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Der Games-Podcast Stay Forever ist für mich zu einem festen Begleiter geworden. Seit dem Sommer 2011 sprechen die beiden ehemaligen Spielejournalisten Gunnar Lott und Christian Schmidt ihre Gedanken über Computer- und Videospiele auf digitaler Tonspur ein. So sind mittlerweile viele interessante Podcast-Folgen über unser Lieblingshobby entstanden. 2017 sind die beiden das erste Mal “Live on Tour” in Deutschland. Und am 11.07.2017 war Hamburg dran. Keine Frage, dass ich mir das unbedingt anschauen wollte.

Stärkung vor dem Event. Natürlich ein Holsten! (Bild: André Eymann)
Stärkung vor dem Event. Natürlich ein Holsten! (Bild: André Eymann)

Zugegeben: so ganz genau konnte ich mir das nicht vorstellen. Stay Forever Live. Den faktenreichen und professionell produzierten Podcast anzuhören ist eine Sache. Aber Live erleben? Was soll da passieren? Wie soll das funktionieren?

Nun, am besten man trinkt sich erst mal warm. Das hat ja noch nie geschadet. Hamburger greifen da natürlich zum Heimatbier und machen sich dabei so ihre Gedanken. Werden heute wieder Unmengen von Schnaps getrunken, wenn Gunnar “wurscht” oder Christian “Fallhöhe” sagt? Oder haben die beiden ein Überraschungsprogramm ganz anderer Art parat? Eines ist sicher: es wird um Spiele gehen. Und darum, was Spiele mit uns machen. So ging ich gestärkt in den Schanzenpark, wo der launige Abend im ClubHeim des örtlichen Fussballvereines stattfinden sollte.

Vor dem Eingang durfte ich den “Praktikanten” Christian kennenlernen. Ein Tisch mit Devotionalien bot Stay Forever Tour- oder Elite-Poster an. Sogar Kühlschrankmagneten gab es. Das gut gelaunte Publikum griff gern zu – auch, um auf dem Wandschmuck später noch ein Autogramm signiert zu bekommen. Ich setzte lieber auf ausreichend hopfenreiche Getränke für meinen Sitzplatz. Denn beim Anblick des Veranstaltungsraumes wurde mir klar, dass es im wahrsten Sinne des Wortes ein heißer Abend werden würde.

Das Publikum wartet auf die Stars des Abends. (Bild: André Eymann)
Das Publikum wartet auf die Stars des Abends. (Bild: André Eymann)

Das ClubHeim füllte sich schnell und war ausverkauft. Sicher hätte Stay Forever eine noch größere Location anmieten können. Aber es war gut so, wie es war. Ein Raum wie dieser erhält die Intimität und Stimmung. Das Publikum bestand zum Großteil aus männlichen Gamern, aber auch unerwartet viele Gamerinnen waren dabei. Ich lag mit meinen Ü40 vermutlich im Mittelfeld des Besucheralters. Schön aber zu sehen, dass das Spektrum recht weit gefächert war. Es waren auch deutlich jüngere Zocker unter den Gästen.

Dann endlich war es soweit: Gunnar und Christian betraten unter Applaus die Bühne. Lasst die Spiele beginnen!

Begrüßung der Gäste und einleitende Worte. (Bild: André Eymann)
Begrüßung der Gäste und einleitende Worte. (Bild: André Eymann)

Nach einer freundlichen Begrüßung stellte sich sofort das wohlige “Stay Forever”-Gefühl ein. Ich habe die Podcast-Stimmen der beiden vermutlich ähnlich oft wie die von Justus Jonas gehört. Im Falle von Gunnar und Christian allerdings noch nie zum Einschlafen. Aber der Vergleich zu “Die Drei Fragezeichen” muss trotzdem herhalten. Denn auf eine besondere Art kann ich mich auch an Stay Forever kaum satthören.

Das Programm startete mit einem angekündigten roten Faden (“wie schwer wir es mit Spielen damals hatten”) und kurzweiligen Anekdoten über Textadventures oder 5.25″ Zoll Disketten. Erinnerungen an die heimische Spielesammlung im Hause der Mama (Christian) oder die zwei Klassen (“die vor und die hinter dem Tresen”) von Menschen in einem Spieleladen (Gunnar). So ging es wunderbar aufgelockert durch das Abendprogramm.

Immer wieder gab es Szenenapplaus im Publikum und viele Interaktionen mit den Gästen. Die Jungs von Stay Forever hatten Interesse an ihren Gästen und haben sich gefreut, den Abend mit ihnen gemeinsam zu verbringen. Das war in jedem Moment spürbar und hat mir sehr gefallen!

Live-Auftritt im Schatten des Hamburger Fernsehturmes. (Bild: André Eymann)
Live-Auftritt im Schatten des Hamburger Fernsehturmes. (Bild: André Eymann)

In der Mitte des Auftritts gab es eine kurze Entlüftungspause. So konnten im Schatten des Hamburger Fernsehturms Eindrücke oder Gemeinsamkeiten zwischen den Besuchern ausgetauscht werden. In der zweiten Hälfte wurde es dann noch interaktiver. Als Gunnar erzählte, dass sein erstes Spiel Yars’ Revenge auf dem Atari 2600 war, wusste wohl kaum einer im Publikum Bescheid. Außer ich. Was mich dann doch etwas nachdenklich stimmte. So alt ist das Spiel doch noch gar nicht! Ähem. Ist doch erst von 1981. Na ja, wurscht.

Wunderbar auch das Rollenspiel, dass den Pitch des Spieleklassikers Pac-Man im Laufe der Jahrzehnte parodierte. Christian und Gunnar versetzten sich in die Rollen eines Game-Designers und eines Managers, um das Spiel mit dem gelben Punktefressers im jeweils vergangenen Jahrzehnt zu vermarkten. Die Szenen demontierten die Spielebranche auf wunderbare Weise und zeigten, wie es hinter den Kulissen der von uns so geliebten Spiele ausgesehen haben könnte. Toll wie Namcos Spielhallenhielt hier als Metapher funktioniere. Zurückbesinnend resümiert man: es hat sich in der Haltung nicht viel geändert in der Gamesbranche.

Bewegendes Plädoyer zum Abschluss. (Bild: André Eymann)
Bewegendes Plädoyer zum Abschluss. (Bild: André Eymann)

Sogar an einen Städte-Wettkampf hatten die beiden gedacht. Ein Freiwilliger aus dem Publikum vertrat die schöne Hansestadt und bekam acht Fragen zu Spielen gestellt. Bei den Antworten durfte er tatkräftig vom Publikum unterstützt werden. Der Deutschlandsieger wird am Ende der Tour gekürt. So viel sei aber schon jetzt verraten: Hamburg hätte an diesem Abend besser abschneiden können 😉 In jedem Fall ist aber klar gworden: Stay Forever Live – das funktioniert tadellos!

Bewegende Worte

Zum Abschluss des Events hat uns Christian noch ein paar bewegende Worte mit auf den Weg gegeben: “Lasst euch von niemanden einreden, dass Spiele Zeitverschwendung sind!” – ein Satz der uns natürlich sehr nahe gegangen ist und für breite Zustimmung und Applaus sorgte. Wie recht Du hast, lieber Christian!

Nachdem ich am Ende der Veranstaltung noch geduldig auf das Abebben der Foto- und Autogrammschlange gewartet hatte, konnte ich Christian und Gunnar ganz persönlich für Stay Forever danken. In diesen beiden kurzen und sehr angenehmen Gesprächen wurde ich erneut überzeugt, wie sehr Christian und Gunnar ihr Werk lieben. Ihnen ist bewusst, das Stay Forever mehr ist als nur ein Podcast über Spiele. Und ich glaube, Hamburg hat an diesem Abend dazu beigetragen, ein Teil dieses Werks zu sein.

Danke Gunnar und Christian für eure Leidenschaft, euren Humor, eure Inspiration und eure Fähigkeit unser liebstes Hobby ernsthaft und dennoch federleicht zu behandeln!

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