Wie mich ein Waschbär zum Gamer machte

Veröffentlicht in Podcasts, Videospielgeschichten
Mit Kommentaren von Chris, Lennart Koch, Couchgespräche, Alex, Voll Verpixelt, Ben, Tobi, Susanne Wosnitzka

Meine Leidenschaft für Videospiele begann weit bevor ich meine eigenen Geräte zum Daddeln hatte. Wir schreiben das Jahr 1994 und viele meiner Freunde hatten einen Game Boy. Also quasi alle. Die meisten hatten ihre Tetris-Cartridge zum Dauersuchten tief im Slot vergraben und ich saß zumeist gebannt daneben und habe zugeschaut. So richtig gepackt hat mich dieses Spiel aber nie. Wie es dazu kam, dass ich Gamer wurde, welcher Schlüsselmoment schuld an ungezählten Spielstunden auf nahezu jedem Gerät ist, erfahrt ihr in dieser Videospielgeschichte.

Skate or Die

In der Jugend ist man ja permanent unter Zugzwang und die so genannte “Peer Pressure” hat einen erheblichen Einfluss auf das jugendliche Gemüt. So saß ich nun nahezu jeden Nachmittag zwischen meinen Freunden und schaute ihnen dabei zu, wie sie Tetris zockten. Ein eigenes Handheld musste her, das stand für mich relativ schnell fest.

Das Geld saß bei uns nicht ganz so locker und dennoch haben mir meine Eltern an Weihnachten endlich einen eigenen Game Boy gegönnt. Statt mir aber Spiele wie Super Mario oder Tetris dazuzulegen, bekam ich ein Spiel namens “Skate or Die” und ich undankbarer Flegel habe es gehasst. Aber so richtig. Dieses Game war ein 2D-Actionspiel und brachte alles in allem wenig Spielspaß. Der Sound war immer der gleiche, das ständige Gehüpfe und ein teilweise ziemlich heftiger Schwierigkeitsgrad haben mich immer wieder geärgert. Ich wollte es einfach nicht und so lag mein Game Boy anfänglich leider recht oft in der Ecke.

Getauscht, verliebt, verloren

Da ich kein eigenes Taschengeld bekam und so auch nicht für ein anderes Spiel sparen konnte, war ich darauf angewiesen zu tauschen. Aber keiner wollte mein tolles Spiel haben. Bis es dann eines Tages soweit war, dass ein Kumpel zu mir meinte: “Hier, hab ich durch, kannste spielen!” Das war quasi der Anfang vom Ende. Mit einem Lächeln im Gesicht warf er mir eine goldene Cartridge quer über den Tisch zu und darauf standen drei magische Worte, an die ich mich bis heute immer wieder mit nostalgischen Tränen in den Augen erinnere: Zelda – Link’s Awakening.

Ich stopfte also voller Ungeduld das Spiel in den Slot, schaltete den Game Boy ein, schaltete ihn wieder aus, holte die Cartridge raus, blies dreimal kräftig über den Slot und startete erneut. Was mich dann erwartete, hat mich für mein ganzes Gamerleben geprägt.

Spannende Rätsel, deren Lösung man nicht mal eben im Internet nachschauen konnte, liebevoll gestaltete Charaktere, eine abwechslungsreiche Story mit so manch kniffligem Endgegner und ein richtig tolles Sound-Design haben mich abgeholt und sich tief in mein Herz gespielt. Mein persönliches Videospiel-Schlüsselerlebnis folgte dann recht früh im Spiel.

Ich, Link, musste mit Schwert, Schild und einigen anderen Items den Windfisch aufwecken. Doch allzu weit kam ich nicht, denn ein verrückter Waschbär blockierte den Weg nach Norden in den Zauberwald. Ich hatte nahezu alles probiert. Mit dem Schwert auf die Mütze hauen, mit dem Schild wegschieben, nix half und ich war frustriert.

Ganze zehn Tage habe ich mir an diesem Rätsel die Zähne ausgebissen, bis ich endlich auf die Lösung kam: das Zauberpulver. Natürlich. Klarer Fall. Hätte man ja schon viel früher drauf kommen können. Seufz. Ich wollte dieses Spiel schon so oft an die Wand werfen, weil ich für einige Rätsel oder Zwischenbosse einfach zu dumm war, doch immer und immer wieder hat mich Link’s Awakening in seinem Bann gehabt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Dieses Spiel war mein persönlicher Start für alles, was danach kam, von Traders über Erben der Erde bis zu Monkey Island und Co.

Zurückblickend muss ich allerdings auch feststellen, dass es nicht oft Spiele gab, die mich so gefesselt haben wie Link’s Awakening und wenn, dann waren es meistens ebenfalls Titel aus dem Zelda-Franchise. Ich bin ihm bis heute treu geblieben und habe mit noch mehr Freude das sehr gut gelungene Remake meines alten Lieblingsspieles nachgespielt.

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Kommentare8

  1. Hallo Ben,

    ich gratuliere dir zu deinem VSG-Einstand, das ist ein schöner Artikel von dir 🙂

    Mein Erlebnis mit Link’s Awakening war übrigens recht ähnlich zu deinem. Ich hatte das Spiel auch gegen irgendein Modul eingetauscht (ich weiß nicht mehr genau, welches, aber es kann nichts tolles gewesen sein), und lange ohne irgendwelche Lösungshilfen dran geknabbert, bis ich es durch hatte. Das Remake hatte ich mir auch gegönnt 🙂

  2. Obwohl ich einen Gameboy pocket hatte, hab ich ja damals Links Awakening nie gespielt. Erst als Erwachsener hatte ich mir dann mal Links Awakening von meiner Freundin ausgeliehen und gespielt. Und es ist heute immer noch ein wunderbares Spiel, weil es so einzigartig ist. Vielleicht war es ganz gut, dass ich das Spiel erst später gespielt habe, um die Stimmung noch mehr würdigen zu können. Vielleicht wären aber auch einfach mit den Jahren immer mehr Ebenen dazugekommen, die ich als Kind nicht erkannt hätte.
    Das Remake steht diesem Gefühl in feinster Weise nach und gehört mit zu den besten Neuinterpretationen die ich gespielt habe, ohne das der Gameboyteil an Bedeutung verloren hätte.

  3. Hi Ben, für mich bestanden am Anfang Videospiele auch nur aus Jump & Run Spielen wie Super Mario oder Tetris. Für mich war es auch nur ein schöner gelegentlicher Zeitvertreib. Irgendwann bin ich aber wie du auf Zelda gestoßen. Bei mir war es allerdings A Link To the Past. Plötzlich habe sich ganz andere Spielwelten eröffnet. Welten, in denen man Rätsel lösen musste und die eine Spieltiefe besaßen, die ich bis dahin nicht kannte. Seitdem war es auch um mich geschehen. Zelda ist mir dabei immer im Herzen geblieben und ich habe fast jeden Titel gespielt und freue mich auch auf zukünftige.

  4. Also bei Skate or Die musste ich ja zuerst an den Titel für den C-64 denken. Das sind aber dann doch zwei völlig verschiedenen Titel. Hätte man mir zum Beispiel als einzigen Titel für die PS Vita, den Titel Olli Olli in die Hand gedrückt, wäre mir die Lust an Videospielen sehr schnell vergangen. https://youtu.be/uQp7sLhAa6Q
    Aber zum Glück gab es damals noch keine PS Vita und für den C-64 gab es Spiele wie Space Taxi, Artillery Duel oder North&South die mir gezeigt haben, wie vielseitig die Welt der Videospiele sein kann. Den Beginn meiner Leidenschaft kann ich gar nicht mehr auf einen bestimmten Titel fixieren. So richtig gefesselt haben mich damals Giana Sisters und Rings of Medusa.

    Tobi
  5. Hallo Ben, dein kleiner Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Auch ich kenne noch Skate or Die, da Freunde es mir mangels großer Spieleauswahl ausgeliehen haben. Als Kind bzw. Jugendlicher bin ich damit kaum zurecht gekommen. Da kann ich dich in jedem Fall verstehen. Liebe Grüße

    Tobi
  6. Vielen Dank für deinen kurzweiligen Beitrag, Ben! Auch drei Minuten Lesezeit wollen unterhaltsam geschrieben sein und das ist dir, wie ich finde, sehr gelungen.

    Skate or die ist tatsächlich ein schlimmes Spiel, wir haben das auch noch irgendwo hier herumfliegen 😄

    Bei Zelda kann ich aber leider nicht mitreden, ich habe das nie gespielt.
    Früher fehlte mir dazu einfach die nötige Hardware und später hab ich einfach keinen Draht mehr zu der Serie gefunden.
    Heute würde mich sehr wahrscheinlich nur Breath of the Wild wegen der schönen Welt vom Sessel (oder eher in diesen) hauen, aber noch ein System im Haushalt, das erklär mal meiner Frau 😆

  7. Hallo Ben, das ist wirklich toll & erheiternd geschrieben. Kann mich an das Skaterspiel auch noch erinnern (meine Schwester hatte einen GameBoy irgendwann) & wir hatten das mal ausgeliehen, fanden wir aber recht schnell auch dröge. Danke für dieses Erinnerung-Wecken 🙂

    Tobi