Doom wird nicht alt. Es wird nur reifer!

Kommentiert von Christian Gehlen, Thorsten Weiskopf, Michael, André Eymann, Tobi, Daniel.
  2 Min 403 Wörter PDF

Wir sitzen im abgedunkelten Wohnzimmer. Der Fernseher flimmert und es schallert fette Industrial-Mucke aus den Lautsprechern. Der Controller glüht und wir befinden uns in der Hölle! Ballernd und im Nahkampf werden Dämonen zerfetzt. Wir vergessen alles um uns herum. Absoluter Pixel-Blutrausch. Wir jubeln und schreien! Jaaaaaaa…. das… ist das neue DOOOOOOM !!!

Was zuvor geschah

Mit offenem Mund und riesengroßen Augen saß ich an einem Samstagmorgen vor einem beigegrauen Sammelsurium an Geräten. Das Sammelsurium bestand aus einer eckigen Maus, einer vergilbten mechanischen Tastatur, einem breiten Kasten mit Diskettenlaufwerk und einer Röhre, welche in den kräftigsten Farben mein Gesicht anstrahlte: Rot, Blau und Braun. 

“Ihr dürft auf keinen Fall auch nur irgendjemandem verraten, was ich euch nun zeige, aber ich muss es einfach tun. Weil es ein Meilenstein in der Computerentwicklung ist. Und auch wenn ihr eigentlich noch zu jung seid, müsst ihr einfach sehen, was mit den Computern möglich ist. Ihr werdet nun eine völlig neue Welt betreten”, waren die Worte des Dozenten im Informatikkurs für Schüler der Klasse fünf bis sechs. 

Scheisse, ich hatte ja keine Ahnung wie recht er hatte! Ich weiss nicht, wie lange wir Zeit damit verbringen durften. In nie dagewesener virtueller Realität durften wir in einer Raumstation umherwandern, Höllenwesen erschießen und ums nackte Überleben kämpfen. Es war jedenfalls zu kurz und gefühlt nur 30 Sekunden lang. Der Blick in eine andere Dimension. Seitdem ging es uns allen nicht mehr aus dem Kopf. Es gab in dem Zusammenhang kein anderes Thema mehr auf dem Pausenhof. Denn wir haben sie gesehen, die Zukunft und gleichzeitig die Hölle. “Mein” nach einigen Treffern malträtiertes Pixelgesicht am unteren Bildschirmrand, die Waffen, die Soundkulisse, der treibende Beat und einfach alles was hier passierte, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. 

Zurück zum hier und heute

Dieses Erlebnis, dann viel später auf dem eigenen Rechner zu Hause, mit meinem Cousin nachzuholen und auszukosten, war der schiere Wahnsinn und hat eine Welle der Leidenschaft entfacht, wie sie nur wir “Doomianer” nachempfinden können.

Und auch wenn zweifelsohne eine Entmystifizierung der Technologie stattgefunden hat, versprühen selbst die neueren Titel die Magie, welche dafür sorgt, die Faszination für dieses eine Spiel aufrecht zu erhalten.

Jetzt weiß ich wieder wieso ich mit dem Kram angefangen habe und warum mich Videospiele nicht loslassen.

Weiter gehts… Dooooooom…

MatthiasTobiAndré Eymann

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Kommentare9

  1. Doom wird nicht alt, sondern reifer? Da hat es mir und seinen Fans was voraus. Die werden nämlich nicht reif, sondern nur älter. Und die Faszination Doom ist ein schönes praktisches Beispiel für die Behauptung, dass die ersten 50 Jahre in der Kindheit eines Mannes die schlimmsten sind. Wohl weiblichen Ursprungs, die These.

    Tobi
  2. Deine lebhaften Schilderungen zu Doom machen tatsächlich Lust darauf mal wieder ein Ründchen Doom anzuspielen, Thorsten :). Auch wenn ich gestehen muss, dass ich mich eher bei Duke Nukem und Tomb Raider zuhause fühlte. Aber Doom hat damals definitiv gezeigt wo’s lang geht!

    André EymannTobi
    1. Viel Spaß dabei. Das Orginal ist auch heute noch eine Wucht. Und es macht durchaus Spaß die Secrets zu suchen.

      TobiAndré Eymann
  3. Hier nun meine kleine Kurzgeschichte zu Doom. Ich lernte das Spiel ziemlich genau zum Erscheinungsdatum (also Ende 1993) kennen. Damals war ich mindestens einmal die Woche bei meinem besten Freund zum Zocken verabredet. Wir haben die gesamte Palette an DOS-Spielen dieser Zeit gespielt. Dazu gehörten Titel wie Links 386 Pro, Wolfenstein 3D, Spear of Destiny, Jill of the Jungle, Lemmings oder Indiana Jones and the Fate of Atlantis.

    Wir hatten schon von Doom gehört, als und klar wurde, dass unsere PCs eventuell besser aufgerüstet werden sollten. Mein Kumpel besaß bereits einen 486er DX2/66, während ich (wie immer) hinterherhing. Also fuhren wir zunächste zu unserem Computerhändler, um etwas aufzurüsten.

    Die Shareware-Version von Doom verbreitete sich in Windeseile und schon nach kurzer Zeit, war das Spiel von id Software die “Killerapplikation” auf unseren Computern.

    Ich werde nie meine ersten “Schritte” in Doom vergessen. Es war unglaublich! Alles war in 3D und ich bewegte sich so flüssig. Dazu diese irre Atmosphäre auf diesem entfernten Planeten! Der Sound! Die Grafik! Es sogt mich quasi hinein, in diese fremdartige und gleichzeitg aufregende Welt. Wir spielten stundenlang bis wir nicht mehr konnten. Das Zimmer meines Freundes wurde so klein, dass ich mich praktisch nur noch in der Welt von Doom befand. Um uns herum gab es nur noch die Gänge der Raumstation, Monster und das obligatorische “Uh. uh. uh.” beim Absuchen der Wände.

    So ging das monatelang und wir konnten nicht genug bekommen. Doom war eine neue Welt und hat unsere Wahrnehmung auf die dagewesen Art für alle Zeiten verändert. Doom war die Tür zu einer neuen Dimension. Kein anderes Spiel hat mich so geprägt. Und dafür kann ich John Romero und John Carmack, sowie den anderen des Teams, nicht genug danken.

    Tobi
    1. Das Zimmer meines Freundes wurde so klein, dass ich mich praktisch nur noch in der Welt von Doom befand.

      Stark! Welch ein Spiel vermag es so etwas heute noch zu schaffen?

      TobiAndré Eymann
  4. Toll Thorsten! Zu Deiner Kurzgeschichte fallen mir gleich zwei Kommentare ein. Dies ist der erste 🙂 Was mich beim ersten Lesen beeindruckt hat, ist die Leidenschaft eures Dozenten im Informatikkurs. Klasse fünf bis sechs ist nicht unbedingt das empfohlene Alter für Doom gewesen, aber die Weitsicht und Begeisterungsfähigkeit des Lehrers hat euch in der Tat eine Meilenstein der Computerentwicklung angetragen. Das ihm das in diesem Moment klar war, spricht für ihn und ich kann es vollends nachvollziehen. Doom hat im Sinne des Wortes Türen geöffnet und den Zugang zu einer neuen Welt ermöglicht. Klasse, Dein Erlebnis!

    Tobi
  5. Oha, was für eine Story 😀 Der Dozent müsste sich heutzutage vermutlich auf eine Klagewelle einstellen ^^ Wie recht er doch hatte. Und auch, wenn ich kein Doomianer bin, war es ein Meilenstein. Danke für deinen euphorischen Erlebnisbericht, Thorsten!

    André Eymann
    1. Der Dozent müsste sich heutzutage vermutlich auf eine Klagewelle einstellen

      Selbst wenn die lieben Erziehungsberechtigten oder andere Lehrer es mitbekommen hätten, sie hätten glaub ich nicht viel damit anfangen können. Andere Zeiten. 😉

      TobiAndré Eymann