Wie ich den “Pile of Shame” besiegte …

Mit Kommentaren von Fuchsi, Tim, Farmer Slide Joe Bob, André Eymann, Alex, Poly, jmbm, Tim Bartz, Christian, Aya, Pat, Jessica Kathmann.

Anfang dieses Monats stolperte ich in meiner Twitter-Bubble das erste Mal über den Begriff „PoS“. Neugierig geworden, suchte ich im Internet nach dieser Abkürzung und wurde auch schnell fündig.

Es handelt sich um hierbei um die Abkürzung (die Überschrift lässt es bereits erahnen) für den sogenannten „Pile of Shame“.

Wikipedia beschreibt den „Pile of Shame“ folgendermaßen: „Der Begriff Pile of Shame (engl. für „Stapel der Schande“), gelegentlich auch als Stack of Shame, bezeichnet in der Popkultur, vor allem in der Netzkultur, die Menge an gekauften, aber noch nicht oder nur ansatzweise konsumierten Medien, insbesondere Videospiele, aber auch Brettspiele, Filme, Musik und Bücher.“

Nachdem ich diese Definition gelesen hatte, machte ich mir Gedanken über meinen eigenen PoS und fragte mich, wie er so groß werden konnte. Warum habe ich im Laufe der letzten Jahre so viele Spiele gekauft, aber kaum eins davon gespielt? Warum habe ich von Spielen, auf deren Veröffentlichung ich jahrelang gewartet habe, nur das Tutorial gespielt?

Das Ende einer Ära …

Ich glaube begonnen hat alles mit dem Ende der Ära der „Bigboxen“. Eine Bigbox ist eine (teilweise sehr edle) Verpackung eines Computerspiels. Diese enthielt häufig neben dem eigentlichen Spiel und dessen Anleitung eine Vielzahl von anderen Dingen (heute nennt man sie „Goodies“, früher hießen sie „Feelies“). Dies konnten Landkarten aus Stoff, Spielminiaturen, Tastaturschablonen, Aufkleber, Aufnäher und vieles andere sein. Die goldene Zeit der Bigboxen begann Anfang der 80er Jahre und endete Anfang der 2000er. Ab diesem Zeitpunkt wurden sie mehr und mehr von lieblosen DVD-Hüllen verdrängt, die zwar deutlich weniger Platz benötigten, dafür aber auch deutlich weniger Inhalt hatten. Der endgültigen Todesstoß erhielten sie mit dem Aufkommen von Onlineplattformen wie Steam, auf denen man Spiele ausschließlich in digitaler Form kaufen kann.

Wie auch viele andere Gamer ließ ich mich von der schnellen Verfügbarkeit der Computerspiele verführen. Ein Spiel kaufen, runterladen und dann direkt loszocken? Ein Traum wurde wahr …

… der sich für mich im Laufe der Jahre aber immer mehr zum Alptraum entwickelte. Beflügelt durch den Erfolg von Steam entstanden immer mehr Onlineshops, in denen man die die Keys für Computerspiele kaufen konnte. Als Folge dessen kamen dann die Sales, Black Fridays, Cyber Mondays und anderen Verkaufsaktionen. Meine Onlinebibliothek explodierte. Ich konnte mir nun schnell viele neue Spiele kaufen, die ich aber genauso schnell wieder vergaß, da sie durch andere, schnell gekaufte Spiele ersetzt wurden. Blockbuster und Triple-A-Titel wurden nur kurz angespielt, da ja bereits andere darauf warteten gespielt zu werden, die dann aber auch in meiner Onlinebibliothek auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

Highlights wie „The Witcher 3“, „No Mans Sky“ oder genredefinierende Titel wie „DayZ“ waren die Ausnahmen.

Das wunderbare Erlebnis, ein neues Spiel zu kaufen (inkl. der Vorfreude darauf), wurde durch eine rastlose Suche nach dem nächsten Spiel und der Angst, einen Sale zu verpassen, ersetzt. Der Kauf eines Spiels entwickelte sich vom Vorgang zum Selbstzweck.

Back to the roots …

Erst meine Begeisterung für Retrogaming, und alles was damit zusammenhängt, ließ mich im letzten Jahr aus diesem Teufelskreis ausbrechen.

Das beruhigende Rattern eines Commodore-Floppylaufwerks, das Vorspulen einer Kassette zum richtigen Punkt, das Anpassen der Autoexec.bat, das Zusammenschrauben eines altes PCs, das Reinigen eines C64, das Durchlesen einer alten Bedienungsanleitung, der Austausch mit Gleichgesinnten in den sozialen Medien … all das sind Dinge, die mich kurierten und entschleunigten.

Auch das Kaufen von Spielen hat wieder einen anderen Stellenwert bekommen. Es beinhaltet wieder die Suche nach einem bestimmten (alten) Spiel, die Freude, wenn man es endlich findet und kaufen kann, wenn der alte Datenträger funktioniert, der Inhalt der Verpackung vollständig ist und …

… die Bigbox noch wie neu aussieht.

Früher belächelte ich einen meiner Freunde, der auf seinem alten PC seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen alten Spiele zockt (Civilisation, Diablo und Masters of Orion). Heute bin ich etwas neidisch auf ihn und versuche, wieder den Spielspaß zu finden, der ihm scheinbar nie verloren gegangen ist …

… und das obwohl sich hinter meinem Rücken mittlerweile ein bedrohlich großer Stapel von Bigboxen auftürmt.

Es würde mich sehr interessieren, ob du vergleichbare Erfahrungen gemacht hast und wie du mit deinem PoS umgehst … wie wir weiter oben gelernt haben, muss es sich ja nicht zwingend um Videospiele handeln.

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Kommentare20

  1. Mein werter Tim, der Zauberer.Ja der Monty Python Gag war flach aber musste sein XD Erstmal schöner Artikel, auch hier muss ich mal auslassen. Ich war immer verwundert, wie manche Leute über 500 Games in der Steambibliothek haben können, ich bin selber bei 100 und froh wenige Games, da zu haben, damit die Auswahl überschaubar bleibt.Das gleiche auch bezüglichst meiner physischen Sammlung zu Konsolen oder Handhelds.Auch hier merkte ich so im Laufe der Jahre, ich muss nicht jedes Game besitzen oder zwangsweise spielen, weswegen ich auch gern aussortiere. Von daher find ich wie heute der Spielemarkt aufgetan wird anstrengend.Einerseits zu viel Auswahl, hinzukommt Werbung, PR Kram der manchmal auch hier too much ist, siehe der Hype um Cyberbug.Deswegen kehre ich eher zu meinen persönlichen Perlen zurück🙂

    1. Hallo,
      erst Mal vielen Dank für deinen netten Kommentar. Unnötig zu sagen, dass ich Menschen mit so einer Selbstdisziplin immer neidisch gegenüberstehe. Vielleicht gelingt mir das ja auch Mal. Im Moment wächst zwar mein digitaler PoS nicht mehr, aber meine Bigbox Sammlung dafür um so mehr. Evtl. mache ich demnächst auch Mal einen größeren “Retropurge”, um wieder etwas Platz zu machen… Aber wahrscheinlich nur für andere Bigboxen. 😅🤫
      Bleib gesund!
      Tim

  2. Bei einer großen Sammlung von Spielen in den digitalen Regalen bei Steam und ähnlichen Anbietern löst sich der Pile of Shame irgendwann eh in Luft auf. Nämlich dann wenn der Anbieter die Server abschaltet. So wird es bald meiner Ansammlung von Spielen im PS3 und PS-Vita Store gehen. Ich muss immer schmunzeln wenn Menschen sich als Sammler von Spielen bezeichnen und dann auf ihre große Sammlung bei Steam verweisen. Aber das ist eine anderes Thema. Spiele die mich wirklich interessieren kaufe ich als Retail und dann werden die auch gespielt. Digital kaufe ich nur im Sale und dann sind das Spiele die ich mal anspiele oder als Unterhaltungsprogramm für 2 bis 3 Abende quasi als Snack. Der Pile of Shame hält sich so in Grenzen bei mir. Das heisst nicht das er nicht existiert. Er ist aber überschaubar.
    Ich hab mir mal als Regel definiert das ich erst ein Spiel beende und dann erst ein neues starte. Klappt aber nicht immer. Es ist eben auch stimmungsabhängig was man gerade spielen möchte. Aber immerhin wird mein Stapel so kleiner. Das funktioniert.

    TobiClaudia FeinerTim Bartz
    1. Dir ist schon klar, dass es inzwischen sehr viele Spiele nur noch digital gibt, oder? Die Tatsache, dass es ein Spiel auf Disc oder Cartrdige gibt, sagt nicht wirklich etwas über die Qualität des Spiels aus und ohne digitale Distribution würde es die Indieszene heute vermutlich gar nicht geben. Jedenfalls ganz sicher nicht in dieser extrem vielfältigen Form.

      TobiClaudia FeinerTim BartzAndre
      1. Das ist mir bewusst und ich hab wirklich Glück das mein bevorzugtes Genre oft noch Retail veröffentlicht wird. Ich hoffe das Anbieter wie Limited Run immer mehr Nachahmer bekommen und Indie-Entwickler ihre Spiele auch auf diesen Weg veröffentlichen können.

        TobiClaudia FeinerTim BartzAndre
        1. Ich glaube ganz fest daran, dass wir ein Konzept für die Archivierung und Bewahrung aller Videospiele brauchen. Egal ob sie physisch oder digital vertrieben wurden. Wichtig ist, das Spiel uns seine Erfahrung für die Nachwelt zu erhalten.

          TobiClaudia FeinerTim Bartz
  3. Sehr schöner Artikel. Ich hatte dieses Jahr den Vorsatz, kein einziges neues Spiel zu kaufen, um endlich meinen eigenen Pile of Shame zu verkleinern. Tatsächlich habe ich dadurch z.B. vor kurzem Zurück in die Zukunft von Telltale und einige andere Spiele gespielt, die hier schon länger herumlagen. Allerdings habe ich meinen eigenen Vorsatz auch bereits Mitte März gebrochen und etwas neues gekauft. Wenn man gerne sammelt, ist das nicht unbedingt hilfreich, in der Spieleflut nicht zu versinken. Allerdings sind es dann auch wirklich zwei paar verschiedene Schuhe, ob man nun sammelt und sich z.B. an schönen PC Big Boxen oder Super Nintendo Modulen im Regal erfreut oder einfach in diversen Sales digitale Spiele kauft, die dann beispielsweise in der Steam-Bibliothek vergammeln. Wenn man diesen Reflex unterdrückt, ein Spiel einfach zu kaufen, weil es doch gerade nur ein paar Euro kostet, hat man schon viel gewonnen. Vielleicht finde ich sogar irgendwann einmal heraus, wie man das schafft… 🙂

    Claudia FeinerTim Bartz
    1. Danke für deine netten Worte zu meinem Artikel… Diesen Vorsatz hatte ich übrigens bis gestern auch. Welches Spiel hat dich denn “straucheln” gelassen?

      Bei mir war es “Paradise Lost”… außerdem liebäugle ich noch mit “Valheim”. 🙄

  4. Schöner Artikel. Ich kann nur sagen, dass du die Essenz des Gamings wieder gefunden hast. Der Spaß an den Spielen. Man sollte sich nicht zwingen einen Spielestapel abzuarbeiten sondern einfach das spielen was man gerade am meisten spielen möchte. Und das scheinst du ja gerade zu tun indem die alten Retro Games zockst. Scheiß auf Stapel der Schande oder was auch immer, das ist nur unnötiger geistiger Ballast. Zock immer worauf du Bock hast egal wie viele Spiele du hast und du bist gut dabei und wirst noch viel Spaß mit dem Hobby haben!

    Schließlich kann man digitale Spiele eh nicht verkaufen und falls du doch mal Lust haben solltest eines davon zu spielen, sie werden da sein und auf dich warten. Und wenn du sie nie wieder spielen willst auch egal.

    Ich denke Spiele, die einen nicht genug fesseln als das man sie durchspielt oder wenn andere Spiele einfach mehr fesseln, dann haben es auch die Spiele, die am meisten fesseln/Spaß machen es auch am meisten verdient durchgespielt zu werden. Und du wirst den maximalen Spaß haben indem du nur das spielst was dir am meisten Spaß gerade macht oder dich gerade am neugierigsten macht oder was auch immer der Grund ist, das gerade das Spiel dich jetzt fesselt.

    Spiel einfach wonach du dich fühlst. Lass das Spielen Spielen sein und mache es nicht zu einer zweiten Arbeit nach der eigentlichen Arbeit indem du einen Berg besteigst oder einen Stapel abbaust.

    Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Geld bekommt man wieder Zeit (die man mit Spielen, die man eigentlich gar nicht wirklich spielen will verschwendet hat) nicht. Also wenn du ein Spiel nicht spielen willst, lass es auch wenn es Geld gekostet hat. Scheiß aufs Geld das bekommst du wieder. Deine Lebenszeit aber nicht. Daher spiele ich immer nur Spiele, die ich spielen will und versuche gar nicht so was verrücktes wie meine Steam Spiele alle durchzuspielen oder so Quatsch.

    TobiClaudia FeinerTim Bartz
  5. Es ist immer eine Sache der Perspektive. Nicht das mein PoS kleiner wird, aber in meinem Fall ist es kein Pile, sondern ein Mountain of Joy. Diesen MoJ gilt es zu erklimmen und ich halt mich einfach an das Sprichwort „der Weg ist das Ziel“ und genieße die Zeit.

    Claudia FeinerTim BartzTobi
  6. Toller Debut-Artikel, Tim!

    Aber ich sehe schon, du hast deinen Pile of Shame mit der gleichen Weise besiegt, mit der man Rüpel und Pöbler besiegt: Indem man so tut, als gäbe es sie nicht. 😉
    Aber Spaß beiseite, deine Art, wie man mit dem Spielehaufen umgeht, empfinde ich als durchaus legitim: Statt sich in digitalen Spieloptionen zu ertränken, konzentriert man sich wieder auf wenige Spiele, die man *wirklich* spielen möchte.
    Schluss mit dem Spielekauf, nur weil das Spiel gerade im Sale ist! Nicht einfach nur ein Spiel besitzen sondern es auch spielen! – Der Wechsel auf ein physisches Medium, um eine Art Neuanfang zu machen, ist dabei gar keine so schlechte Idee. Dies ermöglicht es, jedes neue Spiel gezielt zu erwerbem zu spielen und – vor allem! – sich daran zu erfreuen.

    Natürlich besteht auch immer die Gefahr, sich dabei einen neuen Pile of Shame zu bauen. 😉

    Claudia FeinerTim BartzTobi
    1. Na ja, wie ich bereits “jmbm” geschrieben habe, geht es mir gar nicht mehr so richtig ums Spielen, sondern mehr ums Sammeln. Ich gebe dir aber Recht.. meine Steam Bibliothek (und alle anderen) werden schon seit knapp einem Jahr, fast vollständig ignoriert. Interessanter weise habe ich sie bis jetzt auch noch nicht wirklich vermisst.

  7. Lieber Tim,

    vielen Dank für den schönen Artikel! Ich schließe mich jmbm an, was die Beobachtung des “Sieges” über den PoS anbelangt (und ignorierst du ihn jetzt nicht einfach, indem du dich dem Retrogaming mehr zuwendest? :D), aber das tut deinem Artikel keinen Abbruch! Ich fand ihn sehr angenehm zu lesen und kenne das Problem nur zu gut.
    Auch bei mir lungern viele Spiele in den digitalen Bibliotheken herum, die ich irgendwann mal gekauft, aber dann doch nie gespielt habe. Ich habe mir inzwischen eine Excel-Liste angelegt, in die ich jedes Spiel eintrage, das ich spiele. Und irgendwie motiviert mich diese Liste, auch die noch nicht angespielten Spiele zumindest mal zu testen (und ggf. natürlich auch durchzuspielen). Warum das genau funktioniert, weiß ich allerdings auch nicht. 😀 Vielleicht hat es etwas mit der Visualisierung zu tun…
    Ich kaufe auch grundsätzlich keine Bundles von einem Publisher, sondern wirklich immer nur das Spiel, das ich gerne haben möchte. So weiß ich zumindest bei (fast ^^’) jedem Spiel, weswegen ich es ursprünglich mal gekauft habe und das macht es dann auch leichter, es wirklich mal anzufangen.

    Danke auch für die ganzen Fotos, irgendwie haben sie mir gute Laune gemacht! 🙂 Und ja, solche Big Boxen sind wirklich toll. Ab und an gibt es sie ja noch, aber dann entweder zu horrenden Preisen, mit qualitativ minderwertiger Beilage oder gleich nur digital…

    Liebe Grüße,
    Jessica

    Claudia FeinerTobiTim Bartz
    1. Hallo Jessica,
      danke für deine lieben Worte, bzgl. meiner Fotos. Ich bin auch immer wieder begeistert, mit welcher Hingabe die Publisher damals die Spiele verpackt, und den tollen “goodies” die sie dazu gelegt haben. Da du dich ja der Meinung von “jmbm” angeschlossen hast, habe ich ihm direkt etwas ausführlicher geantwortet. Vielleicht sollte ich das mit der Excel Tabelle mal probieren… aber eher für meine physikalische Spielesammlung, weil ich da langsam etwas den Überblick verliere. 😉

  8. So ganz erschließt sich mir jetzt noch nicht, wie du deinen PoS bezwungen hast, da es eher danach aussieht, dass du dir nun einen physischen PoS aufbaust ^^”

    “Früher belächelte ich einen meiner Freunde, der auf seinem alten PC seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen alten Spiele zockt (Civilisation, Diablo und Masters of Orion). Heute bin ich etwas neidisch auf ihn und versuche, wieder den Spielspaß zu finden, der ihm scheinbar nie verloren gegangen ist …”

    Genau das denke ich mir auch seit einiger Zeit. Während manche Freunde wirklich sehr lang Freude an einem einzigen Spiel haben können, verfliegt die Freude bei mir meistens schon nach wenigen Stunden. So hab ich hunderte von Spielen in digitaler Form aber die Anzahl der Spiele von denen ich zumindest die Credits gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen. Oft vergehen bei mir sogar Jahre zwischen dem ersten Spielstand und der Endsequenz.
    Aber für mich hat das aber auch oft mit modernem Spieldesign zu tun, und den Stories, die sich immer wieder gleich anfühlen. Letztendlich erlebe ich immer wieder, dass sich Spiele für mich wie Arbeit anfühlen oder ich das Gefühl habe, dass sie ihre Spieler nicht mehr ernst nehmen.

    Meinen PoS habe ich noch nicht ganz bewzungen. Aber ich habe irgendwann mal eine Kategorie “Pile of Shame” in Steam und GoG angelegt. Und ich habe mir angewöhnt weniger auf die allgemeine Meinung zu hören. Mein Fehler war immer zu sehr auf andere Leute zu hören. “Oh das Spiel hat so eine tollte Story” oder “Oh das sieht witzig aus, das können wir ja mal zusammen spielen” usw… führte bei mir dazu, dass ich diese Spiele angefangen habe, nicht sofort in den Bann gezogen wurde und dann jedes Mal, wenn ich den Namen gesehen habe, daran dachte, dass ich das ja auch noch durchspielen “muss”.

    Jedenfalls picke ich mir am Wochenende immer wieder ein paar Spiele raus, die ich installiere und dann noch mal spiele. Wenn sie mich im ersten oder zweiten Anlauf dann immer noch nicht überzeugen, wandern sie in meine “Schade.”-Kategorie und schreibe ein kleines Review dazu (keine Sorge, in den seltensten Fällen gebe ich eine negative Bewertung). Auf diese Weise kann ich dann für mich damit abschließen und habe kein so schlechtes Gewissen mehr.

    Dazu kommt, dass ich keine Spiele mehr “kostenlos” nehme. Also keine Spiele mehr aus den Abos oder Epic Store. Selbst wenn sie mir auf den ersten Blick gefallen. Dadurch verlieren Spiele irgendwie nur noch mehr an Wert. Ich denke da immer gern an den GamePass. Darin sind so viele Spiele enthalten, für die ich damals™ den vollen Preis gezahlt hätte, hätte ich zum Release die Zeit dafür gehabt. Und dann hatte ich sie da vor mir liegen, hab kurz reingeschaut und mich direkt dem nächsten Spiel gewidmet. Aber das führt wieder zu einem ganz anderen Thema.

    Statt meinem Impuls zu folgen den neuen heißen Scheiß direkt zu kaufen oder das nächste kostenlose Spiel zu klicken, stöbere ich nun lieber erst in meiner bestehenden Bibliothek und widme mich diesen Spielen. Da ich Steam schon seit Release benutze, kommt da schon fast Flohmarktstimmung auf, haha. Dabei merke ich immer wieder was mir eigentlich an Spielen gefällt und so finde ich auch öfter mal die ein oder andere Perle, die mich dann ein paar Wochen beschäftigen kann. Und es kommt wirklich Freude auf, wenn ich merke, dass ich einem Spiel nicht die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt habe, weil ich zu abgelenkt von neuen Spielen oder belanglosen Zeitfressern war.

    Irgendwann werde ich dann aber vor dem Problem stehen keine Spiele mehr im Schandenstapel zu haben und muss mich dann nach neuen Sachen umsehen. Wie ich in Zukunft bessere Entscheidungen treffe, weiß ich noch nicht so richtig.

    Claudia FeinerTobiTim BartzJessica Kathmann
    1. Danke für diese tollen Aspekte, die du noch eingebracht hast! Der “Wertverlust” durch Sales, Bundles und Gratis-Wochen ist wirklich ein wichtiger Punkt.
      Andererseits muss ich sagen, dass ich auch froh bin, wenn ich Spiele günstig oder gar kostenlos bekomme. Klar, man könnte auch sagen, dass man lieber viel Geld für ein gutes Spiel ausgeben soll als in mehrere schlechte Spiele investieren, aber man weiß das im Vorfeld ja oft nicht und Bewertungsplattformen sind da häufig auch nicht allzu hilfreich. Manchmal verzückt mich ein kleines, völlig unbekanntes Spiel total, das ich mich nie getraut hätte zum Vollpreis zu kaufen. Und manchmal enttäuschen mich die ganz großen Titel und ich bin froh, nicht so viel dafür bezahlt haben zu müssen.

      Den Punkt, mehr auf das eigene Gefühl zu hören und sich nicht so sehr am “Mainstream” zu orientieren, finde ich auch wichtig. Gleichzeitig habe ich es aber auch schon erlebt, dass ich dann doch mal Empfehlungen gefolgt bin und dann ein Spiel gefunden habe, das ich sonst gar nicht ausprobiert hätte. Kommt wahrscheinlich auch immer sehr darauf an, worauf man hört und woran man sich orientiert. 🙂 Und eine Portion Glück ist dann natürlich auch immer dabei…

      Claudia FeinerTobiTim Bartz
      1. Hi Jessica, danke für die nette Antwort. Ich stimme dir in allen Punkten zu. Na klar findet man auch eine Menge Schmankerl wenn man Empfehlungen folgt und im Mainstream gibt es natürlich auch wahnsinnig tolle Spiele. Auch mit den kostenlosen Spielen, die man momentan überall bekommt, kann man mit Sicherheit auch mehr als genug Spaß haben und neue Sachen für sich entdecken, ohne auch nur einen Cent auszugeben.

        Und wie du ja auch geschrieben hast, kommt es immer drauf an wo man sich seine Empfehlungen holt. Aber, und das habe ich vermutlich nicht gut rübergebracht, mein Problem war eher, dass ich zu viel auf andere gehört habe, jedes vermeintliche Schnäppchen mitgenommen habe und meine Bibliothek stetig gewachsen ist.
        Es hilft mir persönlich jedenfalls allen Input zu reduzieren (Empfehlungen, Kritiken, kostenlose Spiele) um mich mehr auf einzelne Spiele zu konzentrieren und am Ende nicht nur eine “Liste abarbeite”.

    2. Ich muss erst Mal folgendes zu deine “Kommentar” loswerden, jmbm (Abkürzung für Jim Beam?).
      Total klasse geschrieben! Das wäre meiner Meinung nach schon ein vollwertiger Beitrag für diese Seite hier. Ganz herzlichen Dank für die Zeit die du dafür investiert hast… von deiner exzellenten Rechtschreibung mal abgesehen.. (auf die ich schon etwas neidisch bin).

      Natürlich hast du mit deinem ersten Satz absolut recht… das Gleiche habe ich ja auch mit dem letzten Satz meines Beitrags durchblicken lassen. 😉 Es gibt aber ein ganz großes ABER.. zumindest aus meiner Sicht. Ich verspüre nicht mehr den Druck, jeden neuen “Top Titel” zu kaufen, an jedem Sale teilzunehmen oder alle kostenlosen Spiele “abzugreifen”. Ich habe mich von einem “Zocker” in einem “Sammler” verwandelt. Wenn ich mir jetzt ein Spiel kaufe, geschieht das aus ganz anderen Gründen heraus und viel bewusster als früher. Das ein oder andere Spiel wird dann auch mal angespielt, oder sogar durchgespielt. Aber einfach nur, weil ich “Bock drauf habe” oder es mich interessiert. Darüber hinaus macht es mir auch einfach Spaß, mit der alten Hardware und den alten Betriebssystemen “rumzuspielen” und die Spiele wieder zum Laufen zu bekommen.

      Claudia FeinerJessica Kathmann
      1. Danke für das Lob Tim 😳

        Dein Text lädt zum Reflektieren ein. Dadurch war ich am Ende selbst etwas erschrocken, wie lang mein Kommentar wurde, haha. Und ja, ich bin vermutlich mit der falschen Erwartungshaltung in den Artikel gegangen ;). Kann ich aber sehr gut nachvollziehen, dass das Sammeln älterer Spiele noch einmal eine ganz andere Perspektive öffnet.

        Würde mich freuen in Zukunft von deinen Abenteuern aus der Retrowelt zu lesen

        Claudia Feiner