Myriad – Ein Shooter für den VC 20

Veröffentlicht in Spielebesprechungen
Mit Kommentaren von Stefan Vogt, Chaosspeeder, Torsten Othmer, Janni

Bevor mit dem Commodore 64 der Heimcomputer-Markt Anfang der 80er Jahre so richtig abhob, gab es mit dem Commodore VC 20 ein einfacheres Vorgängermodell.

Der „Volkscomputer“ VC-20. (Bild: André Claaßen)
Der „Volkscomputer“ VC 20. (Bild: André Claaßen)

Wir schreiben übrigens das Jahr 1981 und damals begegnete man noch überall in Deutschland auch im öffentlichen Bereich den neuartigen Arkade-Automaten.

Für mich als Kind waren Arkade-Automaten magisch, mit ihrer wunderschönen Grafik, den Sound-Effekten und dem oft gnadenlosen Gameplay. Da war eine DM (nach heutiger Kaufkraft 1 €) sehr schnell weg. Wirklich!

Aber nicht nur die Automaten waren atemberaubend, noch magischer waren für mich die oft namenlosen Helden, und ich meine wirklich Helden, die es schafften auf einer Maschine wie dem Commodore VC 20 mit seinen lächerlichen 3.583 Bytes Speicher, Computerspiele zu entwickeln, die es mit den Original Arkade-Automaten aufnehmen konnten.

Zur Verdeutlichung vergleiche ich jetzt Altobst mit Birnen: Der Speicher vom Commodore VC 20 passt ca. 20 Millionen mal in ein heutiges Tablet.

Ein Feuerwerk auf dem VC 20

Ein Glanzstück aus dieser Zeit ist das Spiel Myriad von Steve Clark. Das Spiel benötigte damals leider ein (superteures) 8K Modul, obwohl ich heute noch der Meinung bin, dass es auch mit 3.583 Byte auskommen könnte. Myriad gehört zum Genre der Space-Shooter, die damals ihren großen Vorbildern, wie Galaga oder Phoenix nacheiferten.

Myriad ist in sofern eine Perle unter den Shootern, als dass es mit einer so unglaublich explosiven Grafik auffuhr, dass man meinen könnte, der Automat steht im eigenen (Kinder-)zimmer.

Myriad ist für mich auch heute noch:

  • Rasante Grafik
  • feuerwerksähnliche Explosionen
  • Trümmer, Bomben, Minen, sogar Viren und Gestein
  • 9 verschiedene Angriffswellen
  • und Fehler wurden nicht verziehen

Es passierte in manchen Sequenzen so viel, dass es schwer war, Freund und Feind zu unterscheiden. Und das schönste für die damalige Zeit: Ein Schuss war wirklich mal ein Schuss. Es gab für den VC 20 so schrecklich viele Spiele, bei denen ein Projektil wirklich erst den oberen Bildschirmrand erreichen musste, bevor man den nächsten Schuss abfeuern konnte. Bei Myriad war das anders. Man konnte einfach nach Herzenslust ballern!

Natürlich übertreibe ich etwas, aber für die damalige Zeit wirkte alles so unglaublich schnell und rasant. Die damals noch extrem erfolgreiche Konsole Atari VCS 2600 verblasste endgültig zur Lächerlichkeit. Später zeigte dann Jeff Minter mit Gridrunner, dass auf dem VC 20 noch einige Luft nach oben war, aber Myriad ebnete diesen Spielen damals den Weg.

Ein wenig traurig finde ich, dass vom Entwickler Steve Clark nichts mehr zu hören war. Wie auch immer, vor einigen Wochen meldete er sich bei YouTube in einem Kommentar zu diesem Spiel zu Wort. In dem Video unten bekommt der Spieler auch einen guten Eindruck vom Spiel, obwohl der YouTuber auch nicht allzu weit kommt.

Das Cover der Spielkassette. (Bild: The Centre for Computing History)
Das Cover der Spielkassette. (Bild: The Centre for Computing History)
Eine Original-Spielkassette von Myriad. (Bild: Retrogames.co.uk)
Eine Original-Spielkassette von Myriad. (Bild: Retrogames.co.uk)

Kurzanleitung für den Emulator

Ich empfehle auf jeden Fall mal, das Spiel selbst auszuprobieren.

Hier ist ein Kochrezept:

Zu Schritt 4: die RAM / Block-Einstellungen in VICE. (Bild: André Claaßen)
Zu Schritt 4: die RAM / Block-Einstellungen in VICE. (Bild: André Claaßen)
  1. Schritt: Download des VICE-Emulators.
    Link: http://vice-emu.sourceforge.net
  2. Schritt: Download des Spiels.
    Link: http://www.6502dude.com
  3. Start der VC-20 Emulation (xvic).
  4. Gebt dem Spiel die 8K Speicher, die es braucht (wichtig), dazu müssen Block 0 und Block 1 aktiviert sein (das sind 2 x 4 KB Module).
  5. Im VICE-Emulator wird dann die Datei „Myriad.tap“ geladen und es kann losgehen.

Viel Spaß mit Myriad!

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Kommentare4

  1. Ein toller Artikel! Ich muss gestehen dass ich den VIC-20 liebe. Den Terminus Volkscomputer mag ich dagegen nicht, warum auch immer 😀 Was den VIC-20 so besonders macht, ist tatsächlich zu entdecken mit welch erstaunlicher Programmierkunst die Entwickler es schafften, trotz der Limitierung (keine Sprites und nur sehr wenig Speicher) wahre Meisterwerke zu erschaffen. Lustig: vor ein paar Tagen hatte ich das Spiel “Myriad” bei einem Freund in Blandford Forum (UK) als Original in den Händen. Es befindet sich gerade in einer Box mit einem wundervoll erhaltenen (frühen) VIC-20, sowie vielen anderen Games und Carts auf dem Weg zu mir. Ein Freund von Emulation bin ich nicht. Für ein paar Euro kann man einen VIC-20 bei eBay ergattern und glücklicherweise funktioniert er prima mit dem SD2IEC. Ein schöner Röhrenmonitor dabei, da beginnt mein Herz zu schlagen. Besagter VIC wird sicherlich früher oder später in meiner “Going 8-bit” Serie hier auf VSG genauer durchleuchtet werden.

  2. Hallo,

    ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht mehr so sicher. Tatsache war, dass ich eine Prototypen-Festplatte bekommen habe, die in dieser Form noch nicht am Markt verkauft wurde. Vor lauter Begeisterung über dieses Teil, habe ich vor der Rückfahrt vom Händler die ganze Zeit “1000 x 1000” gemurmelt. Das ist mir und meinen genervten Beifahrern noch deutlich in Erinnerung geblieben.

    Es könnten auch 5 MB gewesen sein aber ich glaube, es waren nur 1 Megabyte. Später hatte ich beim Atari ST eine 10 MB Platte und kämpfte dort mit dem 40 Ordner-Problem.

    Mit der Platte habe ich dann einige erste Anwendungen programmiert. Siehe https://medium.com/@chaosspeeder/sinclair-ql-the-first-real-computer-2bff6046ea28.

  3. Sehr schöner Artikel. Ob nun das Spiel Myriad tatsächlich in nur 3,5 KB RAM gepasst hätte? Ich gebe zu bedenken, dass selbst die meisten Atari VCS Spielmodule 4 KB Speicherplatz benötigten. Und eine 1 Megabyte große Festplatte ist mir noch nicht unter gekommen. Die kleinsten mir bekannten fassen immerhin 5 Megabyte, immerhin fünf mal soviel. Ich habe mal recherchiert. Für den QL wurden in den 1980er Jahren Festplatten zwischen 10 und 40 MB angeboten.

  4. Sehr schön geschrieben. Die Emotion die bei einem geliebten Spiel aus der Kindheit/Jugenzeit entsteht kommt sehr gut rüber. Die Tipps zum nachspielen auf Vice finde ich auch eine gelungene Bereicherung von Videospielgeschichten.de.

    Ich finde es immer super spannend, wie in diesem Artikel, die persönlichen Geschichten von Machern zu hören aus der goldenen Zeit. Mehr davon. 🙂