Eine Zeitreise durch meine 8-Bit Geschichte

Kommentiert von Heiko Reinhard, André Eymann, Marco Wittler, Michael, Jonas, Alex, Tobi.
  3 Min 860 Wörter PDF

An meine erste Begegnung mit der 8-Bit Welt kann ich mich noch sehr gut erinnern. Es war am 30. September 1984, an meinem zehnten Geburtstag.

Wir waren gerade in ein neues Haus gezogen, meine jüngere Schwester und ich hatten endlich getrennte Zimmer und auf dem Gabentisch stand ein großes Paket. Völlig überrascht packte ich meinen ersten, eigenen Computer aus und war von da an stolzer Besitzer eines Atari 600XL mit stolzen 256 Farben, was ihm viele Konkurrenten nicht nachmachen konnten.

Von diesem Tag an verbrachte ich viel Zeit vor dem Fernseher und sah begeistert dem »Rasenmäher« in Klötzchengrafik zu, wie er die Grashalme kürzte. Aber an ihm lernte ich auch sehr schnell, wie man einfache Programme in BASIC programmierte. So entstanden bald die ersten digitalen Vokabeltests.

Ohne Brotkasten geht es nicht

Dass meine Eltern mit dem Atari auf das falsche Pferd gesetzt hatten, wurde schon bald klar. Als Marktführer kristallisierte sich der Brotkasten von Commodore heraus, obwohl der Atari der Hauptkonkurrent war. Schon ein Vierteljahr später, an Weihnachten, stand ein Commodore C64 unter dem Christbaum. Ich meine mich erinnern zu können, dass er damals im Aldi für 400 DM, das Floppy-Laufwerk für 500 DM, verkauft wurden.

Durch diesen Umstieg wuchs unsere Spielesammlung auf Tapes und Disketten rasant an, wurden damals doch sehr viele Kopien angefertigt und weiter gegeben. Allein dieser Umstand ist wohl auch dafür verantwortlich, dass es mir heute sehr leicht fällt, mich in neue Programme einzuarbeiten, alles intuitiv zu bedienen, da ich schon früh lernen musste, alles selbst anzutesten, denn Spielanleitungen wurden nur selten kopiert.

Beide Computer begleiteten mich über viele Jahre hinweg. Während viele Freunde auf den moderneren Amiga 500 umstiegen, blieb ich dem C64 und seinen Spielen treu. Selbst als er in die Jahre kam und Spielkonsolen wie das Super Nintendo, später die erste PlayStation und der PC die Kinderzimmer eroberten. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich mittlerweile zwei Brotkästen und den Nachfolger C64 II, inklusive des original Monitors 1701 und einem MPS 801 Nadeldrucker für Lochstreifenpapier, der heutzutage wegen seiner Lautstärke in Büroräumen wohl gar nicht mehr zum Einsatz kommen dürfte.

Formel Eins Nachmittage

Irgendwann begann ich in der ehrenamtlichen Jugendarbeit tätig zu werden. Gruppenspiele gehörten zum wöchentlichen Alltag, in den ich schon bald den C64 einband. Der allererste Nachmittag war bereits eine Erinnerung wert. Nachdem die drei Computer samt Monitor / Fernseher aufgebaut waren, sahen die Kinder zwar eine Tastatur, suchten aber vergebens nach dem Computer. Sie konnten sich schon nicht mehr vorstellen, dass beides im selben Gehäuse unterbracht waren.

Der große Vorteil des alten Equipments lag darin, dass kein Kind bevorteilt wurde. Die einen hatten einen Nintendo, anderen die PlayStation oder gar einen modernen PC. Egal was ich ihnen vorgesetzt hätte, mindestens ein Kind wäre erfahrener als die anderen gewesen. Doch nun gab es sportliche Turniere mit Microprose Soccer oder Formel Eins Nachmittage mit dem Autorennen Le Mans und einem parallelen, realen Bobby-Car-Rennen auf einem Indoor Parcours.

Später veranstaltete ich für Teenager Multimedia Quizze. Die Video-Einspieler kamen zuerst vom Videorekorder, später vom PC, die Buzzer und Punktzählungen waren im C64 selbst programmiert.

Mit der Zeit kamen und gingen auch die Systeme. Irgendwann war einfach nicht mehr der Platz für die alten Brotkästen und die hunderten Disketten da. Sie hatten ausgedient und wichen den Emulatoren am PC, zuerst CCS, später Vice. Die Verfügbarkeit im Internet machte es möglich. Zu Anfang gab es noch Adapter, um die Original-Joysticks anzuschließen, später kam der Competition Pro Nachbau mit USB Anschluss auf den Markt. Mit der Anschaffung eines damals noch extrem teuren Laptops wurde dann auch der Transport in die Gruppenstunden einfacher.

Neue Minicomputer

Aber die Zeit und die Entwicklung blieben natürlich nicht stehen. Heutzutage sehen die Möglichkeiten für Emulatoren wieder ganz anders aus. Während ich hier gerade sitze und diese Zeilen schreibe, wandert mein Blick über die verschiedenen Systeme, an denen ich meine geliebten Klassiker bis heute zocke.

Durch den Raspberry Pi Minicomputer bin ich stolzer Besitzer des Gpi Case von Retroflag, einem Nachbau des legendären Game Boy, der dutzende Emulatoren in sich vereint und ich immer und überall spielen kann. Daneben steht ein NES Gehäuse im Miniaturformat und Nachbauten der Controller (beides ebenfalls von Retroflag) für den Einsatz am TV. Aber auch den klassischen Emulatoren bin ich treu geblieben. Auf meinem GPD UMPC Laptop mit sieben Zoll Display läuft Vice.

Ich spiele heute nicht mehr so oft wie früher, da ich die meiste Zeit am Computer anders nutze. Trotzdem übt die Klötzchengrafik bis heute einen wesentlich größeren Reiz auf mich aus, als jedes andere Spiel an Konsole, PC oder Mobilgeräten.

Meine geliebten Klassiker habe ich immer bei mir. Bagitman, Boulder Dash, Sterne wie Staub und Vermeer. Wizard Of Wor, Dino Eggs und die verschiedenen Olympischen Spiele von Epyx. Doch die Erinnerungen an diese Spiele sind Stoff für einen anderen Beitrag.

An welche Spielklassiker aus Deiner Kindheit oder Jugend erinnerst Du Dich am liebsten und warum? Teile es mir gern in einem Kommentar mit!

KentDirk BockstegersTobiFerdiAndré Eymann

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Kommentare13

  1. Hallo Marco! Ich bin Jahrgang 1976 und ebenfalls mit Atari 8-Bit in die Computerwelt eingestiegen. Zunächst mit einem Atari 800 mit Datasette – eine freundliche Leihgabe meines Onkels – dann wenig später mit meinem eigenen Atari 800XE + XF551 Floppy. Die vermeintlich grafische Unvollkommenheit der damaligen Spiele wurde durch unsere Fantasie kompensiert und dieser Vorgang hat in unseren Köpfen weit buntere und subjektiv perfektere Welten entstehen lassen, als es die tollste Grafik von heute jemals könnte. Das ist für mich auch der Grund für die nostalgischen Erinnerungen an diese Spielestunden der 80er Jahre. Meine Favoriten waren damals Commander Keen, Karateka, Prince Of Persia, The Great American Cross Country Road Race u. v. m.

    Tobi
  2. Toll Marco, wie du das hin bekommen hast, deine Erinnerungen an deine geliebten Spiele-Klassiker bis in die Gegenwart zu erhalten und auch über technische Grenzen hinweg weiter zu spielen! Auch ich spiele heute nicht mehr so oft, wie in meiner Vergangenheit, erinnere mich aber immer wieder gerne an meine HC-Zeit. So viele Systeme, wie du habe ich nicht kennengelernt. Wir waren vier Geschwister und das Budget war entsprechend begrenzt. Atari oder Amiga waren nicht drin damals. Bei mir war’s hauptsächlich über viele Jahre hinweg ein CPC. Die Zeit hat mich geprägt bis heute und ich fühle mich glücklich, dass ich zu genau dieser Zeit aufwachsen durfte. In meiner Garage hängt auch heute noch ein kleines Bild von Hexenküche, einem Spiel, dass ich sehr mochte und an das ich mich gerne erinnere und das mich inspirierte. Danke für diese schöne Zeitreise :0).

    André EymannTobi
    1. Die Zeit hat mich geprägt bis heute und ich fühle mich glücklich, dass ich zu genau dieser Zeit aufwachsen durfte.

      Das geht mir ganz genauso Michael. Die Erinnerungen und die Prägung durch diese Zeit ist quasi unzerstörbar. Es sind nicht nur warme Gefühle oder die Nostalgie, für mich ist es ein Fundament, das ein fester Bestandteil von mir ist. Ein sehr positiver Bestandteil, der mir oft Halt gibt und mich immer umgibt.

      Marco WittlerTobi
    2. Ich danke dir.
      Die Menge der Systeme ist natürlich auch der langen Zeit geschuldet. Der Atari war der erste Versuch eines Homecomputers. Aber schnell stellte sich heraus, dass er eben nicht der Marktführer war und es nicht so viele Spiele gab. Deswegen gab es dann drei Monate später schon den C64. Den Gameboy habe ich mir dann lange vom Taschengeld erspart. Die späteren zusätzlichen C64er für die Jugendarbeit kamen dann erst später über Flohmarktfunde. Da waren dann die Preise auch erschwinglicher. Heute ist es über den Raspberry Pi, der glücklicherweise für sehr kleines Geld zu haben ist. Dazu werde ich aber auch irgendwann einen Artikel schreiben.

      Tobi
  3. Hallo Marco, da hattest du in deiner Jugend ja Zugriff auf eine schöne Auswahl an Geräten. Es freut mich aber das du dem C64 treu geblieben bist.
    Gerade heute fragte mein Sohn noch mal, ob wir nicht noch mal Videospiele machen könnten. Seit ein paar Monaten spiele ich mit ihm immer wieder am C64. Nach ein paar erfolglosen Versuchen mit Donkey Kong, fragte er nach einem Autorennspiel. Ich habe dann Buggy Boy auf der SD-Karte entdeckt. Früher habe ich das oft gespielt. Er war begeistert und wir hatten jede Menge Spaß.

    Marco WittlerTobi
    1. Ich finde das auch toll, wenn die Kids heute noch Lust an Klötzchengrafik haben. Mit unserem Sohn (18) spiele ich ab und zu Mario Kart von der GameCube am Emulator. Daran hat er Spaß. Aber den meisten Spaß in der Jugendarbeit hatte ich immer mit LeMans und Motor Mania am C64. Sind ganz einfache Spiele und nach ein paar Minuten ist eine Runde um. Die haben sich für Wettbewerbe ganz besonders gut geeignet.

      Tobi
  4. Lieber Marco, das ist wirklich eine schöne Zeitreise. Buchstäblich! Schön an wie viele Details Du Dich erinnerst. In Deinem letzten Absatz erwähnst Du Bagitman – und da war es vollends um mich geschehen! Bagitman war damals eins meiner Lieblingsspiele und ich habe ungezählt Nachmittage damit verbracht das C64-Spiel auf meinem ZX 81 nachzuprogrammieren.

    Mehr über diese Lebensphase von mir kannst Du in meinem Beitrag Mein ZX81 – Ein magisches Geschenk nachlesen.

    Natürlich habe ich es nicht hinbekommen, aber auf meinem Wege dennoch viel gelernt. Den ganzen Bergwerksstollen hatte ich mit dem Zeichensatz nachgezeichnet und sogar den Spielcharakter animiert. Dann war aber auch schon Schluß. Aber egal: Bagitman wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen behalten. Schön, dass Du mich daran erinnerst.

    Danke für Deinen Text!

    Marco WittlerTobi
    1. Ich finde das echt krass, dass du versucht hast, Bagitman zu programmieren. Dafür reichten meine Kenntnisse nie aus. Ich konnte die einfachen Basic Befehle, habe die später auch noch im Informatikunterricht am Apple IIe gelernt. Das reichte dann für Vokabeltrainer, textbasierte Adventure und später dann für Quizspiele im Verein. Dafür habe ich ein System programmiert, das die normale Tastatur als Buzzer nutzen und Punkte zählen konnte.

      André EymannTobi
      1. Na ja, so richtig weit bin ich ja auch nicht bekommen. Immerhin konnte ich die Spielfigur bewegen und habe auch eine Kollsionsabfrage programmiert, soweit ich mich erinnern kann. Aber dann war auch schon Schluss. Aber die Motivation war da, ich war sehr motiviert 🙂

  5. Danke für deinen Beitrag und deinen spielerischen Werdegang im Schnelldurchlauf, Marco. Ich denke, da gibt es noch viel mehr zu erzählen und da freue ich mich drauf, das von dir zu lesen. Dass du jüngere Generationen an die alte Technik herangeführt hast, finde ich schön. Die kennen das gar nicht mehr und auch meine Kids sind oft schon erstaunt, wie “schlimm” vieles aussieht, wenn beispielsweise mal ein Playstation 2 oder GameCube Spiel läuft. Ich denke, wir Älteren, die die Entwicklung von 320 Pixeln zu 4096 oder mittlerweile sogar noch mehr Pixeln mitgemacht haben, haben da einen ganz anderen Blick für. Selbst mein Smartphone der unteren Mittelklasse (ich brauche nicht mehr) hat mittlerweile einen schnelleren Takt als unser betagter PC. Sachen gibt’s.
    Während des Lesens deines Beitrags musste ich an unseren CPC damals denken. Und auch an Boulder Dash (oder einen Klon davon, ich weiss es nicht mehr). Schöne Zeiten waren das, nicht so hektisch. Ich weiss gar nicht, wie viele Stunden ich damals in das Spiel gesteckt habe, aber es waren wohl nicht wenige.
    Es gab eine Zeit, da habe ich die alten Adventures mit der ScummVM App mit mir herumgeschleppt, aber auf Smartphonegröße geschrumpft waren die Spiele keine große Freude. Daher gehen, aufgrund heute fehlender Hardware, meine ältesten Spiele, die ich so spiele, eher in den 90ern mit dem Gameboy und der Playstation los. Aber ich denke sehr gerne an die alten Spiele und Systeme, Artikel wie deiner helfen da immer etwas nach. Vielen Dank dafür.

    Marco WittlerAndré Eymann
    1. Danke für deine Erinnerungen.
      Ich habe nie aufgehört, die alten Spiele zu spielen. Schon zu Beginn der Internetzeit, Ende 90er, Anfang 2000er habe ich nach Emulatoren und ROMs gesucht und nahtlos weiter zocken können. Mit der Zeit haben die sich natürlich weiter entwickelt. Heute gibt es sie sogar für Android Smartphones. Wenn man sich einen Controller besorgt, kann man super spielen. Displaysteuerung ist aber weniger gut. Ich habe heute einen Gameboy Nachbau mit RaspberryPi im Herzen, der Dutzende Emulatoren mitbringt. Den kann man heute sogar schon an Fernseher und Monitore anklemmen. Das steht dann dem alten Spielgefühl in nichts mehr nach. Ab und an kann ich unseren Junior dann auch noch dafür begeistern.

      André EymannTobi