Half-Life 2 Mod: Year Long Alarm

Kommentiert von: Andre, YesterPlay 80, André, Robert, Ferdi.
  3 Min

Schon zum dritten Mal finde ich mich in einem abgeschlossenen Levelbereich wieder. Alle Feinde wurden von mir besiegt, die Musik ist verstummt und ich weiß, dass es hier irgendwo einen Ausweg geben muss. Und da steht sie wieder, die Kiste, an der ich meine Explosivgranaten aufstocken kann. Und das bedeutet für mich vor allem: Hier muss ich irgendwo eine Granate hinwerfen, die irgendetwas zerstört, woraufhin dann irgendwo der Weg geöffnet wird. Willkommen in der Half-Life 2 Mod Year Long Alarm.

Wie ich Half-Life suchte und Granaten fand

Vieles, wenn nicht sogar alles, erinnert dabei an Half-Life 2: Klebrige Schlingen von Barnacles hängen von den Decken und wollen uns zu sich in ihren hungrigen Rachen ziehen, Combine-Soldaten jagen durch dunkle Gänge und auch die brennenden, auf uns zurollenden Explosivfässer dürfen nicht fehlen. Year Long Alarm bedient sich an bekannten Mechaniken, Situationen und Settings der großen Originals und versucht sich an einer kurzen und kurzweiligen Imitation. Ist das nun Half-Life oder ist das nur Source-Engine?

Die Antwort lautet: Half-Life ist mehr als die Summe seiner Assets, und genau das ist auch der größte Kritikpunkt an Year Long Alarm. Denn während ich durch die Levels streife und dabei in gewohnter Manier Combine und Headcrabs mit Maschinenpistole und Farbeimern beschieße, vermisse ich ein großes Ganzes. Wer bin ich hier? Für was kämpfe ich? Wo laufe ich hin und vor was laufe ich davon? Eine solche Rahmung, die Einbettung der Spielmechaniken in eine Geschichte, fehlt hier leider völlig. Schade, denn hier verschenkt Year Long Alarm viel Potenzial.

Die Levels und Szenerien erinnern sehr stark an das Original Half-Life 2. (Bild: Robert Reiche)
Die Levels und Szenerien erinnern sehr stark an das Original Half-Life 2. (Bild: Robert Reiche)
Die bekannten Physikeffekte der Source-Engine eignen sich perfekt für kreative Gravity-Gun-Spielereien. (Bild: Robert Reiche)
Die bekannten Physikeffekte der Source-Engine eignen sich perfekt für kreative Gravity-Gun-Spielereien. (Bild: Robert Reiche)

Immer wieder Half-Life

Es ist schon irgendwie erstaunlich, dass motivierte Entwickler und Modder immer noch Spiele und Mods im Stil von Half-Life 2 entwickeln – schließlich hat das Spiel mittlerweile schon 14 Jahr auf dem Buckel. Das liegt vor allem daran, dass die Entwicklung in der Source-Engine sehr eingängig ist und viele Assets, Abläufe und Teilaspekte wie beispielsweise das KI-Verhalten perfekte Vorlagen bieten.

Year Long Alarm gehört in diesem Mod-Umfeld dabei zu den besseren Versuchen, auch wenn es relativ kurz ist und völlig ohne Story auskommt. Der Einsatz der Half-Life-typischen Industrial-Musik, die kurzen und knackigen Kämpfe und die stimmigen Levels sorgen für wohlige Erinnerungen an das große Vorbild, obwohl es nie und in keiner Weise daran heranreichen kann.

Ravenholm oder Year Long Alarm? Die Assets sind unverkennbar. (Bild: Robert Reiche)
Ravenholm oder Year Long Alarm? Die Assets sind unverkennbar. (Bild: Robert Reiche)
Wir treffen im Spielverlauf auch auf die Combine-Soldaten. (Bild: Robert Reiche)
Wir treffen im Spielverlauf auch auf die Combine-Soldaten. (Bild: Robert Reiche)

Und so endet die Mod genauso schnell, wie sie begonnen hatte. Dass bei meinem Spieldurchlauf dann auch noch eine (ungewollt) komische und Source-Engine-typische Physikeinlage das letzte Bild ist, das ich von Year Long Alarm zu sehen bekomme, vervollständigt dabei meinen persönlichen Eindruck.

Wer Wert auf Story und Tiefe legt, dem kann man Year Long Alarm leider nicht empfehlen. Wer sich jedoch in bester Old-School-Manier mit Gravity Gun durch Combine-Gruppen schießen und den Gameplay-Vibe von Half-Life 2 erleben will, sollte sich dieses kurze Abenteuer nicht entgehen lassen und dabei immer Ausschau nach Granatenkisten halten.

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5 Kommentare

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  1. Ich habe die Mod auch gespielt, dafür dass da über 3GB heruntergeladen wurden, war sie dann doch recht schnell vorbei. Ich war in ca. 45 Minuten durch und das auch nur, weil sich das kurze Kabel, das man von der Decke holen musste, im Geländer verfangen hat und ich erst ein paar Minuten versucht habe, das Problem mit der Gravity Gun zu lösen, bevor ich doch einen vorherigen Spielstand geladen habe.

    Ich muss sagen, mir hat auch so ein wenig Rahmenhandlung gefehlt, die die Mod irgendwo in die laufende Story einbettet. Einfach so irgendwo aufzutauchen und direkt eine mighty Gravity Gun herumliegen zu haben passt irgendwie nicht zu HL². Davon abgesehen war die Mod ganz cool, einige Elemente, wie z.B. die sich tot stellenden Zombies, wurden mir etwas zu oft verwendet, ebenso wie die obligatorischen leeren Kisten. Da standen hier gefühlt noch mehr herum als in Black Mesa und in HL². Die Physikspielereien waren aber teilweise echt toll, da hätten sie ruhig noch ein paar mehr einbauen können. Mir hat die Levelgestaltung, besonders in den Außenbereichen, sehr gut gefallen, die Entwickler haben da scheinbar ein Händchen für, wäre schön in Zukunft mehr von denen spielen zu dürfen.

  2. “Year Long Alarm” ist zum Grund geworden, Windows auf meinem Mac zu installieren 😉

    Ich möchte das Spiel auch ausprobieren und bin gespannt, wie es mir gefällt. Meine Ausgangslage ist vermutlich eine sehr ähnliche wie bei Ferdi. Denn tendenziell bin ich HL2 bis heute verfallen und bin mir deshalb sicher, YLA allein schon deshalb mit viel Wohlwollen zu begegnen.

    Vielen Dank für Deine Anregung Robert und eure Einblicke. Ich werde hier nochmals von mir hören lassen.

    1. Lieber Robert, ich habe ja gesagt, dass ich mich noch einmal melde 😉 Nun ja, aus dem Windows auf dem Mac ist nicht wirklich etwas geworden. Ich bin dann doch lieber den Weg “der Konsole” gegangen, um nachhaltig zu spielen. Und in Ermangelung eines Windows PC konnte ich “Year Long Alarm” leider bis heute nicht spielen. So ist das eben, wenn die Kompatibilität nicht gewährleistet ist. Dennoch habe ich Deinen Beitrag heute erneut gern gelesen und mich gefreut, dass Du ihn geschrieben hast.

  3. Ich kann den Kritikpunkt, die fehlende Einbettung in eine Rahmenhandlung, verstehen. Ich bin da aber etwas nachsichtiger. Denn eine Story habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet; und auch nicht gewollt. Für mich kann es nur eine Story-Fortsetzung geben, und die knüpft unmittelbar an die Ereignisse von HL2 EP2 an.

    Dennoch wusste ich wer ich bin, für wen ich kämpfe und gegen wen. Niemand musste mir die Gravity-Gun erklären, die gleich zu Beginn griffbereit auf einer Holzkiste lag. Ich bin eben im HL2-Universum und gehöre damit zur Zielgruppe dieser Mod.

    Und Year Long Alarm fühlt sich an wie HL2, spielt sich wie HL2 und fängt auch die Atmosphäre von HL2 gut ein. Das ist schon mehr als man von einer Fan-Mod erwarten kann. Natürlich erreicht die Mod nicht ansatzweise die Qualität von HL2. Aber wen wundert das? HL2 gilt als eines der besten Spiele der Videospielgeschichte. Das ist nur schwer zu toppen. Offenbar ist die Fallhöhe selbst für Valve zu hoch, jedenfalls kann ich mir bis heute nicht erklären, warum eine Fortsetzung nie erschienen ist.

    Dabei steckt so viel Potential in HL2. Beim Spielen von Year Long Alarm wurde mir wieder bewusst, wie genial Valve ihre Physik-Engine eingesetzt hat. Und keine Waffe ist so innovativ die Gravity Gun. Das gilt noch heute. Ich jedenfalls hatte mit Year Long Alarm viel Spaß, vor allem mit der Gravity Gun und der Physik. Es macht einfach Spaß, einen an einem Seil hängenden Stahlträger auf herannahenden Zombies zu schubsen. Von mir gibt es eine klare Spielempfehlung. Wer HL2 mag, dem gefällt auch Year Long Alarm.

    1. Ja, tatsächlich zeigt Year Long Alarm sehr gut, wie unglaublich genial Valve damals mit Half-Life 2 gehandelt hat. Gerade zu dieser Zeit kamen die ersten Spiele mit funktionierender Physik-Engine auf den Markt, und diese Möglichkeiten hat HL2 eben voll genutzt, indem man gesagt hat: Die Umgebung wird zu deiner Munition. Die Gravity Gun ist und bleibt genial, und das zeigt Year Long Alarm in bester Manier.

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