl nicht so viel sagen. Ich habe die Adventures geliebt, obwohl sie verdammt schwer waren. Meine Liebe zu “Space Quest” geht sogar so weit, dass ich mir die Collection erst kürzlich beim Steam zugelegt habe und wieder angefangen habe, sie zu spielen.  Wer ist nicht bei diesem gottverdammt schweren Weg durch die Dornenranken zahllose Tode gestorben? Das war ja auch ein „Qualitätsmerkmal“ der Spiele: der hohe Schwierigkeitsgrad. Die Rätsel waren gut lösbar, aber diese Geschicklichkeitseinlagen. Oha.

King's Quest I: Quest for the Crown von 1990, DOS. (Bild: mobygames.com)
King’s Quest I: Quest for the Crown von 1990, DOS. (Bild: mobygames.com)

The Colonel’s Bequest

„The Colonel’s Bequest“ ist das erste Adventure um die Heldin Laura Bow. Sie ist eine angehende Journalistin und Tochter eines Kriminalkommissars aus New Orleans. Das Abenteuer spielt im Jahr 1925 auf einer Plantage des Colonel Henri A. Dijon. Dieser hat sein Testament erstellt, was zu Streit unter den zukünftigen Erben führt. Es kommt zu Morden, die der Spieler aufklären muss. Viele Elemente von „Mystery House“ wurden hier von Roberta Williams übernommen und in einen für damalige Verhältnisse großartigen grafischen Rahmen gebracht.

The Colonel's Bequest: A Laura Bow Mystery von 1989, DOS. (Bild: myabandonware.com)
The Colonel’s Bequest: A Laura Bow Mystery von 1989, DOS. (Bild: myabandonware.com)

The Dagger of Amon Ra

1992 erschien der Nachfolger „The Dagger of Amon Ra“, in dem Laura Bow eigentlich über den Diebstahl eines Dolches aus dem Museum berichten soll. Schließlich ist sie ja in erster Linie Journalistin. Bei der Eröffnungsfeier der Ausstellung kommt es zu Mordfällen, die Laura aufklären muss. Dabei wird die ganze Gesellschaft bequemerweise gleich im Museum  eingeschlossen. Dieses Adventure hat die Besonderheit, dass es mehrere Lösungsenden gibt. Also kann man dieses Spiel ruhig öfters in den PC laden. Wie alle Grafik-Adventures ist natürlich die Darstellung immer weiter gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Noch heute überrascht mich deren Qualität.

The Dagger of Amon Ra von 1992, DOS. (Bild: myabandonware.com)
The Dagger of Amon Ra von 1992, DOS. (Bild: myabandonware.com)

Phantasmagoria – Chapter One

Kommen wir zum letzten Spiel dieser Collection. Es handelt sich dabei um das Horror-Adventure „Phantasmagoria“ von 1995. Als die CD-Rom-Laufwerke für den PC auf den Markt kamen, gab es schnell eine Welle von „interaktiven Abenteuern“, die mit realen Schauspielern gedreht worden sind. Die Welt ist gezeichnet und die Charaktere darin sind digital hinzugefügt. Das war ja damals schwer angesagt. Obwohl die Darstellung doch arg pixelig war, habe ich Angst bekommen. Die Horror-Elemente waren gut platziert. Kein Wunder, dass es damals die USK ab 18 bekommen hat.

Man spielt Adrienne Delaney, die mit ihrem Mann Donald ein altes viktorianisches Haus auf einer Insel in Neu-England erworben hat. Unheimliches geht auf der Insel vor sich und als ein Dämon Besitz von ihrem Mann ergreift, versucht Adrienne alles, um ihn zu retten.

Phantasmagoria von 1995, Windows/DOS. (Bild: wikipedia.org)
Phantasmagoria von 1995, Windows/DOS. (Bild: wikipedia.org)

Fazit

Mir haben die Spiele von Sierra immer alle sehr gut gefallen. Die Geschichten, die Welten waren einfach toll zum Eintauchen und um die reale Welt zu vergessen. Besonders als Kind und Jugendlicher, der von den Klassenkameraden nicht gut behandelt worden ist und wenige Freunde hatte. Und auch heute noch begeistern sie mich. Auch wenn die Grafik doch schon sehr gewöhnungsbedürftig ist. Trotzdem. Eine gute Story, die mich mitnimmt, ist für mich tausend Mal mehr wert als gigantische Grafik und eine Handlung, die auf ein Blatt Papier passt. Besonders bei Adventures.

Links

Wenn ihr noch mehr wissen möchtet, sind hier ein paar Links für euch:

Die Offizielle Seite von Roberta und Ken Williams
https://www.sierragamers.com/

Der englische Wikipedia-Eintrag zu Roberta Williams. Von dort gelangt man auch zu den Beiträgen der einzelnen Spiele.
https://en.wikipedia.org/wiki/Roberta_Williams

Eine wundervolle Seite ist auch die “Adventure Game Site”, wo die Abenteuer von Lucas Arts, Westwood und Sierra aufgeführt werden (Inkl. Boxcover und Ingame Screenshots).
http://www.adventuregamesite.de/

André EymannTobi

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Kommentare12

  1. Mystery House! Das habe ich als Kuriosum mal gespielt. War ja glaube ich das erste(?) Textadventure mit Grafiken? Was bin ich an dem Ding verzweifelt. Zugegeben hatte ich auch noch nie ein Adventure mit Phraser gespielt, wenn man mal von der Chzo-Indie-Saga vor 10 Jahren absieht. Ich dachte die Rätsellösungen späterer Sierra-Spiele seien bereits obtus gewesen, aber dann noch selbst auf die Worte kommen zu müssen, welche das Spiel akzeptiert, holla die Waldfee xD

  2. Interessanter Text. Eine Sache war mir jetzt aus deiner Beschreibung nicht ganz klar geworden. “The Roberta Williams Anthology” ist eine Sammlung von 14 Spielen richtig? Ich dachte erst es geht hier um ein Buch, wo die Schaffenszeit von Roberta Williams vorgestellt wird. Aber da lag ich wohl falsch.

  3. Lieber Christian, ich möchte dir auch gern Feedback zu deinem Beitrag geben. Deine Idee die “The Roberta Williams Anthology” vorzustellen finde ich super. So können LeserInnen einen kompakten Überblick über die Spiele von Roberta und Ken erhalten.

    Deine Spielbeschreibungen mag ich sehr, weil sie sachlich treffend formuliert sind und immer auch auf die erzählte Geschichte eingehen. Gerade bei Spielen dieser Art steht ja die Geschichte im Vordergrund. Aus meiner Sicht hätten aber die Beschreibungen gern noch etwas länger sein können und du könntest da auch gern noch mehr eigene Meinung / Betrachtung mit einbringen. Dafür ist ja Videospielgeschichten im Kern da: die subjektive Perspektive.

    Als ich die Bilder (in der gegebenen Reihenfolge) sah, wurde ein weiterer interessanter Aspekt deinen Textes deutlich. Nämlich wie sich die grafische Entwicklung bei Spielen dieser Art fortentwickelt hatte. Von fast einfachen Strichzeichnungen bis zur filmischen Fiktion. Das ist ebenfalls sehr spannend zu beobachten.

    Danke von Herzen für deinen Beitrag! Ich würde mich sehr freuen mehr von dir zu lesen.

    Tobi
    1. Moin Andre,

      Dass ist ja mein erster Beitrag. Trotz meines hohen Alters bin ich ja noch lernfähig. 😉
      Ich werde gerne die Anregungen aufnehmen.
      Mal sehen, was ich noch so finde.

      Vielen Dank für die lieben Worte.

      TobiAndré Eymann
  4. Hallo Christian und danke für seinen Debütbeitrag sowie den darin enthaltenen Überblick! 🙂
    Ich habe zwar weit nach dir z.B. erst mit Space Quest und Police Quest angefangen, aber ja, die Williams-Spiele hatten immer etwas Besonderes. Gerade auch im Zusammenhang mit dieser Zeit in meiner Jugend, da erinnere ich mich wirklich gerne dran.
    Space Quest III zählt noch immer zu einem meiner Lieblingsspiele und hat bei mir ganz weit oben einen Stern sicher. Es steht hier sogar noch im Regal, da ich mich nie von dieser tollen, geprägten Schachtel (und dem dazugehörigen, aufwendigen Inhalt) trennen konnte. Die Sierra Serien hatten auch immer diese ganz besondere, knallige Farbpalette und einen ganz besonderen Sog.

    Und auweia, ich hatte ja keine Ahnung! Obwohl ich kaum Zeit habe, dürfen die Space Quest Teile natürlich nicht fehlen, hab ich erstmal bei Steam mit dazu gepackt. Danke für den Tipp! Ich bin mir sicher, dass ich Herrn Wilco noch einmal auf seiner Reise begleiten werde, auch wenn das vermutlich erst in den Wintermonaten geschieht.

    André Eymann
    1. Vielen Dank auch für die Verlinkung zur Williams’ Seite, die ich noch nicht kannte.
      Wenn ich Ken’s Zeilen im “about us” lese, überkommt mich ein fieses, melancholisches Gefühl. Aber dennoch überwiegt hier die Dankbarkeit, diese Zeit “from nowhere to somewhere” ein wenig am Rande miterlebt zu haben ♥

      1. Für Interessierte und wer noch nicht hat:
        Die SQ Collection gibt es bei Steam gerade für lächerliche €2,49! 😀