Erinnerungen an die Spiele der Generation Commodore 64

Lesedauer: 30 Minuten

The Last Ninja, Summer Games, Turrican. Na, wird euch da warm ums Herz? Es ist nicht einfach Außenstehenden zu erklären, was viele von uns in den 1980er Jahren mit Computerspielen erlebt haben.

Noch schwieriger wird es, wenn man die Gefühle beschreiben möchte, die uns beim Spielen mit den großartigen Videospielklassikern geleitet haben. So werden mir die meisten wohl zustimmen, wenn ich behaupte, dass man diese Erfahrungen einfach selbst gemacht haben muss.

Der Autor der nun folgenden autobiographischen Geschichte ermöglicht es uns in die goldene Ära der Videospiele zurückzureisen. Der Zeitgeist des Commodore 64, legendärer Spiele und Firmen wird dabei wieder lebendig. Tauchen wir also ein in die Vergangenheit und bedenken dabei: Videospiele werden niemals alt, sie werden höchstens Retro.

Vorwort von André Eymann. Es folgt der Originaltext von Torsten.

Wie alles anfing… Ein Erklärungsversuch

Meine allerersten virtuellen Kontakte hatte ich mit Pong. Wann genau das war? So genau weiß ich das schon gar nicht mehr. Ein genaues Alter habe ich auch nicht vor Augen.

Ich (Baujahr 1972) war noch ein ganz kleiner Bub. Wir hatten doch früher nix… Meine Nachbarn hatten dieses Telespiel. So nannte man es früher noch. Die Kinder der Nachbarn hatten eh immer jeden neuen Kram zuerst. Irgendwie war es faszinierend – auch heute noch – dass man so viele Stunden an ein solch primitives Spiel „vergeuden“ konnte. Null Grafik, keine ROMs, keine Mikroprozessoren (es gab nur simple Schaltkreise im Inneren der Systeme) und eigentlich gar keinen Sound. Dennoch hatte es einen Klang, welches das Spiel seinen Namen gab. Dieses Geräusch, das halt nach „Pong“ klingt. Wir nannten es aber gar nicht Pong, sondern Tennis, Fußball, Hockey… und weiß der Geier.

Das Telespiel Pong wurde 1972 von Atari veröffentlicht. (Bild: Atari)
Das Telespiel Pong wurde 1972 von Atari veröffentlicht. (Bild: Atari)
Kurze Zeit später schossen ungezählte Home-Pong-Konsolen wie Pilze aus dem Boden. (Bild: Atari)
Kurze Zeit später schossen ungezählte Home-Pong-Konsolen wie Pilze aus dem Boden. (Bild: Atari)

Meinen zweiten virtuellen Kontakt hatte ich mit Daddelautomaten in der Kneipe. Damals ließ man die Kids noch dran zocken. Es störte niemanden. Kein Mensch kümmerte sich um den Kinder-/Jugendschutz… es hat ja auch nicht geschadet. Später dachte ich immer, dass ich in meinem Dorf – was Arcade-Automaten betrifft – zu kurz gekommen bin. Aber eigentlich waren alle Kultgeräte in meinem damaligen Dorf vorhanden.

Ich weiß noch, als ich als kleiner Bub vor so einem Pac-Man Tisch-Daddelautomaten (Cocktail Cabinet) saß.

So genannte Cocktail Tables mit verschiedenen Videospielen wurden in den Achtziger Jahren vom amerikanischen Hersteller Bally Co. vertrieben. (Bild: André Eymann)
So genannte Cocktail Tables mit verschiedenen Videospielen wurden in den Achtziger Jahren vom amerikanischen Hersteller Bally Co. vertrieben. (Bild: André Eymann)

Man saß also dran und schaute von oben auf den Bildschirm. Jedenfalls war ich verdammt jung und raffte noch nicht ganz, was das Spiel eigentlich von mir will. Und als kleiner Bub musste man erstmal an die ein oder andere Mark herankommen, die einem das Spielen ermöglichte. Ab dieser Zeit ging es recht flott… immer mehr Automaten kamen auf den Markt, aber dazu später mehr.

Der Hype der Heimkonsolen

Im Heimsektor ging es für mich eher schleppend voran. Später, so ab der 5. Klasse in 1982 hatte man dann auch schon Schulkameraden, die eine Atari-Spielkonsole (VCS 2600) besaßen. Man sagte aber immer noch „Telespiel“ dazu.

Der Nachfolger Atari 7800 erschien hierzulande in 1985/1986. An die Joysticks vom Atari 7800 kann ich mich jedenfalls noch sehr gut erinnern. Spiele wie Pole Position, Q-Bert, Frogger, Jungle Hunt usw. waren schon damalige Meilensteine.

Die Atari VCS 2600 Konsole wurde 1977 in den USA und drei Jahre später, also 1980 in Europa veröffentlicht. Insgesamt wurde ca. 30 Millionen Geräte von diesem Modell verkauft. (Bild: Atari)
Die Atari VCS 2600 Konsole wurde 1977 in den USA und drei Jahre später, also 1980 in Europa veröffentlicht. Insgesamt wurde ca. 30 Millionen Geräte von diesem Modell verkauft. (Bild: Atari)
Das System Atari 7800 gab es bei uns ab 1986. Diese Konsole konkurrierte auf dem Markt mit dem Nintendo NES und Sega Master System. Der Vorgänger des 7800 war das Modell 5200. (Bild: Atari)
Das System Atari 7800 gab es bei uns ab 1986. Diese Konsole konkurrierte auf dem Markt mit dem Nintendo NES und Sega Master System. Der Vorgänger des 7800 war das Modell 5200. (Bild: Atari)
Werbung für das Atari 2600 System in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)
Werbung für das Atari 2600 System in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)

Der Hype der Heimkonsolen erwischte mich jedoch nicht. Zumal ich mir die Konsole eh nicht vom schmalen Taschengeld hätte leisten können. Wie hätte ich da auch ansatzweise Steckmodule bezahlen sollen? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, meine Eltern damit genervt zu haben. Im Gegenteil: meine Computer habe ich mir immer selbst zusammengespart.

Auf dem Weg zum Commodore 64

Meinen ersten Kontakt mit einem Heimcomputer hatte ich Mitte/Ende der 80er. Zu meinem eigenen Erstaunen war das gar nicht die Anfangszeit des C64. Der erschien ja bereits 1982. Quasi als Teenager – also mit 13 Jahren – lernte ich diesen erst kennen und das war so um 1985/86. Ich hatte zwar schon des öfteren einen im Kaufhaus gesehen und bewundert, aber nie war mal einer eingeschaltet. Bis dato kannte ich auch niemanden, der einen C64 sein eigen nannte. Das sollte sich jedoch rapide und schlagartig ändern.

Durch eine Jugendgruppe lernte ich Manfred („Garfield“) kennen. Manni war ein Jahr älter und hatte was ganz Feines bei sich daheim stehen: Einen Commodore 128 D!

Der Commodore C128D wurde ab 1985 gebaut und war der Nachfolger des Commodore 64. Er enthielt einen C64-Modus, in dem der Rechner nahezu vollständig kompatibel mit seinem Vorgänger war. (Bild: Mika Ojutkangas)
Der Commodore C128D wurde ab 1985 gebaut und war der Nachfolger des Commodore 64. Er enthielt einen C64-Modus, in dem der Rechner nahezu vollständig kompatibel mit seinem Vorgänger war. (Bild: Mika Ojutkangas)

Der sah schon echt edel aus und wirkte mit der abgesetzten Tastatur, sowie dem integrierten Disketten-Laufwerk, wie ein Büro-PC. Der Computer wurde aber hauptsächlich im C64-Modus betrieben, obwohl noch zwei weitere Betriebssysteme im inneren schlummerten.

Der C128 vereint drei Computer in einem: er ist ein (fast) vollständig kompatibler C64, ein 8-Bit-Computer mit 128 KByte RAM und dem wirklich komfortablen Basic 7.0 und – dank seines zusätzlich eingebauten Z80-Prozessors – ein vollwertiger CP/M-Rechner.

GO 64 - Ein Kommando das in die Geschichte der Heimcomputer einging. (Bild: Commodore)
GO 64 – Ein Kommando das in die Geschichte der Heimcomputer einging. (Bild: Commodore)

Der 128er-Modus war wohl nur zum Angeben, ich kenne keinen, der ihn damals nutze. Wer erinnert sich da nicht an den meist genutzten Befehl im 128er-Modus:

GO 64
ARE YOU SURE (Y/N)

Kurz darauf erschien wieder der C64-Startbildschirm. So wurde der C128 grundsätzlich mit dem Finger auf der „C=“-Taste gestartet. Anfangs lief der 128er bei Manni noch an einem Schwarz-Weiß Bildschirm. Mir war das egal. Viel später war dann auch Geld für einen Farbfernseher da. Die Spiele wirkten doch gleich viel besser und man dachte, man hat einen neuen Rechner. Durch Manni lernte ich auch viel über den C64: sei es die Eingabebefehle, als Ahnungsloser würde man überhaupt kein Spiel laden können:

LOAD "$",8
LOAD "*",8,1
OPEN 1,8,15,"N:Test,22":CLOSE1

oder das kleine BASIC-Einmaleins..

Manni hatte alle erdenklichen Programme und Games für den C64. Häufig wurden Gamesessions mit den Klassikern Winter-, Summer-, World- oder California-Games von Epyx vollzogen. Seine Bude war immer gut gefüllt.

Summer Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1984)
Summer Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1984)
Winter Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)
Winter Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)
World Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)
World Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1986)
California Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1987)
California Games für den Commodore 64. (Bild: Epyx, 1987)

Durch Manni lernte dessen Klassenkameraden Uwe „Grufti“ kennen. Er war im Besitz des „Real Thing“ – des legendären Commodore 64.

Der Commodore 64 wurde von 1982 bis 1994 gebaut und ist mit über 30 Millionen verkauften Einheiten der erfolgreichste Heimcomputer aller Zeiten. (Bild: Toddy S)
Der Commodore 64 wurde von 1982 bis 1994 gebaut und ist mit über 30 Millionen verkauften Einheiten der erfolgreichste Heimcomputer aller Zeiten. (Bild: Toddy S)

Den Commodore 64 kannte ich bis dato nur aus dem Quelle- oder dem OTTO-Katalog beziehungsweise vom Kaufhof. Es folgen einige Auszüge aus den damaligen Katalogen. Man achte auf die Preise… Und eine Warnung an die Jüngeren: es handelt sich natürlich um Angaben in DM (Deutsche Mark)!

Werbung für den Commodore 64 und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: OTTO GmbH & Co KG)
Werbung für den Commodore 64 und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: OTTO GmbH & Co KG)
Werbung für den Commodore 64 und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: OTTO GmbH & Co KG)
Werbung für den Commodore 64 und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: OTTO GmbH & Co KG)
Werbung für den Commodore 64 und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: OTTO GmbH & Co KG)
Werbung für den Commodore 64 und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: OTTO GmbH & Co KG)
Werbung für den C64 II, C128D und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)
Werbung für den C64 II, C128D und passendes Zubehör in einem OTTO-Katalog der 80er Jahre. (Bild: Christian Klein, www.thelegacy.de)

Es geht los… PRESS PLAY ON TAPE

Der Startbildschirm des C64. (Bild: Commodore)
Der Startbildschirm des C64. (Bild: Commodore)

„Grufti“ hatte ein eigenes großes Zimmer und nannte einen Fernseher mit einer 70er-Röhre sein Eigentum. Er schaltete also den C64 und Fernseher ein und zum ersten Mal sah ich den eigentlichen Startbildschirm – jetzt zur Abwechslung in Farbe.

Ich war etwas verwundert, als er eine normale Audiokassette nahm und diese in einen augenscheinlich handelsüblichen Kassettenrekorder steckte, auf dem „Commodore“ stand.

Ein Floppy-Laufwerk konnte ich nirgendwo sehen. Offensichtlich war dieser Rekorder mit dem C64 verbunden.

Die Datasette war ein kleines Bandlaufwerk von Commodore, auf dem der C64 seine Daten speichern konnte. Als Medien kamen handelsübliche Compact Cassetten zum Einsatz. (Bild: André Eymann)
Die Datasette war ein kleines Bandlaufwerk von Commodore, auf dem der C64 seine Daten speichern konnte. Als Medien kamen handelsübliche Compact Cassetten zum Einsatz. (Bild: André Eymann)
Mit dem C64 BASIC-Kommando LOAD wurde der Ladevorgang von der Datasette gestartet. Der C64 gab daraufhin die Meldung PRESS PLAY ON TAPE aus. (Bild: Commodore)
Mit dem C64 BASIC-Kommando LOAD wurde der Ladevorgang von der Datasette gestartet. Der C64 gab daraufhin die Meldung PRESS PLAY ON TAPE aus. (Bild: Commodore)

„Grufti“ tippte also etwas auf der Tastatur ein. Anschließend drückte er auf dem Rekorder die „Play“-Taste. Der Bildschirm wurde hellblau und das Laufband des Rekorders lief. Nach einer Weile (mir kam es für damalige Verhältnisse wirklich nicht lange vor) erschien dann das Spiel, dass mich auf dem C64 in seinen Bann zog.

International Karate von System 3/Epyx aus 1986. Die zwei Kämpfer stehen vor einem malerischen Hintergrund. Sie sind wunderbar animiert... (Bild: System 3/Epyx)
International Karate von System 3/Epyx aus 1986. Die zwei Kämpfer stehen vor einem malerischen Hintergrund. Sie sind wunderbar animiert… (Bild: System 3/Epyx)
...und der Hintergrund bietet eine gute Abwechslung mit einigen bekannten Schauplätzen. Etwas hinter den Kämpfern steht der Schiedsrichter der in kleinen Sprechblasen seine Kommentare abgibt. (Bild: System 3/Epyx)
…und der Hintergrund bietet eine gute Abwechslung mit einigen bekannten Schauplätzen. Etwas hinter den Kämpfern steht der Schiedsrichter der in kleinen Sprechblasen seine Kommentare abgibt. (Bild: System 3/Epyx)

Angetan hatte es mir vor allem die Grafik des Spiels von Archer Maclean und die passende Musik vom C64-Musik-Giganten der ersten Stunde: Rob Hubbard. Ok ok, manch einer von euch wird jetzt lachen… Pixelgrafik und Mono-Piep-Sound. Denkste… Damals in den 80ern war das eben das Non-Plus-Ultra. Der Sound meiner Jugend stammt vom C64. Ich wäre am liebsten gar nicht mehr nach Hause gefahren. Bis zur Abenddämmerung spielten wir noch diverse andere Games wie beispielsweise Beach Head oder Ghosts ‘n Goblins.

Durchgezockte Nächte

Durch Manni lernte ich dessen Kumpel „Cosowi“ kennen, der ebenfalls im Besitz eines eigenen C64 war. Letztendlich wohnten wir alle in unmittelbarer Nachbarschaft. Durch „Cosowi“ habe ich dann kurze Zeit später einen Faible für die Demoszene bekommen und interessierte mich für Grafiken/Sounds und sämtlichen Kram, die der C64er konnte.

Legendär sind auch die durchgezockten Nächte mit „Cosowi“ und Hans-Jürgen mit dem Spiel Kaiser auf dem C64.

Kaiser war eine der ersten Wirtschaftssimulationen. Das Spiel wurde 1984 von Creative Computer Design entwickelt und von Ariolasoft vertrieben. Der erfolgreiche Titel wurde ursprünglich für den Atari 400/800 programmiert und erst danach für den Commodore 64 portiert. (Bild: Creative Computer Design)
Kaiser war eine der ersten Wirtschaftssimulationen. Das Spiel wurde 1984 von Creative Computer Design entwickelt und von Ariolasoft vertrieben. Der erfolgreiche Titel wurde ursprünglich für den Atari 400/800 programmiert und erst danach für den Commodore 64 portiert. (Bild: Creative Computer Design)

Ebenso legendär waren die sehr langen Abende/Nächte ein wenig später auf dem Amiga mit Ports of Call und Defender of the Crown.

Bei Ports of Call handelt es sich um eine Handelssimulation. Das Spiel wurde von Rolf-Dieter Klein und Martin Ulrich entwickelt. Rolf-Dieter Klein wurde ebenfalls durch den NDR-Klein-Computer bekannt. (Bild: Aegis Interactive Software)
Bei Ports of Call handelt es sich um eine Handelssimulation. Das Spiel wurde von Rolf-Dieter Klein und Martin Ulrich entwickelt. Rolf-Dieter Klein wurde ebenfalls durch den NDR-Klein-Computer bekannt. (Bild: Aegis Interactive Software)

Irgendwann, es muss ebenfalls in 1987 gewesen sein, brannte dann mal der 64er von „Cosowi“ durch. Er gab ihn mir und ich ließ ihn für damalige wahnsinnige schlappe 170 DM (!) reparieren. Tja, woher nehmen und nicht stehlen? Aber das Geld – wenn es nicht gerade von den Eltern kam – verdiente man sich damals als „Paperboy“. Durch Manni vermittelt verteilte ich im Dorf das so genannte Wochenblatt und verdiente dadurch ca. 40 bis 50,- DM.

Das mit der Reparatur des C64 war auch so eine Geschichte, weil sie sich über zig Wochen streckte. Ich bin da also jedes Mal mit dem Fahrrad 6 km hingeradelt und habe nachgefragt… und immer kam der Satz: „Nein, noch nicht fertig“.

Ich habe schon gar nicht mehr mit der Fertigstellung gerechnet bzw. gedacht die haben keine Ahnung und halten mich hin. Aber damals meckerte man nicht, man drehte sich um und verließ den Laden. Und wieder 6 km zurück mit dem Fahrrad. Doch eines Tages und mehrere (!) Wochen später, als ich nicht im Traum mehr dran gedacht habe, war er dann endlich fertig. So kam ich zu meinem ersten eigenen 64er und hatte 164,- DM weniger auf der Bank. Wenn das kein gutes Omen war.

„Brotkasten“ oder lieber futuristisch?

Viele damalige und heutige C64-User schwören ja auf die alte „Brotkastenform“. Ich fand das flache Design irgendwie moderner und die Gehäusefarbe angenehmer. Letztendlich war für mich nur wichtig, dass der alte SID-Soundchip 6581 (engl. Sound Interface Device) drin war. Warum? Er konnte digitalisierte Musik/Samples besser wiedergeben!

Der Commodore 64 (ab 1982) in seiner ursprünglichen Form. Wegen des bauchigen Designs wurde dieses Modell liebevoll als Brotkasten bezeichnet. (Bild: André Eymann)
Der Commodore 64 (ab 1982) in seiner ursprünglichen Form. Wegen des bauchigen Designs wurde dieses Modell liebevoll als Brotkasten bezeichnet. (Bild: André Eymann)
Das Modell Commodore 64 C oder auch C64 II (ab 1986) hatte ein neues Gehäuse und eine kleinere Hauptplatine. Technisch ist der mit dem Original identisch. (Bild: Toddy S)
Das Modell Commodore 64 C oder auch C64 II (ab 1986) hatte ein neues Gehäuse und eine kleinere Hauptplatine. Technisch ist der mit dem Original identisch. (Bild: Toddy S)

Stolz wie Oskar fuhr ich also nach Hause, den „Cevie“ im Originalkarton festgeschnallt auf dem Gepäckträger. Daheim wurde alles schnell im Esszimmer angestöpselt.

Anfangs noch mit Datasette, welchen ich damals bei „Grufti“ als Kassettenrekorder bezeichnete und die auch aus dem Besitz von ihm stammte. Wer diese Computeranfänge mitgemacht hat und nicht viel Moos in der Tasche hatte, der musste einfach zur Datasette greifen. Die Programme wurden hier von einer handelüblichen Audiokassette geladen. Das konnte schon manchmal eine halbe Ewigkeit dauern. Aber dank V3-Turbooder Turbo-Tape 64 ging das auch schneller. Das erste Spiel, das ich damit in den Speicher des C64 lud war… Na? Röööchtiiiig!

Das Spiel The Last Ninja wurde 1987 von der britischen Softwareschmiede System 3 ins Leben gerufen. (Bild: System 3)
Das Spiel The Last Ninja wurde 1987 von der britischen Softwareschmiede System 3 ins Leben gerufen. (Bild: System 3)
Es handelt sich um ein Action-Adenture, in dem sich der Spieler durch insgesamt sechs Level kämpfen muss, mit dem Ziel den Endgegner Kunitoki zu vernichten. (Bild: System 3)
Es handelt sich um ein Action-Adenture, in dem sich der Spieler durch insgesamt sechs Level kämpfen muss, mit dem Ziel den Endgegner Kunitoki zu vernichten. (Bild: System 3)

Ok, nicht lachen: mit der Datasette war es mir nur möglich den 1. Level zu spielen. Ich konnte mir ja nur den ersten Level auf Kassette kopieren und nachladen war dann nicht, da es ja eine Diskettenversion des Spiels war. Ich fand es trotzdem großartig. Besonders den SID-Sound vom 1. Level.

Der SID-Sound meiner Jugend

Meine Eltern und meine Geschwister (ich habe fünf Brüder) hatten null Verständnis für den Brotkasten und konnten den ganzen Hype nicht nachvollziehen. Keiner interessierte sich für die Spiele, keiner wollte mal mitzocken. Unvorstellbar, aber so war es. Im Gegenteil, es hieß immer nur: „Mach das Gedudel aus“ wenn ich mal wieder den Titelsong von Skate or Die! (Digisound von Rob Hubbard) voll aufdrehte.

Skate or Die! wurde 1987 von Electronic Arts (heute nur noch als EA bekannt) veröffentlicht. Das Spiel kannte fünf Disziplinen und ähnelte vom Spielprinzip Summer Games von Epyx. (Bild: EA)
Skate or Die! wurde 1987 von Electronic Arts (heute nur noch als EA bekannt) veröffentlicht. Das Spiel kannte fünf Disziplinen und ähnelte vom Spielprinzip Summer Games von Epyx. (Bild: EA)

Der Sound meiner Jugend stammt nun einmal vom SID des C64, wofür mich heute auch viele auslachen würden. Für die Tonausgabe wurde der „Cevie“ mit einem alten Plattenspieler (als solcher defekt) verbunden, der als Verstärker fungierte. Die zwei Lautsprecher wurden über Kreuz an den Plattenspieler angeschlossen, so dass der Sound aus beiden Boxen kam.

Auf der Rückseite des Commodore 64 konnte ein Video/Audio-Kabel angeschlossen werden. (Bild: Toddy S)
Auf der Rückseite des Commodore 64 konnte ein Video/Audio-Kabel angeschlossen werden. (Bild: Toddy S)
Mit einem handelsüblichen Kabel, konnte der Klang des Commodore Heimcomputers an einen Verstärker weitergegeben werden. (Bild: Toddy S)
Mit einem handelsüblichen Kabel, konnte der Klang des Commodore Heimcomputers an einen Verstärker weitergegeben werden. (Bild: Toddy S)

Ich denke dabei immer wieder gern an den Titelsounds von beispielsweise Skate or Die!, Intro von Bad Cat oder Ricochet (Rob Hubbard as its best), die zum Leidwesen meiner Brüder, mehr als laut über die Anlage liefen. Das führte des öfteren dazu, dass einer von den undankbaren Brüdern die Sicherungen herausdrehte. Sie sahen keinen Sinn in einem Heimcomputer. Im übrigen bis heute nicht.

Die SIDs höre ich heute noch in voller Lautstärke, was bei meiner Frau für Kopfschütteln sorgt. Den SID-Sound mochte ich immer schon… Der lief schon damals nebenbei während man Hausaufgaben machte. Meine Idole diesbezüglich waren die Computerspiel-Musiker Rob Hubbard, David Whittaker, Ben Daglish und etwas später Jeroen Tel, Chris Huelsbeck oder JCH.

Die legendäre Datenschleuder „VC 1541“

Ein wenig später wurde dann die Disk-Floppy VC 1541 angeschafft. Leider kann ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie ich das finanziell auf die Reihe bekommen habe. Jedenfalls war es dieses Modell:

Das 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk VC 1541 kam 1982 in die Geschäfte und ermöglichte dem C64 Daten auf Disketten zu speichern. Die Ladezeiten wurden im Vergleich zur Datasette erheblich beschleunigt. (Bild: Toddy S)
Das 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk VC 1541 kam 1982 in die Geschäfte und ermöglichte dem C64 Daten auf Disketten zu speichern. Die Ladezeiten wurden im Vergleich zur Datasette erheblich beschleunigt. (Bild: Toddy S)

Die gute alte 1541 die ich (so glaube ich) aus 2. Hand erworben habe. Es war noch die alte Form, dessen Größe schon selber fast an einen Computer erinnert. An dem Öffnungsmechanismus konnte man sich schon mal die Finger einklemmen. Und klobig war das Teil… Später hatte ich dann noch ein Zweitlaufwerk, um Disketten einfacher und schneller kopieren zu können. Das war die 1541c. Dieses Modell hatte einen praktischen Hebel zum Verschließen und passte farblich gesehen besser zum Rechner.

Die zweite Generation der 1541 wurde erst 1986 eingeführt und hatte einen Knebelverschluss an der Vorderseite. Eine eingebaute Lichtschranke zur Spur-0-Erkennung schickte das charakteristische Rattern, das aufgrund des Zurückziehens des Schreib-/Lesekopfes bis zum Anschlag entstand, in den Ruhestand. (Bild: André Eymann)
Die zweite Generation der 1541 wurde erst 1986 eingeführt und hatte einen Knebelverschluss an der Vorderseite. Eine eingebaute Lichtschranke zur Spur-0-Erkennung schickte das charakteristische Rattern, das aufgrund des Zurückziehens des Schreib-/Lesekopfes bis zum Anschlag entstand, in den Ruhestand. (Bild: André Eymann)

Nach einiger Zeit hatte ich auch eine recht ansehnliche Sammlung von Programmen und Spielen, die der von Manni nicht im geringsten Nachstand. Das waren an die 300 Stück 5,25-Zoll-Disketten. Allerdings war Manni zu dieser Zeit schon Amiga 500-User.

Woher kam die Software?

Die verschiedenen Speichermedien für den Commodore 64. Die Diskette ließ sich mit geringem Aufwand auch doppelseitig bespielen. Der Speicherplatz lag dann bei 2 x 165 KB. Heute kaum noch vorstellbar. (Bild: Toddy S)
Die verschiedenen Speichermedien für den Commodore 64. Die Diskette ließ sich mit geringem Aufwand auch doppelseitig bespielen. Der Speicherplatz lag dann bei 2 x 165 KB. Heute kaum noch vorstellbar. (Bild: Toddy S)

Eigentlich sollte ich Mannis C64 Disketten „erben“. Jedoch aus vermutlich finanziellen Gründen verkaufte er diese zusammen mit seinem Commodore 128D. Schließlich musste er ja auch seinen neuen Amiga 500 finanzieren. Manni sei nicht sauer, ich hätte es genauso gemacht. War halt nur schade, da deine Gameliste so umfangreich war und wieder von vorne anfangen musste.

Damals verkaufte man das damals ganz legal in 2. Hand. Eine Anzeige sah dann ungefähr so aus: „Verkaufe C128D mit drei Diskettenboxen randvoll mit Spielen und Programmen, sowie diverser Joysticks.“ Durch „Cosowi“ wurde ich jedoch sehr gut mit neuem Stuff versorgt. Vor allen Dingen mit Demos. „Cosowi“ ist nach seiner Schulzeit gegen Ende der 80er nach Winnenden (Stuttgart) gezogen und hatte mittlerweile zusätzlich noch einen Amiga 500 in seinem Besitz. Es war natürlich was ganz Besonderes als ich erstmalig an einem Amiga 500 mit TV-Modulator bei „Cosowis“ Eltern am heimischen TV saß.

Das erste Spiel war Giganoid (ein Arkanoid-Klone), was mich natürlich nicht vom Hocker riss. Ok, man merkte schon, dass der Amiga soundtechnisch mehr auf dem Kasten hatte. Aber Barbarian, Ports of Call, IK+ hauten mich audiovisuell schon mehr vom Hocker.

Erstaunlicherweise hielt der Kontakt zu „Cosowi“ extrem lange und ich bekam regelmäßig „Stuff“ nach Hause geschickt oder wenn er zu Feiertagen mal wieder bei uns war. Ich erinnere mich noch an das Spiel The Last Ninja II, dass ich als erster in meiner damaligen Ortschaft besaß.

The Last Ninja II: Back With A Vengeance war ab 1988 erhältlich. Ab sofort gab es mehr Gegner als bisher. Unter den Widersachern befanden sich sogar Krokodile! (Bild: System 3)
The Last Ninja II: Back With A Vengeance war ab 1988 erhältlich. Ab sofort gab es mehr Gegner als bisher. Unter den Widersachern befanden sich sogar Krokodile! (Bild: System 3)

Das Spiel wurde am 19. Oktober 1988 gecrackt und ungefähr 14 Tage später hatte ich es schon. Das Ganze ohne Internet. Nur auf dem Postweg. Das war damals schon was. Ich wollte jetzt aber niemanden langweilen…

The Last Ninja II hatte es mir – wie auch der Vorgänger – sehr angetan. Damals musste man noch bei einem Spiel so weit zocken, wie man halt kam. Einen Spielstand konnte man bei sehr vielen Spielen nicht ohne weiteres einfach abspeichern. Entweder gab man irgendwann auf, schaltete den Computer aus und musste beim nächsten Mal von vorne anfangen; oder aber man ließ den Rechner über Nacht laufen und spielte am nächsten Tag dort weiter.

Das Netzteil des C64, welches bei mir unter dem Tisch stand, wurde ohnehin recht warm und diente mir oft als Fußwärmer.

Unten die jeweiligen Netzteile für den C64 und C64 II. Auf das linke Netzteil passte genau mein Fuß; von der Ergonomie wie ein Gaspedal. Ich besaß zwar den C64 II bzw. C, aber das keilförmige Netzteil von dem Brotkasten. Die erste Serie des 2. C64-Modells wurde noch mit dem Keil ausgeliefert. Der C64 G hatte den eckigen Klotz.

Das Netzteil mit dem abgeschrägten Gehäuse ist das bekannteste und wurde mit dem ersten Modell des Commodore 64 verkauft. (Bild: André Eymann)
Das Netzteil mit dem abgeschrägten Gehäuse ist das bekannteste und wurde mit dem ersten Modell des Commodore 64 verkauft. (Bild: André Eymann)
Dieses Netzteil hat eine eckigere Form und wurde später mit den Nachfolgemodellen C64 C und C64 G ausgeliefert. (Bild: Toddy S)
Dieses Netzteil hat eine eckigere Form und wurde später mit den Nachfolgemodellen C64 C und C64 G ausgeliefert. (Bild: Toddy S)

Ein (kurzer) Ausflug nach Assembler

Durch die Demoszene bekam ich selber Lust ein wenig in Assembler zu „programmieren“. So richtig fit wurde ich aber nie. Lag wahrscheinlich daran, dass ich damals der Einzige in meinem Ort war, der dafür Interesse zeigte. Mal abgesehen vom Ändern von Sprites, Grafiken und Scrollschriften machte ich nicht viel. Gut, meinen Klassenkameraden konnte ich damit teilweise imponieren. Bei dem Spiel California Games änderte ich beispielsweise via Smon (ein Maschinensprache-Editor) die Einblendschrift im Titelscreen.

Mit einem Maschinensprache-Editor konnte man den Quellcode der Programme laden und verändern, um zum Beispiel Textpassagen zu modifizieren. (Bild: Epyx)
Mit einem Maschinensprache-Editor konnte man den Quellcode der Programme laden und verändern, um zum Beispiel Textpassagen zu modifizieren. (Bild: Epyx)

Ja ja… ich war schon ein Held!

Aber zum eigentlichen Programmieren hat es nie so richtig gereicht. Mit anderen Worten: erste Versuche in Assembler scheiterten kläglich, außer dem Rumgehacke mit Smon. Apropos: wer erinnert sich noch an SYS 49152? Ich war ein Einäugiger unter den ganzen Noobs. Schade eigentlich. Man tauschte also weiter mit Schulkameraden auf dem Schulhof oder hatte plötzlich ein Päckchen mit einer PLK-Nummer (Anmerkung: so genannte PLK-Postfächer waren anonyme Postfächer. Gegen Vorlage einer Postlagerkarte konnte man auf diesem Weg Software anonym bei der Post abholen) als Absender im Briefkasten. Meine Eltern konnten damit nix anfangen und fragten auch nie nach. Es war schon eine abgefahrene Zeit damals.

Decathlon: „Keine Schmerzen, du kennst keine Schmerzen!“

Der Commodore 64, Copyparties bei Freunden am Wochenende mit Übernachtung, viele Chips, Flips, Salzstangen, fettige Pfoten von Erdnüssen, beschmierte Joysticks und Tastaturen. Es wurde kopiert und gezockt, als gäbe es kein Morgen.

Und was wohl alle Gamer von damals kennen: diverse Summer-/Winter-/World-Games Turniere. Und dann, beim 1500 Meter Lauf von Decathlon, als beiden Kontrahenten schon die Puste ausging und hier einfach nur noch pure Verzweiflung und Krampf das Geschehen ausmachte und man schon aufgeben wollte.

Dann lief im Hintergrund Hearts on Fire aus dem Rocky IV-Soundtrack und die anderen Mitspieler feuerten einem mit den Worten aus dem Film an: „Keine Schmerzen, du kennst keine Schmerzen, keine Schmerzen!“ und wenn man den anderen wieder einholte und siegte kam ein „du hast es geschafft, siehst du, hast du gesehen, er ist keine Maschine, er ist ein Mensch!“ Das einem danach der Arm vom vielen Rütteln fast abfiel war dann nebensächlich… Im Grunde genommen war es eine echt geile Zeit…

Meine C64-Kultgames

Um wirklich nur einige zu nennen, folgt eine unvollständige Übersicht. Die Liste wäre ansonsten unendlich lang. 

  • Die Epyx-Reihe (Winter-/Summer-/World-/California-Games): definitiv KULT!
  • The Last Ninja 1 und 2: für mich die besten nostalgischen Erinnerungen an die damalige Zeit.
  • International Karate und IK+: zwischendurch immer gern gezockt.
  • Maniac Mansion: optimal an Tagen, wo man krank daheim lag oder kein Bock auf Schule hatte.
  • Caveman Ugh-Lympics: ungewohnt, dennoch sehr lustig und eine sehr gute Steuerung.
  • Combat School: der Joystick-Killer nach Decathlon.
  • Ghosts’n Goblins: die ersten Zombies in einem Videospiel…
  • Kaiser: die ganze Nacht gezockt, um mal Kaiser zu werden. Ein Top BASIC-Spiel war das damals.
  • Vermeer: habe ich auch nur gezockt, wenn ich krank oder gelangweilt im Bett lag.
  • The Great Giana Sisters: da ich Super Mario Bros.so gut wie nie gespielt habe, ist The Great Giana Sistersfür mich KULT!
  • Bubble Bobble: man, ich war wohl oft krank… auch so ein „ich-bleib-im-Bett-liegen“-Spiel.
  • Blue Max: ein toller Shooter, was hat man da stundenlang dran gezockt.
  • Raid over Moscow: Krieg spielen im „Kalten Krieg“ und immer gegen die Russen!
  • Commando: war zwar nicht gegen die Russen, aber dennoch gut und hatte ein Sound, den man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
  • Apollo 18: komisch, irgendwie ein Spiel das mich fesselte, obwohl ich vom Boden nie abheben konnte. Aber eine geniale Sprachausgabe auf dem C64.

Informatikunterricht mit dem C64

Die Programme und Spiele für den C64 bekam man auf dem Schulhof oder per Post. Erinnert sich noch jemand an „stampcheating“? Jeder tauschte mit jedem, keiner zahlte etwas dafür. Nehmen und geben hieß die Devise, ohne über die Begriffe wie „Copyright“ oder „Raubkopie“ nachzudenken. Es war normal. Jeder tat es, also fühlte man sich echt auf der legalen Seite. Die Bedeutung der Wörter legal/illegal waren einem im wahrsten Sinne egal. Den Gedanken, etwas Kriminelles zu machen, hatte man nicht. Ich hatte damals kein einziges Originalspiel. Die, die welche hatten, wurden auch noch belächelt, weil sie ja nicht mal eine Trainerversion vom Spiel hatten.

In der 9. Klasse in 1987 kam dann als Wahlpflichtkurs Informatik auf den Stundenplan. Dort saßen dann eigentlich nur C64-User. Es gab 12 Tische die jeweils mit einem Rechner bestückt waren. Darunter acht C64er und vier VC 20. Wohl dem, der am C64 saß (war halt kultiger).

Allerdings steckte der Informatik-Unterricht noch in den Kinderschuhen. Der Lehrer wusste auch nicht wirklich, was er uns beibringen sollte. Die meisten Jungs (Mädels waren gar nicht anwesend) dachten wohl, dass hier auch gezockt wird.

Letztendlich brachte man uns BASIC bei:

FOR NEXT Schleifen
GOSUB / RETURN
DATA

Programme wie Das Streichholz-Zieh-Spiel oder der Vokabeltrainer. Schlecht fand ich das nicht. Jedoch baute unser Lehrer jedem auf Wunsch ein SPEEDDOS in seine Floppy. Im Selbstbau wurde mal eben aus einer Art Wäscheklammer der Userport-Reset gebastelt (das waren so die ersten Löt-Erfahrungen) und im Gegensatz zu vielen anderen brannte der C64 dabei bei mir nicht durch.

Ein Jahr später verschwanden die 64er und MS-DOS-Computer von Siemens wurden angeschafft. Auch hier wurde wieder BASIC gelehrt. In einer Ecke war noch ein C64 aufgebaut. An dem saß ich. Das Vokabeltrainer-Programm entstand ebenfalls auf dem C64. In den Pausen spielte ich dort des öfteren mal ein paar Demos ab oder – damals üblich – man schmökerte in einer Computerzeitschrift.

Heimcomputerzeitschriften und Listings

Die typischen Computerzeitschriften kaufte ich mir auch nicht. 6,50 DM fand ich schon recht happig. Ich lieh sie mir immer von Schulkameraden für mehrere Tage aus. In der ASM gefiel mir immer der Feedback-Teil der Leser.

Die Computerzeitschrift Power Play war eine der ersten Zeitschriften über Computerspiele in Deutschland. Das Magazin wurde von Heinrich Lenhardt und Boris Schneider geleitet. (Bild: Future Verlag)
Die Computerzeitschrift Power Play war eine der ersten Zeitschriften über Computerspiele in Deutschland. Das Magazin wurde von Heinrich Lenhardt und Boris Schneider geleitet. (Bild: Future Verlag)
Das Heft ASM (Aktueller Software Markt) gab es ab März 1986. Chefredakteur war Manfred Kleimann. (Bild: Tronic Verlag)
Das Heft ASM (Aktueller Software Markt) gab es ab März 1986. Chefredakteur war Manfred Kleimann. (Bild: Tronic Verlag)

Mit Listings aus den Computerzeitschriften der damaligen Zeit (ASM, Power Play oder 64er) hatte ich nicht viel mit am Hut. Ich lese im Internet sehr oft von Usern, die sich damals die Finger wundgetippt haben. Ich weiß nicht, ich habe es – so glaube ich – ein bis zweimal gemacht. Beim ersten Mal war ich vom Game enttäuscht (war halt nur in BASIC) und beim zweiten Mal startete das Spiel nicht. Die Fehlersuche dauerte ewig… so ließ ich es sein.

Dennoch zockte ich nicht nur gern an Heimcomputern. Meine Leidenschaft galt auch den Spielautomaten, die man immer wieder in einer Kneipe um die Ecke fand. Diese Leidenschaft, die sehr früh anfing, hält bis heute an.

Die meisten Arcade-Automaten der 80er basierten auf dem 8-Bit-System. Der C64 ist zwar ebenfalls ein 8-Bit Computer, jedoch grafisch (für mich) längst nicht so anspruchsvoll. Was nicht heißen soll, dass die C64-Games minderwertig sind. Ich spreche hier vom direkten Vergleich der Game-Konvertierungen.

Die Ära der Videospielautomaten: Wonder Boy und Co.

Die Firmennamen SEGA, KONAMI, NAMCO sollte jeder schon einmal gehört haben. Allerdings waren die Grafiken beim Automaten besser und saß halt auf einem Barhocker vor einem richtigem Cab. Angetan hatte es mir vor allem Wonder Boy. Zum Vergleich folgen unten die Screenshots der Automatenversion und der C64-Variante. Der Unterschied war für mich ein herber Schock. Die Fassung des Spielautomatens kannte ich zuerst.

Die Spielhallenversion von Wonder Boy von SEGA aus 1986. Abenteuer in Höhlen oder Waldlandschaften. (Bild: SEGA)
Die Spielhallenversion von Wonder Boy von SEGA aus 1986. Abenteuer in Höhlen oder Waldlandschaften. (Bild: SEGA)
Die C64-Version von Wonder Boy wurde von Activision umgesetzt und kann grafisch mit dem Original nicht mithalten. (Bild: Activision)
Die C64-Version von Wonder Boy wurde von Activision umgesetzt und kann grafisch mit dem Original nicht mithalten. (Bild: Activision)

Wenn man bedenkt, dass ich bei der Automatenversion bis Level/Area 8, Round 3 gekommen bin ohne auch nur bis dahin ein Leben zu verlieren, um dann an einer blöden Stelle alle 15 (!) gesammelten Leben zu verlieren. Dann hat mich dieses Spiel schon geprägt. Es fehlte nur noch eine Runde. Zu diesem Zeitpunkt hockte ich schon über eine Stunde an dem Automaten. Der Punktestand war bereits über 1.000.000 (eine Million) gestiegen und das letztendlich für nur 1,- DM. Das nenne ich mal Preis-Leistungsverhältnis.

Ich weiß jetzt gar nicht, ob mein damaliger Schulkamerad Torsten das Spiel durchgezockt hat. Der Automat erschien bei uns 1986 und ich habe oft dran gezockt und war fast schon süchtig. Später wurde er durch einen anderen Automaten ersetzt. Letztmalig habe ich die Automatenversion in einer Spielhalle im Hauptbahnhof Hannover gezockt. Das war 1990. Allerdings war ich da schon völlig aus der Übung und# die Game-Platine war auf „schwer“ eingestellt, so dass nach ein paar Runden (genau genommen in der zweiten Runde) schon das „Game Over“ erschien. Danach habe ich nie wieder einen Wonder Boy-Automaten gesehen. Keine Ahnung, wie viel Geld ich damals in das Spiel investierte, um es ohne Lebensverlust (fast ganz) durchzuspielen.

Ansonsten erinnere ich mich noch an folgende Arcade-Klassiker…

Mr. Do! (Universal/Taito, 1982)

Mr. Do! ist ein Videospiel der Firma Universal, das 1982 in den Spielhallen auftauchte. Bei uns so ca. 1984. Der gleichnamige Held dieses Spiels ist ein blauhaariger Clown. Ziel des Spieles ist es, Szene für Szene, alle Kirschen zu essen und seine Gegner mit einem Gummiball auszuschalten. Das Spiel erinnert ein bisschen an Dig Dug das im selben Jahr von Atari veröffentlicht wurde, ist aber grafisch und spielwitzmäßig ausgereifter. Dieser Automat stand bei uns gleich neben Wonder Boy. Hier fiel auch so manche Mark.

Mr. Do! (Bild: Universal/Taito, 1982)
Mr. Do! (Bild: Universal/Taito, 1982)

Do! Run Run (Universal/Taito, 1984)

Das war so um 1985. Für diesen Automaten musste man bei uns im Dorf schon etwas weiter fahren. Der stand in einer anderen Kneipe. Dieser Automat hatte oben links auf dem Gehäuse einen Ein-/Aus-Schalter. Wenn man diesen ständig Ein-/Aus schaltete, wurde das nach einer Weile mit einem Credit „belohnt“ und man konnte umsonst zocken. Ob das für den Automaten schädlich war? Keine Ahnung… uns Kids war das egal. Letztmalig habe ich diesen Automaten 1990 in der Diskothek UFO in Westrhauderfehn gesehen. Wo auch gleich ein paar Münzen fielen… 

Time Pilot (Konami, 1982)

Auf dem jährlichen Mai/Herbst-Kirmes stand das Teil immer in einem als Spielhalle umfunktionierten Bauwagen. Anstatt Autoscooter zu fahren oder Zuckerwatte zu kaufen, verzockte ich mein Taschengeld in diesem Bauwagen. Etwas später stand er auch in unserer Kneipe. Weichen musste „mein“ Wonder Boy-Automat.

Time Pilot. (Bild: Konami, 1982)
Time Pilot. (Bild: Konami, 1982)

Hyper Olympic/Track & Field (Konami, 1983)

Stand ebenfalls in diesem Bauwagen und wenig später auch bei uns in der Kneipe. Mit diesem Automaten konnten sich sogar meine älteren Brüder anfreunden. Dank 4-Player-Modus und „Wer ist der Beste“-Sucht-Faktor war Fun ohne Ende angesagt. Zuerst wurde noch versucht die Sprinttasten einzeln zu drücken, um Geschwindigkeit aufzubauen. Später wurde ein Schweißband oder ein Pulloverärmel um die Faust gewickelt und dann wurde über die Tasten gerubbelt. Ein zweiter Mitspieler übernahm dann die Absprungtaste. Das war immer verdammt eng an diesem Automaten, wenn vier Personen sich an den Tasten zu schaffen machten. 

1984 kam dann der Nachfolger Hyper Sports. Eigentlich das Gleiche wie Hyper Olympic nur dass mal andere Events vorhanden waren. Dieser Automat stand ein Jahr später bei uns in der Kneipe.

Hyper Olympic/Track & Field. (Bild: Konami, 1983)
Hyper Olympic/Track & Field. (Bild: Konami, 1983)

Phoenix (Centuri, 1980)

Ein Evergreen! Irgendwann konnte ich sogar pfeifen (obwohl es eher ein flöten ist) und zwar so, wie der Sound vom Schutzschild. War einer meiner ersten Shooter. Fand ich sogar besser als Galaga.

Phoenix. (Bild: Centuri, 1980)
Phoenix. (Bild: Centuri, 1980)

Pooyan (Konami, 1982)

Habe damals Pooyan mit so manchem Taschengeld gefüttert. Umso erfreut war ich, als es eine Version für den C64 erschien. Leider ist, ähnlich wie bei der C64-Umsetzung von Wonder Boy, nicht viel vom Flair des Arcadegame übrig geblieben. Und es erinnerte mich immer an Schweinchen Dick.

Moon Patrol (Irem, 1982)

In den 80ern war es ja noch erlaubt, das Jugendliche an Spielautomaten zocken durften. Jedenfalls gab es auf unserem Rummel immer diesen Bauwagen, in dem 6-8 Spielautomaten standen. Darunter Phoenix, Moon Patrol und irgendeinen Fussballsimulator. Ich habe diese Kisten geliebt und ordentlich Geld reingesteckt. Moon Patrol war schon ein geiler Shooter. Allein schon die Musik dödödiddededeleded – Grandios! Aber beim Mienenfeld war regelmäßig Schluss. Nur zu zweit haben wir es mal durchgespielt. Mittlerweile gibt es ja unzählige Klone.

Moon Patrol. (Bild: Irem, 1982)
Moon Patrol. (Bild: Irem, 1982)

Karate Champ (Technos Japan Corporation/Data East, 1984)

Die Video-Prügelei Karate Champ war mein erster Kontakt mit einem Beat ’em up Arcade-Automaten. Das Spiel kommt zwar nicht an die Güte von The Way of the Exploding Fist oder IK+ heran, allerdings muss man sagen, dass Karate Champ so etwas wie der Wegbereiter für die beiden anderen Spiele war, denn es erschien ein paar Jahre vorher und etwas älteres in Sachen Beat ’em up kenne ich nicht.

Ach ja: dieser Automat kommt auch in dem Kinofilm Bloodsport vor. Frank Dux (Jean-Claude Van Damme) und Ray Jackson (Donald Gibb) zocken daran in der Hotellobby.

Karate Champ. (Bild: Technos Japan Corporation/Data East, 1984)
Karate Champ. (Bild: Technos Japan Corporation/Data East, 1984)
Karate Champ. (Bild: Cannon Films)
Karate Champ. (Bild: Cannon Films)

Amiga 500 – The next level!

Irgendwann legte sich einer nach dem anderen einen Amiga 500 zu. Ich „erbte“ mal wieder den ausrangierten Amiga 500 von „Cosowi“. Das war glaube ich so um 1989/1990.

Um den Amiga finanzieren zu können, musste ich meinen C64 verkaufen, was ich aufgrund der Vielzahl der Disketten und vielen Demos sehr bereut habe. Der Erlös deckte zwar die Finanzierung des Amiga, aber der fade Beigeschmack blieb. Zumal der Amiga nur am TV via eines Modulators betrieben wurde.

Der Amiga 500 kam 1987 auf den Markt und kostete damals 1.098 DM. Die 32-Bit-Architektur des Amiga war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung herausragend. (Bild: Toddy S)
Der Amiga 500 kam 1987 auf den Markt und kostete damals 1.098 DM. Die 32-Bit-Architektur des Amiga war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung herausragend. (Bild: Toddy S)
Der Amiga 500 Video-Adapter A520 (Bild: Toddy S)
Der Amiga 500 Video-Adapter A520 (Bild: Toddy S)

Mit dem A520 Video-Adapter von Commodore kann man den Amiga 500 an ein TV-Gerät oder einen Videomonitor anschließen. Diese Zusatzhardware wandelt das Videosignal des Amiga (RGB) in ein HF-Videosignal um, das vom Fernseher oder Monitor interpretiert werden kann. Zum Lieferumfang gehörten ein TV-Anschlußkabel, sowie ein Y-Audiokabel. Der Adapter wurde zusammen mit dem Amiga 500 ausgeliefert und musste nicht gesondert gekauft werden.

Auch hier war „Cosowi“ mein bester Game- und Demo-Swapper. Die Spiele wurden grafisch besser und auch ein wenig schneller. Jedoch war das „Programmieren“ für mich beendet. Mit der Amiga Workbench und Co. setzte ich mich nicht mehr auseinander. Eigentlich habe ich den Amiga nur zum Spielen und Demos anschauen genutzt. Ab und zu versuchte ich mal via Soundtracker ein paar Musikstücke zu komponieren. War schon lustig mit den Samples rumzubasteln. Ansonsten war man auch hier wieder Jäger und Sammler. Ich besaß zwar sehr viele Games, aber ich vermisste schon den 64er.

1991 zog ich beruflich nach Berlin. Ich legte mir wieder einen C64 zu und blieb diesem bis 1995 treu. Danach fristete er sein Leben, bis auf ein paar Revivals, im Keller. Den Amiga hatte ich noch in meinem Wohnzimmer aufgebaut. Bis 1997 nutze ich ihn als bessere Schreibmaschine und spielte mal ein paar Games drauf.

Meine „Best of Amiga“-Liste

Obwohl mir eigentlich spontan kein Amigaspiel einfällt, dass bei mir einen Kultstatus hat. Allerdings, wenn ich so richtig drüber nachdenke… 

  • Lemmings: alle Teile hatten waren gut; mal was anderes und kultig.
  • Ports of Call: nette Simulation, die Stunden gingen dahin und ich lernte den Geschmack von Kaffee kennen.
  • Winter Games: perfekte C64-Umsetzung.
  • World Games: war auch noch eine gute C64-Umsetzung.
  • Shadow of the Beast: super Grafik, geiler Sound. Es gab zwar keinen Sinn im Spiel, but who cares.
  • Another World: Spitzenaufmachung (Intro), geile Ingame-Grafik, hat mir sehr gefallen.
  • Flashback: der Nachfolger von Another World. Noch bessere Grafik!
  • Monkey Island 1 und 2: muss man dazu noch was sagen? Absolut KULTIG!
  • Desert Strike: großartiger Shooter, schöne Missionen, nette Sprachausgaben.
  • Persian Gulf Inferno: war ungefähr wie Impossible Missionauf dem C64.
  • Zak McKracken.
  • Indiana Jones-Reihe.
  • Turrican 1 bis 3.
  • Blood Money.
  • R-Type.
  • Xenon 2.
  • Battle Squadron.
  • Silkworm.

Das Schöne an Berlin waren die großen Spielotheken. Wie beispielsweise am Ku’damm-Eck. Dort gab es sogar zwei eine im Keller und eine im 2. OG.

Aber im Rahmen der Berlin-Sanierung und Modernisierung gibt es diese Kultstätten schon lange nicht mehr. Heute gibt es noch eine große Spielothek am Adenauer-Platz. Allerdings gibt es dort mehr Geldspielgeräte als Arcade-Geräte. Schade, aber der Markt will es wohl so. Jedenfalls bekam ich dann zu dieser Zeit auch einen Faible für Flipperautomaten, Rollergames, Terminator 2, Fun House, Earthshaker, Whirlwind, Jurassic Park, Black Knight, um nur einige zu nennen. Auch hier war es natürlich wieder die Sprachausgabe der Geräte, die mich in ihren Bann zog. Von der Atmosphäre einmal ganz zu schweigen.

Komischerweise musste ich irgendwann feststellen, dass ich insgesamt zwei Amiga plus Drucker und zwei 64er plus Drucker besaß. Keine Ahnung, wie die dazu gekommen sind. Wahrscheinlich verliert man irgendwann doch den Überblick. Einen Amiga verkaufte ich noch mal an „Grufti“, den Rest behielt ich. Gegen Ende 1997 brachte ich meine beiden Computer zu meinen Eltern, wo sie bis heute zur Erheiterung meiner Neffen beitragen.

Die Commodore-Giganten auf einen Blick. Links der C64 und rechts davon der Amiga 500. (Bild: Toddy S)
Die Commodore-Giganten auf einen Blick. Links der C64 und rechts davon der Amiga 500. (Bild: Toddy S)

Die Disketten laufen nach fast 20 Jahren immer noch auf beiden Systemen einwandfrei. Erstaunlich, wie ich finde. Meine Generation hätte sich damals ein Loch in den Bauch gefreut, diese beiden „Giganten“ parallel zu betreiben. Aber nun, wir leben halt im PC und Konsolenzeitalter.

Konsolen 2.0 und die PC-Ära

Wo wir gerade von Konsolen sprechen. Mitte 1997 legte ich mir eine PlayStation zu. Und damit meine ich das erste Modell, dass erstmals 1995 in Europa verkauft wurde. Übrigens war die PlayStation meine erste gekaufte Konsole. Ein Kollege hatte mal seine Konsole zur Arbeit mitgebracht. Nur mit der Demo-CD. Als ich die Demo von Tekken 2 und Tomb Raider sah, war es um mich geschehen… Diese Konsole musste ich auch haben. Ich habe 449.- DM bezahlt. Ohne ein zusätzliches Spiel.

Die Herstellung der PlayStation von SONY wurde erst 2006 eingestellt. Insgesamt wurde die Konsole zwölf Jahre produziert und es wurden ca. 100 Millionen Geräte von diesem Modell verkauft. (Bild: Toddy S)
Die Herstellung der PlayStation von SONY wurde erst 2006 eingestellt. Insgesamt wurde die Konsole zwölf Jahre produziert und es wurden ca. 100 Millionen Geräte von diesem Modell verkauft. (Bild: Toddy S)

Das war ebenfalls eine schöne Zeit. Rückblickend sind folgende Spiele für mich die Klassiker:

  • Tomb Raider II: im Durchspielduell mit André.
  • Tekken 2 und 3.
  • Abe’s Oddysee Exodus.
  • Resident Evil 1 und 2.
  • V-Ralley: auf Hi-Score Jagd mit André und Piwi.
  • Worms.
  • FIFA-Serie.

Diese Ära hielt jedoch nur 2 1/2 Jahre. Richtig, bis zur Anschaffung meines ersten PC.

Von da an beschäftigte ich mit dem Kasten und dem Medium Internet. So richtig gezockt habe ich aber nie auf dem PC. Eines meiner ersten Multiplayer-Spiele war Duke Nukem 3D, aber das ist ne ganz andere Geschichte. Ab und zu zockten wir im Kollegenkreis Medal of Honor im Online-Multiplayer, aber das war’s dann auch schon.

Obwohl ich erinnere mich noch an meinen ersten PC von 1998. Es war ein AMD 350, mit wahnsinniger 8GB Festplatte und 64 MB RAM. Bis dato diente noch der Amiga 500 (mittlerweile mit Monitor) als elektronische Schreibmaschine. Und wenn es mich wieder einmal jährlich packte, dann spielte ich Monkey Island 2 durch. Was für ein Ritual. War auch eine schöne Zeit, aber das hat ja nichts mit den Anfängen des Zockens zu tun.

Irgendwann saugte ich mal diverse Emulatoren des C64, Amiga und MAME (Arcade Emulator) und zocke seitdem, sofern ich die Zeit habe, damalige Arcade-Klassiker (darunter auch Wonder Boy, Time Pilot, Moon Patrol, Mr. Do!, Do! Run Run) und schwelge in nostalgischen Erinnerungen.

Die „Neuzeit“ kommt

Seit 2005 bin ich im Besitz einer gemoddeten Xbox mit einer 200 GB-Festplatte, die ich als Allround-Konsole nutze. Auf ihr sind alle gängigen Emulatoren (vom Gameboy über MAME bis zum N64) installiert. Die Games laufen auch alle.

Sicher, beim C64 oder Amiga 500 ist das nicht „the real thing“ aber irgendwie ist es pure Nostalgie den Startscreen des C64 wieder auf dem Fernseher zu sehen. Jedoch spiele ich ab und zu mal die zuvor genannten Arcade-Games. Alles via Xbox-Pad. Irgendwie ist das schon Fun, aber auch hier nicht wie im Original.

Konsolen der 5. und 6. Generation: Microsoft Xbox, SONY PlayStation und PlayStation 2. Hier wird noch auf richtigen Röhrenfernsehern gezockt. (Bild: Toddy S)
Konsolen der 5. und 6. Generation: Microsoft Xbox, SONY PlayStation und PlayStation 2. Hier wird noch auf richtigen Röhrenfernsehern gezockt. (Bild: Toddy S)

Ich besitze zwar auch diverse Xbox-Spiele, aber wenn ehrlich bin, habe ich noch kein Spiel durchgezockt. Oftmals ging es über ein Anspielen nicht hinaus. Ok, die Grafik ist schon fein, aber irgendwie fehlt mir immer etwas und wenn es nur das Gameplay ist. Es ist schwer zu beschreiben. Ich weiß nicht, ob das jemand nachvollziehen kann.

Leider habe ich keinen Menschen im Freundes- oder Bekanntenkreis der auch nur annähernd dafür Begeisterung zeigt. Eigentlich sehr schade, denn ich würde gerne mal so einen Revival-Retro-Abend veranstalten. Erstaunlich können sich die wenigsten meiner Freunde an die damaligen Spiele erinnern, während ich noch die Programmierer, Hersteller, Sounddesigner mit Namen zu fast jedem Spiel benennen kann. Zum anderen kann ich die Spielmusik pfeifen. Ob das nicht einmal eine Wette für Wetten, dass… ? wäre?

Bin ich der Letzte meiner Art?

Tja, das zu meinem Zocker-Lebenslauf beziehungsweise meine Computeranfänge und Zocker-Ära. Rückblickend war die C64-Zeit die wohl schönste Zeit. Jeder im Freundeskreis hatte einen. Alle hatten die gleiche Hardware und alles war kompatibel. Der einzige Unterschied war immer der Fernseher. Ich fing ja noch mit einem 37er-Bildschirm in Schwarz-Weiß an. Andere zockten auf einem 70er-Bildschirm. Wieder andere hatten einen Monitor. In der Schule wurde wie wahnsinnig geswapped und kopiert (im Informatikkurs), den Paukern gab man ebenfalls die Games und Programme. Die Arcade-Zeit der 80er möchte ich jedoch auch nicht missen.

Die kleine C64-Daddelecke auf dem Dachboden. Idealer Rückzugsort für eine kleine Partie R-Type. (Bild: Toddy S)
Die kleine C64-Daddelecke auf dem Dachboden. Idealer Rückzugsort für eine kleine Partie R-Type. (Bild: Toddy S)

Die Amiga-Zeit hatte auch was. Aber die meisten Erinnerungen habe ich an den C64 oder Arkaden (was das Zocken in den 80ern betrifft). Beim Amiga 500 gab es dann schon wieder Hardware-Unterschiede. Die einen hatten eine eingebaute Festplatte (20 MB) und spielten ihre Spiele wie Monkey Island 2 von der Festplatte. So ersparte man sich den lästigen Diskettenwechsel beim Spielen. Oder hatte mehr oder weniger Arbeitsspeicher (RAM). Von Hause aus hatte der Amiga 500 ja nur 512 KB RAM. Folglich musste eine Erweiterung auf 1 MB her. Wenn ich bedenke, wie groß diese Hardwareerweiterung in meinem Fall war…

Nur ist es halt schade, dass man Gleichgesinnte oftmals nur im Netz findet. Leute, die dieselbe Zeit wie ich erlebt haben, mit denen man über die selbe Sache reden, lachen und fachsimpeln kann. Selbst mit Freunden, die die damalige Dorfkneipe ebenfalls ihr zweites Zuhause nannten, ist heute nix mehr los. Sie scheinen alles vergessen oder verdrängt zu haben. Oder aber, sie sind halt einfach nicht so nostalgisch veranlagt. Stattdessen muss es, wenn überhaupt, immer der aktuellste PC Ego-Shooter sein.

Man muss bedenken zu welcher Computer-Zeit ich mit den genannten Spielen aufgewachsen bin. Meine Generation hatte das Glück die Anfänge der Videospiele mitzuerleben. Wir haben die Spiele mit ganz anderen Augen gesehen. Den Satz „ganz schön pixelig“ gab es bei uns nicht. Seinerzeit wurde das Maximum aus der Hardware wie dem VCS, C64 oder dem Amiga herrausgekitzelt. Heutzutage gibt es irgendwie kein Ende. Man muss ständig Grafikkarte, Prozessor usw. updaten.

Hinzu kommt, dass die C64-Ära (und die 8-Bitter im Allgemeinen) lange anhielt. Keiner musste aufrüsten. Erst 1987/1988 wechselten die meisten Spieler ins Lager der 16-Bitter und kauften sich einen Amiga oder Atari ST. Durch die politische Wende in 1989 erlebte der C64 – wohl auch durch den Osten – noch einmal einen Boom. Die Zeit von 1985-1989 kommt mir gefühlt richtig lange vor. Es sind so viele Erinnerungen, obwohl es eigentlich nur fünf Jahre sind.

Sicherlich frage ich mich nach über 20 Jahren, wie man dieses und jenes Spiel nur spielen konnte und abgöttisch geliebt hat. Bei einigen genannten Games sind es halt die persönlichen Dinge, pure Nostalgie halt. Erinnerungen, die mir keiner nehmen kann. Und wenn es nur die Tatsache ist, dass man sich an den Arcadeautomaten täglich in der Highscoreliste verewigte, um anderen zu signalisieren: „Ahh… der Toddy war schon hier und steht schon auf Platz 1.“ Ich will nicht sagen, dass man sich damit Respekt verschaffte, aber eine Form von Anerkennung war damals das Highscore-Ranking auf jeden Fall.

Und viele Spiele hatten einfach so etwas wie eine Seele. Man spielte mit mehreren Leuten und zwar nicht in einem lokalen Netzwerk oder über das Internet. Es wurde ein C64 oder Amiga aufgebaut und man daddelte an einer Hardware gegeneinander. Besonders bei den genannten Sportspielen war das Wettkampf pur. Alle hatten die gleichen Bedingungen, obwohl es auch Freaks gab, die ihre eigenen Joysticks mitbrachten. Bei mir musste es ja immer der Competition Pro sein.

Der Retro-Power-Tower: Amiga 500, C128D und C64. Für Zwischendurch liegen Rubiks Cube und MAD-Magazin bereit. (Bild: Toddy S)
Der Retro-Power-Tower: Amiga 500, C128D und C64. Für Zwischendurch liegen Rubiks Cube und MAD-Magazin bereit. (Bild: Toddy S)
Mein eigenes Arcade-Cabinet, Wumpus, siehe homecomputermuseum-xanten.de, sei Dank. (Bild: Toddy S)
Mein eigenes Arcade-Cabinet, Wumpus, siehe homecomputermuseum-xanten.de, sei Dank. (Bild: Toddy S)

Meine Kids (7 und 10) bekamen 2007 einen Gameboy und spielten oft das Namco-Museum (enthält die Spiele Galaga, Galaxian, Dig Dug, Pac Man) welches ich ihnen geschenkt habe.

Dann kam mein Cab und ich konnte mit ihnen am Cab eine Zeitreise in die 80er unternehmen. Da konnte ich ihnen noch etwas beibringen und ihnen erzählen, dass ich das auch schon als kleiner Junge gespielt habe und wie ich einen Haufen Taschengeld investierte. Dann staunen sie und versuchen meinen Highscore zu brechen. Da wird einem schon warm ums Herz.

Back to the 80s

Ich weiß es nicht, ist manchmal ein komisches Gefühl, der eigenen Frau, den Freunden und Bekannten oder den Kollegen nicht vermitteln zu können, was man damals alles erlebt hat.

Sie nehmen es zwar zur Kenntnis aber verstanden haben Sie es nie. Es ist komisch, als hätten Sie damals in den 80ern in einem Parallel-Universum gelebt. Oder war ich derjenige? Oftmals denke ich, die halten mich für verrückt. Dabei habe ich jetzt nicht einmal zig Sammlerstücke zu Hause herumliegen. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr wünsche ich mir, dass Doc Emmet Brown mit dem De Lorean um die Ecke kommt und mich mitnimmt – „Back to the 80s“.

Im Anhang und letzten Teil des Artikels findet ihr verschiedene Screenshots und Bilder vom legendären Commodore 64.

Impressionen vom Commodore 64

Hier sind zum Abschluss des Artikels noch ein paar Bilder aus vergangen Tagen von Spielen, die mir spontan eingefallen sind. Man achte auf die Grafik, gerade bei Film-Umsetzungen. Bei allen Abbildungen handelt es sich um C64-Grafiken.

Herzlichen Dank an René Achter von 3DPeek für das Aufmacherbild zum Beitrag!


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