Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg Poppenbüttel ca. 1990. (Bild: Gepko Cipa)

Kaufhaus-Computer-Tage

Avatar von André Eymann


Wir schreiben das Jahr 1985. Es ist Samstag. Und wie jeden Samstag durfte ich meine Eltern zu einem Ritual begleiten. Ort dieses Rituals war das nahegelegene Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg Poppenbüttel, wo wir gemeinsam mit Freunden meiner Eltern, frühstücken gingen. Ich war 14 Jahre alt.

Sicher kann sich jeder vorstellen, dass es für einen Schuljungen kurz vor der Pubertät, noch spannendere Ereignisse am Wochenende hätte geben können. Vor allem auch, weil es zu dieser Uhrzeit weit und breit keine anderen Kinder gab. Deshalb beschränkte ich mich bei der Nahrungsaufnahme auf das Nötigste und versuchte mich, so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen.

Überhaupt war ich in diesen Jahren oft im Einkaufszentrum unterwegs gewesen. Klar, auch im Wald oder Fußballspielen mit Freunden, aber das Einkaufzentrum war, aus einem bestimmten Grund, ein heiliger Ort, von dem eine große Anziehungskraft auf mich ausging. Darauf komme ich gleich zurück.

Nichts wie weg

Ich verließ also die im 1970er-Jahre Look gehaltene, ziemlich düstere, Kaufhof-Kantine und fühlte mich sogleich von magischer Hand befreit. Wohin sollte ich zuerst gehen? Zur Auswahl standen entweder die Computerabteilungen von Kaufhof oder Horten. Der letzte Begriff wird vermutlich nicht mehr jedem Leser geläufig sein. Denn die deutsche Warenhauskette Horten wurde 2004 für immer geschlossen. Ich entschied mich als erstes für die Computerecke vom Kaufhof.

Kaum dort angekommen verlangsamten sich meine Schritte. Durch das wegweisende Geschenk meines Vaters zum Weihnachtsfest 1984 – es lag ein Sinclair ZX81 unter dem Weihnachtsbaum – war ich bereits im Besitz eines eigenen Heimcomputers. Beim Kaufhof aber standen die „richtigen“ und unerreichbaren Ideale der damaligen Jugendträume.

Zum Beispiel der alles beherrschende Commodore 64, der VC 20, Atari 800 XL oder der Texas Instruments TI-99/4A. Diese ausgewachsenen Maschinen hatten richtige Schreibmaschinen-Tastaturen und nicht so eine komische Tastenfolie wie mein kleiner Sinclair aus England.

Meine Schritte verlangsamten sich aufgrund der Ehrfurcht vor den meist älteren Jugendlichen von denen die Computer umringt waren. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich im Vergleich zu diesen „Profis“ am unteren Ende der Nahrungs- beziehungsweise Wissenskette stand. Sicher konnten die alle BASIC aus dem Effeff und bereits schnelle Arcadespiele in Assembler programmieren, während ich gerade mal „10 PRINT „Hallo“, 20 GOTO 10“ schreiben konnte. Also wartete ich unauffällig und geduldig, bis auch ich endlich auf den Tasten des C64 ein paar Kommandos eintippen konnte.

Tippen, was das Zeug hält

Was sollte ich also eingeben? Der hungrige Cursor blinkte unaufhörlich. Zusätzlich zu den erwähnten (und zugegeben überschaubaren) Befehlen in meinen Gedächtnis, hatte ich etwas mitgebracht. Und zwar ein Listing, das ich am Abend zuvor aus einer meiner „Homecomputer“ Zeitschriften herausgetrennt hatte.

Listings waren Programmanweisungen, also Code, der damals vielfältig in Computerzeitschriften abgedruckt wurde. Und während meine Eltern vermutlich bei der zweiten Tasse Kaffee angekommen waren, begann ich mit der Eingabe der Befehle in den Brotkasten aus Braunschweig. Im Wettlauf gegen die Zeit versuchte ich das mitgebrachte BASIC-Spiel „Wildwasser“ möglichst fehlerfrei einzugeben.

Ich hatte gleich mehrere Druckmittel im Nacken. Zunächst meine Eltern, die mich zu einer bestimmten Zeit zurückerwarteten, dann natürlich die anderen Jugendlichen, die ebenfalls an den C64 wollten. Und zu guter Letzt noch den grimmigen Warenhausangestellten, der mich sicher nicht zu lang am Commodore-Flaggschiff sehen wollte. Also musste ich gut sein! Gut und schnell, damit ich in der verbleibenden Zeit das ersehnte Abenteuer am wilden Fluss erleben durfte!

Wildwasser

Um ein besseres Verständnis für die damals gängigen BASIC-Spiele und das grafische Ergebnis zu bekommen, hier ein Bild von „Wildwasser“, das als Listing in der „Homecomputer“ Ausgabe vom September 1983 erschienen war.

Screenshot von „Wildwasser. Programmierer: Titus Neumann. Listing erschienen im Roeske Verlag, Zeitschrift „Homecomputer“, Ausgabe 9/1983.
Screenshot von „Wildwasser. Programmierer: Titus Neumann. Listing erschienen im Roeske Verlag, Zeitschrift „Homecomputer“, Ausgabe 9/1983.

Die grafische Pracht hielt sich also in Grenzen. Dennoch war ich fiebrig am kodieren und wollte mit aller Macht die letzte Zeile erreichen.

Übrigens: „Wildwasser“ war als Spielprinzip so erfolgreich, dass sogar die Markt & Technik Zeitschrift „Happy Computer“ seinerzeit eine kommerzielle – und optisch ansprechendere – Version mit einem „echten Kanu“ als Spielfigur verkaufte. Die Werbung zu dieser Fassung gab sich alle Mühe, dass Erlebnis aufregender zu vermarkten, als es tatsächlich war.

Aber zurück zur Geschichte. Zwar flimmerten auf dem Monitor neben mir bereits kommerzielle Titel wie „Bruce Lee“ (Datasoft), „Aztec“ (Datamost) oder „Encounter“ (Synapse), aber die konnte ich mir mangels Hardware und aufgrund der Preise sowieso nicht leisten. Also tippte ich hypnotisch weiter.

Endlose Zeilen und eine gefühlte halbe Stunde später war das Ding im Kasten. Endlich konnte ich RUN eingeben und das Spiel starten! Die Zeilen meines Character-Zeichen-Flusses schoben sich nach oben und ich versuchte mein Kanu durch das abwechselnde Betätigen zwei verschiedener Tasten in der Mitte zu halten. Durchhalten war die Devise.

Nach kurzer Zeit riss mich das Räuspern des Angestellten aus meinem Traum. Der dezente Hinweis, dass auch noch andere an den Commodore wollten, führte unweigerlich zum RAM-Reset und damit zur unwiederbringlichen Löschung meiner Bemühungen. Das Glücksgefühl aber blieb. Ich hatte es geschafft, mein Spiel zum Laufen zu bringen! Auf dem Rückweg in die Realität meiner Eltern träumte ich noch viele Monate von meinem eigenen C64. Ein Traum der erst zwei Jahre später in Erfüllung gehen sollte.

Das aber ist eine andere Geschichte.

Nachtrag

Titelseite der Homecomputer vom September 1983. (Quelle: kultboy.com, Michael Kafke)

Mir lag das Listing aber nicht selbst vor und so habe ich bei den Kollegen von kultboy.com nachgefragt. Und dort ist nun tatsächlich ein netter Mensch namens Michael Kafke in sein Archiv gegangen und hat mir die relevanten Seiten aus der alten Homecomputer vom September 1983 eingescannt. Vielen Dank dafür!

Wer also noch einen funktionierenden C64 noch sein eigen nennen kann, kann sich gerne einmal an „Wildwasser“ versuchen.

Hinweis: dieser Text erschien in seiner ersten Fassung am 27.05.2015 auf der Webseite Zockwork Orange. Er wurde für die Veröffentlichung bei Videospielgeschichten überarbeitet.

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22 Antworten zu „Kaufhaus-Computer-Tage“

  1. Avatar von Michael

    Auch ich kenne diese Kaufhaustage noch sehr gut und erinnere mich gerne daran <3. Das dürfte auch so Mitte der 80er gewesen sein. Nur war es bei mir die Kaufhalle in Wiesbaden gewesen. Im Obergeschoss des Geschäfts gab es eine Computerabteilung und ich bin manchmal nur dort gewesen, um mir die Cover der dargebotenen Spiele sehnsüchtig anzuschauen. Ich wollte damals unbedingt Elite haben und nicht überall gab es das für den CPC. Dort aber schon. Aber sehr teuer (glaube so um die 75 DM, wenn ich mich richtig erinnere). Danke André, für den schönen Rückblick!

    André Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Sehr gern geschehen Michael. Das warem schon magische Zeiten, als wir allein vom Anblick der Cover und Verpackungen ins Träumen gerieten. Gerade das „nicht erreichen“ der begehrten Spiele löste so viel Sehnsucht und Fantasie aus. Ich erinnere mich gern daran.

      Danke für Deinen Kommentar!

      Michael
  2. Avatar von Tobi

    Danke schön für deinen nostalgischen Beitrag, André, der ein kleines bisschen Wehmut an das Damals auslöst. Listings habe ich nie abgetippt und schon gar nicht unter Zeitdruck im Geschäft, aber ich kann mich gut an die Zeiten von z.B. Karstadt’s oder Brinkmann’s Technik Ecken erinnern, die zwar zu meiner Zeit nichts mehr zum Tippen parat hatten, aber man immer mindestens eine Spielekonsole ausprobieren konnte. Danke für deinen Ausflug und danke an Herrn Kafke für die Bereitstellung des Listings. Irgendwie haben wir „Spielkinder“ ja alle das gleiche im Sinn 🙂

    MichaelAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Ja, das stimmt Tobi. Die „Abtipp-Heimcomputerzeiten“ verblassen langsam und ich gehöre mittlerweile (gefühlt) zu den wenigen, die das noch erlebt haben. Auch das war ein Grund, warum ich diese Geschichte aufgeschrieben habe. Ein zweiter Aspekt des Textes ist die Begegnung mit Computern im öffentlichen Raum. Als Teil der Jugendkultur. Auch das gibt es so leider nicht mehr. Ich erinnere mich beispielsweise auch gut daran, mit Freunden Samstags zu „WOM“ an den Jungfernstieg gefahren zu sein, um dort gemeinsam Platten oder CDs anzuhören. Ach herrje, bin ich alt!

      MichaelTobi
      1. Avatar von Tobi

        Ja natürlich! Das Testhören im Musikgeschäft oder in der Musikabteilung war Pflicht. Das kenne ich noch bis in die frühen 2000er hinein, jedenfalls mit CDs. Wo ich deine Zeilen noch einmal Revue passieren lassen, steigt mir plötzlich dieser spezielle Mischgeruch von „Computerplastik“, Disketten und Farbbändern in die Nase, der in diesem kleinen, kleinstädtischen Büro- und Computerfachgeschäft, wo ich damals öfters meine Disketten für Amiga und CPC gekauft hatte, sehr präsent war. Den hab ich schon ewig nicht mehr wahrgenommen und es ist wirklich faszinierend, wie das Hirn mit Erinnerungen umgeht. Danke dafür! 🙂

        Michael
  3. Avatar von Wolf_Hoi

    @vsg Oh ja, das klassische "im Kaufhaus spielen", daran kann ich mich auch noch gut erinnern. War bei mir auch mit den Konsolen nach das große Ding. Die Schlange war immer recht lange, als damals der NES neu war. Die Blicke der Angestellten, dass schon wieder alles "belegt war", da muss ich heute noch schmunzeln. Wenn man sich bei Spielen die Passwörter aufgeschrieben hatte, könnte man sogar weiter- und etwaig durchspielen, ohne das Gerät selbst daheim zu haben.

    MichaelTobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Die Passwörter, ja ja… schon damals waren wir uns bewusst, wie wichtig „real life hacks“ sind 😉

  4. Avatar von RockyBoulder
    RockyBoulder

    Schöner Artikel, den ich sehr gut nachvollziehen kann. In #troisdorf  war es damals das Hertie-Kaufhaus zu dem ich mehr als nur ein paarmal eher gerannt als gegangen bin um mir die dortigen Computer anzuschauen. Das tolle damals war wirklich, dass diese immer eingeschaltet waren und man sie ausprobieren konnte. Um 18 Uhr gab es zu Hause Abendessen, bis dahin musste ich wieder zurück sein, deshalb hatte ich mich oft sehr beeilt um vorher noch einmal kurz dorthin zu können.

    MichaelTobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Herrje, Hertie – wieder so ein Begriff, der im Zeitgeschehen verschwunden ist. Seinerzeit eine echte Größe mit stattlicher Vergangenheit. Genau: alle Computer waren immer eingeschaltet und warteten quasi nur auf uns. Eine Einladung zum Träumen und Tippen.

      Ich liebe Deine Anekdote mit dem Abendessen – danke für Deine Zeilen!

      Michael
  5. Avatar von Sylvio Konkol

    Ich mag solche „Kaufhaus-Artikel“. Nichts, was mir als Dorfkind allzu oft vergönnt gewesen wäre, aber mein faszinierendes (und ziemlich unbeholfenes) erstes Mal mit Super Mario 64 erlebte ich auch in der Elektronikabteilung eines mir namentlich nicht mehr in Erinnerung geblieben Geschäfts.

    Sogar noch länger her dürften die vorweihnachtlichen Ausflüge zu Toys ‚R‘ Us in Chemnitz gewesen sein, die in meiner Familie für ein paar Jahre lang Tradition waren. Die Anreise ging dabei stets mit einem mehrstündigen Stehen im Stau einher, weil es nach der Wende zwar recht bald sehr viele Autos, aber noch lange keine anständigen (Umgehungs-)Straßen gab. Das war für uns Kinder dann jedes Mal eine Geduldsprobe, die sich auf dem Rückweg (und nicht selten bei heftigen Schneetreiben) noch einmal wiederholte. Für die Möglichkeit, sich im riesigen Spielwarengeschäft umzuschauen und ein Geschenk für Weihnachten auszusuchen, nahm man das aber gern in Kauf. Ich sollte allerdings sagen, dass Games damals noch nicht auf meiner Wunschliste standen, da wir keine entsprechende Konsole hatten, die zu teuer gewesen wäre. So blickte ich in Toys ‚R‘ Us dann auch zwar fasziniert, aber zugleich distanziert auf den Super Game Boy oder das wunderschöne Donkey Kong Country. Ob ich mich überhaupt traute, die Spiele einmal auszuprobieren, kann ich gar nicht mehr sagen.

    Ein komplettes Listing in einen Heimcomputer einzippen, hätte ich mich unter den von dir beschriebenen Umständen aber ganz sicher nicht getraut, und das macht deinen Beitrag nicht nur schön nostalgisch, sondern regelrecht spannend. Für eine gewisse Spieleartikel-Empfehlungsreihe ist er damit schon fest vorgemerkt. 😉

    Dürfte ich außerdem noch anmerken, wie *genial* das Cover der „Homecomputer“ am Beitragsende doch ist? Da ist ja mal wirklich *alles* drauf, was man sich in einem gewissen Alter wünscht! 😃

    MichaelAndré EymannTobi
    1. Avatar von André Eymann

      Fanatastisch Sylvio, wie Du in Deinen Erinnerungen gegraben hast für den Kommentar. Das Warten im Stau für die Liebe zur Wunschliste – einfach toll. Deinen „distanzierten“ Blick auf die unerreichbaren Träume kann ich gut nachvollziehen. Ich stand auch immer (ehrfurchtsvoll) an Computern, die ich mir nie hätte leisten können. Zuhause ging es dann zurück an den ZX81 😉

      Die „Homecomputer“ hatte immer spannende Cover. Wunderbar anarchisch und voll aus der Zeit gegriffen. Ansich schon Kunst.

      Danke fürs Lesen und Kommentieren!

      Michael
  6. Avatar von André Eymann

    Danke Alex für Deine Erinnerungen! Ich habe wirklich geschmunzelt beim Lesen Deiner Zeilen. So sind die Muttis: erst die Arbeit, dann das Vergnügen 😉 Das war auch bei mir nicht anders.

    Ich freue mich zu hören, dass Du etwas mit meiner kleinen Geschichte anfangen konntest und sogar selbst Berührungspunkte mit dieser Zeit hattest.

    MichaelTobi
  7. Avatar von Paul Hartmann
    Paul Hartmann

    So viele schöne Erinnerungen an die hypnotisch legendäre Zeit der ersten erschwinglichen Homecomputer.

    Meine erste Anlaufstelle war damals immer die Computer Abteilung im Horten. Nette Verkäufer, Vorführgeräte und die neueste Software waren ein kleines Paradies.

    Heute vermisse ich solche Geschäfte „mit Seele“ wie Horten in Worms, Prinz Medienhaus in Mannheim und auch die fantastischen Verkäufer bei Siegel Spielwaren, ebenfalls in Worms.

    Was bleibt sind seelenlose MediaMärkte und Co.

    Danke Andre für das Zurückversetzen in diese schöne Zeit und das nächtlich Abtippen schier endloser Computerlistings aus der Happy Computer, manchmal mit Fehlern, die man nicht gleich entdecken konnte und so eine Stunde vertan war. Aber fast immer hat man auch wieder die nächsten Listings einer neuen Ausgabe abgetippt.

    MichaelTobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Danke Paul für Deinen Kommentar! Ja, die Zeit der “Kaufhäuser” ist wohl nunmehr vorbei. Hier im Hamburger AEZ gibt es noch eine “Galeria Kaufhof”, aber es ist nicht mehr das selbe wie damals. Dort gibt es natürlich auch schon lang keine Computertechnik mehr und es fühlt sich schon seit Jahren an, wie ein “Konzept auf Zeit”. Im Grunde wartet man immer nur auf die Schließung.

      Und wie Du bereits erwähnt hast, können Media Markt und Co. die Atmosphäre auch nicht ersetzen. Das sind mehr Selbstbedienungsläden. Das Internet diktiert eben jeden Preis und hat sehr vieles im Kaufverhalten verändert.

      Auch das war ein Grund, warum ich meine Erinnerungen aufschreiben wollte. Ich wollte festhalten, wie es sich damals angefühlt hat für mich und wie anders sich Kaufhof, Horten und Co. angefühlt haben. Wie Du siehst hat diese Zeit Spuren hinterlassen und es ist schon ein wenig schade, dass die Kids von heute das so nicht mehr erleben können. Dafür gibt es heute eben andere Dinge. Die Zeiten entwickeln sich.

      MichaelTobi
  8. Avatar von Alexander Strellen

    Vor meinen Augen habe ich jetzt dieses Bild: Im Hintergrund ein streng blickender Angestellter und im Vordergrund ein aufgeregter Teenager der schwitzend die ganzen Poke Befehle eingibt. Unter Zeitdruck und immer mit der Gefahr das er einen Zahlendreher einbaut. Am Ende gibt der Junge den Befehl RUN ein und *Pow* es gibt eine Fehlermeldung! Wahnsinn, diese Spannung. Zum Glück hat es bei dir damals geklappt.
    Kaufhäuser waren in meiner Jugend immer ein Highlight. Es passierte aber auch nur 2x oder 3x im Jahr das ich ein Kaufhaus betreten konnte. Im Dorf auf dem Land gab es einfach keines und die 30km zum nächsten Kaufhaus waren eine gefühlte Weltreise.
    Am Anfang war immer erst die Aufgabe zu bewältigen, eine neues Kleidungsstück zu finden. Dafür zerrte mich die Mutti in das Kaufhaus. Danach ging es dann auf Entdeckungstour und ja, die Computerabteilung war dann das Highlight. Einfach ein Traum für jeden Heimcomputerfan und ja, ich habe auch versucht ein paar Zeilen Code in die Geräte einzutippen.

    MichaelTobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Fehlermeldungen gab es seinerseit tatsächlich zu Hauf. Später dann durch die „Quersummenchecker“ weniger. Aber das Suchen nach dem Teufelchen konnte zuvor mitunter Stunden dauern.

      Wunderbar Deine „Mutti“-Anekdote 🙂 Danke dafür Alexander!

      Michael
  9. Avatar von subetha
    subetha

    Ja, die Kaufhausabteilungen waren echt ein Magnet damals, wo man schon mal etwas an den Computern ausprobieren und von anderen „Freaks“ lernen konnte. Bei uns war es in erster Linie bei Karstadt. Da gab’s z.B. auch einen Schneider CPC 464. Aber C64 war schon am beliebtesten. Bei mir auch 😃 Ich hatte mir auch einzelne Zeilen vorbereitet mitgebracht, auf dem Niveau: „Schleife mit Poke 53280,x“ , aber ganze Listings dann doch nicht.

    MichaelTobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Da ist es wieder, das Wort “Freaks”. Damals wurden “Nerds”, ja noch Freaks genannt. Ein Wort, dass für mich unmittelbar mit dieser Zeit verbunden ist und heute (zumindest in der Jugendkultur) keine Verwendung mehr hat.

      Der Schneider gehörte für mich damals auch zu den “großen” Computer. Zumindest im Vergleich zum ZX81 😉 Danke für Deinen Kommentar und Deine Erinnerungen!

      MichaelTobi
  10. Avatar von Thorsten Wagner
    Thorsten Wagner

    Sehr schöner Artikel, der Erinnerungen weckt…

    Wir sind damals gern samstags zu Kaufhof, Quelle oder Brinkmann gegangen und haben dann an den Konsolen gespielt oder auch nur zugeschaut, was gleichermaßen Spaß gemacht hat.

    Zunächst waren Atari 2600, Intellivision und ColecoVision das Maß der Dinge…später waren dann Atari 800XL und C64, die ich beide nacheinander mein Eigen nennen durfte, spannender…

    War wirklich eine tolle Zeit 🙂

    MichaelTobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Ach Thorsten, wie schön Deine Zeilen zu lesen. Ja, das ColecoVision hatte auch ich immer im Blick. Leider hätte ich mir das niemals leisten können. Von allen Konsolen damals, war es aber für mich die einzige, die was die Spiele betrifft, an die Arcades herankam. Smurf war mein erstes Spiel auf dieser Konsole.

      Die Schließung von Brinkmann in Hamburg habe ich noch gut in Erinnerung. Auch das war ein Ort, der auf ich immer eine magische Anziehung ausübte. Mit Brinkmann ist damals eine Institution in Hamburg geschlossen worden, die viele Generationen berührt hat. Es war eine Zeitenwende.

      MichaelTobi
  11. Avatar von Dennis Deuster

    Interessanter Einblick in die Vergangenheit. Ich war nie ein „Kaufhauskind“. Lag wohl auch daran, dass wir auf dem Dorf wohnen und das nächste Kaufhaus dieser Größe mindestens 20 Minuten entfernt war.

    Meinst Du mit dem Spiel „Aztek“ eigentlich „Aztec Challenge“? Das war bockschwer…

    MichaelTobiAndré Eymann
    1. Avatar von André Eymann

      Danke fürs Lesen Dennis. Das Kaufhaus war sozusagen mein zweites Zuhause damals 😉 Nein, mit Aztec meine ich den Titel von Datamost. Das war ein „Indiana-Jones“ ähnliches Spiel, das damals allerdings auch bockschwer für mich war. Hier ein Link zum Spiel.

      Ich habe gerade gemerkt, dass ich es im Beitrag falsch geschrieben habe. Es wird nämlich nicht mir „k“ geschrieben. Wird gleich korrigiert.

      Tobi