Vom physischen zum digitalen Sammler – klappt das?


Kommentiert von: Xalloc, Michael, André Eymann, Max Vega, Chris, Nele Abels, Tobi, Dennis Mull, Alex, Max Oßberger, Florian Auer, Mazzle, Wolfgang, Couchgespräche, WandFeuer, Dengeki Gamer.
Lesedauer: 2 Minuten

Für mich sind Games kein Fast Food, ich möchte mir Zeit für sie nehmen, das Durchspielen genießen und die Arbeit, die Entwickler*innen hineingesteckt haben wertschätzen.

Als Kind der 90er gehörte es für mich bisher immer zum Erlebnis dazu, mir die Disc-Versionen meiner Lieblingsspiele ins Regal zu stellen, vielleicht sogar ein wenig mehr Geld in eine limitierte Steelbook- oder Collector’s Edition zu investieren.

So schön es auf der einen Seite ist, wenn die Sammlung wächst und wächst, bin ich mittlerweile an einem Punkt, an dem die Freude so langsam kippt. Ich merke, dass mich das physische Sammeln von Games mehr und mehr belastet, fast schon erdrückt. Der Platz in meinen Regalen ist so gut wie erschöpft und von meinen bisherigen Schätzen möchte ich mich ungern trennen.

Dazu kommt, dass ich einfach nicht mehr die Energie und Lust habe, mich durch den Editions-Dschungel zu wühlen, um zu checken, welche Edition wo erhältlich ist und welche Boni enthalten sind, zu welcher Tag- oder Nachtzeit die Vorbestellungen freigeschaltet werden, ob es mittlerweile eine „Game of the year“-Edition, eine Upgrade-Version für die neuen Konsolen oder einen „Greatest Hits“-Re-Release gibt und und und…

Womöglich steckt hinter der großen Pappbox dann doch nur ein Downloadcode, oder meine vorbestellte Disc-Version wurde mal wieder voller Elan in den Briefkasten gedrückt, so dass mir beim Auspacken eine verbogene oder eingedellte Edition entgegen lächelt (so “special” sollte es dann doch nicht sein). Immer mehr Spiele befinden sich nur teilweise auf der Disc und müssen sowieso zu großen Teilen heruntergeladen werden, von den Patches ganz zu schweigen. Gleichzeitig entdecke ich in meiner Twitter-Timeline mehr und mehr Bilder von ehemaligen Sammler*innen, die den “ganzen Kram” nur noch loswerden wollen und ihre Schmuckstücke zum Verkauf anbieten.

Das alles sind Gründe, die mich veranlasst haben, folgenden Tweet zu verfassen:

Würde gerne in Zukunft Games nur noch digital sammeln, tue mir momentan aber noch schwer mit dem Gedanken, nichts mehr “handfestes” für’s Regal zu haben. Auf der anderen Seite hab’ ich aber einfach auch keinen Platz mehr für den physischen Kram… wie macht ihr das?

Leider habe ich beim Zocken von rein digitalen Spielen noch immer das Gefühl, dass irgendetwas fehlt. Da freue ich mich über Monate auf ein Spiel und kann es am Ende womöglich gar nicht richtig genießen, weil ich dann doch auf die schöne Special-Edition verzichtet habe, die mir vielleicht beim Blick auf die Schrankwand dieses entscheidende Fünkchen mehr Freude bereitet hätte.

Die „FOMO“ zündet auch bei mir, die „Fear of Missing out“, die Angst, etwas zu verpassen, was am Ende nur noch zu Mondpreisen bei unverschämten Marketplace-Händlern zu bekommen ist.

Daher frage ich mich: Bin ich denn schon bereit, mich komplett von dem Gedanken des physischen Sammelns zu lösen? Vielleicht fehlt mir einfach noch der entscheidende Denkanstoß, der mich diesen großen Schritt machen lässt. Denn es wäre sicherlich ein großer Befreiungsschlag, wenn ich mit einer rein digitalen Sammlung die neuesten Spiele genauso genießen könnte wie mit einer dicken Collector’s-Box im Schrank.

Ich freue mich sehr auf eure Erfahrungen zu diesem Thema.

CouchgesprächeWolfgangAndré EymannTobi

38 Kommentare

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  1. Ich war eigentlich nie der große Sammler. Wenngleich ich das heute auch manchmal ein klein wenig bereue. Ich war zu der Zeit einfach zu jung, um daran zu denken, dass man die Sachen auch sammeln könnte. Ich hatte damals einiges an Star Wars-Spielzeug. Wenn ich das heute noch originalverpackt hätte…
    Ähnlich war es bei den Videospielen. Wir haben wirklich eine Menge gespielt. Das wenigste davon haben wir aber gesammelt. Ich muss zugeben, dass das auch daran gelegen haben könnte, dass es sich nicht immer um “Originale” handelte ;). Jedenfalls habe ich mich einige Jahre später gefreut, als ich auf dem Dachboden meines Elternhauses ein paar Spiele (wenn auch eher weniger bekannte) wieder fand, sowie einen alten Joystick für den CPC. Das hat mich dann irgendwie in die HC-Zeit zurückversetzt. Insofern ist das vielleicht etwas, was real existierende Gegenstände können: eine Erinnerung wiedererwecken. Jedenfalls vielen Dank, lieber Max, für den schönen Beitrag, auch wenn ich mit meinem Kommentar wahrscheinlich nicht wirklich auf deine Frage eingegangen bin.

    Tobi
  2. Mir geht es bei Spielen genau so wie bei Büchern oder Filmen – mich interessiert nur der Inhalt, das Medium ist mir gleichgültig. Mir ist es egal, ob ich ein Buch als Papier oder als Ebook lese und bin froh, dass ich alle meine Filme gerippt und auf dem Server abgelegt habe, so dass die sperrigen DVD-Regale weg sind. Das Blueray-Laufwerk in meiner PS4 ist seit über einem Jahr kaputt, aber das ist mir egal, denn ich brauche es sowieso nicht.

    Das Konzept, Dinge zu “sammeln”, d.h. Gegenstände zu erwerben, damit sie bei mir rumstehen, habe ich noch nie verstanden, das ist mir einfach fremd. Ich sammele Computerspiele in dem Sinn, dass ich sie mir verfügbar mache, um sie zu spielen. Dazu brauche ich eine Plattform, auf der das möglich ist – und wenn das eine emulierte Maschine ist, um so besser! Wenn ich Beilagen aus den Originalpackungen brauche, z.B. um die Adventures von Infocom zu lösen, bei denen das ein Kopierschutz darstellte. Dann greife ich gerne auf digitalisiertes Material aus dem Internet zurück und freue mich darüber, wie einfach das alles heutzutage zu bekommen ist. (Damals, ja damals… Wir hatten ja nichts!)

    Die Antwort ist also “ja”. Es ist nicht nur so, dass ich eine digitalisierte Spielesammlung in Ordnung finde, das ist für mich persönlich die einzig praktikable Lösung. Ein Grund dafür liegt wahrscheinlich auch darin, dass meine bevorzugte Epoche der Computerspiele von den ausgehenden 70ern bis in die 80er reicht. Selbst wenn ich mich für Originalpackungen interessieren würde, die gibt es zum Großteil einfach nicht mehr. Und darüber hinaus liefen diese Spiele auf sehr vielen, inkompatiblen Plattformen. Ich habe zwar den einen oder anderen 8-Bit-Computer, aber würde ich mich auf physische Spiele beschränken hätte ich ziemlich wenig zum Spielen…

    André EymannTobi
  3. Hatte nie Probleme mit dem Sammeln von Spielen, auch wenn mir öfters schon der Platz auf den Regalen ausgegangen ist, aber wenn ich mir angucke wie wenig Platz so ein Switch Spiel wegnimmt im Vergleich zu de Karton eines SNES/N64 Spiels, werde ich weiterhin Spiele sammeln.
    Sammeln bezieht sich bei mir sowie auch öfters auf ältere Spiele und da oft auf jene aus einer Zeit, wo Online gar kein Thema war bzw. wo man Spiele nicht herunterladen konnte. Alles so von NES bis Wii um es grob zu umschreiben. Aber auch heutzutage kaufe ich mir gerne ein Spiel retail, da überwiegend Singleplayer-Spiele, da ich die einmal einwerfe, durchkloppe und dann ins Regal stellen kann. Zuletzt Metroid Dread und da auch in der Collectors Edition.

    Digital gehe ich z.B. hingegen auf dem PC, weil da eh alles nur per Download ist und ich weiß, dass ich da nichts sammeln muss, gleiches gilt halt auch für den typischen 08/15 Western AAA Kram. Aber den Kram spiele ich eh nicht, von daher musste ich mir da auch nie einen Kopf drum machen.
    Allgemein weiß ich im Vorfeld ziemlich gut, wo ich nur einen Downloadcode erhalte oder das Spiel in regelmäßigen Abständen 100GB Patches verlangt. So was ist “historisch gewachsen” bei den gewissen Publishern. Bin daher auch selten von diesem FOMO betroffen, auf dass eben jene Publisher gerne setzen, damit du jetzt das (leider zu oft) unfertige Spiel für 70€ dir kaufst, am besten den Season Pass noch dazu und nicht erst 3 Monate später für 30€.

    Vorteilhaft ist es in meinen Augen auch nicht nur aus sammeltechnischer Sicht, sondern auch einer finanziellen. Retailspiele sinken viel öfter und viel schneller vom Preis her als ihre digitalen Geschwister und ich wäre in der Lage diese auch noch weiterzuverkaufen. Etwas was ich zwar nicht mache (Ich sammel, duh) aber was viele nutzen um ihr nächstes Spiel zu finanzieren.

    Ich werde, so lange es mir noch ermöglich wird, Spiele daher weiterhin sammeln und zwar physikalisch. Digital ist für mich kein sammeln, weil ich nichts in der Hand habe, nichts wirklich besitze und wenn ich sehe wie einige Mitmenschen Bücher oder Musik sammeln und ganze Wände damit auskleiden können… warum auch nicht mit Spielen?

    André EymannMax OßbergerTobi
    1. Lieber Mazzle,

      ich danke Dir für deinen Kommentar. Die Collector’s Edition zu Metroid Dread ist wirklich ein schöner Schnapp, Glückwunsch dazu, dass du eine ergattern konntest. Und das bringt mich zu einem weiteren Punkt, der mich am physischen Sammeln sehr stresst: ich möchte dann ja möglichst die schönste Edition im Schrank haben und gerade die limitierten Nintendo-Releases sind auch wirklich “limitiert”, kaum hat Amazon den Verkauf gestartet, ist das Item innerhalb kürzester Zeit “Derzeit nicht verfügbar” und landet bei windigen Verkäufern, die den dreifachen Preis aufrufen – und das brachte mir als physischer Sammler schöner Editionen jede Menge Stress. Ständig der Blick auf die Vorbesteller-Seiten, um auch ja das passende Zeitfenster zu erwischen. Eigentlich möchte ich mir doch einfach auf das Spiel freuen… Du hast Recht wenn du schreibst, dass Switch-Games sehr wenig Platz wegnehmen, aber brauche ich diese kleinen roten Hüllen und Module dann überhaupt noch? Vielleicht wäre es für mich eine Option, mich auf sehr wenige ausgewählte Highlights, die auch wirklich in einer wertigen Verpackung daherkommen und komplett spielbar released werden, zu beschränken und ansonsten den digitalen Weg zu wählen. Die Attraktivität des physischen Sammelns bei Videospielen nimmt von Jahr zu Jahr weiter ab (Spiele nur halbfertig auf Disc, Zusatzinhalte sowieso nur digital, genauso wie viele Indies…) die Games entwachsen quasi den physischen Fesseln, was viele Nachteile, aber auch jede Menge Vorteile hat. Macht dann das physische Sammeln moderner Games überhaupt Sinn? (So schön die Collectors Box zu Cyberpunk ist, das Spiel in der Packung ist im Releaszustand einfach “broken”) Und vielleicht muss ich das für mich einfach akzeptieren, Spiele sind schon lange keine statischen Werke mehr. Da kann ich mich eventuell mehr an einem gut sortierten Bücherregal erfreuen, vielleicht auch mit tollen Artbooks zu Videospielen oder Lösungsbüchern, die ja dann auch meine Erinnerungen an die Spielerlebnisse wecken – bestimmt besser, als wenn ich die leeren Plastik-Cases betrachte.

      Tobi
  4. Ich muss immer schmunzeln wenn Leute erzählen sie hätten mehrere 100 Spiele in ihrer “Sammlung” auf Steam oder ähnlichen Plattformen. Fakt ist: Hat Valve keine Lust mehr den Service anzubieten, sind alle Spiele weg und das war es mit der Sammlung. Von daher würde ich sagen man kann digitale Inhalte nicht sammeln. Allerdings zeigen mir die Entwicklungen um die NFT’s gerade das viele Leute anderer Meinung sind. Mein Ding ist es nicht.
    Sammeln bedeutet für mich immer: Ich kann etwas in die Hand nehmen, es fühlen und von allen Seiten betrachten. Ein Videospiel auf Datenträger bringt mir nur Freude solange ich ein passendes Abspielgerät oder Betriebsystem zur Verfügung habe. Natürlich kann ich immer noch die Bigbox in das Regal stellen und mich an den Beilagen oder dem gedruckten Handbuch erfreuen. Dabei kommen auch wieder Erinnerungen an das Spiel in meinen Kopf. Aber schade ist es schon, wenn ich das Spiel von Diskette oder CD nicht mehr installieren kann. Es fühlt sich nicht komplett an.
    Diese Erkenntnis kam mir vor 2 Jahren als ich diverse Bigboxen aus dem Keller holte und feststellte das ich keinen PC mit CD Laufwerk im Haus habe. Ich hätte es mir also gut sparen können die Boxen bei diversen Umzügen von A nach B zu transportieren.
    Selbst wenn ich ein Spiel digital in meinem Besitz habe. In einigen Jahren gibt es kein passendes Betriebsystem mehr. Es ist ja heute schon ein Krampf das eine oder andere Spiel aus der Windows XP Zeit auf einem modernen Win10 PC lauffähig zu bekommen. Spass macht das jedenfalls nicht.
    Diese zwei Gründe, fehlendes Abspielgerät und fehlendes Betriebsystem, machen für mich das Sammeln von Videospielen unmöglich.
    Ich würde aber vielleicht anders argumentieren wenn ich genug Platz für die Abspielgeräte und genug Zeit für die Pflege alter Betriebsysteme auf diesen Geräten hätte. Eine digitale Sammlung zu verwalten und die Sammlung dann auch jederzeit zugänglich zu haben ist mit großem Aufwand verbunden.

    André EymannMax OßbergerTobi
      1. Bin kein intensiver Steam Benutzer. Aber ich meine irgendwo gelesen zu haben, das man sich regelmäßig bei Steam online anmelden muss, damit die Spiele gespielt werden können. Anders als zum Beispiel bei GOG. Oder haben die das inzwischen bei Steam abgeschafft?

        1. Es gibt bei Steam auch DRM-freie Spiele, das kommt ganz auf den Herausgeber an. Diese Spiele kannst du dann, wenn sie einmal heruntergeladen sind, hin und her kopieren wie du möchtest und direkt vom Ordner aus starten.

  5. Ich sammle Spiele die mir persönlich gut gefallen und zu denen ich eine Bindung habe. Da der Platz begrenzt ist muss ich mir immer überlegen welche Spiele in der Sammlung bleiben.

    Max OßbergerTobiAndré Eymann
      1. Zum Einen wie gut mir das Spiel gefällt. Also ob es mich überhaupt anspricht und irgendwie auf seine Weise (Genere abhängig) abgeholt hat. Habe früher oft Spiele gekauft nur um eine Serie komplett zu machen, obwohl mir ein Teil der Serie eigentlich gar nicht gefallen hat. Das habe ich aufgehört.
        Dann frage ich mich, wenn ich ein Spiel durchgespielt habe, ob ich mir vorstellen kann es nochmal durchzuspielen. Wird diese Frage mit nein beantwortet, fliegt es raus.
        Es gibt auch Spiele zu denen ich eine persönliche Bindung durch entsprechende Kindheitserinnerungen und -erlebnisse habe, da kann ich mich sehr schwer von Trennen.
        Ich habe auch einige Spiele in meiner Sammlung die ich “später” mal spielen möchte. Also Spiele, die ich früher immer mal haben wollte aber nie bessesen habe oder die mich heute eher ansprechen als damals. Besonders Spiele für die man Zeit braucht wie z.B. Rollenspiele. Bevor ich mir aber ein solches Spiel kaufe schaue ich immer vorher in ein Let´s play oder ähnliches rein, ob mir das Spiel auch wirklich gefallen würde. Zwischen Zeitschriften-Test bzw. Spiele-Erinnerungen aus der Kindheit und Realität liegen oft Welten.
        Ich mag es einfach, wenn ich ein Spiel spiele, mir vorher die Box zur Hand zu nehmen und mich ins Handbuch einzulesen, die Karte zu studieren oder sonstige Gimmicks anzufassen. Allein das macht schon ein Teil der Spieleerfahrung für mich aus. Ist schon was anderes als ein zweiseitiges Inlay und einem Handbuch auf CD.
        Natürlich gibt es auch so tolle Spiele ohne physischen Release.
        Auf meiner “Suchliste” stehen derzeit noch ca. 200 Spiele. Da muss ich mir nochmal jedes einzelne Spiel ganz genau anschauen, ob es auch wirklich in meine Sammlung MUSS, ob es mir wirklich gefällt oder es nur ein kurzes Auflammen war und die Begeisterung doch schon verflogen ist. Habe natürlich bei einer Serie gleich alle Teile aufgeschrieben aber da war doch was…

        André EymannTobi
        1. Wow, herzlichen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung Dennis! Du hat also gleich mehrere Kriterien, die aus unterschiedlichen Motivationen heraus existieren. Sehr interessant!

          Tobi
  6. Mir ging es sehr ähnlich, wie dir. Bei mir waren es hauptsächlich Filme (VHS, DVD, Bluray), die ich unbedingt in meinem Regal stehen haben musste, so dass eine Sammlung von fast 1000 Filmen entstand. Aber auch bei Spielen, war es mir sehr wichtig, dass ich immer die physische Disc kaufen musste.

    Irgendwann war ich aber in einem ähnlichen Stadium wie du, so dass ich mich gefragt habe, ob diese Sammlung wirklich notwendig ist. Denn erstens nahm sie verdammt viel Platz ein. Zweitens habe ich so gut wie gar nicht mehr in das Regal gegriffen, um überhaupt einen Film meiner Sammlung anzusehen. Trotzdem war ich selbst noch nicht bereit dafür mit dem Sammeln aufzuhören und habe fleißig weiter gekauft.

    Es war ein langsamer Prozess, der dann stattgefunden hat. Bei den Spielen hat es angefangen, da in den meisten Hüllen eh nur noch ein Downloadcode war. Leeren Schachteln wollte ich mir dann nicht mehr ins Regal stellen.
    Mein Filmregal (oder eher Regale) wanderte irgendwann in einen anderen Raum, so dass ich es nicht mehr täglich gesehen habe. Nach und nach hatte ich dann auch keine Lust mehr mir jeden Film zu kaufen bis dies komplett einschlief. Dann musste ich auch noch durch einen Zufall feststellen, dass einige Datenträger den Zahn der Zeit nicht überlebt haben und einfach gar nicht mehr funktionierten. Und nachdem ich das verarbeitet habe, war ich auch dazu bereit einen Teil meiner Sammlung aufzulösen. Behalten habe ich natürlich die Boxen, die mir immer noch wichtig sind und die auch gut im Regal aussehen.

    Ich besitze jetzt zwar immer noch ein kleines Regal voller Filme und auch Spiele, die mir wichtig sind, aber die Sammelleidenschaft ist passé und irgendwann in der Zukunft trenne ich mich dann vielleicht auch diesen Datenträgern.

    Ich bin mit dieser Situation echt zufrieden und mich durch meine Steam Bibliothek zu scrollen macht mich mittlerweile genauso glücklich wie vor meinem Regal zu stehen. Um meine Filmleidenschaft zu stillen, bin ich auch mit den vielen Streaming Plattformen warm geworden und kann stundenlang die Filmbibliotheken durchblättern.
    Nicht jedem liegt es sich von den physischen Medien zu lösen. Ich hätte aber früher auch nie gedacht, dass ich damit glücklich werde, wurde aber eines besseren belehrt. Ich denke du musst es für dich einfach ausprobieren.

    André EymannTobiMax Oßberger
    1. Vielen Dank für deinen Beitrag, sehr spannend zu lesen, wie sich die Art & Weise des Sammelns bei Dir entwickelt hat. Und einige deiner Gedanken sind mir auch schon gekommen: wie gut lassen sich Gamediscs konservieren? Sind diese überhaupt noch abspielbar nach all den Jahren, wie lange sind Blu-Rays denn haltbar, wie viel Zeit und Energie müsste ich in die Pflege meiner Sammlung investieren? Diese Punkte machen mich des Sammelns etwas müde. Bei Filmen und Serien ging es mir ganz ähnlich wie dir: vor der Ära der Streaming-Plattformen kaufte ich mir eine Blu-Ray nach der anderen, mittlerweile weiß ich gar nicht, wann ich das letzte Mal eine Disc ins Laufwerk gelegt habe. Vor einigen Tagen habe ich eine große Kiste an Blu-Rays aussortiert und diese werden bald neue Besitzer finden. Die einzigen Discs, die ich behalten möchte, sind meine 4k-UHDs, aber durch den Glasfaser-Anschluss, der Ende des Jahres bei uns aktiviert wird, kann ich wohl bald auch problemlos in 4k streamen. An meiner Spielesammlung hängt weiterhin mein Herz, aber ich kann und will nicht bis in alle Ewigkeit mehr und mehr horten. Ich glaube auch nicht, dass Steam in absehbarer Zeit seine Services abschaltet, ich bin hauptsächlich auf Playstation und Xbox unterwegs – und dort passiert gerade viel in Sachen Abwärtskompatibilität. Schwer zu sagen, was mit den digitalen Gütern in ein paar Jahren oder Jahrzehnten passiert, aber bis dahin habe ich vielleicht ganz andere Schwerpunkte im Leben. Vielleicht habe ich bald auch so viel Freude mit meiner digitalen Bibliothek wie du mit deiner. Würde es mir sehr wünschen.

      Tobi
    2. Danke für Deinen ehrlichen und ausführlichen Kommentar! Wenn ich Deine Zeilen so lese, stelle ich fest, dass wir beide sehr übereinstimmen. Ich habe eine sehr ähnliche Entwicklung wie Du durchgemacht und bin mittlerweile “kuriert” von der Sammelleidenschaft. Natürlich möchte ich damit niemanden abwerten, der gern sammelt. Aber ich habe meinen Weg gefunden. Die wenigen Boxen die ich noch habe sind sehr überschaubar und stehen im Regal wie ein paar Klassiker von Shakespeare. Irgendwann kann ich auch vielleicht diese noch in gute Hände abgeben.

      Tobi
  7. Ich hab wirklich nur noch die Spiele physisch, welche mir wirklich was bedeuten. Parallel kuratiere ich meine digitale Sammlung nach dem selben Prinzip.

    Max OßbergerTobiAndré Eymann
  8. Als Spieler Jahrgang ´81 habe ich vermutlich eine recht festgefahrene Sicht auf digitale Spiele, mir sind und werden auch immer physische Spiele lieber sein als digitale. Allerdings gibt es auch ganz nüchterne Gründe jenseits der Nostalgie. Zum einen ist der Videospielschrank für mich eine Art Fotoalbum, ja klingt komisch, habe ich auch in einem YouTube Video mal genauer beschrieben, was ich meine. Kurz gesagt, ich “blättere” gerne durch die Games und erinnere mich an die Spielzeit, was auch dazu führen kann das Game mal wieder einzuwerfen. Das führt zu paradoxen Situationen wie bei Final Fantasy 14. Ich spiele das MMO seit knapp über einem Jahr am PC, digital, und lohnt es sich eigentlich für mich nicht das physisch zu besitzen, da der Service eh irgendwann einmal eingestellt wird. Trotzdem habe ich mir inzwischen 2 physische (und fast 10 Jahre alte) Special Editionen gekauft, um sie in mein “Fotobuch” zu stellen, denn selbst wenn das Spiel mal eingestellt wird, bleiben mir die beiden als Erinnerungsstücke erhalten. Das ist recht persönlich und sicher nicht für jeden was, aber der Hauptgrund gegen digitales Sammeln ist ganz nüchtern, es geht nicht.

    Im Gegensatz zu physischen Spielen kauft man keine digitalen Spiele, sondern nur Nutzungslizenzen. Rechtlich trifft das auch auf Module, Karten und Discs zu, aber die sind nun mal ein Endprodukt, das bleibt. Aus lizenzrechtlichen Gründen, wegen neuer Versionen, oder einfach nur, weil der Hersteller dicht gemacht hat, können Spiele verschwinden, digital sind die dann weg, oder im besten Fall “gebannt” auf dem aktuellen System. Konsole kaputt, PC neu? Alles weg. Auf dem PC muss nur der Gameslauncher mal ausfallen oder verschwinden und man hat nur noch Datenmüll auf seinem Rechner. Man kann nicht sammeln, was man nicht besitzt und digitale Sondereditionen beinhalten keine Erinnerungsstücke.

    TobiAndré EymannMax Oßberger
    1. Lieber Dengeki Gamer,

      wow, was für ein ausführlicher, ehrlicher und spannender Kommentar. Ich möchte mir für die Beantwortung etwas Zeit nehmen und werde in Bälde noch konkreter auf die verschiedene Punkte eingehen – viele davon haben mich letztendlich zum physischen sammeln gebracht, von manchen Gedanken konnte ich mich aber mittlerweile auch ganz gut lösen und sie sind mir nicht mehr so wichtig. Danke für deinen Beitrag.

      TobiAndré Eymann
    2. Interessant! Dein Satz “Man kann nicht sammeln, was man nicht besitzt” möchte ich allerdings in Frage stellen. Denn Erinnerungen kann man auch sammeln und somit “besitzen”. Sie haben den Vorteil, dass sie nicht im materiellen Sinne physisch sind. Was wiederrum zur Ausgangsfrage führt: warum sammeln wir Physik, obwohl wir doch (implizit) Erinnerungen sammeln? Was “gibt” uns diese Physik? Stellt sie für uns Vergangenes zum “greifen nah” dar? Begreifen wir dadurch das Vergangene besser? Wollen wir nicht “loslassen”?

      Ich merke schon, der Beitrag von Max eignet sich auch gut für eine philosophische Diskussion.

      TobiMax Oßberger
      1. Für mich ist die “Physik”, speziell wenn es um Vinyls geht, nicht nur mit der damit einher kommenden Haptik verbunden, sondern explizit mit der Zeit die es braucht, die Platte rauszunehmen, zu reinigen, aufzulegen und die Nadel raufzusetzen. Das sind die Momente, in der Alltägliches ausklinkt, die Liebe zur Musik einsetzt, und von der (Vor)freude getragen wird. Das passiert bei all dem Digitalen einfach nicht oder nur eingeschränkt. Weil halt der schnelle Klick hier, der schnelle Klick da. Oder überhaupt einem “Alexa” Playlist bitte.

        Bei Spielen ist das ähnlich, wobei die älteren viel mehr in der Schachtel hatten. Das haben schon einige der großartigen Kommentare hier gesagt. Wenn nur der Code vorhanden ist, Fehlanzeige. Eine der wenigen Special Editionen die ich habe, ist die von Last of Us 2. Dem beigelegten physischen Artworkbook gelingt es, während der Installationszeit diese Gefühle hervorzurufen. Ein pdf durch zu scrollen, ist nicht dasselbe wie in einem Handbuch zu blättern.

        Meine physische Sammlung von (neueren) Spielen ist daher auch recht überschaubar gehalten. Retro Dinge habe ich noch einiges, das wird aber minimiert, da bin ich ähnlicher Auffassung wie einige hier es bereits gesagt haben. Das was ich wirklich spiele wird behalten, alles andere kommt in gute Hände. Beim Digitalen sehe ich den Pile of Shame auch wesentlich mehr verankert. Was ich allerdings gut finde, auch wenn ich “nur Lizenzen oder Spielerlaubnis” erwerbe, ist etwa der Gamepass. Ich sehe ihn für mich wie eine Bücher Bibliothek, ich spaziere durch und lese bzw. probiere einfach ein Spiel. Komme auf Perlen drauf, die ich sonst nie angefasst hätte. Im Gegenzug gibt es auch Spiele, die ich für mich besser engeschätzt hätte, es aber schlussendlich nicht waren und dann kurzerhand wieder deinstalliert wurden.

        Ich bewege mich (noch) in beiden Welten, zeige bzw. werde meinen Kids auch beide Welten vermitteln. Was sie dann nutzen, ist ihre Entscheidung. Wichtig ist mir bei alledem, dass auch das Digitale jemand erstellt hat, trotz seiner “Flüchtigkeit”, und der Möglichkeit, dass es abgeschaltet werden kann. Und somit auch trotzdem immer einen Wert hat. Etwas richtig Gutes hat für mich das Digitale: Vergessene oder kaum auffindbare Spiele werden archiviert, sind teils online spielbar. In ihrer haptischen, originalen Form leider nicht mehr ganz so einfach zu bewerkstelligen.

        Max OßbergerTobi
        1. Danke für Deinen sehr interessanten Kommentar Wolfgang! Du sprichst einen wichtigen Punkt an, den ich gern aufgreifen möchte. Die Frage nämlich nach der Wahrnehmung des Digitalen.

          Man könnte zum Schluss kommen, das digital vertriebene Spiele (vielleicht auch aufgrund der Schnelllebigkeit unsere Zeit) weniger wert sind, als analoge. Dem ist natürlich nicht so, denn der Entstehungsprozess ist der gleiche und viele Menschen arbeiten mit Können und Leidenschaft an den Spielen. Dennoch kann man digitale Spiele nicht so begreifen, wie analoge. Wie also kann hier eine (vielleicht auch haptische) Wertschätzung aussehen? Es ist sicher sehr schwierig diese Wahrnehmung zu ersetzen. Aber genau dieses Gefühl ist es ja, was die Sammler schätzen.

          Das Problem liegt also vielleicht auch in der “Darreichung” des Mediums. Welche Wege könnte man finden, dennoch eine “Verbindung” zum Spieler aufzubauen, die einen Wert darstellt? Ich erinnere mich da spontan an die ersten Activison-Spiele, in deren Anleitungen persönliche Portraits der Entwickler mit ebenso persönlichen Statements abgedruckt waren. Das hat den Entwickler näher an den Spieler gebunden.

          Vielleicht kann man ja auch heutzutage ähnliche – digitale – Wege finden, den Entwickler (heute: das Entwicklerteam) und das Spiel wieder zusammenzubringen?

          WolfgangTobi
          1. Ich schalte mich kurz frech dazwischen, sorry. Ich finde, dass die “Nähe” zum Entwickler ebenso gut durch ein digitales Spiel erreicht werden kann. Ein rein digitaler Titel wird ebenso mein Herz erreichen können, wie der auf auf Disk. Das ist meist rein emotional. Spricht mich ein Spiel an, berührt es mich, bleiben Fragen oder bin ich einfach nur neugierig, suche ich im Netz nach Antworten. Das geht so weit, dass ich auch schon mal Entwicklerteams angeschrieben habe (die dann zum Teil über mein Feedback auch total aus dem Häuschen waren, wie im Fall Arise – A Simple Story). Nehme ich zum Beispiel den kompletten Abspann von What Remains Of Edith Finch braucht es da keinen Tüdelkram, denn der hat gesessen und ich musste mich echt zusammenreißen, nicht zu heulen. Andere, rein digitale Titel schaffen das auch, es hat bei mir also wenig mit dem Speichermedium an sich zu tun, sondern auf jeden Fall eher, welche Daten es bis zu meinem Herzen schaffen und meine Emotionen wecken. Spiele haben somit manchmal einen hohen, immateriellen Wert für mich und ich bin glücklich, sie erlebt zu haben, unabhängig vom “Auslieferungszustand”.

            Wolfgang
          2. Ich denke, dass auch bei der Präsentation digitaler Spielebibliotheken noch viel Luft nach oben ist, um die Darbietung dem analogen anzunähern. GoG.com hat zum Beispiel so ein digitales Holzregal, in das du die “Boxen” der Spiele betrachten und anordnen kannst. Einige Retrosammlungen bieten auch Scans sämtlicher Verpackungen, Artworks und Anleitungen. Die Spiele-Icons auf dem Nintendo 3DS waren allesamt animiert.
            Heute bekommst du überall eigentlich nur statische Thumbnailbilder, und wenn überhaupt nur digitale Anleitungen, die sich dann über einen Browser öffnen und meist nicht sehr spaßig zu lesen sind.
            Wenn ich mal nicht weiß, was ich als nächstes spielen möchte, gehe ich gerne mein analoges Regal durch, schaue mir die Verpackungen an, und die Screenshots auf der Rückseite, um mir wieder ins Gedächtnis zu rufen, wie das Spiel eigentlich nochmal aussah, und ob ich Lust habe, in diese Welt einzutauchen, ohne es gleich starten zu müssen. In der digitalen Welt muss ich mir dafür jedes Mal nochmal die jeweilige Store-Seite aufrufen und zu den Screenshots herunterscrollen.
            In der Hinsicht sind mir die aktuellen Frontends schlicht zu lieblos gestaltet: Das Spiel anhand des Thumbnails und Namen identifizieren und starten, das war’s. Wieso hat nicht jedes Spiel eine Art “Portal”, das mich mit ein paar Bildern und einem Beschreibungstext begrüßt, um wenigstens ein bisschen an Ritual und Flair vom analogen in den digitalen Bereich zu übertragen?

            WolfgangTobi
  9. Sehr interessanter Beitrag. Hatte gesehen dass ich dir noch gar nicht auf Twitter folge, obwohl ich viele deiner Beiträge sehe, da hab ich doch gleich nen Follow dagelassen 🙂

    Zum Thema: Früher liebte ich auch meine Spiele in der Hand zu halten, besonders zur SNES- und Mega Drive-Zeit. Mit der 32-Bit-Generation ließ meine Liebe zur physikalischen Version nach. Die dünnen Scheibchen waren für mich nichts besonderes, die kleinen Beipackzettelanleitungen, die wir in Europa oft bekamen, tan ihr übriges.

    Ich war ohnehin nie der große Sammler, eher der genießer, der seine Spiele leben wollte. Und so war ich eigentlich schnell dem digitalen Vertrieb gegenüber offen eingestellt. Grade weil heute ja oft unfertige Versionen auf der Disc sind.

    GBA-, (3)DS, PSP und auch Switch Spiele hingegen habe ich wieder gern physikalisch, da hab ich wieder das Gefühl etwas fertiges, ganzes in der Hand zu haben. Obwohl es heute ja nicht mal mehr Anleitungen gibt :/

    WolfgangMax OßbergerTobi
    1. Vielen lieben Dank für den Follow (mache allerdings sehr wenig auf Social Media, nutze da meist nur die Bubble zur Inspiration & Ablenkung) – und natürlich danke für den tollen Kommentar. All das bringt mich auf jeden Fall weiter. Spiele genießen und leben, ohne ein physikalisches Produkt zu kaufen, dahin möchte ich kommen. Liebevoll gestaltete Editionen mit vollständig enthaltenen Spielen sind leider die Seltenheit und wenn doch, gehen die ziemlich ins Geld… und die rein digitale Distribution bietet mir auch einige Vorteile: so kann ich ganz ortsunabhängig auf meine Spiele zugreifen, ohne die Discs mitschleppen zu müssen (ist praktisch, wenn man an mehreren Orten zu Hause ist – meine Xbox-Konsolen synchronisieren fast Problemlos meine Spielstände und aktualisieren die Bibliothek). Mal sehen, wie ich es bei Elden Ring und Horizon – Forbidden West machen werde: vor einiger Zeit wären die physischen Editionen dieser von mir heiß erwarteten Spiele ein absolutes Muss für mich gewesen. Aber ich habe hier zum Beispiel die Box zum Vorgänger “Zero dawn” im Schrank, da müsste doch der Nachfolger in rein digitaler Form vollkommen ausreichen, oder? hmm, vielleicht komme ich meinem Ziel näher 😉
      Liebe Grüße

      Florian Auer
      1. Was ich jetzt schon öfters gesehen habe, z.B. unlängst bei YS IX, sind so etwas aufgebrezelte Editionen mit einem kleinen Artbüchlein oder sonstigem Goodie, das hat schon fast wieder was.

        Bei Spielen wie Horizon oder Elden Ring fände ich es so cool wenn es auch so leicht hübschere Fassungen zumindest mit Karte oder Vorstellung der Charaktere o.ä. gäbe. Müsste ja nicht immer die Vollfettedition mit Figur, Artbook, signiertem T-Shirt usw. sein. Einfach ein bisschen was, um nach der Spielsession noch in der Welt des Spiels bleiben zu können 🙂

        1. Lieber Florian,

          ich glaube, sowohl bei Horizon Forbidden West als auch bei Elden Ring sind solche Goodies tatsächlich enthalten, wenn ich mich nicht täusche. Bei “Forbidden West” ist in der Special Edition ein Artbook dabei für einen kleinen Aufpreis zur Standard Version, bei Elden Ring gibt es eine etwas aufwändiger gestaltete “Launch”-Edition.

    2. Ich will nicht nerven, aber auch Switch Cartridge enthalten ja leider selten das komplette, finale Spiel. Auch wenn ich die trotzdem gerne sammle, weil sie wieder auf einem “videospieligeren” Medium kommen 🙂

  10. Ein spannender Beitrag! Ich denke, dass der Gedanke des “Sammelns” ein sehr persönliches Thema ist. Obwohl ich aus der “physischen Generation” komme und mit Big-Boxen, Steckmodulen und liebevollen Spieleverpackungen aufgewachsen bin, ist meine persönliche Beziehung zu diesen Dingen mittlerweile sehr “sachlich” geworden.

    Vom Grundsatz her war und bin ich nie ein großer Sammler gewesen. Das Sammeln physischer Gegenstände führt bei mir zu einer Art von Belastung und verstellt meinen Blick auf das Wesentliche. Ich bin beispielsweise auch ein clean desk Typ. Es macht mich fertig, wenn mein Schreibtisch voller Kram liegt.

    Aber natürlich verstehe ich Deine Zeilen und frage mich – auch weil Du anfangs das Wort Wertschätzung angeführt hattest – wie man “das Gefühl”, das der Besitz auslöst, eventuell substituieren kann.

    Wie Du von mir bereits weißt, mache ich es über das Schreiben. In dieser Form komme ich dem Spiel / dem Medium sehr nah und statuiere auch meine persönliche Verbindung zum Werk. Damit komme ich sehr gut klar und auf diesem Wege stelle ich meine “Lieblinge” in mein virtuelles Regal. Der nette Nebeneffekt: nach dem Schreiben und Veröffentlichen kann ich irgendwie “abschliessen” mit dem Spiel. Es ist ein sehr befriedigender Prozess.

    Alternativ bieten ja viele Hersteller auch schon “digitale shelves” an, in denen man seine Spiele verwaltet. Natürklich ist das nicht das gleiche, aber einen persönlichen Aspekt hat es auch. Vielleicht muß man den Weg der “digitalen Wertgegenstände” nur noch weiter gehen und diesen konsequenter von der analogen in die virtuelle Welt verlagern.

    Grundsätzlich glaube ich daran, dass die physischen Spiele eines Tages eh zur Nische werden und dass das Streamen von Lizenzen die Zukunft sein wird. Das von Dir hier beschriebene Thema berührt aber sicher sehr viele und nicht nur “altgediente” SpielerInnen. Ich bin gespannt, welche Ideen hier noch zusammenkommen!

    TobiMax OßbergerWolfgang
    1. Ein total spannender Gedanke, André, ein Spiel nach Abschluss (deines Textes dazu) abzuhaken und somit auch unterschwelligen, nicht so offensichtlichen Ballast loszuwerden. Gefällt mir total gut! 🙂

      André EymannMax Oßberger
      1. Ja Tobi, genau. Es geht mir auch um den “Abschluss”. Irgendwie würde mich ein Regal voller Boxen stören, weil sie dort stehen und immer sagen: “schau mal, ich bin noch da! Spiele mich doch mal zu Ende!”. Etwas beängstigend 😉

        Tobi
    2. Lieber André,

      ich freue mich sehr, dass ich mit meinen Gedanken und meinem kleinen inneren Konflikt hier einen solch schönen Austausch starten konnte. Ich suche für mich momentan noch dieses Äquivalent zur physischen Sammlung / zum persönlichen Archivieren meiner Games. Reicht es nicht, sich im “Hier und Jetzt” am Spielerlebnis zu erfreuen, in dem Wissen, dass ich auch künftig jederzeit das Spiel digital starten kann oder mir in den Stores herunterladen kann. Braucht es diesen physischen Besitzt wirklich, der dadurch ja geschmälert wird, dass die Spiele meist in einem katastrophalen Zustand auf den Datenträger gepresst wurden und mit der Disc ohne Patches nicht viel anzufangen ist? Mit “Videospielgeschichten” hast du das perfekte “Fotoalbum” für deine Spielerlebnisse geschaffen und vielleicht finde ich noch mein perfektes Substitut, um mich vom Zwang des physischen Sammelns zu befreien.

      TobiAndré Eymann
      1. Aus meiner Sicht reicht das “Hier und Jetzt”. Gunnar Lott sagte einmal: ich spiele nur ein Spiel zur Zeit. Und zwar zu Ende. Danach verkaufe oder verschenke ich es. Auch wenn ich es nicht mehr zu Ende spielen will. Dann kommt das nächste Spiel.

        Das ist auch ein interessanter Ansatz. Vor allen Dingen um einen Pile of shame zu vermeiden.

        Spiele sind einfach nur Erinnerungen in meinen Augen. Sie bleiben “bei uns”, oder “in uns”. Und dort kann sie uns eh niemand mehr wegnehmen.

        TobiMax Oßberger
  11. Danke für deinen anregenden Text, Max 🙂 Mir ging es vermutlich, wie so vielen. Es wurde eng. Und obwohl ich eigentlich gar nicht so viel Kram hatte, nervte es mich ziemlich, dass mein Hobby mit wachsender Familie zunehmend weniger Raum hatte – sowohl als auch. So habe ich nach einiger Überlegung beschlossen, meinen sämtlichen Amigakram zu verkaufen. Rückblickend war das für mich eine gute Entscheidung, denn es tat weitaus mehr weh, die Boxen im Regal zu sehen und zeitlich nicht spielen zu können. Auch wenn ich manchmal in Nostalgie verfalle und den Verkauf ein wenig bereue, bleiben mir die schönen Erinnerungen. Die Playstation 2 Spiele habe ich allerdings behalten, da sie einfach viel weniger Platz als Bigboxen benötigen und die PS2 spontan noch ab und zu läuft.

    Dennoch hatte ich als Xbox Nutzer zwischendurch mehrere Kaufanfälle und dachte, dass ich digitale Spiele irgendwann nicht mehr spielen könnte. So kaufte ich mir dann ein paar gebrauchte Titel zusammen. Mittlerweile denke ich aber, dass es spätestens ab Generation Xbox One / PS4 recht witzlos ist, denn viele Titel wollen beim Start irgendetwas synchronisieren. Ich denke mal, dass spätestens irgendwann ab Server-Stilllegung diverser alter Titel sowieso der Ofen aus ist und die Hälfte der Titel einfach nicht mehr laufen wird, egal ob physisch oder digital. Somit bin ich bei der Xbox mittlerweile ziemlich auf der digitalen Schiene, habe aber noch ein paar physische Titel für die älteren Gerätegenerationen hier (360, PS2, Gamecube, Wii), die einfach noch so “offline” waren oder zwangsläufig mittlerweile sind. Danke schön für deinen Beitrag!

    André EymannMax OßbergerWolfgang
  12. Ich denke, das Sammeln physischer Spiele ist eine Macht der Gewohnheit unserer Generation, die sich nur schwer abschütteln lässt.

    Da auch bei mir der Platz eng wird, und ich es schade finde, wenn manche Spiele irgendwann einfach nur verstauben, habe ich meine Sammlung in letzter Zeit auch immer weiter entschlackt. Und ja, es ist schwierig, sich von manchem zu trennen. Bei mir ist auch noch Luft nach oben, aber ich denke, das ist ein längerer Prozess, da noch weiter loslassen zu können.

    Was mir dabei oft geholfen hat, waren Tauschmöglichkeiten, bei denen ich viele nicht so wichtige Spiele durch ein begehrteres getauscht habe. So kam ich zum Beispiel an eine Big Box von Illlusion of Time und wurde gleichzeitig über ein dutzend anderer Spiele los.
    Mit dem Thema Special Editions bin ich zum Glück schon länger durch. Da überwog bei mir irgendwann der Ärger darüber, dass sie so viel Platz wegnehmen, ich die haptischen Goodies eigentlich nie verwende, und viele Beilagen auch nur digitaler Natur sind. Selbst wenn mal in einer regulären Edition ein Handbuch beiliegt, blättere ich das einmal durch, und das war’s. Also wozu das Ganze?

    Vermutlich wäre es für dich tatsächlich am wichtigsten, erst mal Abstand zu Special Editions zu gewinnen. Denn dann bleiben nur dröge DVD-Hüllen, die ich dann auch gar nicht sammelnswert genug finde, um die weiter zu horten. Da sind mir alte Module, “exotische” CD-Hüllen oder auch die schnuckeligen kleinen Modulhüllen bei der Switch inzwischen lieber.

    Ein Regal mit Schaustücken werde ich wohl immer haben. Wenn ich dann aber mal etwas spiele, ist es mir relativ egal, ob das nun eine physische oder digitale Version ist. Seit diesem Jahr bin ich als GamePass Abonnent zudem in einer Art Schocktherapie, in der ich digitale Spiele spiele, die mir nicht mal dauerhaft gehören 🙂

    Eine Hürde ist bei mir noch der Preis bei digitalen Spielen. Da wird meine Schmerzgrenze mit der Zeit zwar höher, aber bisher wage ich es noch nicht, mir einen Download zum Vollpreis zu kaufen. Da fehlt mir tatsächlich das Gefühl, etwas für mein Geld in die Hand zu bekommen. Deshalb wandern auch jetzt noch immer mal wieder weitere physische Versionen ins Regal, aber das ist mittlerweile bereits spürbar weniger geworden.

    TobiWolfgangMax OßbergerAndré Eymann
    1. Ich danke Dir für deinen ausführlichen Kommentar Chris, der mich zum Nachdenken angeregt hat. Wahrscheinlich stecke ich noch zu sehr in der klassischen “Denke” drin, dass ich ein Videospiel, welches mir gut gefällt, nicht nur einfach downloaden und zocken will, sondern es mir in gewisser Weise auch zu Eigen machen möchte: durch einen schönen Platz im Regal, so dass es mich quasi anlächelt und ich so das Gefühl habe, nicht nur durch das reine Spielen des Spiels investiert zu sein. Gleichzeitig erzeugt das aber auch einen Druck bei mir, auch wirklich darauf zu achten, dass dieses physische Gut in einwandfreiem Zustand ist und natürlich auch wieder Platz wegnimmt und alles… und das sorgt für eine innere Unruhe. Ich würde gerne dahin kommen, dass ich auch eine digitale Sammlung als wertige Sammlung betrachte, um von diesem physischen Ballast wegzukommen. Meine bisherige Sammlung möchte ich übrigens nicht aufgeben, aber für einen klaren Cut wäre jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt. Das Sammeln der großen Collectors-Boxen habe ich bereits (mit Cyberpunk 2077) beendet.

      André EymannTobi
      1. Ja, das Thema “Wartung” hatte bei mir auch schon für Grübeln gesorgt. Hab es zwar selten erlebt, dass ein physisches Spiel nicht mehr ging, aber da ich vieles aus meiner Sammlung kaum teste, weiß ich nicht mal, was davon alles noch funktioniert. Dafür habe ich bereits diverse Konsolen überholen lassen müssen. Da kam mir schon der Gedanke, dass auch physische Spiele nicht für die Ewigkeit bestimmt sind.

        Tobi

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