Mein Erlebnis mit Hulk für das Atari VCS

Mit Kommentaren von Paul Hartmann, Sascha Eversmann, Jonas, Tobi, Christian.

  • Zeit: Irgendwann im Spätsommer 1983
  • Ort: Videothek in Bürstadt
  • Inhaber: Kanow & Rödig

Videothekar und Videospieler

Jürgen Kanow war Mitinhaber der ersten Videothek in Bürstadt in der Klarastraße / Ecke Nibelungenstrasse und ein großer Atarifan. In dieser schönen Videothek, zu deren ersten Kunden ich zählte, wurden nicht nur Videocassetten sondern auch Atarispiele verliehen und ziemlich einzigartig für Anfang der 1980er – auch neue und vor allem gebrauchte Atari Games verkauft!

Durch den Gebrauchtverkauf, kosteten doch neue Videospiele zur damaligen Zeit meist 129 DM, wurden größere Umsätze generiert und die Kunden kamen extra von weiter her, um günstig einzukaufen. Die Verpackung war oft noch neuwertig, da diese in weiser Voraussicht nicht mit verliehen wurden! Nach ca. 20 Ausleihungen, konnte man dann ein Spiel für den halben Neupreis oder weniger erwerben, je nach Anzahl der Verleihvorgänge.

Atari, Activision und Parker

Besonders begehrt waren neben original Atari und Activision, die Parkerspiele in ihren wundervollen Pappboxen. Frogger, Spiderman, The Empire strikes back, Death Star Battle und Amidar hatte ich mir bereits gesichert. Popeye und Tutankham hatte mir ein anderer bereits weggeschnappt.

Ein Vertreter von Parker kam etwa alle zwei bis vier Wochen mit Neuheiten vorbei und natürlich hauptsächlich, um weitere Bestellungen aufzunehmen. Diesmal hatte der Vertreter das Spiel Hulk dabei und drängte es regelrecht dem Inhaber zum testen und kurz bewerten auf.

Hans-Jürgen Kanow besaß eine größere Sammlung an Atari Games, die er auch intensiv spielte und durch sein neuartiges Geschäftsprinzip, war er im kleinen Bürstadt zu einem wichtigen und geschätzten Kunden geworden. Der Vertreter war vorher in einer großen Mannheimer Videothek, in der Nähe vom Prinz Medienhaus gewesen, wie er angab. Auch diese verliehen und verkauften sowohl neue als auch gebrauchte Atarispiele. Er hatte diesen ebenfalls ein Hulk zum Anspielen dagelassen. Sein drittes hatte sein Sohn oder der Sohn eines guten Freundes zu Hause, aber daran erinnere ich mich nicht mehr genau.

Eröffnung der Videothek 1978 in Bürstadt
Eröffnung der Videothek 1978 in Bürstadt
Weihnachten in der Videothek
Weihnachten in der Videothek

Spiderman und Hulk

Es war ganz kurz vor dem Videospiele-Crash und die letzten Parkerspiele, waren alle keine Hits mehr und qualitativ auch deutlich schlechter geworden. Man hatte wohl noch gar keine professionellen oder privaten Tester, es waren halt Videospiele, sprich Kinderspiele. 

Parker Bros. besaß viele Lizenzen durch ihre Spielwaren und versuchte diese großen Namen auch als Games zu vermarkten. Unter anderen wurden folgende Games anfangs gut, später schrecklich, für das Atari VCS umgesetzt: Spiderman, Star Wars, James Bond, G.I.Joe, Hulk usw.

Jeder wollte halt in dem Milliardenmarkt kräftig mitverdienen. Dass Lizenzen noch kein gutes Spiel ergeben, ist heute ja bestens bekannt, aber Anfang der Achtziger, waren sie meist extrem lukrativ. Ohne genaue Vorgaben  wurstelten die Programmierer meist, mit der extrem schwachen und limitierten Hardware, irgendetwas zusammen.

Die Hulk Promo

Ich war gerade mal wieder, wie so oft im Laden und hatte mitbekommen, wie der Parker-Vertreter ein, noch unveröffentlichtes Hulk-Spiel vorstellte (heute Promo genannt).  

Als sehr guter Kunde und mit freundschaftlichen Beziehungen zu Kanow, bekam ich es, auf Bitten und Betteln (ich konnte recht hartnäckig sein) von ca. 14:30 bis 18:00 Uhr gegen Verleihgebühr von Kanow ausgeliehen. Da es sich jedoch um eines von wenigen und noch nicht in Serie produzieren Spielen handelte, hinterlegte ich eine Sicherheitskaution. Die vorgeschlagenen 100 DM bekamen Freund Ludwig und ich als Studenten jedoch nicht zusammen und so waren 70 DM, alles was wir zusammenkratzen konnten.

Mit Kumpel Ludwig hatten wir noch zweite weitere Games ausgeliehen. Brachte man so ein ausgeliehenes Spiel oder eine Videokassette noch am gleichen Tag zurück, reduzierte sich die Verleihgebühr von 5,00 auf 2,50 DM und damit ein großer Anreiz, für uns damalig notorische pleite Studenten. 

Die beiden anderen Spiele waren Dragonfire von Imagic und wohl das ältere Atarigame Stampede, welche ich bis dahin noch gar nicht ausgeliehen hatte. Wir haben dann bis Abends gezockt und das mit Abstand schlechteste Game war: HULK.

Ich hatte noch scherzhaft zum Kumpel gemeint: „Was wäre, wenn ich das seltene Teil einfach behalte? Aber es war unspielbar übel und die 70 D-Mark DAMALS ganz und gar nicht wert und ich hatte mein Wort gegeben, es am gleichen Abend bis 18:30 Uhr zurückzubringen und als Schüler litt man ja, permanent an Geldnot.

The Incredible Hulk!
The Incredible Hulk!

Adieu ihr schönen Atarispiele

Ein paar Jahre später, habe ich meine Atari-Sammlung mit knapp 70 Spielen (fast alles OVP 🥲) verkauft. Adieu ihr schönen Silver-Atari-Label und very nice Parker-Verpackungen (noch mit abgeschnittener Ecke, sodass das Anleitungsheft GEKNICKT beilag). 

Unsere Meinung

Kanow fand Hulk, nach dem fantastischen Spiderman und actionreichen Empire strikes back ebenfalls schrecklich und hat unsere gemeinsame Meinung später dem Vertreter mitgeteilt und es zurückgegeben. Es gab wohl 3 bis 5 Promos. Die Verpackung war komplett, ich erinnere mich aber nicht mehr an eine Anleitung. Seither verliert sich die jegliche Spur… vom heute legendären Hulk.

Ich würde das Game, heute reifer, noch einmal sehr gerne für eine Stunde spielen, aber außer Fälschungen, mit komplett anderem Spiel (Frankenstein) gibt es noch nicht einmal mehr einen Schnipsel Programmcode. Atariage.com vertritt sogar die Meinung, dass es nie existierte, was wohl darauf hindeuten und bestätigen würde, dass es damals nur in Europa zum Test vorlag.

Vermutungen

Die Promo war vermutlich in Holland oder Deutschland entstanden. Irgendetwas aus dunkler Erinnerung und mitgehörtem Gespräch steigt bei mir hier aus dunklen Gefilden hervor und könnte dadurch vielleicht auch auf einen europäischen Programmierer verweisen.

Seither habe ich vergeblich, immer mal wieder versucht, das Spiel aufzutreiben. In den 2000ern wurde mal eine größere Hulk-Sammlung verkauft und ein Atari Spiel Hulk war hier mit Verpackung auf einem der Bilder ersichtlich und mitgelistet. Verkäufer oder Käufer konnte ich jedoch nicht herausbekommen und ich war auch nicht an einer teuren Hulk Sammlung interessiert. Atari-Videospiele kosteten um die Jahrtausendwende lediglich einen Euro auf dem Flohmarkt.

Mehr konnte ich trotz Recherche nicht ermitteln. Selbst eine Adresse von Parker in Deutschland in den 80ern, ist durch mehrere Firmenverkäufe Tonka, Hasbro, Brom-Vertrieb… durch mich nicht mehr zu ermitteln. 

Der Spielablauf

Ich versuche hier einmal meine Erinnerungen zum Spielverlauf zu schildern. Der erste Level enthielt ein mickeriges Strichmännchen (noch nicht einmal grün) welches Hulk darstellen sollte. Welch eine Enttäuschung nach dem schön gemachten Spiderman. Auch dass man eine Pille zur Verwandlung in Hulk nehmen musste, hatte überhaupt nichts mit der Comicfigur gemeinsam und erinnerte mehr an die Fernsehserie „Immer, wenn er Pillen nahm“, als an den muskelbepackten Comic-Helden. 

Es wuselten Menschlein wild und planlos über den Fernseher und nach meiner Erinnerung lilafarbige Aliens, die wohl für einen Gruselfaktor sorgen sollten. Gruselig war jedoch hauptsächlich, selbst für die damaligen Verhältnisse, die wenig schöne Darstellung der Protagonisten. Zumindest aber verbreiteten die auftauchenden Aliens einen unheimlich dunklen bizarren Sound. Ich war gespannt und neugierig. Jeder Kontakt zwischen bösem Alien und Menschlein führte zur Entführung und Verschwinden des armen Opfers.

Hulk muss die Pille nehmen

Mit Hilfe einer blinkenden Pille, verwandelte man sich in den Hulk und konnte hier gegen das Alien vorgehen. Die verflixte Pille hüpfte jedoch verwirrend und zufällig, wie wild über den Bildschirm. Wenn man nun nach einigen Versuchen, endlich eine erhaschen konnte und ein bösartiges Alien in seine Schranken weisen wollte und auch in dessen Nähe kam, teleportierte sich das scheußliche Monster zufällig einfach ein Feld weiter und man hatte keinerlei Chance es zu erwischen.

Nach unzähligen und frustrierenden Fehlversuchen stand für mich fest, dass man wohl am besten vorher und auf gut Glück den Joystick in eine seiner acht Bewegungsrichtungen drücken musste, um so einen Angreifer per Zufall zu erwischen. Dies geschah jedoch gefühlt deutlich seltener als jedes achte mal und frustrierte sehr.

Der zweite Level

Im zweiten Level, nach vielen irrwitzigen Versuchen und nicht jugendfreien Ausrufen, stolze zwei oder dreimal geschafft, teleportierte sich das Scheusal nun einfach zwei Felder weit weg. Wenn man überhaupt, eine der nun viel seltener auftauchenden und ebenfalls wild umher hüpfenden Pillen, überhaupt erwischte.

Zwischenzeitlich dezimierten munter ein oder zwei Aliens die armen Menschlein. Und um den ganzen Wahnsinn noch zu toppen, gab es verschiedene Ebenen, die man über eine Liane erreichen konnte und so gezwungen war, die Mickermännchen dreidimensional zu beschützen. Befand man sich in unmittelbarer Nähe zu einem Menschen konnte man das angriffslustige Alien verjagen. Aber alles tobte wild durcheinander und versuchte man den einen Menschen zu bewahren, wurde bereits ein anderer attackiert und entführt.

Die Lianen waren auch nicht sehr hilfreich und kosteten bei deren Erklimmen recht viel Zeit, wenn man nicht schon vorher in E.T.-ähnlicher Weise in das Loch, sprich Verbindungstunnel zum anderen Stockwerk gefallen war. 

Natürlich musste es noch ein knackiges Zeitlimit geben, in dem die verflixte Pille zur Verwandlung in den Hulk wirksam war. Nun konnte man dem oder den Übeltätern eins über die Mütze geben. Im zweiten Level war die Hulkverwandlung jedoch deutlich kürzer und so war es extrem schwierig, einem die Stockwerke wechselnden Alien überhaupt nur nahe zu kommen. Es war für Ludwig und mich nun absolut unmöglich ein Alien in seine ewigen Jagdgründe zu befördern. 

Spiderman schlägt Hulk

Level zwei hat dann bei uns absolut jegliche verbliebene Minimal-Restmotivation zerstört. Wir nahmen Hulk enttäuscht und gefrustet aus der Konsole.

Nach dem gelungenen und netzschwingenden Spiderman, war Hulk eine Riesenentäuschung und so widmeten wir uns dem ebenfalls nicht berauschenden Dragonfire, aber zumindest das schon ältere Stampede von Activision machte und macht mir auch heute noch Spass. Soweit meine Erinnerung nach fast vier Jahrzehnten… 

Bye Bye Hulk Game ich werde dich nie vergessen und E.T. von Howard Scott Warshaw trägt somit weiter unverdient den Titel, schlechtestes Atari Game aller Zeiten.

Abbildungen aus dem Parker Prospekt mit Bezug auf das Spiel Hulk

Zur Verfügung gestellt von Guido Frank

André EymannAxelTobi

Konto vorhanden?

Melde Dich an, um mit Deinem vorhandenen Konto zu kommentieren oder zu liken. Wenn Du noch kein Konto hast, kannst Du hier eins erstellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare8

    1. Hallo Sascha, vielen Dank für deine Hinweise.

      Durch AtariMania hatte ich ja selbst erst die Seltenheit von Hulk realisiert und war vorher der Meinung, dass ein paar Prototypen in Sammlerhänden oder zumindest bei Programmierer und Parker Vertretern verblieben seien.

      Mittlerweile vermute ich, dass es vielleicht nur diese 3 Exemplare gegeben hat, denn sonst hätte ja irgendeines den Weg in die Öffentlichkeit finden müssen.

      Leider erfahren in Deutschland Videospiele und ihre Geschichte nicht die Aufmerksamkeit , die sie in den USA erhalten. Ein Rechercheteam könnte versuchen über das legendäre Blue Ranger Team von Parker, Parkers Firmenarchive und eventueller Liste des (der) Außendienstvertreter, sowie etwas medialer Aufmerksamkeit ein Modul oder zumindest den Programmcode von Hulk herauszubekommen.

      Leider ist Herr Kanow hochbetagt und hat seinen eigenen Kompagnon vor zwei Jahren nicht mehr erkannt. Auch wird er von seinem Sohn abgeschirmt. So bestehen wohl wenig/keine Chancen, über ihn den Namen des Vertreters heraus zu ermitteln.

      Vielleicht verfügt hier ja jemand über Zeit, Geduld, genügend Mittel und Ideenreichtum und geht auf die Suche nach Hulk. Ich würde als alter Atari Fan, nach 40 Jahren zu gerne noch einmal den grünen
      Superhelden in die Konsole schieben.

      TobiAndré Eymann
  1. Danke für deinen Beitrag, Paul! Ach ja, die Videotheken, das waren Zeiten. Da hab ich mich damals auch gerne mal herumgetrieben. Vereinzelt gibt es in Hamburg sogar noch welche, dort kann man auch gelegentlich ein Schnäppchen bei den Verkaufstischen machen. Aber der Großteil ist leider verschwunden.
    Nicht nur, dass du mit deinem Beitrag ein wohlig warmes Nostalgiegefühl in mir auslöst und ein Stück deiner eigenen Geschichte preisgibst. Du schaffst es auch, mir die Atarikonsole und vor allem das Spiel Hulk mit seinen scheinbar reichlich vorhandenen Schwächen bildlich näher zu bringen. Danke für dein schön ge– und beschriebenes Stückchen Videospielgeschichte rund um Herrn Kanow, sein Geschäft und dich. Bei den Bildern scheint sich ein kleiner Hüpfer eingeschlichen zu haben, denn der Ritterfilm im Hintergrund des 78er Bildes kam ja erst Mitte der Neunziger in die Kinos. Nichtdestotrotz ist deine Geschichte ein wunderbar lesenswertes Erlebnis, vielen Dank!

    André Eymann
    1. Hallo Tobi, vielen Dank für dein schönes Lob und deinen Hinweis. Der erste Ritter kam ja tatsächlich erst 1995 in die Kinos. Es war eine ziemliche Mühe überhaupt noch Fotos von dieser Videothek aufzutreiben. Das Internet gibt ja aus den alten Tagen leider nichts mehr her. Den abgebildeten Herrn Rödig aufzuspüren war schon problematisch und ich habe bei ihm abfotografiert, was er noch hatte. Es könnte ev. dann das 20. Jubiläum (1998) gewesen sein? Zu gerne hätte ich noch Herrn Kanow zu seinen Erinnerungen an Hulk interviewt, aber leider vergeblich. Vielleicht findet sich ja durch den Artikel jemand, der weiter forscht oder gar die Promo über die Jahrzehnte hinweg gerettet hat.

      André EymannTobi
      1. Oh, nach nochmaligem Lesen merke ich, dass ich Herrn Rödig total unterschlagen habe. Alles gut, ist mir nur ins Auge gesprungen. Toll, dass du überhaupt Infos bekommen hast und – wie ich es verstehe – Herr Rödig zu einem Gespräch und sogar einem Treffen bereit war. Danke für die schönen Erinnerungen.

        André Eymann
  2. Sehr schön geschrieben und sofort in die Zeit zurückgeschickt und dazu noch Bürstadt. Ich selbst bin in Hofheim aufgewachsen.

    Vielen Dank für Deinen schönen Artikel.

    André EymannTobi
    1. Hallo Christian, dass wir quasi Nachbarn sind ruft doch zu einer gepflegten Gamingrunde mit Retrospielen. Du bist herzlich eingeladen.

      André EymannTobi