Indieperlen: Sea of Stars

Von Dennis Deuster am
Kommentiert von: Alexander Strellen, Tobi, DEANJIMMY, Dennis Deuster, RockyBoulder, Videospielgeschichten 🕹️, Timeras, André Eymann, Haojatsu
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Mit Sea of Stars ist dem Entwicklerstudio „Sabotage Studio“ ein tolles Spiel gelungen. Wer sich wie ich in den 90er Jahren nach der Schule in Spiele wie Chrono Trigger, Secret of Mana oder Final Fantasy verloren hat und generell ein Freund der JRPGs der alten Schule ist, ist hier genau richtig.

Der Trend, alte RPGs wieder aufleben zu lassen, ist ungebrochen. Die Liebhaber der Klassiker der 90er Jahre werden immer wieder von Entwicklern als Zielgruppe fokussiert, speziell in der Indieszene. Man denke zuletzt an Chained Echoes, das Ein-Mann-Projekt aus Deutschland, das mit Lob überschüttet wurde. Und selbst Nintendo legt das Super Mario RPG neu auf. Nun bringen uns die Macher des Indie-Hits The Messenger die nächste Indieperle: Sea of Stars.

Klassische Story mit Tiefgang

Die Story nutzt hier den klassischen Coming of Age-Ansatz: Zwei Kinder mit besonderen Fähigkeiten sind auserkoren, gegen das Böse anzutreten und man begleitet sie auf ihrer Reise. Dabei erwerben sie nicht nur immer mehr Fähigkeiten, sondern lernen neue Freunde kennen, vertiefen die Beziehungen untereinander und müssen sich (Achtung: Spoiler!) sogar mit dem Tod von geliebten Menschen auseinandersetzen.

Gerade in diesem Storyteil findet Sea of Stars einen angenehmen Rythmuswechsel und gibt sowohl den Charakteren als auch mit ihnen dem Spieler die Möglichkeit zur Reflexion. Die Story hat darüber hinaus einige interessante Twists, so dass Charaktere, die man anfangs noch in klassischen klischeebehafteten (pun intended!) Rollen vermutet, sich später in gänzlich anderer Form offenbaren und damit neue Storystränge anstoßen.

Interessant ist der Ansatz, dass den Helden Valere und Zale die Attribute “Tag” und “Nacht” bzw. “Sonne” und “Mond” zugeteilt sind. Spielmechanisch sind sie dann ab einem gewissen Zeitpunkt nämlich in der Lage, den Tag/Nacht-Wechsel zu beeinflussen und dadurch zum Beispiel Rätsel zu lösen. Auch schön: Die Musik “beruhigt” sich in der Regel, sobald die Abenddämmerung einsetzt, während das musikalische Thema gleich bleibt.

Abwechslung bieten die kurzen Zeichentricksequenzen im Stile der Animeserien der 80er- und 90er-Jahre. Diese kommen an relevanten Storypunkten zum Einsatz, etwa, wenn ein Boss eingeführt wird.

Bewährte Elemente aus anderen JRPGs

Das Kampfsystem erinnert an eine Mischung aus Chrono Trigger und Mario RPG: Statt von einem in den nächsten repetitiven Zufallskampf zu fallen, kann man zum Beispiel Gegnern ausweichen. Im Kampf kann man dann durch gutes Timing die eigenen Attacken verstärken und gegnerische Angriffe abfedern.

Die Entwickler haben neben den Zufallskämpfen auch viele weitere Ärgernisse alter JRPGs vermieden: Statt zwischen Kämpfen immer auf die Lebensenergie achten zu müssen, kann man einstellen, dass diese zu Beginn jedes Kampfs wieder 100%ig hergestellt wird. Magiepunkte können im Kampf durch einfache Attacken regeneriert werden und produzieren zudem noch magische Kugeln, die von der Party genutzt werden können, um ihre Angriffe noch wirkmächtiger zu machen.

Zudem gibt es Kombos, die verschiedene Partymitglieder nach ausreichend ausgeteiltem und erlittenem Schaden nutzen können, um unterschiedlichste Attacken oder Heilmechaniken auszuführen. Und ergänzend sorgt ein „Schlosssystem“ für Abwechslung, wie man es in ähnlicher Form zum Beispiel von Octopath Traveller kennt.

Zwischendurch müssen im Spiel immer wieder kleine Rätsel gelöst werden, die in der Regel aber keinen hohen Schwierigkeitsgrad besitzen: Hier einen Block verschieben, da eine Sprungpassage merken, dort die Nacht zum Tag machen.

Bossfights

Die Bosse im Spiel sind interessant gestaltet und bieten abwechslungsreiche Kämpfe. Klar, das Rad wird auch hier nicht neu erfunden. So gibt es immer mal wieder den klassischen Sidekick, der den Boss heilt, während der zweite Unterstützer Monsterattacken aufbaut. Aber das stört nicht, da diese Mechanik ja nicht ohne Grund auch in der Vergangenheit bereits gut funktioniert hat.

Progression und Minispiele

Die Charakterprogression ist angenehm und nimmt erst gegen Ende etwas sprunghaft zu. Sea of Stars bietet auch leichte Metroidvania-Anleihen wie man sie zum Beispiel aus dem SNES-Klassiker A Link To The Past kennt: Sind Bereiche zu Beginn noch nicht erreichbar, ermöglichen es Questgegenstände der Party im Laufe des Spiels, zu immer mehr Bereichen der Welt vorzudringen. Angenehm außerdem: Der Skilltree ist deutlich reduziert, so dass man gar nicht groß in Versuchung kommt, noch ein paar Stunden Grinding einfließen zu lassen, um für die nächste Gegnerwelle gewappnet (oder overpowered) zu sein.

Was dem Witcher sein Gwint oder Final Fantasy VIII sein Triple Triad ist Sea of Stars das spaßige Spiel “Räder”. Hier kann man im Verlauf der Story immer wieder gegen Kontrahenten antreten, die den Helden nach erfolgreichem Duell Verbesserungen für das eigene Setup anbieten. Bei “Räder” geht es darum, mithilfe zweier zu Beginn gewählter Figuren mit unterschiedlichen Eigenschaften das Schloss des Gegners anzugreifen und dessen Counter auf Null zu setzen. Hierzu werden die namensgebenden Räder in einer Art Slotmachine drei mal gedreht und man kann einzelne Räder nach jedem Dreh feststellen. Ein wirklich spaßiger Zeitvertreib für zwischendurch.

Bildergalerie

Der offizielle Trailer zu Sea of Stars

Fazit

Sea of Stars ist ein gelungenes Wiederaufleben der klassischen JRPGs der frühen 90er (Chrono Trigger, Lufia, Final Fantasy) mit einer spannenden Story, angenehm reduziertem und dennoch eingängigem Kampfsystem und individuell adaptierbarem Schwierigkeitsgrad. Vom Cozy Gaming bis zum Hardcore Gaming ist alles drin. Für Rollenspielfans der 16-Bit-Ära der 90er Jahre eigentlich ein Muss, gerade zu diesem Preis.

  • Wunderschöne Grafiken im 16-Bit-Stil mit hohem Detailgrad und flüssigen Animationen
  • Tolle Musik, die die Spielszenerie wunderbar untermalt
  • Coole Zwischensequenzen im Anime-Look
  • Interessante Story mit überraschenden Twists, die sich auch nicht davor scheut, das Thema Tod zu thematisieren
  • Angenehmes Aufbauen der Zugangs­optionen auf der Weltkarte, vom Erkunden per pedes über das Reisen mit Riesen, den klassischen Seeweg bis hin zum körperlosen Flug durch die Landschaft
  • Sehr angenehmer Schwierigkeitsgrad, der dem jeweiligen Spielstil über Relikte individuell anpassbar ist
  • Nettes Minispiel „Räder“, das auch nach dem 30. Mal spielen nicht langweilig wird und seine eigene Progressions­mechanik mitbringt
  • Mitunter längere Wege ohne „ToDos“ (Gegner, Rätsel) ermüden etwas
  • Die Rätsel sind mitunter etwas einfach
  • Das Backtracking bei Sidequests und ­(optionale) Suchen von Questobjekten wie Muscheln ist mitunter anstrengend,
  • Da Gegner nicht mitleveln und das Nieder­mähen von völlig unter­legenen Gegnern einfach nur zum Zeitfresser verkommt

Habt Ihr Sea of Stars schon gespielt? Nintendo bietet für die Switch zum Beispiel eine Demo an, mit der man sich einen guten Überblick verschaffen kann. Was haltet Ihr von diesem Werk und dem Revival des Genres im allgemeinen? Was waren früher Eure Lieblingsspiele auf SNES, Megadrive und Co.?


Veröffentlicht in: Spielebesprechungen
Alexander StrellenTobiAndré Eymann

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Kommentare (17)

  1. Vielen Dank für die Vorstellung und deinen Beitrag, Dennis. Da Sea of Stars im Game Pass gelandet ist, habe ich – auch aufgrund der vielen, guten Berichte – neulich auch mal reingeschnuppert. Und sofort fühlte ich mich in die Zeit versetzt, als ich den kleinen Drachen aus der Special Edition Box von Breath of Fire III ausgepackt habe. Das war auch mein erster Eindruck von Sea of Stars, denn ich fand schon ein paar Ähnlichkeiten. Ob das nur noch in meiner Erinnerung so ist, oder es tatsächlich Parallelen zwischen den beiden Titeln gibt, gute Frage. Vielleicht setzte ich mich noch mal intensiver mit Sea of Stars auseinander, wenn es etwas ruhiger geworden ist. Ein Spiel wie dieses könnte aber tatsächlich gut dazu beitragen. Lieben Dank.

  2. @vsg Ich warte auf die Retail Version für die Switch🤗Bei PlayAsia gibt es nur einen toten Link, obwohl der 07.12. als Erscheinungsdatum angegeben ist, nun ja, eine Jahresangabe fehlt😉

    Dennis Deuster
  3. Danke für deine Eindrücke vom Spiel. Generell hört man ja von allen Seiten positives über dieses Spiel. Ich finde den Stil der Grafik einfach zum verlieben. Die Demo auf der Switch werde ich mal anspielen. Wenn es sich im Handheld-Modus bequem auf der Switch spielen lässt, werde ich es sicher auch kaufen.
    Auf der PS4/PS5 und einem grossen TV kann ich mir diesen Grafikstil allerdings nicht ansehen. Das muss schon auf einem kleinen Schirm wie der Switch oder auf einer alten Röhre gespielt werden. Mein Favorit wäre die PS Vita, aber ich fange an zu träumen.

    Dennis Deuster
    1. Hi Alexander, danke für Deinen Kommentar. Ich habe das Spiel tatsächlich im Wechsel abends auf der Couch auf dem 65″-Fernseher und mittags während der Mittagspause auf der Arbeit im Handheldmodus gespielt und beides funktioniert ganz wunderbar. Ich kann Dir das Spiel wirklich wärmstens empfehlen. 🙂

      Alexander Strellen
      1. Ich hab die Demo ausprobiert. In die Grafik hatte ich ja schon wegen der Screenshots verliebt. Die Musik im Spiel ist aber auch toll. Das ganze schafft eine wunderbare Atmosphäre. Und … man kann Angeln im Spiel! Kommt auf jeden Fall auf die Einkaufsliste.

  4. @vsg Dass Spiel hört dich interessant an. Habe in den 90ern zwar nie jrpgs gespielt aber habe später über einen Freund Final Fantasy kennengelernt. Die Grafik sieht echt knuffig aus. Das es keine nervigen Zufallskämpfe gibt finde ich ebenfalls prima. Hatten früher auch mal Grandia 2 gespielt, wo es ebenfalls keine Zufallskämpfe gab. Hoffe das Spiel läuft mit Proton auch unter Linux. mir fehlte im Artikel: Für welche Systeme das Spiel verfügbar ist. Ansonsten: Nett geschrieben, weiter so!

    Dennis Deuster
      1. @vsg_DE @vsg Mir wäre es in der Tat lieber, wenn man den kompletten Artikel hier lesen könnte. Kann aber verstehen, dass Du lieber Traffic direkt auf den Blog möchtest. Es wäre dann aber schön, wenn zumindest der Link zum Artikel im Blog anklickbar wäre.

        1. @RockyBoulder @vsg Ok, verstehe. Ich finde Du hast recht. Ich habe es nun auf den Standard (Der vollständige Inhalt) umgestellt. Mir geht es weniger um den Traffic, als vielmehr darum, dass die Texte gelesen oder kommentiert werden. Meine Haltung stammt noch aus der „alten Denke“. Aber da VSG nun ein vollwertiges Mitglied des Fediverse ist, macht das gar keinen Sinn mehr. Ich muss mich einfach von den „Silos“ verabschieden. Danke für Deinen Hinweis!

  5. Vom ersten Trailer hab ich es verfolgt, weil Art-style und Animationen so sehr an Chronotrigger erinnert haben. Aktuell warte ich noch auf die Möglichkeit, es in EU physisch zu bestellen (Play Asia ist bereits möglich), dann schlage ich zu. Wahrscheinlich wird es dann vor Ende 2024 auch nicht ausgeliefert, auf Chained Echoes warte ich auch immer noch, aber für solche Indie-Perlen warte auch auch gerne noch zwei Jahre nach dem digitalen Release, um sie ganz klassisch vom Modul zu spielen. Danke für deinen Beitrag. ❤️

    Dennis DeusterAndré Eymann
    1. Ich gehe mittlerweile auch immer mehr vom Download-Shopping auf physische Games zurück. Nicht zuletzt wegen der Möglichkeit des Wiederverkaufs. Aber ich kann Dir versichern: Beide Spiele lohnen sich definitiv.

      Timeras
  6. Wow, gerade heute Morgen habe ich gelesen, dass Sea of Stars in gleich zwei Kategorien bei den Game Awards 2023 gewonnen hat: Bestes Rollenspiel und Bestes Indiespiel.

    Es freut mich außerordentlich (ohne das Spiel bisher zu kennen), dass Indiespiele heutzutage so viel Erfolge haben! Ohne diese “kleinen” Spiele, wäre die Branche wahrscheinlich lange nicht mehr so interessant und vielfältig. Chapeau!

    Quelle der Info: Chip.de

    TimerasDennis Deuster
    1. Mir ist heutzutage ein gut gemachtes Indiegame, das sich im vielen Bereichen bei alten Klassikern bedient, tausend mal lieber als der nächste AAA-Blockbuster, der auch qua Budget lieber auf Bewährtes setzt.

  7. Bin gerade selbst dabei, das Spiel zu spielen. Habe die ersten 5 Stunden hinter mir und muss sagen, es lohnt sich ❤️

    Wird für viele heutzutage zu langsam und ohne wirkliche Action sein. Trotzdem fühle ich mich wie ein kleines Kind. Chrono Trigger lässt grüßen 🙂

    TimerasDennis DeusterAndré Eymann
    1. Ich mag es, wenn bei den Geschichten Gameplay und vorallem Story im Fokus stehen. Action hat für mich im Genre der (J)RPGs allenfalls vereinzelt zum Zwecke des Tempowechsels einen Platz. Es darf aber nie zulasten der Story gehen.