Die Festplatte erzählt: der Narrativ in Spielen von Datasette bis Glasfaserkabel


Kommentiert von: andreaswanda, Ferdi, André, Stefan, Stephan.
Lesedauer: 11 Minuten

Worum gehts? „Da ist dieser Punkt. Der macht die anderen Punkte hin.” „Und dafür gibts Punkte?” – Eine kurze Geschichte über Computerspiele, erzählende (Bild-)Punkte und verantwortungsvolles Spieldesign.

Das Lochkarten-, Datasetten- und Disketten-Zeitalter, das Festplatten-Zeitalter, die CD-ROM „Revolution”, das DVD-Abenteuer und der Download per lässiger Multi-Touch Geste – alles erzählt dieselbe Geschichte von Bildpunkten, die sich vereinten, um den Spieler in eine Rolle, eine fremde Welt hineinzuversetzen.

Ob nun zu feinfühlig abgemischten Dolby Digital Tönen oder quäkenden Sägezahn-Chips an der Grenze zur Körperverletzung, Pixel in Computerspielen haben immer schon Geschichten erzählt, mit unerwartet widersprüchlichen Folgen: je entwickelter die Technik, desto eingegrenzter der Spielspaß.

Packungsweisheiten und funktionale Pixelmuster

Szenenwechsel: auf der Packung zermalmt ein Panzer einen Rasen grob, ein Kommandant scheint Handzeichen zu geben, ein Flair von strategischem Vordenken kommt auf – es ist Armor Battle auf dem Intellivision.

Diese heute unfassbar primitive Spielmaschine konnte qualitativ nichts von der Dramatik der Packungsillustration auf den Schirm zaubern, aber im Kopf des Spielers gab es große Szene – und endlose Diskussionen im Schulhof am nächsten Tag.

Die 1979 von Mattel Electronics für Intellivision veröffentlichte Armor Battle erzählt grafisch klar dargestellte Panzerschlachten, dem Spieler selbst wird von der Packung die bevorzugte Spielpose und -kleidung vorgegeben (Fernglas not included). (Bild: Andreas Wanda)
Die 1979 von Mattel Electronics für Intellivision veröffentlichte Armor Battle erzählt grafisch klar dargestellte Panzerschlachten, dem Spieler selbst wird von der Packung die bevorzugte Spielpose und -kleidung vorgegeben (Fernglas not included). (Bild: Andreas Wanda)
So einfach war die Grafik des 1976 erschienen Breakouts, uninformierte Nicht-Spieler hat große Mühe, in den Pixeln den heldenhaften Astronauten auszumachen, der einer bunten, blockartigen Paralleldimension entkommen will. (Bild: Andreas Wanda)
So einfach war die Grafik des 1976 erschienen Breakouts, uninformierte Nicht-Spieler hat große Mühe, in den Pixeln den heldenhaften Astronauten auszumachen, der einer bunten, blockartigen Paralleldimension entkommen will. (Bild: Andreas Wanda)

Der Name Breakout markiert gedrängt eine Notwendigkeit zum Ausbruch – aber woher? Quadratische Punkte entfernen statische, rechteckige Punkte wenn man mit einem langgezogenen Punkt den sich bewegenden Punkt „gezielt“ ablenkt, um Punkte zu gewinnen. Ein Blick auf die Packung offenbart, was man sich als Spieler bestimmt immer dachte: ein amerikanischer Astronaut ist gefangen in einer anderen Dimension, sein einziger Weg zurück führt durch eine abstrakte, bunte Wand aus elementaren Blöcken – ein grobes Pixelmeer. Dafür konnte man schon mal die unvollständige Hausübung vergilben lassen.

Ungewöhnliche große Spielfiguren tricksten in B.C.'s Quest for Tires die beschränkte Auflösung der Rechner der frühen 1980ern aus, um die auf der Schachtel angedeutete humorvolle Handlung ins Spiel selbst übertragen zu können. (Bild: Andreas Wanda)
Ungewöhnliche große Spielfiguren tricksten in B.C.’s Quest for Tires die beschränkte Auflösung der Rechner der frühen 1980ern aus, um die auf der Schachtel angedeutete humorvolle Handlung ins Spiel selbst übertragen zu können. (Bild: Andreas Wanda)

Bei B. C.’s Quest for Tires wird die Pixelwelt ungleich konkreter, Packungselemente gleichen (für damalige Verhältnisse) den bereits klar definierten Spielfiguren. Auch unbeteiligten Betrachtern des Programms erklärt sich im Vorübergehen das Spielgeschehen: ein Mann mit Lendenschurz rollt auf einer Steinplatte seiner Geliebten entgegen. Nicht mehr allein der eingeschworene „Computer Freak” weiß die visuellen Codes zu entschlüsseln, die allgemeine Gesellschaft erkennt langsam die Möglichkeiten der ursprünglich so verschlossenen Unterhaltungsindustrie.

Computer- und Videospiele werden für die Allgemeinheit verständlich

Paul Woakes’ Klassiker Mercenary bedient sich eines gekonnten Kunstgriffs: die Packung zeigt einen Raumpiloten, der aus dem Cockpit eine zu Polygonen reduzierte Stadt ausmacht.

Wenn man das Spiel geladen hat, sitzt der Spieler in genau diesem Cockpit und wird tatenloser Zeuge, wie sein Raumgleiter auf die Oberfläche dieses fremden Planeten herunterrauscht – einmal angekommen, erkennt der Spieler die „Gebäude” von der Packung: „Das ist dann wohl Targ”, murmelt der Polygon-Abenteurer, der soeben sein Wochenende verplant und die Kontrolle übernommen hat: Dank wunderhübscher, fließender Polygongrafik kann der Spieler sich nach gutdünken frei bewegen, um einen Weg von diesem Planeten zu finden, dank Echtzeitumgebung Möglichkeiten, Spielspaß ohne Ende, und das eingebettet in eine einfache wie packende Prämisse.

Jeder konnte dieses Spielgeschehen in Echtzeit „verstehen”, denn von der perspektivischen Darstellung bis zu den in Vektoren nachgebildeten Gebäude waren die pixellierten Muster jenen der Realwelt ähnlich genug, um kognitive Überleitungen zuzulassen.

Während die einen noch in den unendlichen Weiten der Pixel in David Brabens und Ian Bells ELITE umherirrten, flog man in Mercenary von Paul Woakes locker in der Planetenatmossphäre und bewegte sich in damals sensationeller, immersiver Ego-Perspektive auf der Planetenoberfläche. (Bild: Andreas Wanda)
Während die einen noch in den unendlichen Weiten der Pixel in David Brabens und Ian Bells ELITE umherirrten, flog man in Mercenary von Paul Woakes locker in der Planetenatmossphäre und bewegte sich in damals sensationeller, immersiver Ego-Perspektive auf der Planetenoberfläche. (Bild: Andreas Wanda)

Je lebensnaher die Darstellung und somit selbsterklärender der Spielverlauf, umso größer die Rolle der sinngebende Handlung innerhalb des Spiels: nicht mehr ein originelles Konzept wie einst Space Shuttle, Archon, Nebulus, Sokoban, Tetris oder M.U.L.E – deren Handlung sich größtenteils im ziervollen Packungsdesign ausbreitete – sollte das Interesse der Käufer anziehen, sondern die Geschichten selbst: Virgin Games veröffentlicht das Erstlingswerk des frisch gebackenen Trilobyte Studios The 7th Guest, ein historisch bedeutsames Paradebeispiel.

The 7th Guest gab sich als vollmundiges Kinospektakel auf CD-ROM: Geheimnisse ranken sich um das lang verlassene Anwesen des Puppenmachers Stauff, Schauspieler geben vor Blue Screens ihr Bestes, während das Single-Speed CD-Laufwerk winselnd die Datenlast der Video- und Render-Clips zu verkraften versucht. Der Spieler ist Besucher in diesem Haus, in dem es gar häufig spukt und ein verlorenes Kind – der siebente Gast – gefunden werden soll. Vorabberichte und Tests geizten nicht mit Bildschirmabzügen, die ein immersives Kinoerlebnis in markiger PC-Spiel-Packung versprachen.

Eine launische Denkspielsammlung verwandelt sich dank CD-ROM Technologie in eine schaurig, tragische Geschichte um den 7th Guest. Für jedes gelöste Denkspiel wird die Handlung in Filmclips weitererzählt. (Bild: Andreas Wanda)
Eine launische Denkspielsammlung verwandelt sich dank CD-ROM Technologie in eine schaurig, tragische Geschichte um den 7th Guest. Für jedes gelöste Denkspiel wird die Handlung in Filmclips weitererzählt. (Bild: Andreas Wanda)

Was jedoch wie ein spannendes Kriminalspiel mit Horroranspielungen klingt, war eine Sammlung bekannter Intelligenztests, deren Lösungen weitere Handlungsschnippsel offenbarten. Millionen Spieler erfreuten sich wegen der zugegeben großen technischen Sensation an einer per Computerspiel erzählten Schauergeschichte, in der man tatsächlich nie eingreifen durfte. Der Spieler war absolut eingeschränkt.

Pixel erzählen: Technik schenkt Spielen eine Erzählebene

The 7th Guest statt des der eigentlichen Virgin’s Big Box of IQ Tests: Mit der CD-ROM verwandelten sich Produkte und Werbekampagnen zu Filmproduktionen. Es war keine Seltenheit, die vermeintlich bekannten Filmdarsteller groß zu affichieren, während das Spielprinzip gänzlich unerwähnt blieb. Frankenstein, Ripper oder CIA ließen Computerspielezeitschriften wie Filmzeitungen wirken. Softwaregeschäfte muteten unweigerlich wie Videotheken an, der Spieler ein Schauspieler auf der spiegelglatten CD-Scheibe. Mit der Mobilität erfährt die Originalität im Gamedesign eine willkommene Frischzellenkur.

Als Fortsetzung der sich im neuen Jahrtausend rasch vermehrenden Browser-Spiele für das flotte Spielchen zwischen Excel, Kaffee und Abteilungsbesprechung, verlangten auch die einschränkenden Möglichkeiten mobiler Plattformen durchdachte Konzepte mit Spielwitz und visuelle Reduktion. Auch die zwingenden Vorgaben der Spielsituation unterwegs forderten Designer, Programme auch im rüttelnden Intercity-Bus kontrollierbar zu machen. Von Candy Crush zu Farm Ville wiederholte sich daher eine Zeit, da die Handlung wieder in den Hintergrund trat und die feinen Pixel sich der funktionalen Abbildung des Spielgeschehens widmen durften: die Handlung entfaltete sich im Kopf der mutigen Browser-/Mobilspieler, was aber angesichts des rasanten Fortschritts nicht lange anhielt.

Hier wird gespielt, nicht erzählt: Mit den Browser-Spielen ab 2000 tritt die Handlung zu Gunsten quietschbunter Casual Unterhaltung in den Hintergrund. 2012 erklimmt der britische Entwickler King den Zenith der Casual Games mit Candy Crush. (Bild: Andreas Wanda)
Hier wird gespielt, nicht erzählt: Mit den Browser-Spielen ab 2000 tritt die Handlung zu Gunsten quietschbunter Casual Unterhaltung in den Hintergrund. 2012 erklimmt der britische Entwickler King den Zenith der Casual Games mit Candy Crush. (Bild: Andreas Wanda)

Die Entwicklungen von Konsolen und Grafikkarten, gepaart mit flotten Flash-Speicherblöcken, näherten das moderne Computerspiel rasant dem Photorealismus an. Motion Capture lässt Designer schon seit Gremlins Actua Soccer (1996) lebensechte Bewegungen auf Drahtgittermodelle legen, der Spieledesigner wird abermals zum ambitionierten Handlungsregisseur: Minutenlang verkommt der Spieler heute zum ungewollten Kinogeher mit staubansetzenden Controllern wenn in The Order 1886 diverse Spielfiguren lustig miteinander plaudern.

Oder Lara Croft von Quick-Time-Event zu Quick-Time hechtet, wie zu den besten Dragon’s Lair- und Laserdisc-Zeiten, den guten alten 1980ern und 90ern. Der Spieler ist unangenehm eingeschränkt, Handlungsmöglichkeiten nicht vorhanden. Conor Hutton analyiserte dieses überaus zeitgenössische Phänomen.

Quick Time forever: Einfache Steuerkombinationen simulieren komplexe Aktionen, um Spieler tiefer in eine Erzählsituation hineinzuziehen, obwohl paradoxerweise genau in diesen Momenten Spiel- und Erzählverlauf zum Stillstand kommen. (Bild: Andreas Wanda)
Quick Time forever: Einfache Steuerkombinationen simulieren komplexe Aktionen, um Spieler tiefer in eine Erzählsituation hineinzuziehen, obwohl paradoxerweise genau in diesen Momenten Spiel- und Erzählverlauf zum Stillstand kommen. (Bild: Andreas Wanda)

In „Three Problems with Gaming Today” schreibt Conor Hutton, dass moderne Spiel Handlungsfreiheit vortäuschten. So böte Skyrim, das Hutton gerne spielt, nur die Möglichkeit, Quests anzunehmen oder nicht, oder die Reihenfolge der (Neben-)Aufgaben festzulegen, begeistere aber mit der Fülle an Inhalten und einer ausgedehnten Spielwelt. Doch die Möglichkeiten, sich kreativ als Spieler einzubringen sind überschaubar.

Im direkten Vergleich zu The Order 1886 ist Skyrim selbstverständlich Open World und hetzt den vernachlässigten Spieler nicht durch immer diesselben, wenn auch jeweils anders texturierten Gänge und Gassen. Der Umfang eines Skyrim lastet Entwickler aus, sodass Spieler 1.000-mal diversen Fabelwesen mit exakt derselben Handlungsabfolge eins über die Mütze ziehen können, denn merkbare Alternativen haben Entwickler unter der Arbeitslast nicht ausloten können. Dafür erzählt jedes 3D-beschleunigte Pixel in Skyrim ganze Epen im Vorübergehen, sodass sich die Frage stellt, ab wann eine vermeintlich spielführende Handlung den Spielwert beschränkt: „Worum gehts?”

Was kam zuerst? Die Geschichte oder das Spiel?

„Worum gehts?” ist die grundlegendste Frage bei einem Erstkontakt mit einem Spiel. Die Regeln und Möglichkeiten wollen erklärt sein, aber auch auf die Stimmung der Spielsituation kommt es an. Brettspiele sind ein gutes Beispiel für rein analoge Technik, die einen Tisch voller Leute für einen Abend oder eine ganze Nacht fesseln können.

Beim Computer- und Videospiel wandelte sich jedoch die Situation, erkundigte man sich zunächst, was der Sinn dieses Tanzes undefinierbarer Punkte sein soll. Heute erklärt man, warum Lara gerade von einem Stahlbolzen aufgespießt wurde – die Anleitungen zur Steuerung liefert das Spiel längst selbst. Spieler sprechen folglich nicht mehr so sehr über ein Spiel und dessen Mechanik, sondern die Handlung und ihren hoffentlich vielen Wendungen.

Wie verändert sich die Gesellschaft in einer post-apokalyptischen Welt? Naughty Dogs beantwortet diese Frage durch die Überlebenden Joey und Ellie, deren Freundschaft das Spielerlebnis definiert und die Handlung trägt - so sehr, dass das Spiel selbst ins Unterbewusstsein rückt. (Bild: Andreas Wanda)
Wie verändert sich die Gesellschaft in einer post-apokalyptischen Welt? Naughty Dogs beantwortet diese Frage durch die Überlebenden Joey und Ellie, deren Freundschaft das Spielerlebnis definiert und die Handlung trägt – so sehr, dass das Spiel selbst ins Unterbewusstsein rückt. (Bild: Andreas Wanda)

Bei The Last Us greift im Gegensatz zu The Order 1886 ein integriertes Spieldesign, sodass sich das herzzerreißende Setup durch Gewissensentscheidungen des Spielers weiterentfaltet. Naughty Dogs The Last of Us legt die Handlung wieder behutsam in die Hände des Spielers zurück, während ein The Order 1886 wie ein hochgezüchtetes Operation Wolf eine Schießbude nach der anderen in feinster Echtzeitgrafik geschnitzt umschreibt.

The Order 1886 blendet mit unglaublicher Grafik, die Handlung spielt sich jedoch größteils in großzügig inszenierten Cut Scenes ab, die schießbudenartige und spielbare Segmente unterbrechen, als wäre man bei der Entwicklung bezüglich der Ausrichtung unentschlossen gewesen. (Bild: Andreas Wanda)
The Order 1886 blendet mit unglaublicher Grafik, die Handlung spielt sich jedoch größteils in großzügig inszenierten Cut Scenes ab, die schießbudenartige und spielbare Segmente unterbrechen, als wäre man bei der Entwicklung bezüglich der Ausrichtung unentschlossen gewesen. (Bild: Andreas Wanda)

Wie fortschrittlich war da Bungies Halo, das dem Ego-Shooter sozusagen ein zweites Leben bescherte mit allerlei kreativen Handlungsmöglichkeiten jenseits der aus Doom bekannten BFG. Oder davor ein Ultima Underworld, das lang vergessene Grafik-/Textadventure von Telarium, Perry Mason and the Mandarin Murder – eine Mitte der 80er-Jahre vollwertige Gerichtssimulation oder Oceans Wizball mit seiner abwechslungsreichen Farbsammlerei: steht die Erzählung per se nicht im Widerspruch zum Spielen?

Ausgerechnet Lizenzgigant Ocean Software verzaubert die Spielebranche mit dem charmanten Wizball, die Geschichte von einem Magier und seiner getreuen Katze, die dem grauen Alltag die Farben wiederschenken. (Bild: Andreas Wanda)
Ausgerechnet Lizenzgigant Ocean Software verzaubert die Spielebranche mit dem charmanten Wizball, die Geschichte von einem Magier und seiner getreuen Katze, die dem grauen Alltag die Farben wiederschenken. (Bild: Andreas Wanda)

„Erzähl’ keine Geschichten, spiel’ weiter!” lautet ein wohlbekannter Spruch zur späteren Stunde, wenn die Laune gut und der Verlauf eines Brett- oder Kartenspiels sich zusehends den gesellschaftlichen Aspekten unterordnet. Als Spieler möchte man eingreifen, handeln, eine Erzählung hemmt unabdingbar den wahrgenommenen Spielverlauf, weil die Möglichkeit zu handeln unterbrochen wurde.

Dieses Defizit ist unangenehm, die Einschränkung im direkten Gegensatz zur erwarteten Zerstreuung. Freilich möchte man sich anhand gezielt platzierter Inhalte in eine Situation hineinversetzen. Dieser Fokus verschärfte sich aufgrund technologischer Weiterentwicklung, denn nun musste eine unscheinbare Pixelmasse nicht mehr in verständliche Bilder per Assoziation umgesetzt werden – mit besseren visuellen Darstellungsformen nahmen Spieler das Geschehen folglich intensiver wahr.

Wo ein Garfield auf der Packung, da ist schließlich sein pixeliertes Ebenbild mehr oder weniger auch im Spiel.

The Edge bringt am Höhepunkt der Garfield-Hysterie eine liebvoll animiertes Action-Adventure mit dem orangenen, filsofischen Kater heraus: Big, Fat, Hairy Deal erweckt den Comic Strip zum Leben. (Bild: Andreas Wanda)
The Edge bringt am Höhepunkt der Garfield-Hysterie eine liebvoll animiertes Action-Adventure mit dem orangenen, filsofischen Kater heraus: Big, Fat, Hairy Deal erweckt den Comic Strip zum Leben. (Bild: Andreas Wanda)

„Das hier soll Garfield sein“ mutiert also bei Garfield von The Edge zum selbstverständlichen „Schau, wie lieb sich Garfield bewegt, spring doch bitte noch einmal” – ehe man sich wieder dem Ziel des Abenteuerspiels widmen kann. Wichtig ist zu erkennen, dass in diesem Fall die Nähe zum „realen” Inhalt durch die Spielhandlung erleb- und nutzbar wird – keine Zwischensequenz, da man endlich Garfield mehr oder weniger gut pixelliert erkennen darf, die bewusste Spielerhandlung transportiert lohnenden Mehrwert.

Die Handlung ist das eigentliche Spiel, eine Logik, die leider nicht selbstverständlich für die Computer- und Videospielindustrie ist, wie es Conor Hutton treffend analysiert hat. Spiele von heute geben sich erzählfreudiger denn je, aber wie schon jeher nur in dem Maße spielbar, wie es der Designer versteht, dass an einem Computerspiel zur aktiven Unterhaltung der Spieler gearbeitet wird. Die GTA-Reihe lebt sprichwörtlich diese Gratwanderung vor, in dem es dem Spieler eine Fülle von Handlungsmöglichkeiten anbietet, sich in einer virtuellen Welt zu unterhalten und dabei ihre eigene Geschichte zu schreiben.

Von Mercenarys Vektorwelt auf dem Weg zum Photorealismus: Grand Theft Auto V gibt zwar eine Handlung vor, überlässt es aber dem Spieler, diese wahrzunehmen oder seinen eigenen Open World-Abenteuern nachzugehen. (Bild: Andreas Wanda)
Von Mercenarys Vektorwelt auf dem Weg zum Photorealismus: Grand Theft Auto V gibt zwar eine Handlung vor, überlässt es aber dem Spieler, diese wahrzunehmen oder seinen eigenen Open World-Abenteuern nachzugehen. (Bild: Andreas Wanda)

Viele hunderte Million Dollar kostet die Entwicklung eines GTA, wo man den ganzen Tag lang Radio hören kann, während man der Küste lässig entlang fährt. Oder seinen Learjet besteigt, eine Radtour macht oder einen gepflegten Deal abschließt. Bei GTA ist das Spielziel jenes, das sich der Spieler selber steckt, wie an einem schönen Frühjahrsmorgen eines Zeitausgleichs, wo unzählige Betätigungsmöglichkeiten locken und man sein eigener Erzähler wird – wie im echten Leben.

Spiels nochmal, Player One!

„Worum geht es?” beantwortet 1987 Taitos Breakout-Clone Arkanoid in einer schmucken Titelsequenz: der auf der Packung prangerende Doh havariert das Raumschiff Arkanoid, die Crew flüchtet per Rettungskapsel „Vauss”, um Doh in seiner aus bunten Klötzen geschaffenen Dimension zu stellen. Es folgen keine Zwischensequenzen mehr, sondern packender Handlungsbedarf in klassischer aber nun erzählich sinngebender Breakout-Manier, Handlung, Extrawaffen und Bösewicht inklusive.

Von wegen Breakout-Clone: Taito erzählt in Arkanoid die mitreissende Geschichte der friedfertigen Rettungskapsel Vauss, deren Besatzung sich dem grimmigen Doh stellt. (Bild: Andreas Wanda)
Von wegen Breakout-Clone: Taito erzählt in Arkanoid die mitreissende Geschichte der friedfertigen Rettungskapsel Vauss, deren Besatzung sich dem grimmigen Doh stellt. (Bild: Andreas Wanda)

Auch die Nachfahren der einstigen Full Motion Video-Seifenblase, die in der Spiel-Engine inszenierten Erzählsequenzen, werten zweifelsohne die Spielerfahrung auf, wie einst die Comic-Grafik von B.C.’s Quest for Tires oder die einleitende Absturzsequenz aus Mercenary. Die damaligen technischen Grenzen schränkten natürlich ausufernde Erzählbestrebungen ein, gaben aber für die Zukunft ein sinnvolles Maß vor, um den Spieler gebührend einzustimmen, aber nicht mit epischem Erzählschwall zu verstimmen.

Der Spieler will unterhalten werden. Das ist das sinngebende Interesse, wenn der Einschalter des Rechners oder der Konsole nach oben schnalzt. Seine Handlungen werden zum Stoff, aus dem die morgentliche Busfahrt in die Schule ist: Ich habe den Doppelschuss links liegen lassen, ich habe mir das Beschleunigungsextra genommen, ich bin dem Drachen auf die Nase gesprungen, ich habe immer eine Smart-Bomb in Reserve…ich, der Spieler, handele mit den vorgegebenen Handlungselementen des Spielprogramms.

Als die CD-ROM noch nicht ganz leistbar war, fantasierten Spielejournalisten über all die Möglichkeiten, mit einem grundlegenden Irrtum: es würde eben nicht ein Fortschritt sein, würde ein Spiel die Kontrolle über sich selber erlangen, plötzlich Kameraperspektiven wechseln, andere Orte zeigen, den Spieler also förmlich im handlungsfreien Raum schweben lassen. Die mit vielen Vorschußlorbeeren gesegnte CD-ROM Fassung von Cinemawares It Came from the Desert belegt auf besonders peinliche Weise die für einige Zeit fehlgeleitete Sichtweise von Spieldesignern.

Zweifelhafter Mehrwert: Mit dem Firmennamen Cinemaware war man verdammt, sich kopfüber in die kommende CD-ROM Technolgie zu stürzen: während links in der Originalfassung von It Came From The Desert professionelle Grafiken begeisterten, waren Spieler der späteren CD-Fassung vom Laientheater peinlich berührt. (Bild: Andreas Wanda)
Zweifelhafter Mehrwert: Mit dem Firmennamen Cinemaware war man verdammt, sich kopfüber in die kommende CD-ROM Technolgie zu stürzen: während links in der Originalfassung von It Came From The Desert professionelle Grafiken begeisterten, waren Spieler der späteren CD-Fassung vom Laientheater peinlich berührt. (Bild: Andreas Wanda)

Wo ein aktuelles The Order 1886 durch wunderschöne aber passive Erzählsequenzen stolpert, so präsentieren GTA, The Last of Us oder Infinity Wards Modern Warfare jene behutsam dosierten Geschichtseinlagen, wie sie einst ein Arkanoid, Mercenary oder B. C.’s Quest for Tires bereicherten.

Einen Spielfilm will der Spieler nicht sehen: ist der Ladebalken des Spiels gefüllt, entlädt sich der Spieler im Gegenzug in der künstlichen Welt, die er im Laden – oder heute im Online Store – erworben hat. Der Spieler möchte Erfolge feiern, diese fiktive Welt mitgestalten mit Maus, Joystick oder Tastatur.

Der Spieler ist des Entwicklers Erzähler

„Erzähl’ keine Geschichten, spiel’ weiter!” drängt man bemühte Pixel zur Rückgabe der Kontrollmöglichkeiten während einer Spielesitzung. Aber zufrieden genießt der Joystickkünstler das vollbrachte Werk, das sich in lohnenden Zwischen- oder Abschlusssequenzen manifestiert. Als Computer- und Videospieler sammeln wir außergewöhliche Erfahrungen, die Gesetzmäßigkeiten der Physik und Realwirtschschaft übertreiben und ignorieren. Spieleerfahrung soll einen „Mehrwert“ zwischen Alltag und Bewusstsein schaffen und Erfolge in Aussicht stellen, gerne auch eingebettet in eine Handlung.

Von Breakout zu The Last of Us mag sich die Computer- und Videospielindustrie beachtlich weiterentwickelt haben. Aus Kinderspielzeug wurden ernstzunehmende Milliardenerfolge voller Spaß, Leid, Trauer und Freude. Die Geschichte fand stetig genauere Abbildungen im tatsächlichen Spielverlauf, das heute offensichtliche verlangt nicht mehr nach zwischenmenschlichen Diskurs.

Was unverändert bleiben muss ist der Stellenwert des Spielers – denn wird die aktive Spielerfahrung beschränkt, reduziert sich die zwischenmenschliche Kommunikation auf trauriges Schweigen, weil das Spiel mit sich selbst beschäftigt ist. Entwickler sollen Verlockungen stets modernerer Technik verantwortungsvoll einsetzen und den Hauptdarsteller und seine aktive Spielerfahrung nie vergessen. Darum geht es.

Der Punkt ist, dass der Spieler sich aktiv durch Handlungen belohnen möchte. Spieleentwickler sind angehalten, Unterhaltung durch verantwortungsvollen Einsatz von Technologie zu vermitteln. Punkt für Punkt. (Bild: Fine Arts Research)
Der Punkt ist, dass der Spieler sich aktiv durch Handlungen belohnen möchte. Spieleentwickler sind angehalten, Unterhaltung durch verantwortungsvollen Einsatz von Technologie zu vermitteln. Punkt für Punkt. (Bild: Fine Arts Research)
Tobi

8 Kommentare

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  1. Lieber Stefan!

    Vielen Dank für die Blumen! Gerne nehme ich Leser immer wieder mit auf eine Reise durch die Computer- und Videospielgeschichte. Neben hervorragenden „Web-Museen” wie Lemon 64 oder Moby Games, finde ich es wichtig, über die ursächliche Nostaligie hinaus – die ich immer gerne zitiere – die Beziehung zwischen Gesellschaft und Unterhaltungsspielen zu beleuchten. Schließlich geht es um Menschen, die Technologie schaffen, nutzen, konsumieren und verändern – und dabei selbst einem Veränderungsprozess unterworfen sind.

    Veränderungen an ihren Ursprung zurückzuverfolgen ist eine spannende, lohnende Tätigkeit, der Stoff, aus dem Geschichten sind.

    Ich hoffe, du löst auch bei meinem nächsten Beitrag eine Fahrkarte in das Zeitalter der großen und kleinen Pixel!

    Vielen Dank für deinen Kommentar und dein Lob, liebe Grüße,

    Andreas

  2. Deine unerschrockenen pixeligen Gedanken zur Unterhaltungsindustrie haben mir wieder einmal gut gefallen. Zum Beispiel, wie wichtig die Gestaltung der Spielecover war. Und wie schön die Spielecover insbesondere von Atari waren! Allein darüber könnte man einen Artikel schreiben. Überhaupt über die innere und äußere Schönheit in „alten“ Computern/ und –Spielen. Aber ich schweife ab.

    Die Spielecover waren aber nicht nur schön im Sinne von künstlerisch wertvoll. Ganz nebenbei haben Sie auch perfekt das getan, für dessen Zweck sie vordergründig g geschaffen wurden. Zum Kauf anzuregen. Aber das war noch nicht alles. Einen ganz wichtigen Aspekt hast Du schön dargestellt. Die Cover haben die Fantasie des Spielers angeregt; die Pixel auf dem Bildschirm wurden im Kopf zu Raumschiffen und Astronauten.

    Auch das Thema Erzählstrukturen in Computerspielen finde ich interessant. Es stimmt, die technischen Fortschritte führten nicht immer automatisch auch zu besseren Spielen. Die Spieledesigner haben zuweilen nicht mehr an das Wichtigste gedacht: An den Spieler. Der muss doch im Mittelpunkt stehen und das Geschehen und den Verlauf der Geschichte bestimmen.

    Ein weiteres Thema Deines Artikels ist die Frage, ob Computerspiele überhaupt eine Geschichte brauchen, die erzählt werden soll. Die Ludologen würden diese Frage entschieden verneinen, die Narratologen würden sie bejahen. Letztere haben sich durchsetzt. Erzählstrukturen in Computersielen sind zurzeit der größte Forschungsschwerpunkt der Game Studies. Unglaublich, das sich die Wissenschaft jahrelang über diese Frage auf das heftigste gestritten hat. Das war mir bis vor kurzen völlig neu und auch Schnuppe und ich habe es kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen. Du greifst die gleichen Themen und Fragestellungen spielerisch auf und löst sie auf Deine eigene Art und Weise.

    Ich für mich möchte in einem guten Videospiel in erster Linie unterhalten werden: Abschalten, mich treiben lassen, erforschen und entdecken, abtauchen in eine fantastische, nicht immer bessere Welt. Und dabei selbst in das Spielgeschehen eingreifen und die Handlung gestalten. Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf den Verlauf der erzählten Geschichte oder sogar das Ende haben. Besser noch: Die Geschichte erleben.
    Genau aus dem Grund interessiert mich wie André die Switch und das neue Zelda.

    Schöner Artikel Andreas!

    1. Lieber Ferdi!

      Vielen Dank für dein Lob!

      Dass wir heute eine Geschichte beim Spielen erleben möchten ist die Konsequenz des „Gesamtpakets” aus Technologie und Spieldesign-Empfindlichkeiten. Diesen Anspruch dürfen wir stellen.

      Der Spieler ist enttäuscht wenn attraktives visuelles Brimborium nur durch vermeintliches Casual Gaming punktiert wird. In diesem Fall wird das Zeitinvestment des Spielers mißbraucht, die Erwartungshaltung nicht erfüllt, ein Film kann eine Geschichte immer besser transportieren. Umgekehrt gerät ein Film ins Trudeln, wenn er um Interaktion bemüht ist.

      Dem Open World Genre gelingt hier die Goldene Mitte wenn der Spieler sich „ausleben” kann.

      Aber ein Spiel darf auch vor allem Spiel sein, so einfach, wie es beispielsweise Pac Man gehandhabt hat: kleine, einfache Animationsschnipsel mit humorvollen Einschlag, damit der Spieler sich ein wenig entspannen kann.

      Wie Stephan es hier auch angesprochen hat, wird das Medium VR gefordert sein, die Narration sinnvoll und unterhaltsam in die tatsächliche Ego-Perspektive zu führen.

      Spannende Zeiten vor uns und natürlich auch hinter uns!

      Bis zur nächsten Videospielgeschichte und liebe Grüße,

      Andreas

  3. Hach Andreas!

    Wieder einmal ein sehr interessanter und anregender Artikel von Dir. Nicht nur, weil Du uns mit auf eine bebilderte Reise zu vielen wunderbaren Spiel-Konzepten mitgenommen hast.

    Du thematisierst in Deinem Text viele verschiedene Dinge, die mich berühren. Zum einen das Packungsdesign von Spielen. Der visuelle Erstkontakt mit einem Spiel spielt auch heute noch für mich eine große Rolle. Die wenigen Sekunden, die ich eine Box zum ersten Mal in den Händen halte, entscheiden vieles. Zugegeben: in Zeiten der digitalen Vermarktung halte ich nicht mehr so viele Boxen in den Händen wie früher, aber scheinbar gehöre ich mittlerweile auch der Gattung “Digisaurier” an und streife noch gern durch die Gänge des heimischen Saturn-Technikwarenhauses oder bleibe dort an einer Software-Pyramide kleben. Denn ich habe keine Scheu vor “alten” Spielen 😉

    Und dann natürlich das Narrative: auch das hängt vermutlich (bei mir) mit dem Alter zusammen. Damals in den stürmischen Jugendjahren waren mir Geschichten in Spielen ziemlich egal. Oder doch nicht? Vielleicht habe ich sie nur nicht als so präsent wahrgenommen wie heute. Denn aus irgendeinem magischen Grund habe ich Spiele wie “The Dallas Quest”, “Pimania” oder “Mask Of The Sun” geliebt und sie sind mir intensiv im Gedächtnis geblieben. Also doch: die Geschichten haben mich schon in der Heimcomputerzeit bewegt und geprägt. Entsprechend kritisch betrachte ich – vermutlich deshalb – heute Videospiele. Da kann ein sehr gut inszeniertes Modern Warfare noch so technisch brilliant daherkommen. Zwei, drei blöde Patriotensätze vermiesen mir die ganze Tour. Schon fliegt die Disc raus und “Uncharted” wird hochgefahren. Endlich wieder eine schöne Geschichte!

    Letztlich habe ich gerade neulich die Entscheidung getroffen, die PS4 oder auch die PS5 im Händlerregal links liegen zu lassen und stattdessen eine Nintendo Switch (ein Switch also im Wortsinne) Konsole ins Haus zu holen. Und das nicht nur wegen der Kinder. Der Video-Trailer von “The Legend of Zelda: Breath of the Wild” hat mich entführt und mich daran erinnert, wie ein Abenteuer aussehen muss. So stelle ich mir das vor: Glück, Leid, Trauer. Spielerfahrung!

    Danke für Deinen Text und ich freue mich schon jetzt auf Deinen nächsten 🙂

    1. Hach André!

      Keine Ursache, sehr gerne nutze ich deine wunderbare Plattform, um mehr über das gesellschaftsrelevante Thema der Computer- und Videospiele zu erfahren und ab und an gewisse Aspekte zu analysieren und so auch über mich selbst Neues zu erfahren.

      Ich denke auch, dass der narrative Aspekt von uns allen zunächst gelernt werden musste. Zuerst kamen Packung, dann Anleitung, dann die bewusste Manipulation von Pixeln. Selbst kontrollieren zu können, was auf dem Schirm passiert war durchaus sensationell genug.

      Aber Entwickler sind so schnell gelangweilt und daher kamen doch schon recht bald Programme mit starken narrativen Elementen. Von Adventure-Spielen abgesehen schrieben Geschicklichtsspiele mit ihren sich ändernden Hintergründen und Gegnersprites routiniert die Geschichte der damsel in distress nach. Oder Weltraum-Shooter mit ihren Invasoren (Nemesis, Delta…).

      Die Geschichte zeigt, dass Spieleentwickler fasziniert waren von erzählerischen Zwischensequenzen. Von Mask of the Sun zu Navy SEALS suchte man nach Möglichkeiten, das rein Spielerische zu bereichern. Auch wenn ich heute das natürlich anders sehe, bei Epyx’ G.I. Joe dachte ich, den echten Cartoon vor Augen zu haben und ich die Hauptrolle zu spielen.

      Wie schon von Pac Man in den Arkaden vorgelebt gab es scheinbar immer unterbewusst einen roter Faden, der die Jagd nach einer High Score zusammenhielt.

      Dein Beispiel von Call of Duty ist ein treffendes. Auch ich legte letztes Jahr den Controller beiseite, denn das Spiel wirkte auf mich wie ein On-Rail Shooter in bester CD-ROM Tradition – trotz hochauflösender Echtzeitgrafik. Das neue Zelda verspricht das genaue Gegenteil.

      Viel zu selten wurde die Bedeutung des Namens der neuen Nintendo-Konsole hinterfragt; man könnte ihn tatsächlich als den Wechsel in eine neue Zeit verstehen, da dem Spieler die Spiel- und Erzählrolle zurückgegeben wird.

      Ich werde mich nun wieder meiner Erzählrolle widmen – bis auf bald, André!

      Liebe Grüße,

      Andreas

  4. Immer wenn einer Deiner Artikel erscheint ist klar: du nimmst den Leser mit auf eine zauberhafte Reise! So auch hier… und fühlte mich wohlgemerkt angenehm mitgenommen, hinfortgetragen durch die Zeitalter der großen und kleinen Pixel. Man lernt nie aus: die CD-ROM Version von “It came from the Desert” ist gänzlich an mir vorbeigezogen. Den peinlichen Bildern nach zu urteilen ist das wohl auch besser so. Heute, im hier und jetzt sehe ich eindeutig die Gemeinsamkeit zwischen einem Wanda’schen Artikel und den Masterminds von Cinemaware… beides ganz großes Kino!

  5. Hallo Andreas, wieder mal ein sehr schöner Artikel, aus dem ich gleich eine Hand voll Neues für mich ziehen konnte!

    So habe ich das Packungsdesign von B.C.s’ Quest for Tires glaube ich noch nie vorher gesehen – das ist wirklich herzallerliebst gezeichnet. Da haben sie sich wirklich die Mühe gegeben, möglichst nah am Spiel selbst zu bleiben und den Wiedererkennungswert hoch zu halten. Toll! Jetzt verspüre ich den Drang, das Spiel, das ich damals sehr oft und gerne auf dem C64 gespielt habe, in meine Sammlung zu bekommen.

    Sehr clever in der Tat auch das Vorgehen von Novagen bei Mercenary – das war für die Spieler auch ganz sicher ein Aha-Erlebnis, im Vergleich zu anderen Spielen, deren Look dann doch stark vom Gezeigten auf der Packung abwich. Mercenary ist damals an mir vorbeigegangen, das werde ich nachholen – leider nur auf dem C64 und nicht auf dem ST, den ich nicht besitze. Eine Amiga-Umsetzung gibt es so weit ich weiß nicht – das würde auch zum Erscheinungsjahr 1985 haargenau passen.

    Und das es eine CD-ROM Umsetzung von It came from the Desert gibt, war mir bis gerade auch völlig neu – das muss ich jetzt gleich erst mal bei YouTube nachschlagen. Sieht in der Tat auf dem Screenshot schon zum Fürchten aus. 🙂

    Man darf gespannt sein, wie sich in den kommenden paar Jahren die VR Spiele entwickeln, da tut sich ja so langsam was. Ich freue mich für die Technologie zum Beispiel wirklich sehr, dass es mit RE7 jetzt ein Spiel gibt, dass die Technik nutzt und pusht, auch wenn ein Horror-Spiel das letzte wäre, was ich ganz persönlich in VR würde spielen wollen. Ich wünsche Sony jedenfalls ein geschicktes Händchen, dann lege ich mir in naher Zukunft nach der PlayStation 2 meine nächste Sony-Konsole zu und kann dann ENDLICH auch mal bei The Last of Us mitreden. 😉

    1. Vielen Dank für dein Kommentar, Stephan! Ich freue mich, dass ich dir mit dem Artikel ein paar neue Aspekte der Computer- und Videospielgeschichte aufzeigen konnte.

      Mercenary ist neben Cholo ein vollwertiges First-Person Adventure, das gewiss auch als Textadventure eine gute Figur gemacht hätte. Was für uns heute die Standard-Spielemechanik ist, war damals sprichwörtlich bahnbrechend, eine Erzählung aus der Ego-Perspektive in 8-Bit. So etwas kann man einfach nicht, wir mussten die Möglichkeiten dieser Technik erst begreifen lernen.

      Apropos Technik: VR scheint endlich „Serienreife” erreicht zu haben, man darf also gespannt sein, wie Spieleentwickler dieses neue Medium als Erzählform nutzen werden. VR gibt dem „Ich”-Erzähler eine völlig neue Dimension.

      Liebe Grüße,

      Andreas

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