Die Entnetzung


Kommentiert von: Alex, Tobi, Falconer75, Heiko Reinhard, Christian Gehlen, Jessica Kathmann, Michael, Lenny, Claudio, André Eymann.
Lesedauer: 7 Minuten

Mein Rückzug aus dem Bombardement der Daten und Infos

Früher war alles besser! Oder? Das würde ich pauschal so nicht unterschreiben wollen. Jede Zeit hat ihre schönen Seiten, aber auch ihre Abgründe. Ich jedenfalls vermisse heute schmerzlich diese Leichtigkeit aus meiner Jugend. Beinahe täglich. Einerseits ist dieses Gefühl natürlich unglaublich stark bestimmt durch meine persönliche Geschichte. Auf der anderen Seite muss ich heute aber auch gegen viele Zwänge und Normalitäten der Gesellschaft ankämpfen, die ich so gar nicht haben will. Darauf möchte ich in den nächsten paar Minuten ein wenig eingehen.

Viel hilft viel

Gehört es nicht zum “guten Ton”, oder anders gesagt, ist es nicht normal oder gar Voraussetzung, dass man heute überall vernetzt ist? Immer online, immer erreichbar. Das geht los mit “schreib mir bei WhatsApp” oder einem anderen Messenger, Facebook, geht über Instagram Seiten und macht auch vor einem Account bei Twitter, Accounts zum Kommentieren (Disqus zum Beispiel), oder auch der Teilen-Funktion, Clubs & Co. auf den neueren Konsolen nicht Halt. Von diversen Filmstreaming-Diensten mal ganz zu schweigen, am besten brauche ich ja alle Abos, um irgendwo mitreden zu können.

Es ist zu viel. Die Masse erdrückt mich.

Versteht mich nicht falsch, ich ziehe gerne mal neue Infos z.B. zu Games aus den digitalen Medien und mag sehr, dass ich hier über VSG (+ Gravatar Account ^^) und auch bei Twitter mit netten Menschen im Austausch sein kann. Früher hatten wir die Printmagazine und der ein oder andere vielleicht regelmäßige Szene-News auf Disk. Es ist so einfach heute, Dinge zu recherchieren. Das ist schon cool, keine Frage!

Nachrichten (nicht unbedingt gute, das macht es zusätzlich kompliziert für mich) prasseln wie bei einem Hagelschauer auf mich herab. Ich denke, dass es nur ein natürlicher Reflex ist, da irgendwann Deckung zu suchen. Es ist einfach viel zu viel für mein Gemüt. Schlechte News gab es ja schon immer, aber die Vernetzung der Welt ballt es ziemlich. Täglich. Stündlich. Sofort. Ein Buschfeuer jagt das nächste. Rückzug.

Einfach mal den Stecker ziehen... (Observation)
Einfach mal den Stecker ziehen… (Observation)

So schütze ich meine wackelige, mentale Gesundheit vor dem Dauerfeuer, indem ich in letzter Zeit systematisch den geplanten Rückzug angetreten habe. Habe Accounts gelöscht, Mitteilungen deaktiviert, Pausen eingelegt, Abstand genommen oder mich aus meiner Sicht sogar befreit von ein paar selbstverständlichen Dingen der heutigen Zeit. “Warum liest du deine Nachrichten nie?!” höre ich oft. Mache ich ja, vielleicht aber nur nicht dann, wenn andere es erwarten. Die Erwartungshaltung “sofort” ist ein ziemlicher Druck heute. Mein Internet ist in der Regel ausgeschaltet, wenn ich aus dem Haus gehe. Man könnte mich ja beispielsweise auch einfach anrufen? Ging doch vor den Smartphones auch. So fällt vieles für mich in die Kategorie “Kann dann ja wohl nicht so wichtig sein”.

Die “Tumbleweed-Gabe”

Ich denke viel nach, sage aber meistens wenig, oder nur, wenn ich gefragt werde. Öfters bin ich aber einfach nur im Leerlauf. Auf “Was denkst du gerade?”, wenn ich abwesend wirke, weiss ich oft keine Antwort, denn da gab es einfach nichts. Der berühmte Busch, der durch’s Bild rollt, Tumbleweed.

Das stört mich nicht und ich bin froh, dass ich das so kann. Das war schon in der Grundschule so. Was kann ich dafür, wenn die Tagträume mit Blick auf die Vögel draußen oft interessanter als der Unterricht waren? Das haben damals wohl auch meine Noten widergespiegelt. Meine Frau beneidet mich um diese “Gabe”, wie sie sagt. Sie kann das nicht, es rattert ständig in ihrem Kopf und sie kann kaum abschalten.

...und die Seele baumeln lassen (Eastshade)
…und die Seele baumeln lassen (Eastshade)

Ich, Mitte 40, grüble viel über meine Zeit hier. Letztendlich ist es mir oft erschreckend egal, wie lange ich noch habe, das liegt nicht in meiner Hand. Ich kann es vielleicht auch nur minimal durch meine Lebensweise beeinflussen, kann gesund leben und dennoch mit einem Herzinfarkt umfallen. Das hoffe ich natürlich nicht, aber wer weiß das schon? Das schreibe ich vielleicht auch unter dem Einfluss meiner depressiven Launen, denn wirkliche und nachhaltige “Freude” am Leben hab ich schon lange nicht mehr. Es ist oft eher das Gefühl eines Hamsterrads, Geld verdienen, um das Zuhause zu bezahlen, in dem man kaum ist, weil man gerade Geld für das Zuhause erwirtschaftet, in dem man so wenig zuhause ist, weil man gerade Geld… Ach mann 🙁 Es sind wohl eher gesellschaftliche “Balls & Chains” über die ich täglich stolpere, denn so viel Lebenszeit geht für die Erwerbstätigkeit drauf. Was bleibt?

Als Christ glaube ich, dass es nach dem Tod weitergeht. Das hilft mir oft, wahrscheinlich gehe ich auch deshalb relativ gelassen mit einem der schwierigsten Themen des Lebens um. Aber sinnvoll nutzen möchte ich diese Zeitspanne hier schon, egal wie lang oder kurz sie sein mag.

Jetzt kommt dann doch noch die Kurve zu den Games. Danke für’s Durchhalten!

Qualität statt Quantität

In Verbindung mit Spielen, die ich ja auch gerne mal spiele, heißt das für mich dann aber auch, dass ich vieles einfach links liegen lasse, wenn es mich nicht wirklich packt. Stress à la Horror & Grusel kann mir dabei aber mittlerweile grundsätzlich gerne gestohlen bleiben. Ich mag meine “Quality Time”, wie es mir ein lieber online-Bekannter (danke Marco!) neulich perfekt beschrieben hat. Nicht sinnlos rumdaddeln, sondern gezielt Auszeiten nehmen, bewusst spielen, spielerisch etwas erleben und nicht spielen, nur um die Zeit totzuschlagen. Genauso sehe ich das auch für Zeit-Blackhole Streaming-Serien, da bin ich überhaupt kein Fan von.

Jetzt hab ich doch ziemlich ausgeholt, um hier zu landen. Hat das Ganze auch etwas mit Videospielgeschichten zu tun? Ja. 

Spiele sind für mich etwas Greifbares, wenn vieles andere nicht mehr greifbar ist und mir – so sehr ich mich auch bemühe – einfach durch die Finger rinnt. Ein wenig Ablenkung, ein wenig Erinnerung, ein wenig Vertrautes. So wie damals. Mein innerer Streichelzoo.

Spielmechanik der alten Schule (Outcast)
Spielmechanik der alten Schule (Outcast)

Ist das Ganze dann vielleicht ein Stück Retro für mich? Heule ich Vergangenem hinterher? Ja, das kann man bestimmt so sehen, ich denke, der Vergleich hinkt überhaupt nicht. Ich vermisse die Zeiten, in denen es so unkompliziert war. Schule aus, Essen, Hausaufgaben, ab in den Wald \o/ An anderen Tagen: Spiel an. Ohne online, ohne Schnickschnack, ohne und und und. Ich und das Spiel, abtauchen und weg. Simple Spielmechaniken aus der Urzeit finde ich dabei auch heute noch alles andere als abschreckend. Das habe ich gerade wieder bei Outcast-Second Contact, dem Remake des 99er Titels, erkannt. Einfach gut! Aber auch Observation, welches im Prinzip billige Rätsel mit einer unglaublich dichten SciFi Atmosphäre verknüpft. Fantastisch 😀

Schön spielen!

Ich mag einfache Spiele. Vom Schwierigkeitsgrad her, aber auch von der Struktur und der Spielmechanik her. Ich mag mich in nicht zu komplizierte, digitale Welten zurückziehen, um eine schöne Zeit zu verbringen. Ein bisschen Flucht, ein bisschen Erinnerung, wie leicht alles mal war.

So wie beispielsweise auch in diesen für mich entspannten Abenteuern, ergänzend zu den drei weiter oben abgebildeten Titeln: 

Nicht sabbeln. Singen! (Wandersong)
Nicht sabbeln. Singen! (Wandersong)

Ein Spiel wie Wandersong konnte an manchen Tagen positiv meine Laune unterstützen und der tänzelnde Barde mit der hellen Stimme schaffte es immer, mir ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dafür bin ich dankbar, erinnert mich dieses total simpel anmutende, musikalische Abenteuer an manchen Ecken auch ein wenig an das Playstation PaRappa (kick, punch, block!) aus den 90ern.

Stille Wasser... (Submerged)
Stille Wasser… (Submerged)

Submerged hat mir auch sehr gefallen. Schon lange des Szenarios wegen auf meiner Xbox Wunschliste, war es irgendwann im Sale (ich weiß, ich bin Spielecompany’s Albtraum). Man tut eigentlich immer nur das gleiche, indem man Gegenstände für seinen kranken Bruder auf verwitterten Gebäuden im überfluteten Nirgendwo sucht. Aber auch dieses recht monotone Spiel hat seine Schönheit für mich, ist total entspannt und beruhigend. Ich mag ja solche übergrünten und verlassenen Schauplätze sowieso so gerne (hallo Enslaved 😀 ).

William Gibson in Berlin (State of Mind)
William Gibson in Berlin (State of Mind)

Jetzt bin ich gerade in State of Mind gefangen. Eine interessante Cyberpunk Low Poly Geschichte aus der Regionalschmiede Daedalic. Die vertreiben und/oder in diesem Fall entwickeln in meinen Augen teils echt tolle Abenteuer, die weder wirklich schwierig, noch technisch so richtig auf der Höhe sind, aber gerade atmosphärisch für mich total schön sind und zum träumen einladen. Dazu passt auch – wie ich finde – hervorragend dieser Low Poly Stil. Zu wenig, um wirklich schön zu sein, aber nicht zu viel, auf dass der Kopf noch genug Spielraum hat, um eigene Details auszuarbeiten. Ich mag das sehr. So wie ein virtuelles Buch, so würde ich diesen Stil beschreiben.

Einen weiteren Vertreter des Genres, AER – Memories of Old (leider auch Forgotten Key’s einziges Werk), kann ich da auch sehr empfehlen. Das glänzt für mich umso mehr von der oft minimalen, aber atmosphärischen, musikalischen Seite.

Minimalismus in AER - Memories of Old
Minimalismus in AER – Memories of Old

Ihr seht schon, ich mag es gerne einfach

Heute scheint mir vieles aufgekocht, oft auch ideenlos umgesetzt. Aber dafür in hübsch 🙂 Viele Neuerungen gibt es nicht wirklich, es war schon so viel da. Kompliziert muss es aber anscheinend sein. Denn oft sind neue Games dann auch wieder mit Onlinemodi zugepflastert und breitgetreten, die ich so gar nicht gebrauchen kann. Oder die Spielmechanik ist total verworren und es kommt dadurch keine Freude bei mir auf. Ich mag daher auch sehr gern die Indie-Ecke. Frische Ideen, an die sich manch fette Studios nicht rantrauen, wenn die Erfolgsprognose zu wackelig erscheint. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Wie ist das bei euch? Werde ich einfach alt, oder geht es euch heute ähnlich mit dem Hagelschauer und Deckung suchen?

NadineJessica KathmannClaudioAndré Eymann

17 Kommentare

Neuer Kommentar

  1. Ich glaube nur durch die Entnetzung kann ich in unserer bekloppten Welt den Fokus für die wichtigen Dinge in meinem Leben behalten. Die letzten 3 Jahre war der Blick im Dezember auf diverse Jahresrückblicke immer eine Wundertüte für mich. Ok, das ist alles passiert und das hat die Leute interessiert? Nichts von mitbekommen.

    Nicht falsch verstehen: Das politische und wirtschaftliche Geschehen verfolge ich natürlich schon in einer täglichen Nachrichtensendung.
    Mit meinen 44 Jahren will ich am Abend oder am Wochenende einfach mal meine Ruhe haben. Da muss ich nicht in sozialen Kanälen meine Meinung verteidigen.

    Ehrlich gesagt vermisse ich das gute alte “Forum” auf Internetseiten als Werkzeug zum Austausch von Gedanken. Da konnte ich noch in Ruhe einen Beitrag schreiben und durch alte Beiträge blättern. Diskussionen finden heute in Threats auf Twitter oder in Discord-Kanälen statt. Das ist mir alles zu flüchtig. Wenn ich dort nach 2 Tagen mal wieder reinschaue, sind schon lange wieder andere Themen aktuell. Die Vergangenheit muss ich mir dann mühsam aus Wortbausteinen zusammensetzen. Da habe ich keine Lust und schon gar keine Zeit dafür.

    Dann lasse ich das Mobiltelefon besser liegen und entspanne bei einem Videospiel. Ob dieses Videospiel dann auch die Massen begeistert? Keine Ahnung. Ich will ja damit Spaß haben.

    TobiNadine
  2. So ein schöner Artikel, lieber Tobi. Er trifft voll in das Herz ein Mitvierzigers. Nachdenklich, inspirierend, melancholisch, erfrischend. Ich teile sehr viel von dem, was Du schreibst. Danke Dir für den Text!

    KatrinAndreTobi
    1. Und ich danke dir für deinen bestätigenden Kommentar! 🙂 Oft denke ich, dass ich alleine stehe, aber die Reaktionen hier beruhigen mich gerade etwas. Danke.

  3. Hallo Tobi,
    bin ebenfalls mitte 40, tagträumerisch veranlagt und seit ATARI 800XL – Zeiten mit dabei.
    Grübeln, zum Fenster hinaus schauen, Gedankenleer/verloren – all das könnte ich auch geschrieben haben.
    Die Sehnsucht nach mehr Substanz, weniger Geschwindigkeit, mehr Zauber im Detail teile ich ebenfalls und
    genauso, wie wir Kinder der 70er noch beigebracht bekommen haben, das Wasser beim Händewaschen nicht permanent laufen zu lassen, gehe ich auch immer wieder offline, denn früher kostete jede Minuten im Netz einfach Geld und eine “Flat” war lange unvorstellbar – das steckt noch drin.
    Auch Deine Lebensphilosophischen Gedanken teile ich.
    Toller Artikel und schön zu wissen, dass es anderen ähnlich geht!
    Viele Grüße, Heiko

    Tobi
    1. Danke schön für deinen Kommentar und die moralische Unterstützung, Heiko. Willkommen im Tumbleweed Club! Dass ich immerhin nicht ganz alleine dastehe und es anderen ähnlich ergeht, wenn Dauerinfos auf sie niederregnen, habe ich hier bei den Kommentaren schon rausblitzen sehen. Der Alltag ist oft voll mit viel Müll (you just said “blah” a lot of times) und mindestens genauso oft würde ich einfach nur ausbrechen wollen. Und vorher vielleicht noch schreien. So viel Lautes, auch im übertragenen Sinn, von allen Seiten. Es ist sooo anstrengend! Daher muss ich diese Zeiten einfach für mich beanspruchen, wo ich den Strom nicht kappen kann. Ob das jetzt dieses “Draußen” ist, wo ich meistens am liebsten niemandem über den Weg laufen würde, oder ein Spiel, in welches ich eintauche. Da die letzten Jahre bei mir sehr, ich nenne es mal “krimimäßig” waren, sehne ich mich unglaublich oft nach Ruhe. Lasst mich doch mal. So wie früher, da war so vieles easy. Auch wenn es das bestimmt gar nicht war.

      Beim Schreiben dieses Kommentars kommt mir übrigens grad bei “laut” ein Gedanke: Wie laut muss unsere Datenflut auf Tiere, die ja oft eine viel feinere und breiter gefächertere Wahrnehmung als wir vorweisen, sein? Ich hatte irgendwann mal laienhaft eine Audiospektrum App in unserem Haushalt getestet und war erschrocken, was für Lärm, den wir gar nicht bemerken, beispielsweise schon diese eine, simple Steckerleiste mit LED Schalter von sich gab. Die musste dann übrigens zugunsten der Tierchen hier weichen. Ich will vielleicht lieber gar nicht wissen, was wir mit unseren WiFi Netzen in der Natur so anstellen… Herzlichen Dank für deinen Kommentar!

      Andre
  4. Was für ein schöner Beitrag. Wenn ich kurz kritisieren darf: Die Smileys hätte ich weggelassen.
    Ansonsten finde ich mich in diesem Text mehrfach wieder, sowohl im Bezug auf die favorisierten Spielmechaniken als auch auf die allgegenwärtige telekommunikative Reizüberflutung. Es ist bei mir phasenweise so, dass ich bestimmte Spiele als Eskapismus nutze, um vom Alltag ein bisschen runterzukommen. Lässt es mein Nervenkostüm zu, traue ich mich wiederum auch mal an moderne AAAs heran – ohne deren guten Ruf am langen Ende nachvollziehen zu können.
    Tatsächlich habe ich mich hier (https://www.videospielgeschichten.de/story-vs-gameplay/) auch schon mal mit dem von Dir geschilderten Phänomen auf einer anderen Ebene auseinandergesetzt.
    Im Gegensatz zu meinem Text gefällt mir aber, wie stark Du die Emotionen mit Deiner persönlichen Sichtweise verknüpfst und uns Leserinnen und Lesern vermittelst. Dazu kommen die Beispiel-Spiele, die Du anführst. Insgesamt hast Du meinen Abend mit Deinem Text wirklich bereichert.
    Ich freue mich, in Zukunft noch mehr von Dir zu lesen.

    AndreTobi
    1. Vielen Dank, Christian! Konstruktive Kritik ist immer willkommen, gerne doch. Ich freue mich natürlich auch sehr über dein wirklich schönes Lob, keine Frage und vielen Dank! Deinen Artikel werde ich in Ruhe lesen, wenn es die Zeit zulässt, danke für die Verlinkung.
      Ich denke, dass viele Spieler diese Art von Stressabbau (oder Flucht?) nutzen. Person A flüchtet tiefer hinein, Person B nicht so. Und Person C interessiert das vielleicht alles gar nicht. Alltag, Probleme, Stress, vielleicht aber auch einfach “nur” Unterhaltung. Ist es die spannende Geschichte des Spiels, die so fesselt, oder mag man einfach nur mal um sich ballern? Da gibt es bestimmt einige persönliche Gründe, warum man dieses oder jenes Spiel(genre) so gerne mag. Danke für deinen Kommentar 🙂 (<- jetzt gibt's doch noch einen)

  5. Lieber Tobi, gerade habe ich nicht viel Zeit, aber wollte dir doch zumindest kurz für diesen schönen und persönlichen Artikel danken und für die Einblicke in deine Gedanken. Hier sind schon so viele Kommentare eingegangen, denen ich mich nur anschließen kann! Ich hoffe, ich finde die Tage mal Zeit, noch ein bisschen mehr hier zu schreiben, aber falls es dann doch untergeht, wollte ich zumindest diesen Dank schonmal hier lassen!

    KatrinTobi
  6. The Trend is your friend. Oder etwa nicht?
    Es ist vielleicht ganz passend, dass dein Artikel gerade jetzt erscheint, wo die E3 noch frisch ist. Wo neue Spiele vorgestellt werden und sich zeigt was gerade angesagt ist.
    Ach ne, doch nicht. Und das liegt nicht nur an der Pandemie. Aber was gibt es seit Jahren zu sehen. Shooter an Shooter, Multiplayer, Last-Man-Standing-Spiele. Langweilig. Für mich.
    Trotzdem freue ich mich jedes Jahr darauf. Denn mittlerweile weiß ich, dass ich nicht alles mitmachen muss. Shooter, kann ich getrost ignorieren. Ausnahmen bestätigen die Regel. Multiplayer. Ohne mich. Brauche ich die neuesten Titel? Es kommt auf das Spiel an. Natürlich gibt es Spiele auf die ich mich freue, aber genauso gut spiele ich jetzt Bravely Default auf dem 3DS und habe sehr viel Spaß damit oder ich spiele mal wieder einen Titel den ich schon oft gespielt habe. Oder ich spiele auch mal gar nicht.
    Das Gute ist ja, Spiele werden nicht schlecht. Die Qualität liegt ja ohnehin im Auge des Betrachters oder der Betrachterin.
    Gleiches gilt auch für Social Media. Ich muss nicht alles mitmachen oder zu allem eine Meinung haben und sie schon gar nicht äußern.

    Jessica KathmannTobi
    1. Ja es wiederholt sich so wirklich vieles und von den Socken gehauen hat mich die E3, bis auf ein paar Titel, nicht wirklich. Vielleicht ist es da gut, wenn man von Vornherein nicht viel erwartet. Die zwei, drei neuen Titel, die mich interessieren (Lake, Sable, und noch irgendwas) kommen, soweit ich mich spontan erinnere, alle aus der Indie-Ecke. Da passt mir die Stimmung und das entspannte Spielprinzip einfach (Demo sei Dank!). Sonst bediene ich mich gerne mal bei älteren Spielen auf dem Gebrauchtmarkt oder in digitaler Form aus dem Store, bei zweiter Option warte ich aber meistens auf ein Angebot. Danke für deinen Kommentar, Lenny 🙂

  7. Ein wirklich schön zu lesender Beitrag Tobi!
    Die alltäglichen Stressoren, seien es die Möglichkeiten zur Kommunikation oder die zum Erhalt der neusten Nachrichten, sind tatsächlich schwer zu kontrollierende und teils sehr beeinträchtigende Faktoren. Persönliche Nachrichten zeitnah beantworten, Telefonate instantly annehmen oder sofort über alle Geschehnisse auf der Welt bescheid wissen, können tatsächlich eher lähmen, als das sie beflügeln. So ergeht es zumindest mir. Vor allem hinsichtlich der Kommunikation, lasse ich, ähnlich wie Du, meine eigenen Regeln gelten und antworte sobald es mir passt und ich zudem Interesse daran habe. Und genauso akzeptiere ich es, sobald mir nicht postwendend geantwortet wird.
    Auszeiten mittels Videospiele sind für mich ein echtes Allheilmittel. Das Entfliehen in imaginäre Welten und das Identifizieren mit Charakteren ist es immer wert, dass Smartphone beiseite zu legen. Den Online-basierten multiplayer benötige ich ebenfalls nicht – vielmehr hoffe ich immer auf grandiose offline Abenteuer (egal welcher Art, Hauptsache es spricht mich subjektiv an). Diese Spiele Genieße ich dann auch gerne mit meiner Partnerin. Sozusagen entfliehen wir gemeinsam dem Stress des Alltäglichen.
    Und weil eben die Ansprüche und die persönlichen Beziehungen zu Spielen an Vielfältigkeit nicht zu übertreffen sind, plädiere ich auch immer für eine hohe Diversität an Titeln. Leider orientiert sich der Markt, selbstverständlich durch den Drang/Zwang höchstprofitabel zu sein, immer wieder an, sich ähnelnden, Mustern. Mal sind sie divers genug, mal erscheinen Spiele mit einer derartigen Deckungsgleichheit, dass man sich frag: “hä! Dieses Spiel kam doch vor zwei Monaten raus, nur mit abgeändertem Namen?”

    Nichtsdestotrotz ist es am wichtigsten seine eigene Motivation Videospiele zu konsumieren, zu definieren. Dann findet Jede*r etwas, dass gefällt. Letztlich bietet die Kreativität des Indie-Bereichs immer wieder Auflockerungen, sofern der große, allgemein Markt etwas in Eintönigkeit verweilt.

    Christian GehlenTobi
    1. Danke für deinen Kommentar, Claudio.
      Ja, mir scheint, man muss heute beim Thema News und Datenflut einfach mal egoistisch sein und – da, wo es möglich ist – den Hahn zudrehen. Vielleicht auch nur temporär, um mal Luft zu schnappen, aber das muss jeder für sich selbst schauen.

      Claudio
  8. Zunächst einmal, lieber Tobi, ich denke du sprichst mit deinem Artikel vielen Menschen aus der Seele. Viele fühlen sich heute wahrscheinlich dem Druck ausgesetzt, dem neuesten Trend hinterherlaufen zu müssen, wenngleich sie das gar nicht möchten – mal ganz unabhängig davon ob es sich um Videospiele handelt oder nicht. Der mediale Druck ist enorm. Letztendlich muss und soll aber jeder selbst entscheiden können, was er oder sie mit seiner kostbaren Lebenszeit anstellt. Auszeiten sind wichtig, wie auch immer man sie für sich findet. Mir gefallen die Spiele und die Spielideen sehr, die du in deinem Artikel beschreibst. Ich mag Spiele, die mich auf eine Abenteuerreise entführen. Deshalb sprechen mich sehr graphische Textadventures an. Eins, das ich besonders mochte, ist “Der blaue Kristall” aus den 80ern. Aber auch Tomb Raider habe ich gerne gespielt, auch alle Teile gesammelt. Leider war auch dort der Trend zu beobachten, dass mit jeder Fortsetzung die Rätsel schwieriger wurden und die Erkundung von “Lost Places” immer mehr in den Hintergrund rückte. Deshalb hat mich auch der Artikel von Stefan Vogt (https://www.videospielgeschichten.de/die-ersten-schritte-ins-abenteuer) sehr angesprochen. Danke für die Quality Time, die du mir mit deinem Artikel beschafft hast 🙂

    Christian GehlenClaudioAndré EymannTobi
    1. Vielen Dank, Michael! Dein letzter Satz ist ein wirklich schönes Lob, danke sehr ♥
      Dass du gerade Tomb Raider ansprichst, da fühle ich genauso. Es ist ein tolles Abenteuerspiel, welches über die Jahre immer mehr verkompliziert wurde (von der Gewalt, die immer mehr hinzukam, mal ganz abgesehen). Die alten Teile gefallen mir da auch deutlich besser, weil sie (für mich?) einfacher gestrickt waren, zum Beispiel auch ohne überflüssigen Onlineballast auskamen (Sammelkarten mit Tauschbörse, oder was war da?). Klar sind Entwickler im Zugzwang, weil sie dem Großteil der Spieler Neues bieten wollen und auch müssen, aber das scheint mir – aus meiner Sicht – auch sehr spielerabhängig zu sein. Vielleicht stelle ich da die Minderheit dar. Ein gutes Spiel braucht für mich nicht zwingend fotorealischtische Grafik, solange die Atmosphäre stimmt. Passt, oder auch nicht. Das habe ich übrigens gerade z.B. auch wieder bei den total entschleunigenden und auf ihre Weise sehr schönen Demos von “Lake” und “Sable” bemerkt, die erst nach dem Verfassen des Beitrags in den Store gehüpft sind.
      Vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

      Jessica KathmannClaudioAndré Eymann
      1. Ja, Tobi, da kann ich dir wirklich zustimmen, dass die Grafik nicht zwingend fotorealistisch sein muss. Es ist irgendwie dieser eine Moment, der einen verzaubert, wenn man etwas Neues entdeckt. Bei Tomb Raider kommt mir diese eine Stelle in den Sinn. Lara war im Inneren einer Höhle, scheinbar eine Sackgasse. Dann schaute ich genauer hin. Kaum zu sehen, doch er war da: ein fast nicht sichtbarer Spalt im Fels. Ich kletterte hinauf und – siehe da – plötzlich tut sich ein urzeitlicher, grüner Dschungel vor mir auf. Wie schön und geheimnisvoll dieser Ort war!

        TobiJessica Kathmann

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