Irgendwie Bock etwas zu zocken. Aber irgendwie auch nicht.

Veröffentlicht in Kolumne
Mit Kommentaren von Karlo, qoku, Sven Pieloth, André Eymann, Chris, René Achter, Christina Knauf, Tobi, Alexander Strellen, Thomas, Michael, Michael Kokemor, Torsten, Matthias

Wir alle lieben Videospiele. Viele sind mit Ihnen aufgewachsen und einige haben sogar den Beginn dieser Kultur miterlebt. Es ist das liebste Hobby von Millionen von Menschen weltweit. Mittlerweile komplett in der Gesellschaft verankert und akzeptiert. Wir lieben es, uns nach einem harten Tag auf die Couch zu werfen und die Konsole einzuschalten. Wir wollen dem tristen Alltag entfliehen und uns in Abenteuer stürzen, die im echten Leben nicht möglich sind. Unsere Leidenschaft für Videospiele ist grenzenlos… oder?

Seit einigen Jahren habe ich immer wieder einige Durchhänger was meinen Konsum von Videospielen angeht. Phasen in denen ich nicht so wirklich Lust verspüre etwas zu spielen. Trotzdem hängen mir Videospiele weiter in den Gedanken. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht in irgendeiner Form an Videospiele denke. Es reicht schon kurz bei Twitter vorbeizuschauen und ich entdecke darüber etwas in meiner Bubble.

Gerade letztens hatte ich wieder einer dieser bizarren Situationen, an denen ich richtig Bock hatte etwas zu zocken. Ich wusste nur noch nicht genau was. Also habe ich mir den Controller geschnappt, habe die Konsole aufgeweckt und schaute in meine Spielebibliothek. Nun musste ich noch das passende Game auswählen und dann konnte es losgehen. Eine halbe Stunde später habe ich die Konsole wieder ausgeschalten und habe mir einfach eine Serie angesehen.

Ein Tweet, der mich nachdenken ließ

Das brachte mich dazu einen Tweet abzusetzen. Ganz simpel. Ich habe mir dabei nicht viel gedacht. Ich schrieb einfach:

Irgendwie Bock was zu zocken. Aber irgendwie auch nicht. Kennt das jemand?

@itsamemagsven / Twitter

Die Resonanz war überwältigend. Anscheinend bin ich nicht der einzige dem es so geht. Das brachte mich dazu, genauer darüber nachzudenken. Ich fragte mich: Woher kommt diese Situation und wie entsteht sie? Wie kann es sein, dass wir, die Videospiele so sehr lieben, irgendwann keine richtige Lust mehr auf sie haben? Welche Probleme könnten dahinter stecken?

Übersättigt. Einfach zu viel.

Eine Ursache, die sich für mich herauskristallisiert hat, ist die Übersättigung. Ich selbst müsste geschätzt etwa 500 Videospiele Zuhause haben. Das meiste digital auf den jeweiligen Konsolen. Da fällt es einem immer schwerer, den Überblick zu behalten und noch schwerer sich entscheiden zu können.

Selbst wenn man weiß, welches Spiel man spielen möchte, so bleibt man beim Scrollen in der Bibliothek zwangsläufig an vielen anderen Spielen hängen und denkt sich, dass man doch dafür auch Geld ausgegeben hat. Vielleicht sollte man sich doch für ein anderes Spiel entscheiden. Aus Erfahrung weiß ich, das nur die wenigsten Spielenden so diszipliniert sind, um sich auch dauerhaft wirklich nur auf ein Spiel zu konzentrieren.

Je mehr Spiele ich anhäufe, umso krasser wird das.

Antwort eines Users auf meinen Tweet

Ich selbst fühle mich oft übersättigt. Allein meine Xbox-Bibliothek lässt mich manchmal verzweifeln. Natürlich stellt man sich dann die Frage, warum kauft man sich das alles, wenn man eh nicht weiß, was man Spielen möchte. Nun, ich denke die meisten Spielenden kennen das Problem mit den Sales. Egal ob digital in den jeweiligen Stores, die beliebten 3-für-2 Aktionen oder Rabatte bei Rebuy. Wenn man ein Schnäppchen sieht, hat man den Drang, dieses auch wahrzunehmen. Und dabei kommt das Motto “Lieber-haben-als-brauchen” zum tragen.

Ich gebe zu, dass ich da sehr oft dabei war, wenn es darum ging ein Schnäppchen einzufangen. Daher auch meine große Spielebibliothek. Doch letzen Endes habe ich, geschätzt, in gerade einmal 30% meiner Käufe reingeschaut. Sicher waren es nicht einmal 10%, in die ich mehr als eine Stunde investiert habe.

Belanglose neue Spiele

Kenne ich gut. Viele neuere Sachen motivieren nicht bzw. ich freue/interessiere mich nicht für neue Releases (bis auf wenige Ausnahmen). Aktuell zocke ich Retrospiele, die ich nie gespielt habe, z.B. Chrono Trigger und Ratchet&Clank 2. Freue mich weitere Titel nachzuholen.

Antwort eines Users auf meinen Tweet

Mir geht es die letzten Jahre genau so, wie es dieser Kommentar beschreibt. Mir fehlt das Interesse am Großteil der aktuellen Titel. So mancher schlägt jetzt die Hände über den Kopf zusammen. Wie kann man das nur sagen bei all den Blockbustern und Indie-Perlen die die letzten Jahre erschienen sind? Meine Antwort fällt dabei immer gleich aus. Ich habe das Gefühl, dass alles schon einmal erlebt zu haben und anstatt Spaß zu haben, arbeite ich das Spiel durch.

Für manch einen mag es eine große Faszination haben, in einer riesigen Open-World wie beispielweise der von Horizon Forbidden West, jeden Stein umzudrehen und jedes noch so kleine Geheimnis, für oft belanglose Belohnungen, auf der Karte abzugrasen. Aber das ist nichts mehr für mich. Mittlerweile bin ich durch Job und Familie zum Casual-Gamer geworden. Ich fühle mich bei Spielen wohl, die mir einen Pfad vorgeben und die einen Anfang und ein Ende haben. Spiele die mir tausende Abzweigungen aufzwingen, in denen ich mich verliere, geben mir das Gefühl, nicht voranzukommen.

Geht mir ständig so. Mittlerweile installiere ich die meisten Spiele, zocke dann 1-3 Stunden und schaue dann wieder Filme. Mich kann irgendwie kein Spiel mehr fesseln. Die Genres, die mich begeistern (Cop-Thriller a la Max Payne oder L.A. Noire) existieren quasi nicht mehr.

Antwort eines Users auf meinen Tweet

Wie bereits erwähnt, habe ich das Gefühl, dass ich viele Spielmechaniken schon etliche Male erlebt habe. Für mich spielt sich vieles zu ähnlich. Ich werde nur noch sehr sehr selten von einem Spiel überrascht. Somit bleibt auch oft die Faszination aus. Ich bin abgestumpft. Wie als wenn ich jeden Tag nur dasselbe essen würde. Es sättigt, aber es ist nichts besonderes mehr.

Man darf mich jetzt nicht falsch verstehen, viele Spiele machen trotzdem auf ihrer Art Spaß. Jedoch sind für mich viele Neuerscheinungen belanglos geworden. Es spielt für mich keine große Rolle ob ich ein Horizon Forbidden West oder ein Spider-Man spiele. Im Kern sind sie gleich. Dafür gibt es etliche Beispiele. Sicherlich polarisiere ich mit dieser These. Vielleicht rege ich aber auch zum Nachdenken an.

Man schaue sich nur einmal an, wie viele Genres es bis etwa Mitte der 2000er gab. Die meisten Genres sind entweder ausgestorben oder wurden zu einem Genre zusammengemischt. Gerade die “Bigplayer” der Branche gehen lieber auf Nummer sicher und lassen Diversität keine Chance. Es gibt kaum noch Nischenspiele ausserhalb des Indiesektors.

Zeit für den Rückwärtsgang

Nach wirklich langer Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mein Spielverhalten ändern muss. Wenn ich meine Leidenschaft für Videospiele aufrecht erhalten möchte, muss ich sie wieder für mich zu etwas Besonderem machen.

Ich deinstallierte alle meine digitalen Spiele von allen Systemen. Ich überlege jetzt sehr gründlich, auf welches Spiel ich wirklich Lust habe. Das ausgewählte Game installiere ich und spiele es so lange bis ich es durch habe oder nach langem Spielen wirklich keine Lust mehr verspüre. Erst dann kommt das nächste Spiel. Auch den GamePass habe ich erst einmal stillgelegt. Dieser war zuletzt eher hinderlich als sinnvoll.

Ich erhoffe mir dadurch, denselben Effekt zu bekommen, den man in seiner Kindheit und Jugend hatte. Die Zeit, in der man sich meist nur ein Spiel über Monate leisten konnte, dieses aber so oft gespielt hat bis man es im Schlaf beherrschte. Vielen Spielern ist auch die Wertschätzung abhanden gekommen. Ähnlich wie es bereits mit dem Film und der Musik geschehen ist, werden Videospiele zu oberflächlich angegangen. Denn warum sollte man sich intensiv mit nur einem Spiel auseinandersetzen, wenn doch schon die nächsten warten? Die Games werden großteils nur noch “abgefrühstückt”, um es durch zu haben.

Habe ich seit ca 10 Jahren. Es gibt zu viel. Ich kaufe jetzt immer nur ein Spiel wenn ich es sofort spielen kann. Erfahrungsgemäß kehre ich sonst nie zurück.

Antwort eines Users auf meinen Tweet

Die Videospielbranche trägt einen großen Teil dazu bei. Sie ist schnelllebig geworden. Eine riesige Menge an Neuveröffentlichungen erscheint ja schon im Wochentakt. Es macht den Anschein, als ob das alles vom Fließband rutscht. Dann kommt noch der FOMO Effekt dazu. Die Bubble redet immer vom neuesten Game und man möchte mitreden. Da bleibt einiges auf der Strecke. Und am Ende wird man von dem Stapel erdrückt, den man selbst gestapelt hat.

Letzten Endes ist es eine Sache, die jeder für sich selbst erlebt. Die einen haben mit den oben aufgeführten Punkten ebenfalls Probleme, die anderen wundern sich darüber wenn sie diese Zeilen lesen. Das Hauptaugenmerk sollte bei Videospielen immer der Spaß und die Freude sein. Wenn irgendwo ein Zahnrad hängt, sollte man sehen woran es liegt. Darauf kann man reagieren. Jeder auf seine Art.

Kennst du das auch? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie denkst du darüber? Lass uns gern in den Kommentaren darüber austauschen!

ThorstenAlexander StrellenMichaelAndré EymannNadineThomasmore

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Kommentare21

  1. Ehrlich gesagt ist das Gefühl nicht neu, sondern sogar sehr alt! Ich hatte zu C64-Zeiten über 200 Spiele, so viele wie meine aktuelle Steambibliothek aufweist. Und auch damals hatte ich diese Nullbock-Phasen. Summer Games gestartet und nach 5 Minuten aufgehört. Pirates gestartet und nach 4 Minuten aufgehört etc. Kein Bock mehr gehabt. Das ist völlig normal!!

    Mein Tipp: Man muss sich auf ein Spiel einlassen und Geduld mit sich selbst haben. Lasst euch Zeit und fresst die Spiele nicht wie Chips. Es gibt so viel heißes Zeug da draußen, dass darauf wartet, von euch gezockt zu werden. Sucht euch Gleichgesinnte, verabredet euch online oder “in echt” zum zoggn. Philosophiert über die Games, wie Fußballfans über ihre Mannschaften… dann habt ihr wieder “Bock auf Zock!”

    André EymannTobi
  2. Einfach unglaublich… Nicht nur dein Artikel, sondern auch die Kommentare hier. Alle sprechen mir wirklich aus der Seele. Ich habe immer gedacht, dass ich wahrscheinlich selbst als Opa noch ein leidenschaftlicher zocken bleiben werde, aber scheinbar ist das nicht so. Ihr habt keine Ahnung wie mich das aufgefressen hat und ich mich deswegen unglaublich schlecht gefühlt habe. Immer wieder habe ich ein Spiel gestartet und nach 10-15 Minuten wieder ausgemacht. Das hat mich wirklich sehr deprimiert . Es beruhigt mich umso mehr, dass es nicht nur mir so geht und ich glaube es ist einfach Zeit dieses Kapitel abzuschließen und den Controller an die Wand zu nageln.

    Gaming wird immer ein Teil von mir bleiben und ich werde wahrscheinlich den einen oder anderen Talk dazu noch führen, sowie die News dazu lesen und Reviews zu gucken. Mit lets Plays und Twitch konnte ich mich komischerweise bisher nicht anfreunden, ist aber glaub ich auch kein Verlust =D. Nur sich selbst die Zeit nehmen zum daddeln, werde ich erstmal nicht mehr.

    Mein letztes Spiel, was mich wirklich an meinen Rechner gefesselt hat, war Elden Ring und ich bin echt dankbar dafür und das perfekte Spiel für einen Abschluss.

    Geteiltes leid ist bekanntlich halbes leid und daher danke ich hier dem Autor und all den mitleidenden Gamern für all ihre Offenheit

    André EymannTobi
    1. P.S. ich gebe ebenfalls den Abonnements, jede woche Freegames + die lieblos in Massen produzierten Games die Schuld. Die Besonderheit jedes Spiels ist leider dadurch flöten gegangen.

      André EymannTobi
  3. Da eure Kommentare in einer so großen Anzahl und Ausführungen vorhanden sind und ich Zeitlich immer sehr angebunden bin, schreibe ich hier einfach einen zusammenfassenden Kommentar.

    Erst einmal vielen Dank an jeden, der sich meinen Text durchgelesen hat und fleißig seinen Senf draufgeschmiert hat. Genau so macht es spaß.

    Ich habe mir jeden Kommentar durchgelesen und bei jedem einzelnen konnte ich die Aussage komplett nachvollziehen. Dabei stellte ich immer wieder fest, wie vielfältig aber dann doch gleich die Spielerschaft ist. Ich denke mit einigen Punkten, die ich im Beitrag ansprach, ins Schwarze getroffen zu haben. Wie beschrieben, wurde ich durch einen Tweet und seinen Antworten darauf zu diesen Artikel inspiriert. Und da habe ich bereits bemerkt, dass aktuell ein wenig der Wurm drin ist was die Wahrnehmung von Videospielen angeht.
    Zu viel, zu komplex, zu gleich, zu eintönig…
    Das bemerkenswerte ist in meinen Augen, dass einige hier eigene Wege suchen und auch finden, mit der Sache um zu gehen. Da ist viel interessantes dabei.
    Letzten Endes bin ich schon irgendwie froh, dass ich nicht der Einzige bin dem es aktuell so geht. Somit muss ich mich selbst nicht mehr als “schräg“ bezeichnen was meinen Konsum von Videospielen angeht ^^

    Gerne gebe ich ein Update, wie es aktuell bei mir in Sachen Videospiele aussieht. Ist der das Schreiben des Artikels ja schon einige Wochen her.
    Manche wissen vielleicht, dass ich im Augenblick eine Twitter Pause einlege. Es war die letzte übrig gebliebene Social-Media Plattform auf der ich noch unterwegs war. Ich kann nur sagen, dass die Pause definitiv einer meiner besten Entscheidungen war, wenn es um das Thema Videospiele geht. Ich selbst saugte immer diese vielen Eindrücke aus Meinungen, Empfehlungen, Sammlungen etc. wie ein Schwamm auf. Dies führte dazu, dass ich mich beeinflussen ließ was mein Hobby anging. Ich dachte ich müsse unbedingt jetzt Spiel XY spielen oder ich bekam plötzlich lust auf ein altes Spiel dessen Konsole ich nicht mehr besaß. Was dazu führte, dass ich mich tagelang damit beschäftigte, mir diese Konsole samt Spiel wieder zu zu legen.

    Seit der Pause und dem Abstand zu der (trotzdem tollen Community), fühle ich mich freier was meine Selbstentscheidung in meinem Hobby angeht. Ich fühle mich nicht mehr gedrängt. Bleibt natürlich die Frage, warum man sich da beeinflussen lässt und ob das zwangsläufig so sein muss. Ich jedenfalls bin wohl anfällig dafür und sehe deswegen die Pause als nötiges Mittel um mich davon zu lösen. Mein Spielverhalten und auch meine Sicht auf Videospiele und andere Medien hat sich in dieser Zeit massiv verändert. Kurz gesagt, fühle ich mich wirklich befreit. Mehr erzähle ich vielleicht in einem kommenden Beitrag hier.

    Bleibt zum Abschluss nur zu sagen, dass ich dankbar für Eure Eindrücke bin und freue mich immer sehr darüber.
    Bitte verzeiht, dass ich nicht auf jeden Kommentar einzeln eingegangen bin. Jedoch denke ich, dass ich hier alles schreiben konnte, was mir zu Euren Kommentaren einfällt ohne mich in vielen einzelnen Kommentaren wiederholen zu müssen.

    In diesem Sinne, cheers.

    MichaelAndré EymannTobi
  4. Hi Sven,

    vielen Dank für deinen Post! Du sprichst mir (und offenbar auch vielen anderen Hier) aus der Seele.

    Auch ich kenne das Gefühl, auf nichts wirklich Lust zu haben, ziemlich gut. Mir geht es schon eine ganze Weile so. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl, das und jenes noch durchspielen zu müssen. Wie Christina schon schrieb, wurde es für mich auch eher zur Verpflichtung als zum unterhaltenden Hobby.

    Irgendwann entschied ich, dass sich etwas ändern muss. Ich habe daraufhin angefangen, Spiele, die mich nicht interessieren und die ich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nie spielen werde, aus meinem Steam-Account zu löschen (das mag irgendwie verrückt erscheinen da ich ja Geld dafür bezahlt habe, ich sah aber leider keine andere Möglichkeit). Für Xbox und PS habe ich entsprechende Spiele einfach ausgeblendet (aus dem Account löschen geht ja leider nicht; hätte ich das damals doch alles nur auf Disc gekauft…). Der GamePass wurde gekündigt und durchgespielte Titel (auf Disc) verkauft. Ich versuche seit dem auch, mich mehr mit anderen Hobbys zu beschäftigen (oder diese neu zu entdecken) und weniger neue Spiele zu kaufen (wenn, dann nur solche, auf die ich mich wirklich freue.).

    Zwischenzeitlich habe ich das Gefühl, Spiele wieder mehr genießen zu können. Es gibt immer noch Titel, die im Backlog auf mich warten aber meine Einstellung dazu hat sich geändert. Ich allein entscheide, wann ich etwas spielen möchte und niemand sonst. Und wenn es eben mal länger dauert, oder ich mich letztlich doch dazu entscheide, etwas nie zu spielen, dann ist das eben so.

    Sven PielothChristina KnaufAndré EymannTobi
    1. Chris, bei Deinem Kommentar liest man förmlich die Metamorphose heraus, die Du durchschritten hast. Dein radikaler Schritt war scheinbar genau richtig. Du hast damit quasi wieder zu Dir selbst gefunden. Das freut mich. Danke für Deine Offenheit.

      TobiChristina Knauf
  5. Oh, wie hat mich dieser Beitrag berührt. Ja, ich kenne dieses Gefühl. Nur zu gut. Als Redakteurin für mehrere Indie-Magazine gehört Spielen zu meiner Freizeit dazu. Wer nicht spielt, kann schließlich auch nicht schreiben. Aber in letzter Zeit merke ich, wie meine Lust schwindet, Neues anzufangen und Altes zu beenden. Der GamePass läuft vor sich hin, ohne dass ich sein ausuferndes Angebot abrufe. Meine Steam-Bibliothek quillt über. Die kostenlosen Epic-Spiele warten noch immer auf meine Aufmerksamkeit. Ich weiß es nicht mehr zu schätzen. Das Überangebot nimmt mir die Lust am Spiel, ganz einfach, weil nichts je gut genug ist. Statt mich durch das Buffet zu probieren, bleibe ich bei den altbewährten Gerichten, um die Analogie einmal zu bemühen. Ich spiele alte Spiele, Wohlfühl-Spiele noch einmal, um mich nicht dem Unbekannten stellen zu müssen. Oder ich weiche wie du auf Filme und Serien aus. Es kostet echte Überwindung, jedes Mal wieder und jedes Mal mehr. Vielleicht ist das Hobby zur Verpflichtung geworden. Vielleicht fehlt mir die Zeit, mich wirklich auf etwas einzulassen. Oder ein psychologisches Phänomen verhindert, dass ich Titel, auf die ich mich jahrelang freue, dann letztendlich wirklich angehe. Danke für deinen tollen Artikel. Er hat mich zum Nachdenken gebracht, ob ich mein Verhalten auch ändern kann und muss.

    André EymannMichaelTobi
    1. Liebe Christina, wenn das Spielen zur “Verpflichtung” wird ist es vielleicht vorbei mit der Leidenschaft. Dieses Risiko hat auch mich immer beschäftigt. Sowohl in meinem Job (ich würde niemals in der Games-Branche arbeiten wollen), als auch im Hobby. Deshalb betreibe ich beispielsweise VSG als One-Man-Show und möchte nicht, das Texte durch Geld entstehen, oder ich das Projekt mit einer Redaktion “besprechen”, normieren oder in irgendeiner Form zensieren muss. Der Grad von Freiheit und Kunst ist ein schmaler, weil links und rechts der Abgrund des Kommerzes droht. Das ist mir zum Glück früh klar geworden und ich bin sehr glücklich, dass das Geld eben doch nicht alles beherrschen kann.

      MichaelTobiChristina Knauf
  6. Hallo Sven,
    dieser Beitrag hätte 1:1 von mir sein können. Ich habe genau dieses Gefühl schon locker 10 Jahre, aber trotzdem schaue ich mir immer wieder Sales an und schlag bei besonders günstigen Sachen zu.

    Aber seit paar Monaten ist das etwas anders: Ich habe einige Abos gekündigt (Gamepass Ultimate, PS Plus, Netflix) und konzentriere mich auch meine schon gekauften Spiele bzw. Serien. Bis auf wenige neue Sachen (z.B. Horizon Forbidden West) schaue ich mir nach und nach die Bibliothek durch und hole einige Sachen nach oder spiele einfach ein schon gespieltes Spiel nochmal (zur Zeit SW: Fallen Order). Ich versuche zu verdrängen das ich viel ungespieltes in meiner Bibliothek habe und spiele das worauf ich Lust habe. Auch hab ich den PC komplett aufgegeben, da die Preise für eine gute Grafikkarte gerade absurd hoch sind und ich auch lieber auf der Couch spiele.

    Quasi durch Zufall bin ich an eine XBox Series X gekommen und das neue Feature ‘Quick resume’ hat mein Spielverhalten deutlich geändert. Wenn ich nicht mehr wie bei der XBox One S locker 5-6 minuten warten muss um eine Runde Forza7 zu spielen, sondern nur 40(!) sekunden (von ausgeschalteter Konsole), dann ist auch die ‘Hemmschwelle’ deutlich geringer. Ein Wechsel von zB. Forza7 zu einem anderen Spiel dauert nur ca. 5 Sekunden. Da kann man schnell mal von verschiedenen Genres hin und her wechseln.
    Da ich auch immer schon eher ein Singleplayer bin, kann ich auch gut auf die Abos verzichten. Ein Onlinespieler wird auf den Konsolen dazu gezwungen ein Abo zu haben. Das vereinfacht die Sache erheblich und gerade bei Gamepass ist der Druck viel höher, da man von den 100+ Spielen erschlagen wird und man gleichzeitig laufende Kosten hat.

    Ähnliches hab ich übrigens auch bei meinem Handy gemacht. Ich habe nichts mehr außer WhatsApp oder Signal. Kein Twitter, Facebook, Instagram, Tik Tok… sehr entspannend :). Ich bin mir sicher das es (bei mir) einfach am Alter liegt…

    André EymannMichaelTobi
    1. Halle René, ich bin auch eher zufällig an die Series X gekommen (meine Frau wollte mich eigentlich nur mit der Verfügbarkeit an besagtem Tag etwas ärgern und *schwupps* kam die Bestellbestätigung ^^). Wir haben vorher die One X genutzt (die steht auch noch im Haushalt) und die Temposteigerung ist wirklich schon beachtlich. Ich spiele meistens nur noch an der Series X am großen TV und ab und an mal auf einer Retrokonsole. Ich finde, den “Sofabonus” kann mir auch kein PC geben, hab daher auch mein Steam Leichenkonto gelöscht. Das Quick Resume Feature der Xbox nutze ich allerdings nicht, dafür sind mir die Ladezeiten einfach zu lächerlich (und das ist gut so!). Braucht die Konsole aus dem Kaltstart doch nur knappe 8 Sekunden bis zum Dashboard, zieht sich dieses Ladeszenario ja auch recht ähnlich durch die Spiele. Das kann ich ab, kenne ich in meinem Alter ja ebenfalls noch die “Kaffepausen” während der Ladevorgänge.
      Das mit dem Druck durch ein Abo sehe ich genauso. Mir nicht so offensichtlich, dafür unterschwellig, wurde der Pile of Shame, den ich einigermaßen im Griff zu haben glaubte, durch den Game Pass plötzlich riesengroß. Dazu kommt, dass manche Spiele, die ich angefangen hatte, teilweise scheinbar auch recht schnell wieder rausfliegen. Noch mehr Druck. Schaff ich das, bevor das fliegt? Diese schnelllebige Politik gefällt mir überhaupt nicht, möchte ich doch bitte in meinem Tempo spielen. Danke für deinen Kommentar!

      André EymannMichael
      1. Danke für Dein Kommentar !

        Das wird sicher nicht weniger mit dem ‘unter Zeitdruck spielen’ wenn man sieht das Playstation den selben weg einschlägt (oder muss ihn einschlagen). Das mache ich einfach nicht mehr mit und mir tut die Nachwuchsgeneration ein wenig leid. Ich denke das diese Konsolengeneration auch meine letzte sein wird. Naja, wahrscheinlich hat sich bis dahin Cloudgaming eh durchgesetzt.

        André EymannMichaelTobi
  7. Das ist ein sehr offener und ehrlicher Beitrag Sven, mit dem ich weitestgehend identifizieren kann. Im Gegensatz zu Dir, bin ich allerdings nie auch nur in die Nähe von 500 Spielen gekommen. Das liegt vermutlich aber auch daran, dass ich (so richtig oldskool) Spiele am liebsten auf physischen Medien kaufe.

    Und hier sind wir schon gleich wieder in einem Teilaspekt Deines Themas. Denn für mich ist der „Gang in den Laden“ und das Kaufen eines Videospiels in „Hardwareform“ fast schon eine Garantie dafür, dass ich nicht zu viele Spiele kaufe. Ich wäge so sehr gut ab, welches Spiel ich besitzen möchte und es ist nicht nur „einen Klick weit entfernt“. Ich glaube die digitale Bezugsform verleitet zum Kauf zu vieler Spiele.

    Außerdem bin ich zu fast 100% „Schnäppchen-Immun“. Mir ist es wurscht, ob ein tolles Spiel im Angebot ist, wenn ich eh weiß, dass ich es nicht spielen werde.

    Da ich in der Regel lang an einem Spiel spiele, teile Deine Einstellung: „fühle mich bei Spielen wohl, die mir einen Pfad vorgeben und die einen Anfang und ein Ende haben“. Denn auf diesem Wege bekomme ich ein konkretes Erfolgserlebnis und wichtiger noch: ich kann ein Spiel auch wirklich beenden.

    Obwohl ich natürlich seit meiner aktiven Spielzeit (ich habe ca. 1983 begonnen) sehr viele Spiele gesehen und gespielt habe, würde ich nicht behaupten wollen, dass mich nichts mehr überraschen kann. Dabei denke ich aber eher weniger an Spielmechaniken, als an narrative Erlebnisse. Ich bin gerade in den letzten Jahren immer wieder von erzählerischen Spielen sehr begeistert worden.

    Wichtig ist für mich, dass ich mich bei der Entscheidung für ein Spiel nicht fremdsteuern lasse. Werbung, Angebote, digitale Stores, Games Pässe, das alles ist mir ziemlich egal. Ich entdecke neue Titel eher durch persönliche Empfehlungen, durch Stöbern oder oft auch durch Zufall.

    Die „1-Spiel-Regel“ ist sicher ein guter Ansatz. Zwar wird man auch dabei nicht unbedingt jedes Mal ein Lieblingsspiel finden, aber man gibt sich selbst (und dem Spiel) die Chance, ein intensiveres Erlebnis zu bekommen. So ähnlich wie früher beim Heimcomputer. Die Auswahl war begrenz und so wurde eben auch manche „Gurke“ durchgespielt. Frei nach dem Motto: wir hatten ja nichts anderes.

    Die „grenzenlosen“ Möglichkeiten, die wir heute haben, sind eben auch ein Problem. Denn Grenzen sind wichtig, damit wir uns fokussieren und wertschätzender wahrnehmen können. Das stellt besondere Anforderungen an unseren Intellekt und stellt sich nicht unbedingt von selbst ein. So müssen wir manchen „Leidensweg“ auf dem Weg zur Erkenntnis abwandern.

    Weniger ist mehr würde ich sagen. Ein Spruch den ich immer öfter schätze.

    Danke für Deinen inspirierenden Text Sven!

    Dirk BockstegersSven PielothChristina KnaufTobiMichael
  8. Playstation Plus, Playstation Now, Gamepass, Humble Bundle, Epic Game Store und wie sie alle heißen. Von allen Seiten werden ich kostengünstig mit Spielen beworfen. Es wird noch besser. Ich muss in keinen Laden gehen. Es reicht 1 Klick und ich kann ein Spiel spielen. Kein Wunder das ich mich dann nicht entscheiden kann. Es ist wie das Mittagsbuffet im asiatischen Restaurant um die Ecke. Ich muss von allen probieren. Der Bauch ist dann voll, die Rechnung günstig, ich bin für 2 Stunden satt. Aber zufrieden ist etwas anderes.
    Eine Wertschätzung für das Produkt, in diesem Fall Spiel, findet quasi nicht mehr statt. Das ist schade und aus diesem Grund kaufe ich am liebsten meine Spiele am noch auf Datenträger. Dann wähle ich die Spiele bewusst und beschäftige mich auch damit. Natürlich kann ich das Spiel auch bewusst digital kaufen. Das soll jeder nach seiner Vorliebe entscheiden. Im Regal ist es am Ende aber ein schönes Erinnerungsstück 🙂

    TobiMichaelAndré Eymann
    1. Ich bin da ganz auf Deiner Wellenlänge, wie Du in meinem Kommentar zum Beitrag nachlesen kannst. Wertschätzung braucht eben auch Raum und Zeit. Am Ende steht der Gewinn einer intensiveren Auseinandersetzung, die wesentlich mehr Freude macht, als eine schnelle und oberflächliche Befriedigung.

      TobiMichael
  9. Fünfhundert Videospiele?! Meine Güte, da muss man ja die Übersicht verlieren. Aber dass sich die Spiele schnell und geradezu heimlich ansammeln, habe ich auch schon gemerkt. Ich habe erst seit einigen Jahren eine Konsole und dachte immer, ich hätte nicht viele Spiele. Au contraire! Als ich eines Tages einen Blick in meine “Bibliothek” dort warf, war die Liste wesentlich länger als erwartet. Es fällt einfach nicht mehr so auf, wenn man die Spiele herunterlädt, statt sie als physische Kopie in einen Schrank zu stellen.

    Womit wir wieder bei Büchern wären. Auch dort können sich manche Menschen ja nicht zurückhalten, nicht umsonst gibt es mittlerweile Apps, die helfen wollen, die Übersicht zu behalten. Uns geht es eben bei den Spielen so. Aber warum sind Menschen so? Ich glaube, es ist die Lust am Spielen, das Hobby, einfach das Ausprobieren. Schau mal bei Tüftlern wie Daniel Düsentrieb oder auch real existierenden Personen in die Werkstatt. Ob aufgeräumt oder nicht: Die ist bis an die Decke gefüllt mit… ja was eigentlich? Als Fachfremder würde ich es “Zeug” nennen. Und darum können Nicht-Spieler:innen eben nicht nachvollziehen, dass unsereins viele Spiele hat, nicht unbedingt, um sie durchzuspielen, sondern vielleicht, um sie anzuspielen.

    Dass mit der Zeit der Spaß am Spielen verloren geht, liegt glaube ich nicht daran, dass es zu viele Spiele sind, sondern wirklich an deren Machart. Es ist auch gar nicht schlimm, wenn man an älteren Ausgaben hängen bleibt. In der Mode, der Musik und wohl jeder anderen Kunst ist es doch genauso.

    Also: pro viele Spiele! 💪

    TobiAndré EymannMichael
  10. Hi Sven, auch ich liebe Videospiele! Interessanter Weise habe ich das “Problem”, wenn man es so nennen will, nicht, dass ich mir zu viele Videospiele kaufe oder streame. Hängt irgendwie auch damit zusammen, dass ich selbst im Baumarkt selten rumschlendere um zu schauen, was es da sonst noch so geben könnte, sondern gezielt nach dem suche, was ich brauche (gut der Vergleich hinkt etwas ;)). Aber gegen Werbung bin ich glücklicher Weise ziemlich resistent, so dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Ich bin aber auch generell eher sparsam und überlege mir 10x , ob ich etwas kaufe, wenn ich es nicht brauche.

    TobiAlexander StrellenAndré Eymann
  11. Schöner Beitrag, danke dafür.
    Mir geht es in vielerlei Hinsicht ähnlich. Und die von Dir beschriebene Problematik betrifft bei mir auch andere (kulturelle) Bereiche – Filme, Bücher, Serien, Musik (!) …
    Ursächlich sehe ich zu einem großen Teil tatsächlich die permanente Verfügbarkeit der “Produkte” sowie den damit einhergehenden Preisverfall. Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirken mag. Aber der Stellenwert und die Wertschätzung stellen sich heutzutage eben anders dar. Ich versuche es an einem Beispiel:
    EIn Mixtape (für die Jüngeren hier: Eine Musikkassette mit verschiedenen Titeln, auch ´Sampler´ genannt), welches ich als Kiddie mühsam mit einem Kassettenrekorder mit eingebauten Mikro vor dem Fernsehlautsprecher zusammengefriemelt habe, bedeutete für mich alleine schon ob der damit verbundenen Mühe und des letztendlichen Triumphes eine viel größere Errungenschaft dar als eine Zusammenstellung, die ich ohne jeglichen Einsatz für einen geringen Obolus bei Spotify verfügbar habe. An das Tape (´Hits ´84´) erinnere ich mich heute noch, den Spotifystream habe ich schon längst verdrängt.
    Und so verhält es sich auch mit Spielen: Lange drauf gespart, die mühsame Versand-/Lieferzeit erduldet, das Austauschen mit Freunden über das Spielerlebnis, die Erkundung aller Facetten und Möglichkeiten im Spiel selbst etc. usw. – unerreichbar in heutigen Zeiten, wenn man nur noch stumpf konsumiert und permanent dem neuesten heißen Scheiß hinterherhechelt.
    Mir hilft nur wie auch Dir, lieber Sven, die Selbstgeißelung und das Zurückfahren auf ein für mich gesundes Niveau. Weniger, dafür bewußter kaufen, die Würdigung des Spieles und der Kreativen dahinter nicht vergessen, eine entspannte Vorgehensweise beim Spielen (und kein Runterrattern von Checkpoints oder ähnlichem), helfen mir gerade sehr dabei, mein Hobby neu zu entdecken.
    Dabei muss ich noch nicht einmal auf Retrospiele zurückgreifen. Auch neue Games, wenn ich denn vorher mein Beuteschema entsprechend abgesteckt habe, bereiten mir große Freude und schaffen es sogar auf meine persönliche Allzeit-Bestenlisten. Wie zuletzt der erste Teil von ´Life Is Strange´. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

    MichaelTobiAndré EymannThomas
  12. Geht mir so seit über 15 Jahren oder noch mehr Jahren so..
    Damals (C64,Amiga) durch die “umsonst” Software war man Jäger und Sammler….und spielte oftmals seine Favoriten, da die Qual der Wahl zu groß war.
    Anfänge der PS1, die Games wurden bedacht gekauft, da teuer und dementsprend durchgezockt. Platinum Edition war schon mit dem heutigen Sale vergleichbar….Drei Games für den Preis von einem. Hat man alle gespielt? Eher angespielt.
    Dann war das Kopieren möglich, man war wieder Jäger und Sammler und hatte die Qual der Wahl.

    Hinzukommt bei mir, dass mich auf den Next Gen wirklich nix mehr flashte. Grafik Bombe….mehr war irgendwie nicht….
    Alle Games schienen linear zu laufen, nahezu gescripted, sahen nach Open World aus, waren es aber nicht. Oder waren es und streckten sich…
    Aber der Wow-Effekt war nie so richtig da…
    Vielleicht bei Tomb Raider 2013. Die Grafik, Sound, FX, Musik, Drama…
    Aber….wenn man nicht weiterwusste, zeigte das Spiel an, wo man hin musste.
    Oder welche Tasten ich in Aktion- Sequenzen drücken muss…
    Mhhhh…..
    Richtig, dderartige Spiele machten Appetit, aber sättigten mich nicht….irgendwas fehlte.
    Ich spiele oft bei Kumpels Next Gen oder schaue zu….aber oft lehne ich das Pad ab, weil ich null Bock verspüre und lieber zuschaue oder gar nichts empfinde, obwohl ich immer schon immer ein Spielkind war.

    Haut mich, aber ich würde z.b einem V-Rallye 1 auf der PS1 einem aktuellem Forza vorziehen. Ich weiß, klingt doof….ist aber so

    So erwischte ich mich, dass ich viel retrograd unterwegs war und trotz “schlechterer” Grafik viel mehr Spaß und auch Motivation hatte, die Spiele zu zocken.
    Selbst auf Feiern lief im Hintergrund eine alte Konsole und wurde stark frequentiert ….klar….gepaart mit Jugenderinnerungen …kommt bei vielen “Freude” auf. Daraus resultieren Gespräche, wie geil das “damals” war.
    Okay, User von aktuellen Games wirst du nicht bekehren können.
    Oder es liegt bei mir am Alter, aber da habe ich im Kumpelkreis genau das Gegenteilige.

    Wobei das natürlich nicht bei allen Retrogames funktioniert. Manche sind schlecht gealtert und auch wirklich schlecht und/oder die (Jugend)-Erinnerungen sind besser als die Realität.

    Der FOMO-Effekt war bei mir noch nie stark ausgeprägt und daher vorteilhaft in wirklich allen Lebenslagen. Aber ich kenn genug Leute, wo es so ist, die mich dann eher als altbacken sehen.

    MichaelAndré EymannTobi
  13. Besten Dank für deine geteilten Eindrücke. Ich gehe da so sehr mit.
    Keine Ahnung, ob ich mir den Schritt zutraue, alles zu deinstallieren, um mir nur ein Spiel in den Fokus zu nehmen. Keine Ahnung, ob mir das hilft. Es gibt doch auch stimmungsabhängige Spiele, wo man mal die Wahl haben möchte. Aber allein, wenn man diese Wahl schon einschränkt auf eines je Plattform oder so, wäre mir vielleicht geholfen.

    Selten passiert es, dass sich ein Sog entwickelt, der durch das ganze Spiel trägt, zuletzt bei Metroid Dread bei mir, aber ich muss auch zugehen, dass es die meisten nicht schaffen, bei denen ich beim Kauf noch denke: “Das ist mein Spiel für die nächsten Wochen”. Same same, vieles schon gesehen, leider. Jetzt von den Spielen zu erwarten, mir DEN einen Kitzel zu verschaffen, sehe ich aber leider auch nicht erfüllbar. Für mich suche ich noch nach einer Zwischenlösung, damit es keine Ablösung vom Hobby gibt.
    Auch wenn ich für mich sehe, dass ich nicht mehr ganz so Hype-abhängig bin, passiert es mir doch noch, dass ich zu früh zugreife. Zu früh, weil ich eigentlich gar nicht die Zeit dafür habe, weil andere Spiele und sowieso das Leben mitspielen.
    Ich habe gezuckt, als du beschrieben hast, wie Job und Familie dich zum Casual-Gamer machen. Die Frage will ich mir selbst auch mal genauer stellen.
    Casual-Gamer ist so negativ besetzt. Aber vom Hardcore-Gamer bin ich auch meilenweit weg. Und es gibt Vielspieler, die nie aus dem Sumpf von Casual Games herauskommen. Und sowieso mit dem ganzen “Gamer”-Kontext habe ich selbst noch ein Hühnchen zu rüpfen, weil ich in keiner der Ecken stehe oder stehen will. Klar ist ein Gamer-Dasein facettenreich. Die innere Bedeutung, welche Spiele für mich haben, weil sie mich so lange begleiten, mach mich zu igrnedeinem Gamer. Dagegen stellt sich die krasse Außensicht, wenn man als Gamer betitelt wird und sich mir dabei sofort die Nackenhaar aufstellen und ich in einen Rechtfertigungsmodus gerate, was an Spielen kulturell wertvoll ist, weil mein Gegenüber nur die Kategorien Casual- oder Hardcore-Gamer kennt.
    Keine Ahnung, bin ich ein Story Gamer auf dem Weg zum Silver Gamer? Und selbst wenn man sich mit Narrationen und dem was Spiele erzählerisch eigentlich sein könnten, rechtfertigt, kommt man auch nicht wirklich weit. Wenn man dann sieht, dass selbst die besten Videospiel-Stories meist nicht mal für halbgare Streaming-Verfilmungen oder Kurzgeschichten taugen (danke, für diese Ernüchterung aus einem WASTED-Podcast). Was für ein Gamer bin ich denn? Ein “Connaisseur des jeux vidéo”?
    Naja, das war vielleicht etwas konfus vermengt, aber zum Nachdenken hat mich dein toller Beitrag auf jeden Fall gebracht.

    MichaelAndré EymannTobi
  14. Erstmal Respekt für deinen “Neustart” und deinen Text, Sven, den ich sehr nachvollziehen kann. Ich denke ebenfalls, dass wir einfach “voll” sind. Den ganzen Tag werden wir heute mit News, Tweets und Zeug beballert, bewegen uns in unserer Bubble, meist auf digitalem Weg. Und dann möchte man sich abends in eine digitale Welt abseilen und dieses Gefühl kommt auf. Eigentlich ein schönes Spiel – aber langt eigentlich auch für heute.
    Dass wir mittlerweile schon fast alles auf dem Spielemarkt gesehen haben, das kommt mir auch so vor. Wie oft spielt man etwas und hat den Eindruck, dass es einem seeehr bekannt vorkommt. Auch wenn oft eine andere Grafik drübergestülpt wurde, hier und dort ein wenig geschraubt wurde.

    Ich mag ja kurze Spiele. Das Gefühl, ein Spiel nie zu beenden, nervt mich so sehr, dass ich im Normalfall schon gar nicht mehr mit großen Titeln anfange. Sonst wäre Frust vorprogrammiert und den möchte ich gerne vermeiden. Kleinere Spiele sind aber gerne willkommen, da hab ich mehr von. Gerade hatte ich den Cyberpunk Shooter Foreclosed gespielt, aktuell ist Call of the Sea dran. Du siehst schon, auf neuestem Releasestand bin ich nicht (interessiert mich auch meistens nicht). Aber waren a) günstig (Sale), b) sind nicht lang und c) unterhalten mich auf ihre Weise sehr gut.
    Den Gamepass werde ich demnächst auch wieder absägen. Es wird zu viel, davon abgesehen, dass mich ein Großteil der enthaltenen Spiele meist sowieso nicht wirklich interessiert.

    Ich denke – wenn ich von mir ausgehe – ich muss mir immer wieder bewusst machen, wofür ich wieviel Zeit aufbringen möchte. Fließbandzocken, wie es die Medien und auch z.B. ein Gamepass suggerieren, is nich. Mit Familie und komischen Arbeitszeiten sowieso nicht. Meine Spielzeit ist aber meine Zeit, die möchte ich genießen, denn auch ich brauche mal ne Pause. Und manchmal ist da weniger einfach mehr. Danke für deinen nachdenklich machenden Text, Sven!

    Sven PielothMichaelAndré EymannMatthias
    1. Ich würde auch noch anhängen, dass diese Lustlosigkeit meiner Meinung nach auch sehr der Digitalisierung der Spiele zu “verdanken” ist. Viele Titel bekommt man schon gar nicht mehr als Retailversion, man lädt ständig etwas neues herunter, statt das eine gekaufte im Regal mal endlich fertig zu spielen (wie damals) und schon haben wir den Salat. Wegwerfgesellschaft Spielebranche würde ich das fast betiteln. Wie viele Titel, vielleicht sogar sehr gute Titel, hab ich nie weiter gespielt, weil mir der Anfang nicht zugesagt hat? Aber auch bei den ganzen Streamingdiensten ist es ja nicht anders, kurz reinschauen oder -hören, doof, links liegen lassen. Durchzubeißen ist out.

      MichaelAndré Eymann